Falknertag im Schloss Lauenstein 2.0

Zu unserer Hochzeit vor 3 Jahre im Juli haben Markus und ich uns eines vorgenommen: in Zukunft begehen wir unseren Tag nur für uns und schaffen uns einmalige, wunderschöne Erlebnisse. Nachdem wir im ersten Jahr auf den Monsterrollern den Fichtelberg heruntergefahren sind, waren wir im 2. Jahr zum Falknertag auf Schloss Lauenstein. Die Arbeit mit den Tieren hat uns damals so gut gefallen, dass wir das unbedingt in diesem Jahr wiederholen wollten. Ausschlaggebend für die Entscheidung war mit Sicherheit auch, dass wir zum Falkner Henry und seiner wundervollen Frau Katrin ein so gutes Verhältnis haben und uns dort sehr wohl fühlen.

Also buchten wir auch in diesem Jahr den Falknertag und waren am 27. Juli kurz vor 10 Uhr pünktlich vor Ort. Da wir die ersten waren, setzten wir uns schon mal in den Biergarten des Falknerstübels, wo wir verabredet waren. Ich war ehrlich gesagt sehr aufgeregt, freute ich mich doch auf die erneute Begegnung mit „meinen“ Vögeln. Auf die Schneeeule Anton; die Sakerfalken, allen voran Jackie und Gerda, die Eule mit den wunderbar intensiven orangen Augen.

Plötzlich hörte ich kleine Steinchen rollen und erschrak. Neben mir auf dem Boden saß auf einmal Anton, der unbemerkt von mir herangerauscht gekommen war. Dann sah ich auch schon Henry auf uns zukommen, lachend weil Anton mich erschrecken konnte und in Begleitung zweier weiterer Personen. Im ersten Moment war da Enttäuschung – Enttäuschung pur. Hatte ich mich doch auf einen exklusiven Falknertag gefreut. Ich versuchte jedoch, mir nichts anmerken zu lassen und als er uns die 11jährige Antonia mit der Bemerkung vorstellte, das ihr Berufswunsch Falknerin sein, war eh alles vorbei.

Einen traurigen Moment gab es, als Henry mir gleich am Anfang sagte, dass Harry eingeschläfert werden müsste. Harry, der kleine Harris Hawk (Wüstenbussard) den ich auf der Hand hatte, als er 4 Wochen alt war und noch einmal gesehen hatte, als er 8 Wochen alt war. Der kleine Kerl war leider krank und der Tierarzt konnte ihm nicht mehr helfen. Nachmittags zeigte Katrin mir dann die Röntgenbilder und da verstand ich noch besser, warum das sein musste 🙁 Ich werde den kleinen Kerl nie vergessen.

Dann gab es eine erste, kurze Einweisung und Erklärung seiner Falknerei in der Gaststätte, wo Buntfalke Goliath schon wartete. Der kleine Kerl war wie immer das erste Fotomotiv des Tages: irgendwie muss das jedes Mal sein. So, wie immer ein zweites Foto jedes Mal unbedingt sein muss – aber dazu später.

Schon während der ersten kurzen „Einweisung“ kamen die ersten Gäste, die um 11 Uhr sich die Show anschauen wollten und bevölkerten den Gästegarten. So hatten wir bereits Zeugen, als Antonia mit Goliath auf dem Arm rausging, Markus und ich mit dem Falkner zusammen die Vögel aus ihrem Nachtquartier holten. Ich bekam einen Sakerfalken mit dem Namen Didi auf die Faust und brachte ihn zuerst zum Reck, wo er eigentlich bis zum Beginn der Show sitzen sollte. Aber Didi passte das gar nicht. Er „lahnte“ – zu gut deutsch er meckerte – so dass der Falkner mich bat, mit ihm spazieren zu gehen. Das tat ich natürlich gerne, nahm ihn wieder auf und ging durch den kleinen Park, gefolgt von Antonia mit Goliath und nur wenig später stieß Markus zu uns. Er trug ebenfalls einen Sakerfalken, den Bruder von Didi und der hieß Falco.

Muss ich erwähnen, dass wir bei unseren Rundgängen im Park Zuschauer hatten? Gäste, die natürlich die Kameras und Handy zückten, um zu fotografieren? Immer mehr Gäste kamen, darunter auch viele Kinder, die natürlich je nach Temperament entweder in respektvoller Entfernung stehen blieben oder nah an uns und die Tiere rankamen.

Kurz nach 11 Uhr begann die erste Falknershow, bei der wir natürlich wieder aktiv mithelfen durften. So trugen wir die Vögel, fütterten sie auf der Faust und ließen sie von Faust zu Faust fliegen.

Wir haben diese Show bereits einmal als aktive Helfer und mehrfach als Zuschauer mit einem Falken auf der Faust erlebt und jedes Mal sagen wir hinterher, dass wir wieder neue Sachen erfahren haben. Es wird einfach nicht langweilig und auch wenn sich einiges logischerweise immer wieder wiederholt, gestaltet Henry die Shows so, dass sie auch für „Mehrfachtäter“ wie für uns interessant bleiben.

„Mein“ Sakerfalke Didi entpuppte sich bei mir auf der Faust als kleiner Frechdachs. Er zwickte mir ganz sanft immer wieder in den Hals und in den Ausschnitt. Er zupfte am T-Shirt, zeigte großes Interesse an meiner Halskette und an meinen Haaren. Ab und an „schimpfte“ ich mit ihm, was mir erstaunte und belustigende Blicke der anderen einbrachte, aber wirklich böse war ich „Didi“ nicht. Zumal er mir auch nicht weh tat damit. Im Gegenteil: er brachte mich zum Lachen.

Nach dem die Show beendet war, stand für die Gäste der ersten Show und auch für uns noch das Kuscheln mit Frettchen auf dem Programm. Danach kam für die Teilnehmer des Falknertages der gemütliche Teil: Mittagessen im Falknerstübel. Wie immer sehr leckeres Essen und interessante Gespräche mit dem Falkner aber auch mit Antonia und ihrer Mama Anja, die als Begleitperson dabei war. Ein Gesprächsthema ergab sich relativ schnell: Bücher. Auch Anja und Antonia hatten das Buch der Falknerin Sandra Jung gelesen und wollten sich die Falknerei mal anschauen, was wohl nächstes Jahr auf dem Programm steht. Ich bekam dabei auch noch einen Buchtipp: ein Fachbuch für die Falknerprüfung, die mich aktuell auch sehr reizt.

Nach dem Mittagessen hieß es: auf zum Spaziergang und Fotoshooting mit Vogel. Und welchen Vogel wünschte ich mir? Markus und Antonia gingen mit den Sakerfalken spazieren, aber für mich sollte es Gerda sein. „Sicher?“ fragte Henry und hatte durchaus Recht. 3,5 kg bei einem Spaziergang auf der linken Faust zu tragen, war nicht einfach. Aber ich wollte einfach die Kuscheleinheiten von Gerda, denn das machte sie mit am liebsten. Also bekam ich sie und schon als wir ein paar Schritte gegangen waren, nahm ich sie ganz nah ran und spürte ihre warmen Körper, die weichen Federn. Sie rieb ihren Kopf an meiner Schulter, blickte über diese drüber und ab und zu berührte sie ganz sanft mit dem Schnabel mein Gesicht. Wir liefen zu viert ein ganzes Stück, Anja durfte uns nicht begleiten, und fanden immer wieder schöne Fotomotive, wo wir uns mit unseren Tieren ablichten ließen. Es machte viel Spaß und auch da unterhielten wir uns und lernten viel. Da mir Gerda mit der Zeit doch zu schwer wurde, übernahm Markus sie und das sogar sehr gern.

Dann kam die zweite Show des Tages, diesmal mit etwas weniger Gästen, und wieder waren wir aktiv dabei. Ein wenig traurig war ich dann schon, weil Didi eigentlich das erste Mal frei fliegen sollte, aber so überhaupt keine Lust hatte. Das wäre seine Premiere gewesen und ich hätte dabei sein können. Aber entweder war es ihm zu warm oder aber er hatte sein Fluggewicht nicht. Woran es lag? Ich weiß es nicht.

Während die Gäste der ersten Show kein Interesse an einem Foto mit der Schneeeule Anton zeigten, wollten dieses Mal einige Gäste ein solches Bild. Und da entstand auch für mich wieder das „Muss-Foto“. Denn jedes Mal, wenn wir eine solche Show bei Henry besuchen, muss dieses Foto einfach sein.

Für uns gab es in gemütlicher Runde noch das Abschluss-Kaffeetrinken, wir bekamen unsere Falknerurkunde und durften uns Federn als Erinnerung raussuchen. Dann war der Tag eigentlich zu Ende, Anja und Antonia fuhren weiter zu ihrer Familie und wir – nun wir blieben dann doch fast noch eine Stunde. Wir redeten noch ganz ungestört mit Henry und Katrin, ich kuschelte noch mal in Ruhe mit dem Frettchennachwuchs und wir überlegten, warum Didi heute nicht fliegen wollte. Das Fluggewicht könnte eine Rolle spielen so holte Henry die Waage. Und siehe da: die Wärme des Tages und dazu ein aktuelles Gewicht, welches über dem idealen Fluggewicht des Sakerfalken liegt: des Rätsels Lösung war gefunden.

Schließlich nahmen wir dann Abschied, aber ich versprach dem Falkner – aber hauptsächlich meinen gefiederten Freunden – ein baldiges Wiedersehen.

Danke, wie immer, an Dich Markus, dass Du meine Träume und Interessen teilst 🙂
Danke an den Falkner Henry Dydymski und seine bezaubernde Frau Katrin für den Tag mit Euren Vögeln.
Danke Antonia, für deine kindliche Begeisterung für diese tollen Vögel. Ich wünsche dir, dass du dir deinen Traum erfüllst.

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3 Responses to Falknertag im Schloss Lauenstein 2.0

  1. Beth Hejl sagt:

    Das klingt so toll! Bei einem Flugshow habe ich noch nicht geholfen aber Mein Mann und ich haben an einigen Falknernachmittage gemacht und Flugshows gesehen und fotografiert. In Schottland war es inklusiv „Walk with a hawk“ (ein Harris Hawk). 🙂

    Ich habe gerade das Buch von Sandra Jung, das du erwähnt hast, bestellt – ich lese auch furchtbar gern! Nun muss ich dein Interview mit ihr lesen. Das Fachbuch – ist es das von Horst Schöneberg? Ich würde am liebsten gleich damit anfangen, aber zuerst muss ich meine Jägerprüfung bestehen. Fotografie ist auch ein leidenschaftliches Hobby von uns (meinem Mann und mir), also wir haben anscheinend viel gemeinsam. 🙂

    LB aus dem Schwabenland

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