10 Fragen an …. Micaela Jary

Am 10. August erschien mit „Wie ein fernes Lied“ der neue, von den zahlreichen Fans schon sehnsüchtig erwartete, Roman von Micaela Jary. Dies war für mich Anlass genug, bei der sympatischen Autorin um ein Interview anzufragen. Und ich hatte Glück – sie war so lieb und beantwortete meine 10 neugierigen Fragen.

Katja: Vielen Dank, das sie sich die Zeit nehmen und sich meinen neugierigen Fragen stellen. Am Besten ist, wir steigen gleich voll ein.

In ihrem Buch „Das Haus am Alsterufer“ ist die Teestunde mit der Großmutter sehr wichtig und wird immer wieder anschaulich beschrieben. Gibt es in ihrem Hause auch solche „Zeremonien“ bzw. Rituale, die gern gepflegt werden?

Micaela: Eine richtige englische Teestunde in meinen Alltag einzubauen, war immer mein Traum. Als junge Reporterin war ich einmal bei einer Familie zum Interview zu Gast, wo es am Nachmittag mit den kleinen Töchtern eine traditionelle Teestunde mit Sandwiches und Kuchen gab und wunderschöne klassische Musik von einer Schallplatte erklang. Leider habe ich das nicht ganz so hingekriegt. Natürlich habe ich immer wieder versucht, ein wenig Ruhe in meinen Tagesablauf zu bringen, aber das klappte und klappt leider nur gelegentlich.

Katja: Wie man immer wieder verfolgen kann, lenken sie sich von Stress, Ärger oder auch kleineren „Schreibblockaden“ mit Kochen und Backen ab. Wann haben Sie angefangen zu kochen? Bereits als Kind? Oder kam diese Leidenschaft erst später?

Micaela: Als Studentin musste ich mich ja zwangsläufig alleine verpflegen, und da ich schon immer gerne gut aß, fand ich die Mensa nicht so prickelnd. Also kochte ich, worauf ich Appetit hatte. Dabei begleitete mich meist meine Großmutter durch die Fallen in der Küche – am Telefon. Meine Oma in Hamburg und ich in München waren ein unschlagbares Team, der fernmündliche Kochkurs funktionierte perfekt – und nachhaltig.

Katja: Verraten Sie uns ihr Lieblingsrezept? Was kommt bei ihnen immer wieder gern auf den Tisch? Sind sie eher für die gute alte Hausmannskost zu haben oder probieren Sie gern etwas Neues aus?

Micaela: Mein Mann liebt Hausmannskost, deshalb kommen Rouladen und auch mal ein Braten häufiger auf den Tisch als in der Zeit, als ich noch alleinerziehende Mutter war. Außerdem liebt er Suppen, die ich eigentlich nur für ihn koche (ich bin ein absoluter Suppenkasper). Ansonsten ist mein Risotto sehr gut. Ich liebe die italienische Küche, esse sehr gerne gebratenes Gemüse, Fisch und vor allem Nudeln in allen Variationen.

Katja: Sie sind ja ein regelrechter Weltenbummler. In Hamburg geboren und aufgewachsen, haben sie in Paris gelebt und pendeln jetzt zwischen Berlin und München hin und her. Wo ist man da zu Hause? Da, wo man gerade ist? Wo die Familie ist? Was bedeutet Heimat überhaupt für sie?

Micaela: Früher war ich da zu Hause, wo meine Möbel standen. Heute bin ich in Berlin zu Hause. Hier bin ich angekommen. Das hängt wahrscheinlich mit der kulturellen Nähe zur schlesischen Heimat meiner Eltern zusammen, vielleicht auch damit, dass mein Vater sehr lange in Berlin gewohnt hat. Die Sprache dieser Stadt ist einfach meine.

Katja: Haben Sie ein Lebensmotto? Oder ein Zitat, Spruch oder Weisheit, das sie begleitet?

Micaela: Ich habe eine gewisse Affinität zu dem Facebook-Spruch „Während du Pläne machst, fällt das Schicksal vor lachen vom Stuhl“ entwickelt. Mein Leben hat mich nämlich genau das gelehrt. Das bedeutet im Umkehrschluss nun nicht, dass ich in den Tag hinein lebe und auf die Erfüllung meines Karmas warte. Dafür bin ich viel zu hippelig. Man muss auch schon etwas tun, um weiterzukommen. Ich versuche es dabei mit dem britischen Schriftsteller William Somerset Maugham zu halten, den ich sehr gerne lese, und der einmal sagte: „Ein bisschen gesunder Menschenverstand, Toleranz und Humor – wie behaglich ließe es sich damit leben!“ Und dann habe ich gelernt, dass an dem indischen Sprichwort viel Wahres ist: „Der Weise sitzt am Ufer des Ganges und wartet, dass die Leichen seiner Feinde vorbei treiben.“ Leider fehlt mir dafür nur manchmal die Geduld.

Katja: Wie bereitet man sich auf einen „Schreibtag“ vor? Gibt es bestimmt Rituale, die vor  dem Schreiben sein müssen? Müssen sie in einer besonderen Stimmung sein?

Micaela: Ich wünschte, das wäre alles so romantisch. Da praktisch jeder Tag für mich ein Schreibtag ist, bleibt wenig Zeit für Vorbereitungen und Stimmungen. Aber es gibt so ein paar Dinge, die wichtig sind: Ich fange morgens nach der ersten Runde mit meinem Hund an, aber dann brauche ich mindestens einen Liter schwarzen Tee, und ich esse sehr gerne Süßes beim Schreiben. Für bestimmte Szenen hilft es, entsprechende Musik zu hören; also Lieder, die von der Zeit und dem Hintergrund dazu passen. Außerdem brauche ich einen Internetzugang. Zur Recherche lese ich zwar viele antiquarische Bücher als Basislektüre, aber ich lasse mich immer mal wieder von Gemälden oder alten Fotografien inspirieren. Etwa bei der Beschreibung von Gebäuden und der jeweiligen Mode ist mir das Internet eine große Hilfe.

Katja: Geben sie ihren Lesern, geben sie uns einen Einblick in ihr Arbeitszimmer? Wie schaut ihr Schreibtisch aus? Wo schreiben sie?

Micaela: Jeder, der in mein Arbeitszimmer kommt, wird wahrscheinlich ausrufen: „Oh, was für eine Unordnung!“ Aber ich weiß fast immer ganz genau, wo welches Buch liegt. Nur bei den Zettelbergen mit Notizen muss ich manchmal suchen. Das heisst: Ich habe einen relativ großen Schreibtisch mit Computer, Monitor usw., auf dem Bücher- und Papierstapel liegen. Und da der Platz für meine Basisliteratur trotz der Größe meist nicht reicht, türmen sich auch noch am Boden die Stapel. Natürlich würde ich gerne wie einst Hemingway in einem Café sitzen und in mein Notizbuch, auf einem Laptop oder ein iPad schreiben, aber das lässt sich mit meiner Art zu arbeiten leider nicht vereinbaren.

Katja: Ist Schreiben, gerade bei Romanen mit historischem Hintergrund, Perfektion? Oder kann man da auch mal „alle fünfe grade sein lassen“?

Micaela: Schreiben ist wie geistig Steine schleppen. Gerade in einem historischen Roman steckt unendlich viel Arbeit. Manchmal muss ich schlucken, wenn ich etwa bei Facebook sehe, wie sich LeserInnen mit der Anzahl der Romane zu überbieten versuchen, die sie an einem Tag/in einer Woche/in einem Monat lesen. Ich bin schon ein ziemlicher Schnellschreiber, aber in der Zeit, in der manche LeserIn ein Buch verschlingt, schreibe ich mit Glück gerade mal ein Kapitel. Nicht, dass die Leute nicht mehr so viel lesen sollen, wie sie wollen – um Himmels willen! Es ist ja wunderbar, dass sie so viel lesen möchten. Ich versuche den Aufwand hier nur in Relation zu setzen. Und in welchem anspruchsvollen Job ist „alle fünfe gerade sein lassen“ denn bitte möglich?

Katja: Wie behalten sie bei der Vielzahl der Protagonisten in ihren Büchern die Übersicht? Gibt es da einen Trick? Legen sie Dateien, Stammbäume für jede eigene Figur an.

Micaela: Klar lege ich Dateien an. Das ist eine der ersten Aufgaben beim Konzipieren eines Romans – die Biografie der Protagonisten anzufertigen. Es gibt diese wunderbaren Ratgeber des kalifornischen Uni-Dozenten für kreatives Schreiben James N. Frey, der genau dazu rät. Und es stimmt, die Vita eines jeden Helden treibt die Handlung erst richtig voran.

Katja: Ist es für einen Autoren sehr wichtig, direkt mit dem Leser in  Kontakt zu kommen – sei es auf Lesungen, Büchermessen oder über die viel gepriesenen Social Media-Plattformen?

Micaela: Ja. Ich liebe das. Es gibt Autoren, die diesen Kontakt weniger schätzen, ein bekanntes Beispiel ist Patrick Süskind („Das Parfüm“), von dem es nicht einmal ein aktuelles Foto gibt. Ich bin da anders. Vor einem Menschen, der knapp zehn Euro ausgibt, um einen Roman von mir zu kaufen, habe ich einen gewissen Respekt. Schließlich schreibe ich, damit meine Bücher gekauft und gelesen werden. Ansonsten bräuchte ich mich ja nicht mit dem ziemlich harten Verlagsgeschäft auseinanderzusetzen. Deshalb versuche ich, meinen Lesern und Leserinnen mit Offenheit zu begegnen. Das bedeutet eben auch, eine gewisse Präsenz zu zeigen, sei es nun in den Social-Media-Kanälen oder anderswo. Außerdem ist Schreiben ein sehr einsamer Job – und da tut ein (positives) Feedback sehr, sehr wohl.

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