Fabelhafte Fabelwesen – im Interview mit Katie Grosser

Ich bin immer wieder überrascht, welche Reaktionen auf unsere Blogger-Aktion „Darf ich bitten: Deutsche Autoren im Interview“ erfolgen. Die Jungautorin Katie Grosser wurde auf diese Aktion aufmerksam, wandte sich an mich und siehe da … hier ist ein interessantes und sympathisches Interview mit der Kinderbuchautorin, die ganz frisch ihr erstes Buch auf den Markt gebraucht hat. Katja: Hallo Katie, wie war Dein Tag bisher?

Katie: Super, vielen Dank! Ich habe heute Vormittag und Nachmittag gearbeitet, bin vorhin nach Hause gekommen und habe einen entspannten Abend vor mir.

Katja: Wie würdest Du Dich kurz und knapp in drei Worten beschreiben?

Katie: Neugierig, verlässlich, lebhaft

Katja: Du hast angefangen, Geschichten für Familie und Freunde zu schreiben, Dein Kinderbuch war eher für Deine jüngeren Schwestern gedacht. Wann kam der Gedanke „ich werde Autorin“? War der Wunsch, für viele Kinder zu schreiben, schon immer da?

Katie: Ich habe als Kind schon unheimlich viel gelesen.  Es hat mich immer sehr traurig gemacht, wenn ein gutes Buch durchgelesen war.  Leidenschaftliche Leser kennen dieses Gefühl sicher.  Aus der Liebe zum Lesen erwuchs auch schnell das Bedürfnis, selbst so tolle Geschichten aufs Papier zu bringen. Dabei hat sicher auch geholfen, dass ich schon immer viel Fantasie hatte. Autorin wollte ich also schon in meiner Kindheit werden, wobei mir das weniger als Beruf vorgeschwebt hat, sondern ich einfach nur schreiben und somit meiner Leidenschaft nachkommen wollte. In meiner Jugend habe ich dann nicht aufgehört, sondern einfach weitergeschrieben – manchmal waren es Krimis, manchmal Liebesgeschichten, ein Abenteuerroman war auch dabei und auch ein Roman darüber, wie ich mir das Studentenleben vorgestellt habe. Nach dem Abitur habe ich feststellen müssen, dass im Studentenleben doch alles ganz anders ist 😉  Explizit für Kinder wollte ich also gar nicht immer schreiben. Mein erster gedanklicher Leser war immer ich selbst, denn natürlich schreibe ich nur Geschichten, die mich auch selbst interessieren. Ansonsten sind meine Romane bisher schon an Erwachsene gerichtet gewesen. „Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt“ ist mein erster Kinderroman. Die Idee dafür ist entstanden, als meine jüngeren Schwestern – zu der Zeit 6 und 9 Jahre – gefragt haben, wann sie denn endlich auch einmal etwas von mir lesen könnten.

Katie GrosserKatja: Dein Debüt-Roman “Rissa Filial und das Vermächtnis der Fabelwelt” ist im Herbst dieses Jahres erschienen. Was hast Du gedacht, als es hieß, dass es erscheinen wird? Wo warst Du, als diese tolle Nachricht kam?

Katie: Mein Verleger hat schon bei unserem ersten Treffen ein starkes Interesse am Roman signalisiert. Ich war natürlich erst einmal ziemlich baff, da ich damit gar nicht gerechnet hatte. Wir haben uns in einem Café in meiner Heimatstadt getroffen und ich hätte mir in dem Moment, glaube ich, gewünscht, meine Familie und Freunde dabei zu haben, damit sie sich sofort mit mir freuen können!

Katja: Was geht da in einem vor, wenn man weiß, dass sein erstes Buch entsteht, gedruckt und veröffentlicht wird?

Katie: Das ist eine total spannende Zeit. Ich habe mir natürlich viele Gedanken darüber gemacht, wie man mit dem Roman die Leser ansprechen kann. Beispielsweise habe ich meinem Verleger einen Malwettbewerb zur Buchpräsentation vorgeschlagen, bei dem schließlich mehr als 60 Kinder mitgemacht haben!  Ein klasse Gefühl, auf so viel positive Resonanz zu stoßen 🙂

Katja: Hast Du ein Mitspracherecht bei der Auswahl / der Gestaltung des Covers gehabt oder lag das ganz in den Händen des Verlages?

Katie: Ich durfte meine Vorstellungen mit dem Verleger teilen und vor der Überarbeitung des ersten Entwurfs auch den Illustratoren gegenüber meine Kritik äußern. Darüber bin ich sehr froh, denn so ist ein wirklich wunderbares Cover entstanden. Vor allem Rissa und Leander, die beiden Hauptfiguren meines Romans, sehen genauso aus, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Ich habe es schon an vielen anderen Stellen gesagt, werde aber nicht müde, es zu wiederholen: Die beiden Illustratoren Timo und Vivi von KreaTiVi haben ganze Arbeit geleistet!

Katja: Erzähl uns doch mal etwas über Dein Buch. Was liebst Du an den Figuren besonders und wie kam Dir die Idee, gerade diese Geschichte zu schreiben?

Katie: Rissa und Leander sind für mich inzwischen wie ein Teil der Familie, so verrückt das vielleicht klingen mag. Inzwischen bin ich ja schon dabei, ihr drittes Abenteuer zu schreiben und manchmal schreibe ich etwas, das Rissa tut, und merke dann „Halt, stopp, das würde Rissa so nie machen“. Sie haben ein Eigenleben entwickelt und das finde ich toll. An Rissa liebe ich vor allem ihre Loyalität ihren Freunden und ihrer Familie gegenüber. Außerdem ist sie sehr mutig und scheut trotz der Angst, die sie manchmal verspürt, nicht vor den ihr übertragenen Herausforderungen zurück. Sie ist auch etwas anders als andere Kinder, weiß das aber über sich selbst und ist auch (die meiste Zeit) mit sich im Reinen. Leander kann sehr aufbrausend sein und hat seine Launen nicht immer unter Kontrolle, aber das macht ihn gerade so authentisch. Auch er ist unglaublich loyal und würde alles für Rissa tun. Mir war es wichtig, über Kinder zu schreiben, die einerseits Vorbilder sein können, aber andererseits auch ihre Fehler haben. Denn kein Mensch ist perfekt und jeder Mensch hat das Potenzial, über sich selbst herauszuwachsen.

Katja: Ist man als junge und unbekannte Autorin gespannter auf das Feedback der Leser als vielleicht als „gestandene“ Autorin?

Katie: Da ich (noch) keine „gestandene“ Autorin bin, kann ich das nicht vergleichen. Aber als junge und unbekannte Autorin freue ich mich riesig über jedes Feedback. Eine junge Leserin hat den Roman an einem Abend verschlungen und wollte am liebsten direkt den zweiten Band lesen – ein tolles Gefühl, so etwas zu hören! Nach der Buchpräsentation habe ich von einem Gast auch ein längeres Feedback bekommen, was mich ebenfalls sehr gefreut hat. Bisher war noch keine Kritik dabei, aber auch die würde ich dankbar annehmen, denn besser kann man immer werden und ich bin diesbezüglich für Vorschläge offen.

Katja: Wer ist Deiner Meinung nach ein kritischerer Leser? Der erwachsene Leser oder doch eher das Kind?

Katie: Ich bin der Ansicht, dass Kinder genauso kritisch sind bzw. sein können wie Erwachsene. Auch Kinder möchten eine unterhaltsame und rasante Geschichte geboten bekommen, von unerwarteten und spannenden Wendungen überrascht und mit einem schlüssigen Ende belohnt werden. Da unterscheiden sie sich nicht groß von Erwachsenen. Zumindest habe ich persönlich in meinen Kinderroman genauso viel Arbeit investiert, wie ich es zuvor bspw. bei einem historischen Roman oder einem Krimi für Erwachsene getan habe.

Katja: Du schreibst bereits an den Fortsetzungen der Geschichte, promovierst seit Oktober 2014, gibst Seminare und historische Stadtführungen durch Deine Wahlheimat. Was motiviert Dich, all dies parallel zu machen?

Katie: Eine gute Frage 🙂  Schreiben ist für mich nicht einfach nur ein Hobby, sondern auch Entspannung. Ich liebe es, mir Gedanken um die Beweggründe und Motive der Charaktere zu machen oder darüber zu grübeln, wie die Geschichten in einem schlüssigen Ende zusammenkommen können. Meine Gedanken in Worte zu Papier zu bringen bereitet mir Freude. Deshalb brenne ich auch für die Wissenschaft. Während die Herausforderung beim Roman-Schreiben darin besteht, eigene Ideen zusammenzubauen, gilt es bei der Wissenschaft, auf bisherigen Erkenntnissen aufzubauen und sie schlüssig zusammenzuführen und daraus eigene neue Erkenntnisse zu ziehen und neues Wissen zu entdecken – ein hochspannender Prozess! Historische Stadtführungen gebe ich momentan nur noch auf Anfrage, dann aber mit viel Elan und Freude. Geschichte hat mich schon immer interessiert und ich liebe meine Wahlheimat Münster. Zwar bin ich selbst mit 24 Jahren noch recht jung, möchte aber alles, was ich bisher über Kommunikation gelernt habe – ob im alltäglichen Leben oder in der Universität – an andere weitergeben. Deswegen leite ich Seminare zum Thema Kommunikation. Das mag auf den ersten Blick nach viel Aktivität aussehen, aber ich brauche das. Natürlich kann ich mich bei einem Buch und einer Tasse Tee entspannen und genieße sonntags auch lange Spaziergänge. Aber ein typischer Faulenzer bin ich nicht – wenn ich gerade kein „Projekt“ habe, dann brennt es mir unter den Nägeln, ein neues zu finden.

Katja: Wie sieht ein ganz normaler Tag bei Dir aus? Und was macht einen normalen Tag vielleicht zu einem perfekten Tag?

Katie: Ich stehe meistens morgens um sechs Uhr auf und mache mir ganz gemütlich Frühstück. Beim Essen informiere ich mich dann im Internet, was aktuell so in der Welt geschieht, bevor ich dann vor der Arbeit schnell noch eine TV-Serie anschaue.  Das ist für mich Luxus – früh aufstehen, um noch das Vergnügen vor der Arbeit zu erledigen. Wenn ich nicht im Home Office arbeite, fahre ich dann ins Büro und setze mich an meine Dissertation. Wenn ich nachmittags nach Hause komme, beginnt es in dieser Jahreszeit schon zu dämmern. Das finde ich aber gar nicht schlimm, denn dann ist es drinnen besonders gemütlich. Ich treffe mich dann noch mit Freuden oder unternehme etwas mit meinem Freund. Oft erledige ich dann auch noch organisatorische Dinge, die so im Alltag eben anfallen – Rechnungen überweisen, Wäsche machen, aktuell vor allem Weihnachtsgeschenke planen und basteln. Seit der Buchpublikation bin ich nachmittags auch viel damit beschäftigt, die Werbung für meinen Roman zu organisieren und zur Presse Kontakt aufzunehmen oder gleich Pressegespräche zu führen.

Perfekt ist ein Tag für mich, wenn ich mindestens eine Stunde, wenn nicht mehr, gelesen habe. Und wenn es einen schönen Sonnenaufgang und -untergang gibt.

Katja: Hast Du einen Tipp, wie man nach einem langen und stressigen Tag am besten entspannen kann? Wie entspannst Du Dich?

Katie: Bei einer Tasse Tee und einer guten Zeitschrift oder einem guten Buch. Manchmal packe ich, wenn ich von der Arbeit komme, gar nicht meine Tasche aus, sondern beginne direkt mit der Entspannung. Bei mir gehört auch der entspannte Look dazu – Leggings und ein gemütliches T-Shirt. In Jeans kann ich nicht entspannen 😉

Katja: Auf Deiner Homepage steht, dass Du gute Bücher und gesellige Spiele magst. Welches Buch hast Du als Kind gern gelesen, und was liegt aktuell auf Deinem Nachttisch?

Katie: Als Kind war ich ein Fan von Serien. Ich habe nacheinander und parallel – so genau weiß ich es nicht mehr – u.a. „Die Chroniken von Narnia“, „Harry Potter“, „Anne auf Green Gables“, „Fünf Freunde“, „Hanni und Nanni“, „Artemis Fowl“, „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ und „His Dark Materials“ gelesen. Aber auch Romane, die nicht Teil einer Serie waren, haben mir gefallen. Wenn ich so darüber nachdenke, gab es eigentlich nichts, das ich nicht gelesen hätte. Ich habe gestern gerade einen irischen Krimi zu Ende gelesen. Jetzt liegt auf meinem Nachttisch – und ich freue mich schon riesig darauf, es zum nunmehr dritten Mal zu lesen – „Die Säulen der Erde“. Vor kurzem war ich im Urlaub in Irland und habe dort viele alte Burgen und Kirchen gesehen und dabei total Lust darauf bekommen, Ken Folletts Meisterwerk noch einmal zu lesen.

Katja: Du spielst auch gern. Gibt es einen Favoriten in der großen Spielewelt? Magst Du eher Brett- oder Kartenspiele?

Katie: Oh ja, der absolute Favorit ist „Siedler von Catan“, das spiele ich immer mit meiner ganzen Familie, alle sechs an einem großen Tisch. Auch Schach und Halma spiele ich sehr gerne, so als klassische Brettspiele. Bei den Kartenspielen gefällt mir „Wizard“ sehr gut, auch wenn ich erst ein wenig brauchte, um es richtig gut zu können. Wenn ich mit meinen Freundinnen Karten spiele, greifen wir auch oft zu „Ligretto“ – und dabei kann es richtig wild werden! Zum Mau-Mau Spielen bin ich mir aber auch nie zu schade 😉

Katja: Es ist Herbst, die Blätter fallen, es wird schneller dunkel und in den Läden lauern schon die Weihnachtssüßigkeiten und die Weihnachtsdekoration. Die Leute sind auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken und der perfekten Idee. Welches Buch würdest und wirst Du vielleicht sogar zu Weihnachten verschenken?

Katie: Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit, also freue ich mich erst einmal über die schöne Frage. Ich werde meiner mittleren Schwester auf jeden Fall ein Buch zu Weihnachten schenken, und zwar einen Roman, den ich als Kind selbst mit Begeisterung gelesen habe. Welcher es ist, kann ich hier nicht verraten, das Interview liest sie bestimmt noch. 🙂 Meinem Vater möchte ich auch ein Buch schenken, aber keinen Roman, sondern ein Sachbuch. Generell verschenke ich sehr gerne Bücher, denn sie sind ein bewährter Klassiker und schaffen es – auch noch im Zeitalter von YouTube, Twitter, Facebook und Co. – den Horizont eines jeden Beschenkten zu erweitern.

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