Die letzte Kurve von Wildis Streng

Es ist der Ostermontag, während die Kommissare Heiko Wüst und Lisa Luft ihren freien Tag genießen, sind bei herrlichem Wetter auch viele Motorradgruppen unterwegs.

Auch die Männer und Frauen des MFHC – der Motorradfreunde Hohenlohe-Crailsheim – machen eine Tour. Unter ihnen der Familienvater und Lebemann Richard „Ritschie“ Wengert. Während der Fahrt wird ihm auf einmal übel, er verliert die Kontrolle über sein Bike und stürzt unglücklich. Der Biker ist sofort tot. Die herbeigerufene Polizei geht schon nach kurzer Zeit nicht mehr von einem Unfall aus und so schaltet sich das Duo der Kriminalpolizei ein.

Schnell steht fest, Ritschie hatte sich einige Feinde gemacht, doch wer schreckte nicht davor zurück, ihn aus dem Weg zu räumen?

Regionalkrimis sind so eine Sache. Sie können eine tolle Werbung für eine Region und ihre Einwohner sein. Sind sie eher nur für Leser der betroffenen Region geschrieben, kann das aber auch nach hinten losgehen.

Meiner Meinung nach ist hier letzteres der Fall. Das „sympathische Ermittler Duo“, bestehend aus dem aus der Region stammenden Heiko und der „westfälischen“ Lisa hat zwar durchaus seine Momente, ist aber meines Erachtens nach unglaubwürdig und unprofessionell.

Gegenüber Verdächtigen Details ausplaudern? Klar doch. Professionelle Distanz? Nein, lieber mit jedem in feinstem, unverständlichen Dialekt schwätzen, hier und da im Dienst Kaffeetrinken oder mitessen. Kann sympathisch wirken oder eben unprofessionell.

Zum Thema Dialekt. Leider versteht man viele Begriffe und Formulierungen nicht sofort im Kontext. Das störte für mich den Lesefluss und ließ mich teils ratlos zurück. Wer sich als Autor der Mundart bedient wandelt auf einem schmalen Grat, das ist klar. Als Debütwerk mag man das verschmerzen, dem 8. Buch einer Serie erlaube ich das nicht.

Ermittelt wird hier im „Milieu“ von Motorradfahrern, sowohl Hobbybikern als auch Motorradklubs. Leider ist auch hier die Recherche nicht so wirklich gründlich gewesen. Wenn man von einem Thema keine Ahnung hat, sollte man die Finger davonlassen oder sich Hilfe suchen.

Noch was: Mir ist völlig unklar, warum hier namentlich auf Instagram verwiesen werden kann, „Facebook“ aber lächerlicherweise mit „Clix-Mix“ ersetzt wird.

Auch die Lösung des Kriminalfalles ist am Ende recht abstrus und wirkt derbe an den Haaren herbeigezogen.

Zuletzt wirkt das Buch wie eine große Werbeplattform für regionale Restaurants, Geschäfte und sogar Personen und Gruppen, die alle real so existieren wie im Buch beschrieben – laut der Danksagung. Muss das wirklich sein?

Klingt so, als würde ich kein gutes Haar an dem Krimi lassen. Am Ende steht tatsächlich wenig auf der Haben-Seite. Hatte ich während des Lesens eine 3er Bewertung im Kopf stehen nun schwache 2 von 5 Sternen fest. Keine Leseempfehlung, es sei denn man steht auf übertriebenes Lokalkolorit der Region Hohenlohe Crailsheim. Ich fand es unpassend.

Daten:
Autor: Wildis Streng
Titel: Die letzte Kruve
Taschenbuch : 312 Seiten
ISBN: 978-3839227046
Herausgeber: Gmeiner-Verlag (Juni 2020)

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3 Responses to Die letzte Kurve von Wildis Streng

  1. Wildis Streng sagt:

    Lieber Markus,

    auch danke für deine Rückmeldung und sorry für die Geschlechtsumwandlung.

    Also, der Reihe nach.

    „Mein“ krimineller Club, die „Tarantel“, ist eine neuere Version der in der 80er in Crailsheim aktiven „Spinne“. Ich habe Geschichten und Anekdoten, die ich über die „Spinne“ gehört habe, 1:1 eingebaut. Das ist absolut realistisch.

    Tatsächlich sind in dem Club, den ich als „Vorlage“ genommen habe, eher die Älteren beieinander. Insofern hast du einerseits recht. Dramaturgisch wäre das jedoch nicht clever gewesen, hier vollkommen der Realität zu folgen – denn auch jüngere Leser wollen sich mit den Figuren identifizieren können. Deshalb habe ich mich für eine Mischung entschieden.

    Bzgl. „Ridewithflizi“ – Vorlage dieser Figur sind zwei meiner im Instagram aktiven Schüler, die alles gelesen und abgesegnet haben, auch die Maschinentypen habe ich von ihnen. Dass die von älteren abschätzig behandelt werden, wird doch im Buch thematisiert? Ritschie kommentiert doch gegen Ridewithflitzi an? Dass die sich nicht grüßen, kenne ich so nicht, in Hohenlohe scheint das deutlich entspannter zu sein, die Biker kennen und respektieren einander. Persönliche Animositäten gibt es natürlich immer. „Maschinentyp-Rivalitäten“ ganz sicher auch, aber mit einem Augenzwinkern.

    Den „Papagei“ hat es tatsächlich gegeben, es war die Maschine vom Vorsitzenden des MFHC, der mich beraten hat und mir davon erzählt hat. Von ihm kam auch die Erfahrung mit dem unlauteren Handel, den er so tatsächlich erlebt hat.

    Generell ist das „Pimpen“ der Maschinen, wie es in meinem Buch vorkommt, etwa mit LED-Leisten oder zum Ratbike, nicht immer todernst, sondern auch augenzwinkernd respektive ironisch gemeint.

    Ich lasse mich nicht so schnell frustrieren, keine Angst, und bin weder beleidigt noch böse. Aber „schlecht recherchiert“ tut dem Ganzen wirklich Unrecht, sorry.
    Es scheint so, dass du eben andere Erfahrungen hast – aber
    du bist auch kein Hohenloher. 😉

    Weiterhin viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße,

    Wildis 🙂

  2. Wildis Streng sagt:

    Liebe Katja, vielen Dank für deine sehr ausführliche Rezension. Schade, dass Dir das Buch nicht zugesagt hat, und ich respektiere Deine Meinung und lasse sie gerne so stehen. Gestolpert bin ich allerdings über die Wendung „[keine gründliche Recherche“ und „keine Ahnung vom Thema“. Kannst Du das präzisieren? Was genau ist denn nicht recherchiert? Ich hatte nämlich sehr wohl eine Menge „Hilfe“ von Club-Vorsitzenden, Bikern aller Art und anderen Sachverständigen. Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Lesen, Wildis (Streng)

    • Katja Ezold sagt:

      Hallo Wildis,

      hier ist Markus, der Verfasser der Rezension. Erst einmal danke für deine Rückmeldung und die Akzeptanz meiner Meinung. Letztendlich ist es genau das – eine Meinung.
      Ich bin selbst seit 8 Jahren Motorradfahrer und habe mich auch ein wenig mit dem Thema Biker-Clubs beidseits der Legalität befasst.
      Wie man das Thema der kriminellen Clubs angeht ist immer schwierig, klar, denn jeder Club ist anders. Deswegen dazu kein weiterer Kommentar.
      Bei den „zivilen“ Vereinigungen zeigen sich meist deutliche Gemeinsamkeiten unter den Mitgliedern und/oder ihren Maschinen oder Fabrikaten. Die hier dargestellte Mischung fand ich was die Zusammensetzung der Personen und ihrer Motorräder angeht schon recht – sagen wir mal untypisch. Meiner Erfahrung nach bleiben die „alten Herren“ unter sich und die jungen Wilden ebenso. Eine wie im Buch beschriebene Gruppe ist mir noch nicht begegnet. Zwei Generationen, „Kaffeefahrer“ mit der Frau auf dem Soziussitz und junge Burschen und Mädels auf Sportmaschinen, die zusammen fahren – das hat bei mir im Kopf einfach meinen bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen widersprochen.
      Zweites Thema sind die 125er. Dieser Instagram Junkie „Ridewithflitzi“ fährt, wenn ich mich recht erinnere eine GSX-S oder R 125. Dass einige der 125er Fahrer, meist die 16 bis 18-jährigen, posen und sich wichtig machen weiß ich. Bevorzugt mit Supermotos und solchen Klein-Sportlern. Sowohl die Fahrzeuge als auch deren Fahrer werden von den „richtigen“ Motorradfahrern abschätzig belächelt. Insbesondere, wenn sie sich wie der Jungspund gebaren. Das ist wie eine parallele Welt, man grüßt sich zum Beispiel auch nicht.
      Das gesagt fand ich das Thema mit der 125er, dem Papagei, auch abstrus. Ja, einige alte Herren haben auch noch ihre Anfängermaschinen in der Garage, aber dann noch quietschbunt und das nach außen hin so präsentieren war für mich absolut nicht schlüssig.
      Die Kombinationen mögen inhaltlich möglich sein, für mich aber sehr unwahrscheinlich. Auch die Beschreibungen des handelns der Biker wirkten sehr „von außen“, was ok ist, aber wo man sich dann auch angreifbar macht für Kritiker „von innen“, wie ich mich sehe.

      Aber genug davon. Schön, wenn du dich trotzdem nicht frustrieren lässt, es ist wie gesagt meine Meinung.

      Danke noch einmal für deine Nachricht.

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