Der Todesfall der Woche von Minna Lindgren

Der zweite Teil der Abendhain-Serie mit dem Titel „Whisky für drei alte Damen“ steht schon länger auf meiner Wunschliste und so griff ich zu, als ich die Chance hatte, den ersten Teil „Der Todesfall der Woche“ (vorher bei KiWi unter dem Titel „Rotwein für drei alte Damen“ veröffentlicht) als Rezensionsexemplar zu erhalten.

Freute ich mich doch auf einen Roman im Stile von Hendrik Groen, dessen Bücher mich im vergangenen Jahr begeistern konnte. Ich freute mich auf einen witzigen, humorvollen Krimi, Situationskomik und charmante Charaktere. Vielleicht sind die alten Damen ja Ermittlerinnen im Stile von Miss Marple? Kurz und gut: ich freue mich auf das Schmökern im Buch.

Worum geht es in dem Buch?

Sie sind alt, aber sie sind nicht dumm. Wenn es etwas gibt, was Siiri, Irma und Anna-Liisa hassen, dann ist es das Gefühl, nicht für voll genommen zu werden. Schon seit Längerem geschehen in der Altenresidenz „Abendhain“ in Helsinki seltsame Dinge. Und das stört die aus Kartenspielen und jeder Menge Rotwein bestehende fröhliche Alltagsroutine der drei alten Damen empfindlich. Doch als es auch noch den beliebten Koch Teru unerwartet dahinrafft, ist das Maß voll. Welches böse Spiel treibt die Oberschwester, und hat die Heimleiterin tatsächlich keine Ahnung, was im „Abendhain“ vor sich geht? (Quelle: Amazon)

Soweit, so gut.

Was habe ich bekommen?

Wer bei diesem Roman einen Krimi erwartet, der wird enttäuscht werden. Es gibt zwar einen Toten – den beliebten Koch Teru. Aber das war es dann auch schon.

Das gesamte Buch hat nichts mit einem Krimi zu tun sondern befasst sich eher mit dem Leben in einem finnischen Altenheim.

Protagonisten sind – logischerweise – drei alte Damen, die in eben jenem Altenheim leben. Wir erfahren sehr viel – zu viel – von ihrem Alltag dort. Wir erleben, wie Heimbewohner die sich beschweren plötzlich zu demenzkranken erklärt werden und auf eine andere Station verlegt werden. Wie eine der drei Damen plötzlich mit Medikamenten ruhiggestellt werden.

Die Geschichte ist sehr langatmig aufgebaut, man braucht Geduld und Durchhaltungsvermögen für dieses Buch. Es passiert nichts aufregendes, sondern eher Sachen zum Aufregen – wie die Ruhigstellung der alten Leute.

In manchen Punkten hat sich die Autorin Minna Lindgren vielleicht zu viel ein Beispiel an den Protagonisten genommen. Sie fängt einen Handlungsstrang, ein Geschichtenelement an und „vergisst“ ihn dann einfach. Das verwirrt mich als Leser, da einiges unbeantwortet bleibt.

Damit verzettelt sich die Autorin jedoch vollkommen. Was als Krimi begonnen hat, entwickelt sich zu einer Geschichte über die miserablen Zustände in Altenheimen; der Krimiplot geht total verloren und dadurch wird er auch am Ende nicht richtig aufgeklärt. Zumindest ergab das Ende nicht wirklich Sinn für mich und lies mich ratlos und verwirrt zurück.

Warum die Autorin den eigentlich guten Krimiplot, den Ansatz der Geschichte so aus den Augen verlor kann ich mir nur damit erklären, das zu viele Protagonisten und deren Geschichten im Laufe der Story eingeführt wurden, dass der Krimi gar keinen Raum mehr hatte, sich zu entwickeln. Hier wollte die Autorin ganz eindeutig viel zu viel.

Noch ein Punkt der mich genervt hat: die Bewohner im Pflegeheim sind alle lieb und nett; das Pflegepersonal grundsätzlich böse und gemein und die Verwandtschaft nur geldgierig. So eine schwarz-weiß-Malerei ist nichts für mich, das geht mir gegen den Strich.

Was ist es für ein Buch? Auf gar keinen Fall ein Krimi. Eher eine Geschichte über Freundschaft im hohen Alter. Über das „am Leben festhalten und nicht aufgeben“. Ein Buch über alte Damen, die einfach nur ernst genommen werden wollen; ein Buch über den Sinn dessen, was zählt.

Noch kurz ein Wort zum Schreibstil der Autorin: Die manchmal überspitzt beschriebenen Situationen, deren humorvolle Beschreibungen und der Humor, der immer wieder mal durchblitzt haben mir mehr sehr gut gefallen. Dazu kommt der flüssige Schreibstil, der sich angenehm lesen lässt. Lediglich über die Namen bin ich ein wenig gestolpert, aber das liegt an den finnischen Namen, die ich mir immer nicht merken kann und keineswegs an der Autorin.

Ich finde es sehr schade, dass ein so witzig anmutender Plot nicht verfolgt sondern kaputt gemacht wurde. Ich bin froh, dass ich mir das Buch nicht selbst gekauft habe, so ist die Enttäuschung nicht ganz so groß.

Von mir bekommt das Buch, auf Grund der genannten Kritikpunkte, 2 ½ von 5 möglichen Punkten.

Daten:
Autor: Minna Lindgren
Titel: Der Todesfall der Woche
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (September 2017)
ISBN-13: 978-3442485604
Originaltitel: Kuolema Ehtoolehdossa

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