Cappuccino Runde mit Vorführbikes

Ich denke, den Verweis kann keiner mehr hören – aber es nun einmal so, dass die Corona Pandemie unser Leben kräftig durcheinandergewirbelt hat.

Als im März mein Saisonkennzeichen wieder Gültigkeit meldete, hatte ich nur kurz Freude daran. Seit Mitte des Monats waren Touren auf dem motorisierten Zweirad nur noch z.B. zur Arbeit erlaubt. Ausfahrten waren nicht möglich, nicht allein und erst recht nicht in der Gruppe.

Mit Lockerung der Maßnahmen war es dann wieder erlaubt und am 13. Mai durfte mit behördlicher Genehmigung auch bei Gärtners in Dohna wieder eine Ausfahrt stattfinden. Die Cappuccino Runde lockte auch gleich ein knappes Dutzend Biker (einschließlich einer Bikerin) auf die Vorführmaschinen.

16 Uhr setzte sich der von Matthias Gärtner angeführte Tross in Bewegung. Er fuhr mit einer neuen Ténéré 700 voran, gefolgt von einer weiteren Maschine dieses Modells, dann folgte ich mit der neuen Tracer 700. Hier mir reihten sich eine MT-07, MT-10, MT-09, Tracer 900 GT, XSR 700, MT-125 und ein Niken ein.

Die bunte Truppe zwischen 15 und 160PS rollte los und bog nach kürzerer Strecke aus dem Müglitztal ab, um durch das benachbarte Seidewitztal bis durch Liebstadt zu fahren. Matthias führte die Gruppe wie immer mit gekonnter und unerschütterlicher Linie an, die Geschwindigkeit war gemütlich aber nie langsam. Aber auch der 125er Fahrer konnte ohne den Anschluss zu verlieren folgen.

Weiter ging es über Döbra und Börnersdorf, durch Breitenau nach Bad Gottleuba. Die herrlich kurvige Strecke war ein Genuss, zumal das sonnige Wetter mit um die 15°C fast schon optimal für eine Tour auf dem Motorrad war.

Diesmal konnten wir aber nicht gemütlich in oder vor dem Café Konditorei Schönbach sitzend einen Kaffee trinken. Durch die Beschränkungen durften wir einzeln eintreten, Eis und Getränk (bei mir natürlich der namensgebende Cappuccino) bestellen und draußen mit reichlich Abstand zwischen einander im Stehen genießen. Trotz Wahrung des Sicherheitsabstandes ergaben sich genug Gesprächsthemen zwischen dem bunt gemischten Fahrerfeld. Ich gebe zu – es war wieder toll, sich über dieses schöne Hobby mit gleichgesinnten austauschen zu können.

Auch war es für mich eine gute Gelegenheit meine Gedanken zur geliehenen Tracer 700 in Worte zu fassen:

Wie schon die früheren Baujahre dieses Modells, lässt sich auch die 2020er Auflage mit spielerischer Leichtigkeit bewegen. Das liegt nicht nur am, besonders für einen Tourer, geringen Gewicht von knapp 200kg, sondern an der ausgeklügelten Geometrie, die dem Fahrer stets volle Kontrolle erlaubt. Handlich wie das sprichwörtliche Damenrad, mit bequemer, aufrechter Sitzhaltung und dabei äußerst gutmütig – es ist ein Motorrad zu Wohlfühlen und Kilometer spulen. Zumindest solange die Straße eben ist. Das straff abgestimmte Fahrwerk mag nämlich Straßen mit allzu schlechter Qualität nicht und lässt das den Fahrer auch spüren, auch wenn zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der hervorragenden Haftung aufkommen. Schöne Straßen sind der Tracer trotzdem lieber – dem Fahrer damit aber auch. Ansonsten empfiehlt es sich auch, ein wenig Geld in ein dickeres und damit weicheres Sitzmöbel zu investieren. Highlight seit eh und je ist aber der phantastische Zweizylinder mit seinen 75PS – charakterstark, mit beachtlichem Durchzug und perfekter Dosierbarkeit.

Nach 20 Minuten im schönen Kurort setzten wir uns wieder in Bewegung. Wer denkt, nun einen großen Teil der Tagesstrecke bereits hinter sich gebracht zu haben, hat weit gefehlt. Die 28 km bis hier waren erst der Anfang. Über Hellendorf und Raum fuhr der nun gestärkte Tross durch das Tal der Biela. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit Matthias die Fahrzeuge getauscht hatte und nun hoch zu Ross der Ténéré 700 platzgenommen hatte. In der Zufahrt nach Königstein konnte die alles überragende Festung bestaunt werden. Noch vor der Innenstadt, mit Blick auf den Lilienstein auf der anderen Elbseite wurde die Richtung gewechselt und es ging durch Pfaffendorf und Gohrisch weiter. Vorbei an tollen Ausblicken auf den Pfaffenstein und Pabststein schlängelten wir uns genussvoll nach Krippen.

Vor dem Wechsel der Elbseite bei Bad Schandau passierte das, was jeder Motorradfahrer vermeiden will. Dem Fahrer der zweiten Ténéré ging beim Halten an der Kreuzung kurz die Balance abhanden und das Leihmotorrad landete auf der Seite. Die anderen Fahrer halfen dem Pechvogel, die hochbeinige Maschine wieder aufzustellen und es ging weiter. Bei einem geliehenen Motorrad ist das doppelt ärgerlich, doch Matthias erste Frage bei nächsten Halt oberhalb Mittelndorf galt dem Wohlbefinden des Fahrers – Hut ab! Doch dem Fahrer, wie auch der Maschine war augenscheinlich nichts Ernstes passiert.

Bei dieser zweiten Pause nahmen wir die Gespräche schnell wieder auf. Ich war froh, dass ich auf das Adventure Bike ohne große Probleme hochkam. Kein Wunder aber, denn dieses Modell war 38mm tiefergelegt. Für mich reichte das aber zu, um mit meinen 1,78m nur mit dem Fußballen den Boden zu erreichen. Einmal in Fahrt war das Erlebnis famos – das trotz der langen Federwege erstaunlich straffe Fahrwerk schluckte auch die schlechten Straßenbeläge weg, wo die Tracer noch drüber holperte. Die nach Gelände schreienden Stollenreifen zeigten auf der Straße und auch bei Schräglage keine Schwächen – ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so sicher und wohl auf einem solchen Modell fühlen kann. Im Vergleich zu seinen Straßenschwestern forderte der höhere Schwerpunkt jedoch einen kleinen Tribut. Trotz aller Agilität war sie etwas träger in Richtungswechsel zu bewegen und forderte vom Fahrer mehr Entschlossenheit. Ohne den direkten Vergleich wäre das jedoch kaum aufgefallen, denn auch hier ist Yamaha wieder eine Spitzenleistung in Sachen Ergonomie gelungen. Mit diesem Motorrad durch die Pampa? Die Ostsee umrunden? Nach Griechenland oder noch viel, viel weiter? Kann ich mir gut vorstellen!

Zurück im hier und jetzt ging es aber erstmal weiter durch Kohlmühle. Die schmalen und kaum befahrenen Sträßchen auf dem Weg nach Hohnstein boten Fahrspaß und ein tolles Erlebnis in der Gruppe. Es ging, den Nordteil der alten Rennstrecke benutzend, über Rathewalde wieder Richtung Pirna. Doch wer kurz vor Lohmen geradeaus fahren wollte, hatte sich getäuscht. Über Dorf Wehlen wurde noch ein reizvoller Schlenker gemacht, bevor es nach Pirna ging, wo auf der neuen Brücke die Elbe gequert wurde. Ein weiterer „Umweg“ folgte, denn statt entlang der langweiligen B172 ging es die Dippoldiswalder Straße entlang zum Barockgarten Großsedlitz. Die letzte Etappe nach Dohna wurde vom obligatorischen Besuch der Star Tankstelle in Heidenau unterbrochen.

Kurz nach 19:30Uhr, nach knapp 135km erreichten wir unseren Ausgangspunkt wieder. Für mich war es ein gelungener Saisonstart und wieder eine tolle Tour. Mein Dank geht an meine Mitfahrer, aber vor allem an Matthias Gärtner und sein Team. Diese besondere Art der Probefahrt ist nicht oft genug lobend zu erwähnen. Ich freue mich schon auf mein nächstes mal.

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