A Star is Born

Ein Remake vom Remake des Remakes – kann das gut gehen?

A Star is Born, das gab’s schon mehr als einmal. Die erste Verfilmung stammt aus dem Jahr 1937, bekannter ist aber die Version von 1976 mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson.

Worum geht es? Kurz gefasst um einen alkoholkranken Star am Ende seiner Karriere und eine Neuentdeckung, die aus seinem Schatten tritt. Die beiden werden ein Paar, doch als klassische Tragödie ist das Ende vorbestimmt.

Das ist natürlich nur die halbe, sehr abstrakte Wahrheit. Es sind die Zwischentöne, die urmenschlichen Probleme und eine gnadenlose Branche, die diesen Film sehenswert machen.

Jackson Maine – beeindruckend authentisch dargestellt von Bradley Cooper – ist erfolgreicher Sänger und Gitarrist auf dem Zenit seiner Karriere. Doch die Schattenseiten des Erfolges nagen an ihm, er leidet unter einem Tinnitus und ist seit längerem Alkoholiker und Drogensüchtiger. Auf der Suche nach dem nächsten Rausch landet er durch Zufall in einer Bar, in der die junge Ally singt. Er ist fasziniert von der Sängerin, die trotz Talent wegen eines körperlichen Makels nie groß heraus gekommen ist.

Er holt sie bei seinem nächsten Konzert auf die Bühne und zusammen singen sie im Duett ihren Song „Shallow“. Die mediale Aufmerksamkeit beflügelt ihre Karriere und lässt die junge Frau in Rekordzeit zum Star werden.

Privat sind beide ein Paar, doch die Widersprüche ihrer Leben stellen sie auf eine harte Probe. Seine Sucht wird schlimmer und so steht er ihrer Karriere nun im Weg.

Dieser Film ist ganz großes Kino! Die Darstellung des Jackson Maine gelingt Bradley Cooper mit Bravur – man kauft ihm die inneren Konflikte, die Euphorie auf der Bühne, die Verzweiflung und die bewundernde Liebe für Ally zu jeder Sekunde ab. Doch Lady Gaga als Ally steht ihm in keiner Weise nach. Im Gegensatz zu ihrer Musikkarriere zeigt sich die Sängerin hier (zu Anfang) ungeschminkt und das steht ihr außergewöhnlich gut. Dass einige Anleihen ihres eigenen Lebens in der Figur der Ally anklingen, ist sicher kein Zufall. Ihr schauspielerisches Talent ist unbestritten.

Der Film hat aber einen weiteren Star – die Musik. Mit „Shallow“ wurde ein Gänsehaut Duett geschaffen, bei dem man mit Superlativen nicht geizen muss. Wer es einmal gehört hat, wer es im Film gesehen hat, dem brennt es sich ins Gedächtnis.

Dass mir persönlich der Musikstil am Anfang des Films wesentlich besser gefällt, als der durchgestylte Fließband Pop gegen Ende – es passt zum Dilemma des Themas.

Bei all dem Lob müsste doch eine 5-Sterne Bewertung herauskommen? Nein. Leider nicht. Der Film hat zwischendurch ziemliche Längen und dann wieder Sprünge, bei denen tiefergehende Zwischenschritte dringend nötig gewesen wären. Eine weitere Schwäche ist, dass mit dem Thema Alkoholismus im Rampenlicht zu gleichgültig umgegangen wird. Die Konflikte werden zu wenig hervorgebracht und das Problem dahinter, vielleicht sogar noch die Gründe dahinter nur oberflächlich gezeigt. Hier wäre deutlich mehr Tiefe drin gewesen.

Auch bei der Charakterzeichnung der Nebenfiguren, die allesamt blass bleiben, wurde bei weitem nicht das volle Potential ausgeschöpft.

An der Bildhaften Darstellung hingegen gibt es kaum etwas zu kritisieren, die Atmosphäre ist dich und man ist mittendrin – so soll Kino sein.

Am Ende bleibt eine sehr positive Einschätzung, vor allem durch die Schauspieler in den Hauptrollen und durch die Musik. Eine Kritik muss man sich doch gefallen lassen, denn Regie und Drehbuch bleiben hinter dem Potential der Geschichte zurück.

Mit4 von 5 Sternen ist vor allem dem Unterhaltungswert Rechnung getragen worden. Kleiner Tipp noch: Wer nah am Wasser gebaut ist, sollte auf jeden Fall mehr als ein Taschentuch dabei haben. Wer die Musik mag, wird bei dem Soundtrack einen Volltreffen landen.

Daten:
Laufzeit: 2 Std. 16 Min.
FSK: 12
Regie: Bradley Cooper
Genre: Drama, Romanze
Soundtrack: Julia Michels, Juliane Jordan
Drehbuchautor: Bradley Cooper, Eric Roth, Will Fetters
Hauptdarsteller: Lady Gaga (Rolle: Ally), Bradley Cooper (Rolle: Jack), Sam Elliott (Rolle: Bobby), Andrew Dice Clay (Rolle: Lorenzo), Rafi Gavron (Rolle: Rez Gavron), Anthony Ramos (Rolle: Ramon), Dave Chappelle  (Rolle: George “Noodles” Stone), Ron Rifkin (Rolle: Carl)

 

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