Ein Blick hinter die Kulissen

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Ein Blick hinter die Kulissen

Normalerweise besteht eines meiner Hobbys darin, Interviews mit deutschsprachigen Autoren zu führen und ich habe immer viel Spaß dabei.

Diesmal jedoch kommt hier ein etwas anderes Interview – eines von der anderen Seite her geführt. Nämlich nicht mit einem Autoren, sondern mit einer Verlegerin. Britta Wisniewksi vom Traumstunden-Verlag war so lieb und hat mir meine neugierigen Fragen zum Thema Verlagsarbeit und den Schwierigkeiten der kleinen Verlage beantwortet.

Britta Wisniewski

Britta Wisniewski

Katja: Liebe Britta, vielen Dank das Du Dir die Zeit nimmst und meinen neugierigen Fragen beantwortest. Stell uns doch bitte erst einmal den Traumstunden-Verlag vor. Wer steht dahinter? Was ist Euer Ziel, euer Wunsch.

Britta Wisniewksi: Also an vorderster Front stehe erst einmal ich – jedenfalls ist es das, was die meisten sehen. Die jedoch ohne ihr weit verzweigtes Team einpacken könnte. Die nachfolgend genannten sind alle gleich wichtig für unsere Arbeit, die Reihenfolge ist also wahlfrei und hat nichts mit der Wichtigkeit zu tun:

Micky Dearest alias Michael Wisniewksi Mein Mann ist  – logisch – derjenige, der am nächsten an mir dran ist und somit nicht selten auch damit den Puffer für alles macht. Zuständig ist er allerdings für Buchsatz und eBook-Fertigung, Coverbau und die Komposition von Trailermusiken. Mittels seiner Produktionsfirma MWM-Productions und deren Plattenlabel Pirates Island werden auch Hörbuchproduktionen realisiert – angefangen haben wir gerade mit den Thrillern von Marcus Sammet aus seiner Reihe „Sterbe wohl“ die wohl zum Herbst hin veröffentlicht werden.

Jenny Seidel
Unsere Lektoratspraktikantin. Ursprünglich mit dem Berufswunsch der Lektorin beseelt, lernten wir uns kennen, weil sie mir ein Buchmanuskript einreichte. Das Buch kommt vermutlich 2014 (vorausgesetzt sie ist bis dahin mit dem xten Überarbeiten fertig) – von ihrem Berufswunsch hat sie inzwischen etwas Abstand genommen (lacht). Dennoch ist sie mir eine unverzichtbare Hilfe und ich hoffe, dass ihr die Schullaufbahn ab Herbst weiterhin die Zeit lässt, einen Blick in unsere Manuskripte zu werfen

Jacky Wodrich
Ihre Firma „JaWoll Design“ zeichnet verantwortlich für unser – inzwischen markenrechtlich geschütztes Firmenlogo  – und eigentlich für jede Printwerbung, angefangen von unserem Firmenstempel bis hin zu Katalogen und Flyern. Auch sie erfüllt eine Doppelrolle – denn ihr Kinder Mal- und Lernbuch aus der „LaPi“ Serie „Lala & Ping“ gehört zu den Veröffentlichungen des Verlages.

Christian Bass
Journalist, Fotograf, Autor, Trailerbauer und nicht selten Informant für alles, was sich in den Weiten der Bücherwelt so bewegt. Seine Heimat Mauritius macht es zwar ab und zu etwas schwer, ihn zeitnah zu erreichen, aber ich habe selten mit einem derart relaxten Menschen zusammengearbeitet – und das will schon was heißen, denn ich bin Meisterin darin, Chaos zu verbreiten. Dass auch er gleichzeitig Autor des Verlages ist, wundert sicher jetzt nicht wirklich 😉

Nicht zu vergessen an dieser Stelle natürlich: Unsere Autoren! Jeder von ihnen leistet in seinem eigenen Rahmen wahnsinnig viel an Werbe und Bekanntmachungsarbeit – und das Team hat bei seinen Aktionen immer den gemeinsamen Erfolg im Blick, was ich ganz toll finde.

Irgendwann dahinter komm dann ich. Administration, Buchhaltung, Autorenbetreuung, Werbung, Mädchen für alles. Die irgendwann 2009, als ein Berliner Verlag seine Tore schloss den Gedanken hatte, selbst zu gründen. Es 2010 auch tat und nach einem kleinen Abstecher in die Welt der GbR (Gott hab sie seelig 😉 wieder als Einzelfirma am Markt steht. Ich bin Teamplayer, aber wenn die Partner nicht stimmen, bleibe ich lieber alleine!

Katja: Ist der Traumstunden-Verlag auf ein bestimmtes Genre spezialisiert?

Britta: Nein, es gibt allerdings Genres, die wir nur bedingt oder gar nicht bedienen. Zu bedingt zählt auf jeden Fall der Sektor Lyrik/Poesie. Unser derzeit einziges, entsprechendes Printbuch wird allein für seinen Auftritt auf dem eBook Sektor noch einmal einer kompletten Überarbeitung unterliegen. Ebenfalls schwer tun wir uns mit dem Sektor „Kinderbuch“, denn „Kinderbuch geht immer“ ist ein Ammenmärchen und wir sind stolz darauf, dass die wenigen Kinderbücher, die wir haben und noch machen werden, immer auch einen gewissen „Qualitätsstandard“ erfüllen.

Zu gar nicht gehören Splatter oder auch „Nischengenres“ wie Gay-Romance oder ähnliche.

Katja:  Den Verlag gibt es nun seit 2010. Seit 2011 führst Du den Verlag  wieder in eigener Regie. Aber Du bist ja nicht nur Verlegerin, sondern nebenbei selbst Autorin und Songwriterin. Wie bekommst Du all die vielfältigen Aufgaben unter einen Hut? Wie entspannst Du Dich nach einem harten und stressigen Arbeitstag?

Britta: Ich entspanne mit dem einen von dem anderen! Singen und Schreiben sind für mich „profitable Hobbies“, die ich dann ausübe, wenn der Betrieb – aus welchen Gründen auch immer – mir den Raum dazu lässt. Songtexte schreibe ich, wenn ich die Küche putze oder – so wie heute, vom Schreibtisch verbannt werde. Normal habe ich unterwegs immer einen Block und einen Füller dabei um „Momentaufnahmen“ festhalten zu können. In elektronischer Form gibt es meine Texte meist erst, wenn ich ernsthaft gefordert bin, sie zu vertonen, egal, ob ich selbst oder jemand anderes sie singt. Eine weitere Entspannung für mich ist  – auch wenn es unglaublich klingt – mein Haushalt! Putzen und Wäsche sind für mich reinste Entspannungsarbeiten, weil sie halt „ohne Kopf“ gemacht werden können und ich selten Gefahr laufe, dabei Fehler zu machen, die sich erst viel später zeigen und rächen können. Wenn ich mir beim Kochen in den Finger schneide, merks ich halt direkt (lacht)

Katja:  Was ist das spannende an Deiner Arbeit im Speziellen und an der Arbeit in einem Verlag im allgemeinen? Warum hast Du Dich entschieden, den Verlag eigenverantwortlich weiterzuführen?

Britta: Als ich 2010 den Verlag gründete, glaubte ich, alles zu wissen und wusste gar nichts. Von daher gesehen waren die ersten 1,5 Jahre eher „Lehrjahre“ denn alles andere. Doch als der Zeitpunkt kam, an dem ich entscheiden musste, ob ich es sein lasse oder noch mal durchstarte, kam etwas zum Tragen, das heute in meinem Leben immer wieder eine große Bedeutung hat: „Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, HAT schon verloren.“ Und in einem Moment, indem meine Zweifel, ob ich es schaffe, doch recht groß waren, sagte mein Mann zu mir: “Britta – wenn du JETZT aufgibst, war ALLES wofür Du zwischen 2009 und 2010 gekämpft hast umsonst, war jedes gegebene Versprechen eine Lüge! Wenn Du es versuchst, und scheiterst, wird Dir nie jemand wirklich einen Vorwurf machen können. Aber willst Du es wirklich so weit kommen lassen, hinterher zu erfahren „ich hätte es schaffen KÖNNEN?“

Hinzu kam eben die Unterstützung der Autorenriege, die auch wie ein Mann hinter mir stand und mir immer wieder sagte: “Du bist gegen alle Widerstände gestartet und bist bis hier gekommen – bitte versuch es noch einmal mehr!“ Das gab Kraft das erste, schwere halbe Jahr nach der GbR Trennung durchzustehen. Im April 2012 war dann klar, dass ich es schaffen würde – es war mein schönstes Geburtstagsgeschenk!

Katja:  Bist Du selber eine große Leseratte? Oder hat man gar keine Lust, keinen Spaß mehr an Büchern wenn mal hauptberuflich ständig damit zu tun hat?

Britta:  Ich bin nach wie vor eine Leseratte vor dem Herrn, aber leider fehlt mir dazu oft die Zeit. Dennoch nehme ich sie mir, vor allem, wenn mich verlagsfremde Autoren um Rezensionen ihrer Bücher bitten. Alles, was ich gerne lesen würde, schaffe ich natürlich nicht – so nehme ich mir seit Wochen ein Buch von meiner Autorenkollegin Marika Krücken vor, das wirklich eine Rezension verdient hat, aber ich gestehe – es liegt bei meinen Kindern und ich vergesse es immer wieder, mit runter zu nehmen. Und da hilft auch kein Zettel schreiben, weil die vergess ´ ich auch 😉

Katja:  Was muss man für Eigenschaften mitbringen, um in einem Verlag arbeiten zu können?

Britta: Du fragst die Falsche! Weil ich bin ja nun sowas von ein Quereinsteiger im Verlagswesen, dass ich den Teufel tun werde, die Kriterien festzulegen, die andere „ordnungsgemäß“ von einem Verlagskaufmann geführte Häuser haben. Ich kann nur so viel sagen: Hätte man mir 2010 alles gesagt, was ich mir bis heute selbst beigebracht habe, ich glaube nicht, dass ich den Mut zur Gründung überhaupt gefunden hätte!

Katja:  Ist es schwer, sich als kleiner Verlag gegen die Giganten der Branche durchzusetzen? Was braucht man um da wirklich bestehen zu können?

Britta: Wer versucht, sich mit den Großen anzulegen, oder gar, sich gegen sie durchzusetzen, verliert! Das Schwerste ist, erst einmal das „Konkurrenzdenken“ aufzugeben. Jeden Tag werden zigtausend Bücher von Verlagen und Selfpublishern neu an den Markt gebracht und nur rein statistisch gesehen hat ein Verlag meiner Größe überhaupt keine Chance überhaupt auch nur ein Buch zu verkaufen. Also muss der Weg heißen, weg von der Konkurrenz, hin zur Zusammenarbeit! Was wollen wir? Autoren dabei helfen, ihre Bücher an den Markt zu bringen. Und um das langfristig zu schaffen, müssen sie sich verkaufen, daher gibt es nur ein wirkliches Ziel: Reichweite! Nicht zu verwechseln mit Wachstum! Ich kann 5-10 Titel haben aber mit meiner Werbung zigtausend Leute erreichen und bin damit erfolgreicher als ein Verlag, der hunderte von Titeln hat und nur einen Bruchteil meiner Reichweite hat. In den letzten 1,5 Jahren nach meinem Neustart habe ich deswegen den größten Teil meiner Zeit auf das Suchen und Finden von Möglichkeiten gesucht, unsere Bücher bekannt zu machen. Und das geht nur, wenn die Autoren wissen, was von ihnen erwartet wird und wo sie mit was unterstützt werden und umgekehrt. Teamwork also auch hier!

Katja:  Wie findet man gute Autoren? Wie trifft man eine Auswahl zwischen all den eingesandten Manuskripten? Ist das ein Bauchgefühl oder sitzt man da in einer Art Gruppe, in einem Team zusammen und berät sich?

Britta: Ich kann Dir nicht sagen, wie „man“ das macht – aber ich kann Dir sagen, dass in den meisten Fällen nicht ich meine Autoren gefunden habe, sondern meine Autoren mich. Ich bin ja nun sehr präsent in der Social Media und jeder Autor hat durchaus die Chance, mir über einen längeren Zeitraum „in die Karten zu schauen“ und mich mit Fragen und allem zu löchern, bis er sich entscheidet, mir sein Manuskript anzubieten. Die wenigsten Autoren schicken mir blind ihr Manuskript – und ich gestehe, das sind dann meist auch die Autoren, die ihr Manuskript relativ blind an viele Verlage zugleich geschickt haben – und die ich oftmals nicht nehmen „kann“ weil ich das, was von ihnen erwartet wird, (Garantiehonorare, große Werbebudgets) einfach nicht habe. Wer bei mir einreicht, weiß, worauf er sich „einlässt“ und hat begriffen, dass es mir an der Gemeinschaft und am gemeinsamen Wachstum gelegen ist und unterstützt diesen Weg. Vielleicht ist es deswegen inzwischen soweit, dass ich bis Ende 2014 keine neuen Autoren mehr annehmen kann, weil ich einfach nur noch übervoll mit wartenden Autoren bin, denen es daran gelegen ist, Teil des Traumstunden Verlag Essen zu werden, auch wenn das bedeutet, ein wenig warten zu müssen.

Katja:  Was muss ein Manuskript in Deinen Augen an sich haben, damit es „einschlägt“ und von dem Verlag angenommen wird?

Britta: Ein Manuskript, das ich bekomme, bewerte ich, wie ich ein Buch bewerten würde, das schon fertig ist. Fesselt mich die Story oder denke ich „Oh nein, nicht schon wieder?“ Dazu am besten die Geschichte unseres derzeitigen „Bestsellers“ im eBook-Bereich. „Hab keine Angst“ von Brigitte Lauterberg fand ich durch Zufall im Internet über die Schwägerin der verstorbenen Autorin. Und obwohl ich WEDER den Inhalt noch die Autorin kannte – ich sah das Buch, ich sah die Webseite und ich sagte: DAS will ich haben! Herausgeber Robert Lauterberg war überglücklich als ich ihm jetzt, drei Jahre nachdem ich die dritte Auflage übernahm, mitteilen konnte, dass der Spendenbetrag im kommenden Jahr zum ersten Mal dreistellig – wenn es so weitergeht sogar vierstellig werden wird. Es war nur mein Bauchgefühl – und dieses hat sich auch in anderen Manuskripten wieder bewahrheitet. Sicher – es gibt auch Fehlgriffe – die mir aber umso mehr beigebracht haben, auf mein diesbezügliches Gefühl zu vertrauen.

Katja:  Wie muss man sich die Betreuung eines Autors vorstellen? Was gehört alles dazu?

Britta: Ohje – das frag mal am besten meine „verwöhnte Truppe“ lach. Meine Autoren wissen, wenn ich nicht gerade schlafe, bin ich rund um die Uhr für sie da! Und zwar wirklich für alles. Meine Autoren sind ebenso Menschen wie Du und ich, und so bin ich ebenso für sie da, wenn es um Fragen rund ums Buchgeschäft geht, wie ich mich gerne mal spontan „auf ein Schwätzchen“ einlasse. Man hat mir wirklich schon gesagt, ich würde meine Autoren „verwöhnen“ aber man darf dabei auch nicht vergessen, dass ein Großteil der Arbeit bei ihnen liegt! Der Leser von heute – der Kunde aus der Social Media mag Autoren, bei denen er das Gefühl hat, sie „anfassen zu können“  – die Politik der Nähe, die wir bei uns haben, ist eigentlich weniger Politik als Lebenseinstellung! Wenn ich oder meine Autoren nur noch mit Leibwächter vor die Türe gehen können, ist irgendwas falsch gelaufen (lacht)

Katja:  Das Cover entscheidet oftmals über einen spontanen Kauf – zumindest ist es bei mir so. Ist ein Cover ansprechend, nehme ich das Buch eher mal in die Hand als sonst. Wer entscheidet ihn Deinem Verlag über die Covergestaltung? Hat der Autor ein Mitspracherecht?

Britta: Wenn ich jetzt sage: „Letzten Endes entscheidet der Autor“ – ernte ich vermutlich hochgezogene Augenbrauen – aber genauso ist es. Und zwar aus einem sehr einfachen Grund: NIEMAND kennt den Inhalt eines Buches besser als der Autor. ER hat die Geschichte gelebt, erlebt, durchlebt und er weiß am ehesten, welches Gefühl er seinen Lesern mit auf den Weg geben möchte. Damit entscheidet er aber beim Schreiben schon darüber, welchen Leserkreis er ansprechen möchte. Und diese erste Entscheidung übermittelt eben das Cover. Hinzu kommt, dass es der Autor ist, der mit seinem Buch „an der Front“ steht! Bei Lesungen und ähnlichen Events möchte kein Autor hören „Also wenn ich jetzt nach dem Cover gegangen wäre, ich hätte das Buch nie gekauft!“ …Das ist, was wir zu vermeiden versuchen, weil das frustriert total. Und ich habe eines nicht vor: Meine Autoren hinterher bei unseren Partnern von der „EIGD“, der Europäischen Interessengemeinschaft gegen Depression abliefern zu können …

Katja:  Wie sollte ein ansprechendes Cover Deiner Meinung nach ausschauen? Was für Merkmale muss es aufweisen, um zu Augenschmaus und nicht zum Augengraus zu werden?

Britta: Seit ich den Verlag habe sehe ich jeden Tag, wie wichtig ein guter Grafiker ist! Ich gestehe – unsere ersten Cover habe ich noch selbst gemacht. Wenn ich mit meinem Wissen von heute auf die Werke von damals schaue, möchte ich mich manchmal schütteln! Ein Cover sollte zum Lesen einladen und auch die Stimmung des Buches wiederzugeben versuchen. Leider verfügt nicht jeder Mensch, der sich daran versucht, ein Cover zu entwerfen auch über das notwendige Wissen – oder die entsprechenden Programme. In diesem Fall rate ich dann doch dazu, lieber das Geld für einen Grafikdesigner auszugeben … das ich mir durch die Kenntnisse meines Mannes zum Glück sparen kann (lacht)

Katja: Zeigst Du uns Dein Lieblingscover unter den im Traumstunden-Verlag erschienenen Büchern? Und warum ist gerade das Dein Liebling?

Britta: Ich habe kein „Lieblingscover“. Mir bedeutet jedes Cover etwas, weil jedes Cover ein Teil der Entstehungsgeschichte eines Buches ist. Mit zum Teil recht witzigen Geschichten dahinter. Von denen falsch calibrierte Monitore oder mein Mann im Krankenhaus zwei Tage vor Drucklegung die weniger schönen sind – aber die, aus denen wir gelernt haben. Mein Mann hat inzwischen Adobe in der Cloud Version und könnte theoretisch auch im Krankenhaus arbeiten und wir wissen, dass die Ansicht auf meinem Monitor die ist, die den späteren Druck wiederspiegelt … um nur zwei Beispiele zu nennen. Hinter jedem Cover steht eine ganze Geschichte und wenn ich mal viel Zeit habe, schreib ich die auch alle mal auf 😉

Katja: Zum Thema Werbung gefragt: Wie schaut das bei Euch mit der Werbung aus? Ich muss gestehen – hätte mich eine weitere Leseratte, nämlich Britt – nicht auf den Verlag hingewiesen, hätte ich glaube ich ihn bewusst nie wahr genommen. Was macht ihr, um bekannter zu werden?

Britta: Puhhh – ich bin versucht, zu sagen: “Was machen wir nicht?“

Fakt ist, ich bin immer bestrebt, mit unserer Werbung kein Geld zu verbrennen! Daher belief sich die Werbung der letzten 1,5 Jahre überwiegend auf Onlinewerbung. Täglich erscheint ein Artikel auf unserem Blog (ja, den schreibe ich selber … neben allem anderen 😉 ), die Fanpage des Verlages umfasst inzwischen über 2100 Fans und wir arbeiten täglich an steigender Reichweite in der Social Media. Mundpropaganda wie eben die von Britt und vielen unserer weiteren Rezensenten runden das Bild ab und überdies schreibe ich in möglichst regelmäßigen Abständen Onlinepresse über einen Verteiler, der inzwischen an die hundert weitere Portale und RSS Verzeichnisse versorgt. Twitter mit knapp 3700 Kontakten ergänzt die tägliche Arbeit.

In den nächsten Wochen wird dann für dieses Jahr die zweite „Offline-Offensive“ starten. Mithilfe unserer Autoren und einem Radwerber in Baden Württemberg werden zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum insgesamt dritten Mal in der „neuen Verlagsgeschichte“ Flyer verteilt. Gestartet sind wir 2011/2012 mit 2500 Flyern und null Kundenreaktion. Die zweite Aktion mit insgesamt 5000 Flyern zeigt schon deutliche Kundenresonanz in den Verkäufen und die jetzt kommende wird mit 10.000 Exemplaren mit Sicherheit noch mehr Reichweite erzielen.

Was wir jedoch NICHT machen sind derzeit Messeteilnahmen. Und wer schon einmal auf einer der großen Messen war, der kann sich auch ausrechnen, warum. Um es kurz zu machen: Hast Du eine Ahnung, wie viel Bücher ich für 2500 Euro an den Markt bringen kann? Weil unter dieser Summe brauch ich auf keiner Messe aufzuschlagen …

Katja: Ist es ein großer Nachteil, dass die Buchläden kleine Verlage fast nie in ihrem Sortiment haben? Was meinst Du, sollte sich in der Branche ändern damit kleine Verlage nicht aussterben sondern eine faire Chance haben.

Britta: WEIL die Buchhandlungen kleine Verlage selten in ihrem Sortiment haben, gewinnen Onlinehändler mehr und mehr Marktanteile. Andererseits sollten Verlage nicht dem Buchhandel die Schuld daran geben, wenn sie nicht wahrgenommen werden, sondern einfach ihre Werbung auf den Endkunden und nicht auf den Buchhandel ausrichten! Ein Kunde, der ein Buch von uns in einer deutschen und zum Teil sogar in einer österreichischen oder schweizerischen Buchhandlung bekommen will, der bekommt es. Weil wir halt bei den entsprechenden Grossisten gelistet sind. Das kann jeder Verlag. Ob er es aber weiß und will … das mag ich nicht zu beurteilen.

Katja: Mir ist aufgefallen, dass die Bücher kleinerer Verlage in der Regel teurer sind als in etwa gleich starke Bücher bei den großen Verlagen. Woran genau liegt das?

Britta: Am Herstellungspreis! Kleinauflagendrucke sind um ein vieles teurer als der gleiche Druck in einer großen Auflage. Die großen Verlage haben meist hauseigene Druckereien – für einen kleinen Verlag ist es ungleich schwerer eine Druckerei zu finden, die qualitativ mit den Großen mithalten kann und dabei bezahlbar ist. Ich könnte zwar jetzt darüber referieren, dass es trotzdem nicht zu schwer überhöhten Preisen kommen muss, aber da ich keine Betriebswirtschaft studiert habe, überlasse ich das den Fachleuten.

Liebe Britta, vielen Dank für das ausführliche und sehr nette Gespräch. Für die Einblicke in Deinen Gedanken und Deine Arbeit. Ich hoffe, wir laufen uns irgendwann einmal wieder und dann vielleicht auch persönlich, über den Weg.

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