Ein Blick hinter die Kulissen der LoveLetter Convention

LoveLetter Schriftzug

Zwei Jahre lang gibt es die LoveLetter-Convention bereits und beide male war ich mit dabei. Hab viel erlebt, gesehen und nette Menschen getroffen. Da wurde es Zeit, mich mal mit den „Machern“ der LLC zu beschäftigen und meine Fragen loszuwerden, die schon so lange in meinem Kopf herum spukten und nach draußen drängten.

Tina Dick, die Chefredakteurin der Zeitschrift LoveLetter, die in Kooperation mit der Misses K UG Gastgeber der Convention ist, stand mir Rede und Antwort.

Katja: In den letzten beiden Jahren fanden in Berlin die ersten zwei Veranstaltungen der  LoveLetter Convention statt. Mit sehr viel Abstand betrachtet ist es für mich immer noch ein Highlight. Zum einen weil ich meine Lieblingsautorinnen mal live erleben konnte, zum anderen weil ich viele nette Menschen kennen lernen durfte. Wie war das für Euch? Wart ihr nur im „Arbeitsmodus“ oder konntet ihr das Ganze auch genießen?

Tina Dick: Genießen ist wohl das falsche Wort. Es hat uns großen Spaß gemacht, aber es war auch unglaublich kräftezehrend. Und das Wochenende der LLC selbst war da ja jeweils nur die Spitze des Eisbergs. Wenig Schlaf und viel Arbeit sind Kris (Kris Alice Hohls) und ich aber durch das Magazin schon seit Jahren gewohnt. Und unter Stress scheinen wir erst richtig aufzublühen. Wenn man da nicht liebt, was man macht, ist man im falschen Job – wie überhaupt in der Buchbranche.

Katja: Wie muss ich mir eigentlich die Organisation einer solchen Convention vorstellen? Was ist alles zu tun? Wie gewinnt man Sponsoren und wie gelingt es, die Autorinnen zu „überzeugen“ daran teilzunehmen.

Tina: Zunächst einmal dauert die Organisation – und zwar sehr lange. In unserem Fall war es so, dass wir eigentlich schon kurz nach der „Geburt“ des LoveLetter Magazins – die erste Ausgabe erschien im April 2005 – ganz leise davon geträumt haben, irgendwann einmal eine solche Veranstaltung durchzuführen. Zwischendurch haben uns Leser auch immer wieder darauf angesprochen. Konkret wurde es aber erst viele Jahre später. Den letzten Anstoß gab der Besuch von Lara Adrian in Deutschland im Juni 2010. Da haben wir noch mal live gespürt, wie sehr die Leser danach lechzen, ihre Lieblingsautoren persönlich zu treffen. Für uns war deshalb auch von Anfang an klar, dass es eine Convention werden sollte, die sich speziell an die Leser richtet und programmmäßig auf diese ausgerichtet ist. Aber auch die Autoren und Verlage sollen auf ihre Kosten kommen, indem wir ihnen diese Nähe zu ihren Lesern ermöglichen.

Ohne Autoren, die bereit sind, teilzunehmen und Verlage, die die Veranstaltung unterstützen, ist ein solches Event nicht denkbar. Und was die Vorbereitungen hinter den Kulissen angeht, können sich vermutlich die wenigsten vorstellen, was alles dazu gehört wie etwa die schwierige Suche nach einer geeigneten – und bezahlbaren – Location. Das ist kein Projekt für nebenbei, da ist professionelle Planung gefragt und somit eine Aufteilung der Aufgaben. Das Eventmanagement ist in den fähigen Händen von Katrin Graßmann. Sie sorgt für die kleinen Dinge wie zum Beispiel, dass wir auf der LLC Tesafilm haben, um die Poster aufzuhängen, bis hin zu den ganz Großen, also die Suche nach und Betreuung von Sponsoren sowie den Ticketverkauf.

Die inhaltliche Planung liegt beim LoveLetter, also die Programmgestaltung und vorher die Anfragen bei, Einladung und Betreuung von Autoren. Durch unsere langjährige Arbeit am Magazin – und auch schon davor – haben wir natürlich gute Kontakte und uns einen guten Ruf erarbeitet, aber dennoch ist es nicht einfach, Autoren für die Veranstaltung zu gewinnen. Das traf vor allem auf die erste LLC zu, danach hat die Mundpropaganda etwas geholfen, das heißt Autoren, die anderen Autoren von der LLC vorgeschwärmt haben. Inzwischen wissen viele, dass es sich lohnt, zur Konferenz für Liebesromanleser und –autoren zu kommen – nicht nur, um mal aus ihrem Elfenbeinturm herauszukommen und mit Lesern auf Tuchfühlung zu gehen, sondern auch, um ihre Verlage persönlich kennen zu lernen (was besonders auf die ausländischen Autoren zutrifft) oder sogar neue Kontakte zu knüpfen.

Katja: Ist die Organisation einer solchen Veranstaltung, die ja im nächsten Jahr um ein vielfaches größer sein wird als die beiden vorherigen, immer nur Lust oder manchmal doch auch Frust?

v.l.n.r. Linda Howard, Tina Dick, Lori Handeland

v.l.n.r. Linda Howard, Tina Dick, Lori Handeland

Tina: Natürlich gibt es Tage, an denen man am liebsten hinschmeißen möchte. Wer erlebt so etwas nicht manchmal in seinem Job? Da hat man das Gefühl, es klappt gar nichts oder man kämpft gegen Windmühlen. Aber dann kommt wieder eine positive Nachricht und man ist wieder beflügelt. Der größte Motivationsfaktor sind die Besucher. Es war toll zu sehen, wie viel Spaß die Teilnehmer 2012 und 2013 hatten. Und das viele Lob und der Zuspruch – oder auch eine ganze Kiste voll mit Donuts, die wir geschenkt bekommen haben als Dankeschön – taten unheimlich gut. Aber ebenso schön ist es, in den Monaten dazwischen die Begeisterung zu spüren, einmal über die vergangenen Events, dann aber auch die Vorfreude aufs nächste, etwa in Blogbeiträgen von Teilnehmern oder auf der Facebook-Seite der LLC. Und ja, es tut auch gut, wenn von Verlagsmitarbeitern Feedback kommt, in dem die professionelle Organisation gelobt wird oder anderen Leuten nahe gelegt wird, selbst mal zur LLC zu fahren, weil das ein Event ist, dass man auch als Branchenkenner nicht verpassen sollte.

Katja: Was war in diesem Jahr die größte Panne? Und was war das schönste Erlebnis?

Tina: Eine richtige Panne hatten wir eigentlich nicht. Aber natürlich ist es sehr nervenaufreibend, wenn wirklich kurz vor Schluss noch Absagen zu verkraften sind. Einige waren so kurzfristig, dass wir nicht einmal mehr den Katalog aktualisieren konnten, weil der schon gedruckt war. Es tut uns natürlich für die Leser leid, die sich vielleicht gerade auf diese Autoren gefreut haben, aber da haben wir unglücklicherweise keinen Einfluss drauf. Kris musste diesmal noch einen Tag vor dem Wochenende Ersatz für einige geplante Programmpunkte finden. Das ist natürlich Stress pur, und wir sind Autoren, die sich in so einer Phase bereit erklären, Extraaufgaben zu übernehmen, sehr dankbar. In diesem Jahr hat etwa Michelle Raven keine 48 Stunden vor Veranstaltungsbeginn noch zugesagt, einen weiteren Programmplatz mit einer zusätzlichen Lesung zu füllen.

Freitag beim Aufbau haben wir noch gescherzt, welche Autorin wohl jetzt noch absagen würde, und dann war die nächste Hiobsbotschaft im Posteingang, als wir spätabends nach Hause kamen. Damit ist dann aber auch eins der schönsten Erlebnisse verbunden. Fiona Harper kam nicht weg aus London. Ein Flugzeug hatte in Heathrow fast eine Bruchlandung hingelegt, deshalb war die Landebahn gesperrt und zahlreiche Flüge waren gestrichen worden. Sie konnte einen Ersatzflug für Samstag ergattern, der aber erst am Nachmittag in Berlin landen würde. Wieder hieß es für uns, einiges im Programm umzuschmeißen, aber Fiona zeigte unglaublichen Einsatz. Sie hat es geschafft in weniger als einer Stunde mit ihrem Gepäck von Tegel bis zum Kulturhaus in Spandau zu eilen und es – mit ein bisschen Verspätung – noch zur Signierstunde zu schaffen. Sie hatte nicht einmal eine Minute, um zu verschnaufen, sondern hat gleich losgelegt. Sie hätte es sich einfach machen, absagen und zuhause bleiben können. Aber nein, sie hat sich für uns und vor allem für die Teilnehmer unglaublich ins Zeug gelegt. Wir hätten ihr gerne symbolisch eine Goldmedaille verliehen.

Im Nachhinein gab es auch noch etwas sehr Erfreuliches, als wir erfahren haben, dass eine der anwesenden Autorinnen von einem Verlag einen Vertrag angeboten bekommen hat. Das persönliche Gespräch hat dazu beigetragen oder den letzten Ausschlag gegeben, dass ein Buch von ihr eingekauft wurde. Und so gibt es demnächst einen Roman von Erin McCarthy bei LYX. Das sind so Momente, an denen wir denken, ja, dafür betreiben wir den ganzen Aufwand.

Katja: Braucht man nach der Organisation eines solchen Events dann erst einmal Urlaub oder ist nach der Convention schon wieder vor der Convention?

Tina: Urlaub, was ist das? Nein, es ist wirklich so, dass es nach einer LLC gleich wieder mit der Vorbereitung der nächsten losgeht. Eigentlich schon viel früher. Es war „leider“ klar, dass wir für das Kulturhaus Spandau schon im zweiten Jahr zu groß geworden sind. Natürlich freut es uns, dass die LLC immer größeren Zuspruch findet, aber der Abschied hat uns schon etwas traurig gemacht. Also musste vorher schon fürs nächste Jahr eine neue Location gefunden werden, genauso wie der Termin (24. und 25. Mai 2014) festgelegt werden musste. Und wir brauchten auch schon ein paar Autoren, die wir fürs nächste Jahr ankündigen konnten. Es war natürlich sehr schön, dass sich Nalini Singh und Lara Adrian gemeldet hatten, dass sie nach 2012 gerne 2014 wieder mit dabei wären.

Für Kris und mich ging es in den letzten beiden Jahren nach der LLC sofort weiter, da wir zur BookExpo America, der größten amerikanischen Buchmesse, nach New York geflogen sind.

Katja:  Welche Autorin war Dein persönliches Highlight und welche Autorin oder auch welchen Autor würdest Du im nächsten Jahr gern unbedingt dabei haben wollen?

Tina: Es ist immer schön, Autoren wieder zu sehen, die man bereits kennt, aber ebenso, andere Autoren zum ersten Mal zu treffen. Eine richtige Autorenwunschliste habe ich eigentlich nicht. Ich lasse mich gerne überraschen und auf Leute ein, von denen ich bislang noch nicht sehr viel wusste. Unsere Sponsoren machen ja auch Vorschläge, wen sie gerne dabei hätten. In diesem Jahr war das etwa Patricia Mennen. Wir hatten schon für das Magazin mit ihr zusammengearbeitet, was sehr nett gelaufen war. Und dann haben wir sie auf der LLC kennen gelernt. Sie war unglaublich sympathisch, und man hat gespürt, dass sie mit großer Begeisterung dabei war. Davor das Jahr war es unter anderem Susanne Schomann, die hatten wir davor auch nicht so wirklich „auf dem Radar“. Oder zu sehen, wie Stefanie Ross auf der LLC 2012 ihre „ersten Schritte“ als Autorin gemacht hat und was sie seitdem schon alles erreicht hat. Oder es war auch unglaublich toll, wie Michelle Styles für die LLC getrommelt hat bei ihren Kolleginnen. Ich könnte zu fast jeder Autorin eine solche Geschichte erzählen. Witzig war in diesem Jahr, wie wir Tina Folsom wenige Tage nach der LLC auf der BookExpo wiedergetroffen haben und sie uns mit ihren Indie-Autoren-Kollegen die Möglichkeit gegeben hat, immer wieder eine Verschnaufpause an ihrem Stand einzulegen und unsere schweren Taschen dort unterstellen zu dürfen.

Mein größtes Highlight dieses Jahr war sicher die schon erwähnte Fiona Harper, deren Einsatz ich sehr bewundert habe. Das ist, wie gesagt, nicht selbstverständlich. Ansonsten war mein persönliches Highlight wohl, wie ich das Programm durchgestanden habe. Vor Publikum zu sprechen fällt mir nicht leicht. Ich fand es schon in der Schule oder an der Uni immer ganz schrecklich, Referate vor versammelter Mannschaft zu halten. Auf der ersten LLC war ich programmtechnisch eigentlich gar nicht eingespannt, bis ich kurzfristig eine Panel-Moderation übernehmen musste. Es war ganz gut, dass ich so gut wie keine Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten, sonst hätte ich mich wochenlang verrückt gemacht. Aber ich habe es überstanden. Als dann der Vorschlag kam, ich solle dieses Jahr die Q&As übernehmen und wieder ein Panel, da habe ich im ersten Moment geschluckt, mich dann aber auf das Abenteuer eingelassen. Okay, mein Puls war die ganze Zeit auf 180, aber ich habe mir selbst bewiesen, dass ich es schaffe. Ich habe jetzt noch sehr viel mehr Respekt vor den Autoren, die sich bei uns in die Workshops, Panels, Q&As, Lesungen etc. trauen.

Katja: Im Jahr 2012 waren, wenn ich mich recht entsinne, etwa 18 Autorinnen da. Dieses Mal – im Jahr 2013 – waren es über 30. Ist es mit einer solchen Vielzahl an Autorinnen nicht schwer, allen das gewisse Maß an Aufmerksamkeit zukommen zu lassen? Jeden Autor, jeden Teilnehmer zufrieden zu stellen?

Tina: Ja, 2012 waren es achtzehn, in diesem Jahr dann, nach den zwei kurzfristigen Absagen in der Woche vor der LLC, am Ende achtundzwanzig. Jeden Autor und jeden Besucher vollkommen zufrieden zu stellen, wird nie funktionieren. Wir versuchen aber, den Rahmen so zu gestalten, dass jeder ein unvergessliches Erlebnis haben kann, wenn er sich auch selbst ein bisschen einbringt. Da sind sowohl Autoren und Verlage als auch die Besucher auch ein bisschen ihres eigenen Glückes Schmied. Es wird immer Autoren geben, die bestimmte Sachen nicht mitmachen möchten, das gilt zum Beispiel für die Spiele. Das berücksichtigen wir, es wird niemand zu etwas gezwungen, was er nicht machen möchte. Von den Teilnehmern – Besucher wie Autoren – wissen wir aber, dass gerade die Spiele ein absolutes Highlight für sie waren. Oder auch die Blind Dates, unter denen sich am Anfang so keiner recht etwas vorstellen konnte. Dann ist es so, dass manche Autoren am liebsten nonstop eingebunden werden möchten – gerade die ausländischen –, was wir soweit es geht ermöglichen, wenn wir die Plätze dafür im Programm oder in den Panels etc. dafür frei haben. Andere brauchen mehr Pausen oder fühlen sich nicht wohl, alleine einen Programmpunkt zu bestreiten wie etwa einen Workshop. Es ist nicht immer einfach, da die Balance zu finden, aber wir bemühen uns redlich.

Bei den Besuchern haben wir festgestellt, dass gerade die am meisten Spaß hatten, die auch mal über ihren Horizont hinausgeblickt haben und sich etwa in Panels gesetzt haben, in denen es um ein Thema ging, das sie vorher vielleicht gar nicht so interessiert hat, oder sich auch mit Autoren beschäftigt haben, die sie vorher gar nicht kannten.

Das schönste Kompliment sind dann die „Wiederholungstäter“, sowohl Autoren als auch Leser, die gerne wiederkommen.

Katja: Worauf können sich die Teilnehmer der Convention im nächsten Jahr freuen? Welche Veranstaltungs-Highlights wird es geben. Und auf was für Überraschungen können wir uns freuen?

Tina: Zuerst einmal können sie sich auf die neue, größere Location freuen. Im nächsten Jahr findet die LLC in der GLS Sprachenschule im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg statt. Mehr Platz bedeutet auch ein umfangreicheres Programm. Genaues können wir noch nicht sagen, dazu ist es einfach noch zu früh, aber wir wollen natürlich die bewährten Programmhighlights weiterführen und dann noch ein bisschen was oben drauflegen.

Katja: Was mich als Leserin persönlich sehr interessiert ist die Frage, warum eigentlich die Teilnahme ausländischer Autorinnen größer ist als die der „einheimischen“. Sind die englischsprachigen Autorinnen reisefreudiger oder ist das Interesse der Leser an diesen Autorinnen einfach größer als an deutschsprachigen Autoren?

Tina: Das ist aber ein falscher Eindruck. Für dieses Jahr waren dreißig Autorinnen vorgesehen, jeweils zur Hälfte englischsprachige und zur anderen Hälfte deutschsprachige. Am Ende haben wegen der zwei kurzfristigen Absagen dann die „Ausländer“ ganz knapp die Nase vorn gehabt vor den „Einheimischen“. Aber es ist schon so, dass die englischsprachigen Autoren – und die deutschen, die auf Englisch schreiben und das dortige Liebesromanbusiness kennen wie Sandra Schwab und Tina Folsom – mit Conventions und Autorenkonferenzen besser vertraut sind. Für sie ist das schon lange Teil ihres Jobs, sie wissen, dass sie nicht auf eine Einladung ihrer Verlage warten brauchen oder hoffen sollten, sondern selbst aktiv werden müssen, wenn es darum geht, bei solchen Events dabei zu sein oder sich einzubringen. Und ja, sie sind es gewohnt, für so etwas auf eigene Kosten zu reisen. Das ist oft ein Knackpunkt.

Aber es gibt auch immer mehr deutsche Autoren, die Eigeninitiative zeigen und erkennen, welche Chancen ihnen eine Teilnahme an der LLC bietet. Wir versuchen da wirklich, es die Waage zu halten, auch wenn der deutsche Liebesromanmarkt noch immer von Übersetzungen dominiert wird. Es ist auch ein Vorurteil, dass die deutschen Leser nur an den ausländischen Autoren interessiert wären. Es gab in den Vorjahren genug Besucher, die extra wegen Sandra Henke gekommen sind oder Kristina Steffan alias Kristina Günak oder Kerstin Gier – die ja in Sachen Bestsellerlistenplatzierungen oder Bekanntheitsgrad locker mit ausländischen „Starautoren“ mithalten kann – oder Michelle Raven – deren Schlange bei den Signierstunden mit die längste war – oder, oder, oder …

Wir freuen uns, wenn sich Autoren für die LLC bewerben und setzen alles daran, sie auch einladen zu können. Das funktioniert aber leider nicht immer, egal ob sie deutsche oder englischsprachige Autoren sind, zum Beispiel wenn ihr Verlag nicht mit von der Partie ist. Ohne unsere Sponsoren gäbe es die Veranstaltung nicht, und es wäre Verlagen – oder auch Autoren – gegenüber, die uns finanziell unterstützen, ungerecht, wenn wir anderen eine kostenlose Plattform bieten würden. Die meisten Autoren und Leser verstehen das auch.

Katja: Wie viele Teilnehmer haben in diesem Jahr das Erlebnis „Convention“ geteilt? Wie viele Gäste habt ihr verzeichnen können? Von wo kommen die Teilnehmer in diesem Jahr überall her und waren es dieses Jahr mehr Männer als im letzten Jahr?

Tina: Das Kulturhaus Spandau ist für 500 Personen ausgelegt, und in diesem Jahr waren wir ganz kurz davor, keinen mehr reinlassen zu dürfen. Ich glaube, Katrin hätte noch vier oder fünf Tagestickets am Samstag verkaufen dürfen. Natürlich sind Frauen absolut in der Überzahl, übrigens nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Verlagsmitarbeitern, die teilnehmen. Aber die Männer, die dabei waren, werden sicher bestätigen, dass sie genauso viel Spaß haben können auf der LLC wie die Frauen. Das gilt übrigens auch für alle nicht-deutschsprachigen Teilnehmer. Neben Deutschen, Österreichern und Schweizern hatten wir ja auch Besucher aus den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Italien etc. Die Liebesroman-Community ist eben international.

Katja: Ganz besonders beliebt waren in den letzten beiden Jahren auch die Signierstunden und die von Verlagen und Autoren netterweise zur Verfügung gestellten Freiexemplare. Wird es das auch bei zukünftigen Veranstaltungen wieder geben? Bei welchen Autorinnen waren die Bücher zuerst „vergriffen“?

Tina: Die Signierstunden sind ein fester Bestandteil der LoveLetter Convention. Bei Messen, Festivals oder anderen Conventions ist es ja nicht unbedingt üblich, dass die Besucher kostenlose Signierexemplare bekommen. Es hat auch einige Überzeugungsarbeit bei Verlagen gekostet, die so etwas bei deutschen Veranstaltungen vorher nicht kannten. Aber ich glaube, inzwischen haben sie gemerkt, wie sich diese „Investition“ lohnt. Auf der Frankfurter Buchmesse hat der eine oder andere Verlag diese Idee ja deshalb schon aufgegriffen ;-).

Bei manchen Autorinnen waren die Bücher schneller weg, als man gucken konnte. Das lag aber auch zum Teil daran, dass sie weniger Signierexemplare zur Verfügung hatten. Den Rekord hält glaube ich Maya Banks, die ihren CORA-Historical 2012 über 200 Mal in anderthalb Stunden unterschrieben hat, knapp gefolgt von Michelle Styles. Das ist wirklich Akkordarbeit.

Katja: Neben der LoveLetter Convention, die von Euch organisiert wird, besucht ihr ja auch andere Veranstaltungen. Welche sind das und was nehmt ihr Euch von da mit? Ideen, wie man die eigene Veranstaltung organisieren kann? Schaut ihr Euch dort was ab oder sprecht ihr da gar Autorinnen an und „werbt“ für Eure eigene Veranstaltung?

Tina: Natürlich sind die großen Messen für uns Pflichtprogramm, also Frankfurt im Herbst, Leipzig im Frühling und kurz nach der LLC dann die BookExpo in New York. Ein Muss ist auch jedes Jahr die Konferenz der Romance Writers of America. Natürlich schauen wir uns da auch um, was dort geboten wird. Aber es lässt sich nicht alles auf die LLC übertragen und wäre auch gar nicht wünschenswert. Unser Vorteil ist die Nähe zwischen Autoren und Verlagen und dann den Lesern, die wir bieten können. Und das wird auch von allen drei Seiten besonders geschätzt. So etwas wäre auf einer Messe nie möglich.

Im Programmheft der RWA Konferenz haben wir dieses Jahr eine Anzeige für die LLC geschaltet und bekamen darauf sehr viel positive Resonanz. Den LoveLetter kennen schon viele Autoren, die dort vor Ort sind, und die LLC inzwischen auch immer mehr. Klar, wir fragen bei bestimmten Autoren immer mal wieder nach, wenn wir sie persönlich treffen, ob sie nicht Lust hätten zu kommen, aber die beste Werbung ist die Mundpropaganda. Autoren, die ihren Kollegen von ihren tollen Erfahrungen bei der LLC berichten, sind dabei genauso wichtig wie Leser, die Autoren darauf ansprechen, ob sie zu einer der nächsten LLCs kommen.

Kris Alice Hohls und ich

Kris Alice Hohls und ich

Katja: Die LoveLetter Convention ist ja eine Veranstaltung des LoveLetter Magazins. Gerade in der heißen Phase ist es sicherlich Stress pur, die Veranstaltung zu organisieren, das Magazin herauszubringen und die diversen Internetauftritte zu gestalten. Wie schafft ihr diesen doch recht großen Spagat, diesen Arbeitsaufwand zu bewältigen?

Tina: Pure Selbstausbeutung und enormer Schlafmangel, und das ist jetzt keineswegs ironisch gemeint. Außerdem ziehen wir alle – rund ums Jahr Kris, Katrin und ich – an einem Strang und bekommen in der heißen Phase großartige Unterstützung von freiwilligen Helfern, ohne die wir verloren wären. Und es funktioniert nur, weil wir eine gute Arbeitsteilung gefunden haben. Katrin hat, wie schon oben erwähnt, das ganze organisatorische Drumherum in der Hand, Kris kümmert sich um die Autoren und das Programm, und ich erstelle den Großteil der Texte für die Webseite, betreue die Blogger und kümmere mich um die Facebook-Seite. Und dann haben wir natürlich einige Aufgaben ausgelagert, etwa die technische Betreuung der Webseite, Übersetzungen oder auch beispielsweise das Layout von Flyern und des Katalogs.

Katja: Für die LoveLetter führt ihr ja auch Interviews mit Autoren. Ist es für euch daher jetzt ungewohnter, selbst einmal interviewt zu werden? Oder seid ihr das auch schon gewohnt?

Tina: Gewohnt wäre zu viel gesagt, aber es gab schon das eine oder andere Interview. Zuletzt haben Kris und ich für die Mitgliederzeitschrift der Romance Writers of America, den Romance Writers Report, kurz RWR, Fragen zum deutschen Markt beantwortet. Vielen amerikanischen Autoren ist nämlich inzwischen auch klar, wie wichtig der ist. Wir reden gerne über das Liebesromangenre und alles, was dazu gehört. Persönlich halten wir uns aber auch gerne im Hintergrund. Uns ist die Sache wichtig.

Katja: Welches Interview – mit welchem Autoren / welcher Autorin steht denn ganz oben auf Eurer Wunschliste? Wen wollt ihr so gern mal interviewen? Bei mir, das gebe ich gern zu, wäre es Kerstin Gier und Rebecca Gable als deutsche Autoren und sehr gern einmal Robyn Carr.

Tina: Robyn Carr ist unglaublich nett, gute Wahl. Wir treffen sie jedes Jahr auf der RWA Konferenz, wo sie eine Handvoll Leute zu einem kleinen privaten Event einlädt. Sag Bescheid, wenn wir mal ein gutes Wort für dich einlegen sollen. Und bei Kerstin Gier und Rebecca Gablé solltest du einfach mal anklopfen. Autoren beißen nicht. Ganz im Gegenteil, wenn sie nicht gerade im Superstress vor einer Deadline sind oder auf Lesereise, beantworten sie eigentlich gerne Fragen über ihre Bücher. Man sollte ihnen nur genug Zeit geben. Blogger können manchmal etwas ungeduldig sein, aber es kommt durchaus vor, dass Autoren ein paar Wochen – oder auch Monate – brauchen, um sich Zeit freizuschaufeln, um ein paar Interviewfragen zu beantworten. Das meinen sie nicht böse, aber einige bekommen auch sehr viele Anfragen und können nicht mal zwischen Tür und Angel ein Interview geben.

Und was unsere Wunschliste angeht, da haben wir eigentlich keine. Beim LoveLetter sind wir ja an die jeweiligen Veröffentlichungen eines Monats gebunden und müssen gucken, welche Autoren ein neues Buch herausbringen. Kris und ich besprechen dann, wen wir mit einem Beitrag in der jeweiligen Ausgabe drin haben möchten. Beim Cover-Interview hängt es auch davon ab, ob ein Autor ein professionelles Autorenfoto hat. Dann möchten wir verschiedene Verlage und Genres abdecken, damit für jeden Leser etwas dabei ist. Es ist immer schön, wenn Autoren von sich aus auf uns zukommen mit einem tollen Artikelvorschlag.

In den rund achteinhalb Jahren, die wir inzwischen den LoveLetter machen, haben wir schon so viele Interviews geführt, das deckt wirklich fast das Who’s Who des Liebesromangenres ab. Und wir wollen ja noch nicht aufhören. Den Rest kriegen wir auch noch ;-). Es muss sich halt einfach ergeben.

Katja: Für mehr Information zur LoveLetter-Convention und zum LoveLetter-Magazin gibt es auf den entsprechenden Seiten im Netz bzw. auch jeweils bei Facebook.

 

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2 Responses to Ein Blick hinter die Kulissen der LoveLetter Convention

  1. Ilo Na sagt:

    Liebe Katja,
    ein wirklich tolles Interview!!!
    Ich habe es genossen zu lesen und sage DANKE!
    GLG Ilona

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