Der Sieben Verlag steht Rede und Antwort

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Für meine Interview-Reihe, die ich mit Buchverlagen gestartet habe, stand mir diesmal mit Martina Campell die Verlagsleiterin des Sieben-Verlages Rede und Antwort.

Der Sieben-Verlag ist ein unabhängiger Verlag, der nach eigenen Angaben sich auf hochwertige Liebesromane spezialisiert hat, die alle ausschließlich von deutschsprachrigen AutorInnen verfasst werden. Daher erscheinen im Sieben-Verlag hauptsächlich Bücher für Fans der Romantischen Fantasy und des Liebesromans in all seinen Facetten (pure romance, romantic thrill, urban fantasy, erotic fantasy). Allerdings ist auch eine neue Schiene  mit Thrillern und Sachbüchern am Entstehen.

Katja: Wie muss sich der Leser die Arbeit in einem Verlag vorstellen? Ist man selber eine große Leseratte oder liest man nicht mehr so gern wenn man tagtäglich mit Autoren und deren Büchern zu tun hat?

Martina Campell: Lesen ist und bleibt meine große Leidenschaft, auch wenn ich natürlich nicht mehr so viel Zeit habe, alles zu lesen, was mich interessiert.

Katja: Was ist das spannende an Ihrer Arbeit?

Martina Campell: Die Arbeit wird nie zur Routine, denn jedes Projekt ist wieder anders. Verschiedene Genres, verschiedene Schreibstile, verschiedene Sichtweisen der Autoren machen jedes Projekt einzigartig.

Katja: Was muss ein Manuskript an sich haben, damit es „einschlägt“ und im Verlag den Wunsch weckt, gerade das Buch zu veröffentlichen?

Martina Campell: Es muss mich sofort packen, darf nicht langweilen. Wenn ich feststelle, dass ich mich eine halbe Stunde von der Geschichte habe einsaugen lassen, wird es nicht auf den Absagestapel geraten.

Katja: Ein Buch lebt ja nicht nur vom Inhalt, sondern auch vom Äußeren. Ich schaue im Buchladen auch gern mal näher hin, wenn mich das Cover anspricht und greife dann auch eher mal spontan zu. Wer entscheidet über die Gestaltung eines Covers und nach welchen Maßstäben erfolgt die Auswahl?

Martina Campell: Das Lektorat gibt der Grafikerin sachdienliche Hinweise auf die Richtung, in der das Cover gestaltet werden soll. Dann werden verschiedene Entwürfe erstellt, die wir in einer Besprechung auf das unserer Meinung nach beste Cover reduzieren. Marktgängig soll es sein, modern, dem Genre entsprechend, das es vermitteln soll.

Katja: Welches Buch lesen Sie gerade und welches Buch würden Sie uns ans Herz legen wollen?

Martina Campell: Ich kann nur jedem den neuesten Band von Janet Evanovich empfehlen, beziehungsweise die ganze Serie um Stephanie Plum, weil ich gern Humorvolles lese.

Katja: Als Leser habe ich manchmal das Gefühl, dass mehr englischsprachige als deutsche Autoren in den Verlagen zu finden sind und dass auch die englischsprachigen Autoren mehr beworben werden als die deutschsprachigen. Woran liegt das? Wollen die Leser mehr „ausländische“ Namen auf den Covern ?

Martina Campell: Ich glaube nicht, dass das an den Lesern liegt. Bücher verlegen ist ein Risikogeschäft, denn man weiß nie, was genau beim Leser einschlägt und was nicht. Von daher ist es für viele Verlage leichter, ausländische Titel zu kaufen, die dort bereits Bestseller waren. Das minimiert das Flop-Risiko erheblich. Verlage müssen verlässlich von etwas leben können, der ganze Betrieb kostet ein Heidengeld. Es hat also meiner Meinung nach nichts mit der Diskriminierung von deutschen Autoren zu tun, sondern kaufmännische Gründe.

Wir selbst verlegen ausschließlich deutschsprachige Autoren und sehen für uns darin keinen Nachteil auf dem Markt, die Leser sind unserer Erfahrung nach aufgeschlossen und begeisterungsfähig.

Katja: Wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend? Zum EBook oder bleiben die Leser doch lieber dem gedruckten Buch treu? Was mögen Sie privat lieber?

Martina Campell: Ich glaube, dass immer mehr Leser das Ebook für sich entdecken werden, der Trend geht da hin. Aber das bedeutet nicht das Ende des gedruckten Buches. Es wird eine friedliche Co-Existenz sämtlicher Medien sein. Es ist doch schön, dass für jeden etwas dabei ist. Ich persönlich lese viele Ebooks, kaufe aber nach wie vor auch noch gedruckte Bücher.

Katja: Vor einigen Monaten war erst die Leipziger Buchmesse, die Frankfurter Buchmesse folgt in wenigen Wochen. Ist es für den Verlag sehr wichtig, sich auf so einer Messe mit einem eigenen Stand zu präsentieren? Wie muss ich mir so einen Messetag vorstellen? Hat man da auch mal Zeit, selbst über die Messe zu schlendern? Wie wichtig ist der direkte Kontakt zu Lesen und Kunden, zu Buchhändlern und Autoren für den Verlag und seine Mitarbeiter?

Martina Campell: Unser Verlag ist ein bisschen zu klein für große Messen. Wir verwenden diese Gelder lieber für die Produktion neuer Projekte. Der Großteil unserer Leser sind in der Tat die Menschen, die online einkaufen. Wir konzentrieren uns daher verstärkt auf unsere Online-Präsenz und sind über beispielsweise Twitter und Facebook immer für unsere Leser da, rund ums Jahr.

Die Mitarbeiter des Sieben Verlag (sowie viele unserer Autoren) trifft man persönlich eher auf kleineren Events, wie dem BuCon oder der BLC Booklover Conference  (http://www.booklover-conference.de/) jetzt am 7. September in Oppenheim. Dort sind dieses Jahr meine beiden Mitarbeiterinnen und ich anzutreffen, aber auch unsere Grafikerin Andrea Gunschera, sowie z.B. unsere Autorinnen Inka Loreen Minden und Swantje Berndt. Auf diesen kleineren Cons und Tagungen trifft man meist gezielter die Menschen (ob Agenten, Verlagskollegen oder Autoren) die die gleichen Genre im Auge haben wie wir. Das ist komprimierter, übersichtlicher und auch sehr persönlich und nett.

Vielen Dank liebe Frau Campell für Ihre Zeit und die Beantwortung meiner Fragen.

 

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