Daniel Wolf im Interview

Ein historisches Autorenfrühstück mit Daniel Wolf und Deana Zinßmeister auf der Leipziger Buchmesse: das habe ich in den letzten Wochen gewonnen 🙂 Ich freue mich riesig auf das Frühstück, habe im Vorfeld Deana Zinßmeister interviewen dürfen und nun auch noch Daniel Wolf 🙂 Was will ein Bloggerherz mehr? Auch diesmal, wie schon bei Deana Zinßmeister, stand mir bei Daniel Wolf meine liebe Freundin Sylvia zur Seite. Hier kommt nun unser Interview … mit Daniel Wolf.

Katja: Lieber Daniel, vielen Dank das Du Dir die Zeit für ein kleines Interview nimmst. Stell Dich doch am besten erst einmal selbst vor. Wer steckt hinter dem Menschen Daniel Wolf?

Daniel: Daniel Wolf ist ein Pseudonym; mit bürgerlichem Namen heiße ich Christoph Lode. Ich lebe im pfälzischen Speyer und verdiene meine Brötchen seit rund zehn Jahren als freiberuflicher Schriftsteller. Als Daniel Wolf habe ich die historischen Romane »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt«, »Das Gold des Meers« und – ganz neu! – »Die Gabe des Himmels« geschrieben. Die Bücher spielen im mittelalterlichen Lothringen und handeln von der Kaufmannsfamilie Fleury.

Sylvia: Meine Freundin aus Studientagen wohnt in Speyer. Ich weiß, dass Du in Speyer lebst. Was gefällt dir an Speyer besonders gut?

Daniel: Speyer hat genau die richtige Größe, dass ich mich wohlfühle. Es ist nicht so hektisch wie eine Großstadt, aber es gibt trotzdem alles, was man zum Leben braucht. Nur wenn ich zu IKEA will, muss ich ein paar Kilometer fahren 😉 Die Speyerer sind ein angenehm bodenständiger und humorvoller Menschenschlag. Das kulturelle Angebot ist enorm, und es gibt viele gute Kneipen und Restaurants.

Sylvia: Wann ist bei Dir die Leidenschaft für historische Bücher gekommen?

Daniel: Für Geschichte und speziell für das europäische Mittelalter begeistere ich mich seit der Kindheit. Das Interesse für historische Romane kam hinzu, als ich mit sechzehn, siebzehn die modernen Klassiker des Genres las: Der Medicus, Der Name der Rose usw.

Sylvia: Wie schwierig gestaltet sich die Recherche für Deine Bücher? Ich stelle es mir unheimlich schwer vor, die handgeschriebenen Stadtbücher zu lesen, zumal das „Deutsch“ ja noch ganz anders war und die Qualität vom Papier nachlässt.

Daniel: Dass ich mich mit echten mittelalterlichen Quellen beschäftige, kommt recht selten vor – es gibt einfachere und ergiebigere Methoden, an die benötigten Informationen zu kommen. Generell lese ich viel Fachliteratur über die Themen des jeweiligen Romans. Zusätzlich lasse ich mich von Fachleuten beraten und bereise die Schauplätze der Geschichte, sofern sie noch erhalten sind und die Reise logistisch machbar ist.

Sylvia: Die Serie um die Fleurys hat nun 4. Bände, wie gelingt es dir da Überblick zu behalten, wer mit wem und was gemacht hat?

Daniel: Das ist tatsächlich nicht immer leicht 😉 Ich habe viel Kartenmaterial über die Stadt Varennes-Saint-Jacques sowie ausführliche Figurenlisten und Stammbäume, das hilft bei der Orientierung. Dass jeder Roman eine eigenständige Geschichte erzählt, die nur gelegentlich Bezug nimmt auf die vorherigen Bücher, bewahrt mich außerdem davor, jedes Detail im Kopf haben zu müssen. »Die Gabe des Himmels« etwa spielt rund achtzig Jahre nach »Das Gold des Meeres« und handelt von komplett neuen Figuren und Situationen. Was die früheren Generationen der Familie Fleury erlebt haben, ist für die Romanhandlung nur untergeordnet von Belang.

Katja: Hast Du die jeweilige Handlung zu deinem aktuellem schon im Kopf komplett fertig oder entwickelt sich die Geschichte auch während des Schreibens und nimmt manchmal ganz andere Wege?

Daniel: Meine Romane sind umfangreich und komplex; das erfordert eine gründliche Planung des Plots und der Figuren, bevor ich mit dem Schreiben anfange. Ich skizziere jede Szene vorab, aber dieses Storyboard dient mir nur der Orientierung. Beim Schreiben halte ich mich nicht sklavisch daran, sondern schaue, dass sich die Geschichte organisch entwickelt. Wenn ich feststelle, dass eine Idee, die in der Planungsphase gut aussah, nicht funktioniert – oder wenn ich plötzlich eine bessere Idee habe –, weiche ich vom Storyboard ab und schaue, wohin mich der neue Ansatz führt.

Sylvia: Du schreibst auch im Fantasy Bereich, wenn Du die Wahl hättest, würdest Du am liebsten einmal in die Vergangenheit reisen oder in einer Fantasiewelt leben?

Daniel: Weder noch. Ich würde weder im Mittelalter noch auf Mittelerde lange überleben 😉 Im 21. Jahrhundert mit seinen Annehmlichkeiten fühle ich mich tatsächlich ziemlich wohl und bin daher sehr glücklich, dass ich nur in der Fantasie vergangene und fantastische Welten bereisen muss.

Sylvia: Welche Genre liest du gern und hast du einen Lieblingsautor/in? Was kannst Du empfehlen?

Daniel: Einen einzigen Lieblingsautor habe ich nicht, das wechselt bei mir ständig. Ebenso die Genres. Dauerbrenner sind Stephen King, Fred Vargas, Terry Pratchett, George Martin, Carlos Ruiz Zafón. Momentan hat es mir Wolfgang Herrndorf angetan. Tschick liegt gerade auf meinem Nachttisch, und es gefällt mir richtig gut.

Katja: Ich hab gelesen, dass du beruflich in einer Psychiatrischen Klinik bei Heidelberg psychisch kranke Menschen betreust bzw. betreut hast. Ist bzw. war das Schreiben da der perfekte Ausgleich?

Daniel: Eine Zeitlang war es ein Ausgleich, aber irgendwann wurde es anstrengend, in der Klinik zu arbeiten und nebenher Bücher zu schreiben. Psychisch kranke Menschen zu betreuen ist ein sehr fordernder Job – wenn man das nicht mit vollem Einsatz tun kann, lässt man es am besten ganz. Deshalb gab ich die Stelle in der Klinik Anfang 2009 auf und schreibe seitdem nur noch.

Katja: Zu welcher Tageszeit schreibst Du am liebsten? Kannst Du Dir die Zeit zum Schreiben frei einteilen?

Daniel: Ja, als Freiberufler ist man da ziemlich flexibel. In der Praxis sieht es aber so aus, dass ich werktags etwa von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr schreibe. Ich habe festgestellt, dass ich für die Arbeit eine gewisse Disziplin brauche. Dicke Bücher schreiben sich leider nicht von allein …

Katja: Welches ist Dein schönstes, prägendstes Erlebnis in Deiner Autorenlaufbahn?

Daniel: Ich hatte schon viele schöne Erlebnisse als Schriftsteller – es fällt mir schwer, eins herauszugreifen. Neulich schrieb mir ein Leser, dass meine Bücher seine Ehe gerettet hätten. Ich war ziemlich platt, als ich das las. Dass meine Bücher diese Wirkung haben können, hätte ich nie gedacht.

Katja: Es ist ja mittlerweile üblich, Bücher zu rezensieren. Wie gut kannst Du mit der Kritik Deiner Leser umgehen? Nimmst Du sie an oder stehst Du darüber?

Daniel: Ich differenziere da stark. Über gute Rezensionen freue ich mich natürlich wie jeder Autor. Kritische schaue ich mir genau an. Wenn die Kritik fundiert und sachlich ist, lasse ich sie mir durch den Kopf gehen. Wenn sie uninformiert, beleidigend oder schlicht wirr ist, ignoriere ich sie. Ich sehe keinen Sinn darin, mich mit so etwas zu befassen.

Katja: Wir treffen uns auf der Leipziger Buchmesse zum historischen Autorenfrühstück. Was erwartest Du von der Buchmesse? Welche Termine wirst Du haben und auf welche Begegnungen freust Du Dich?

Daniel: Freitagnachmittag bin ich auf dem großen Bloggertreffen von Random House, am Abend ist meine Lesung aus »Die Gabe des Himmels« im Ägyptischen Museum, am Samstag dann unser Autorenfrühstück. Ich freue mich auf alle drei Termine und erwarte interessante Begegnungen und gute Gespräche.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt:

Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast Du ein Lieblingsrezept, welches Du mit mir und meinen Lesern teilen möchtest?

Daniel: Das trifft sich gut, ich koche gern und oft 😉

Mein aktuelles Lieblingsrezept ist ein veganes Moussaka.

Man schneidet eine Aubergine längs in etwa fingerdicke Schreiben, brät diese scharf mit Öl, Salz und Pfeffer in der Pfanne an und bäckt sie anschließend bei 200 Grad rund 15 min im Ofen. Währenddessen schneidet man rohe Kartoffeln in dünne Scheiben und kocht eine Sauce aus gehackten Tomaten, Olivenöl, Zwiebeln, Knoblauch, Salz, Pfeffer und Kräutern der Provence. Anschließend schichtet man eine Hälfte der Kartoffelscheiben in der Auflaufform, gießt die Sauce darüber, legt die Auberginenscheiben darauf und schichtet die restlichen Kartoffeln darüber. Zum Schluss noch etwas frischen Rosmarin und ein paar Spritzer Olivenöl auf die oberste Kartoffelschicht und das Ganze für ca. 40 min bei 200 Grad in den Ofen – fertig! Ich koche übrigens immer nach Gefühl und nie mit genauen Mengen- und Zeitangaben. Wer das vegane Moussaka nachkochen möchte, möge beherzt experimentieren. Viel Spaß!

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