Gut Aiderbichl – ein Zufluchtsort für Tiere

Bisher habe ich immer nur von „Gut Aiderbichl“ gehört, wenn es um die weihnachtliche Volksmusiksendung ging, die meine Oma so geliebt hat. Als ich unseren Spätsommer-Urlaub im Bayerischen Wald plante und feststellte, dass in relativer Nähe zu unserem Quartier einer der Gnadenhöfe für Tiere war, wollte ich ihn mir unbedingt anschauen.

Im Jahr 1999 gründete Michael Aufhauser den ersten Tier-Gnadenhof in Henndorf am Wallersee mit dem Gedanken, Tieren die keiner mehr will und die vielleicht getötet werden müssen, ein zu Hause zu geben. Hauptsächlich geht es dabei, anders als bei Tierheimen, um Nutztiere wie Pferde, Rinder, Schweine, Esel und Ziegen – aber auch einige Zirkustiere finden dort ihr zu Hause auf Lebenszeit.

Vier Jahre nach der Gründung startete im TV die Sendung „Weihnachten auf Gut Aiderbichl“, die dafür sorgte, dass der Hof bekannt wurde. Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 25 Höfe dieser Art, welche auch in Frankreich und der Schweiz zu finden sind.

Im Jahr 2006 wurde der von uns besuchte Hof in Deggendorf errichtet – einer von 3 Höfen die man besuchen kann.

Wir vier sind eigentlich ohne große Erwartungen hingefahren und als wir kurz nach der Öffnung des Hofes um 10 Uhr da waren, waren nur wenige Leute unterwegs. Gleich am Eingang, noch ehe wir das Gelände betreten hatten, strahlten die Augen unserer Tochter das erste Mal: Pferde über Pferde. Wie wir später beim Rundgang erfuhren, werden hier sehr viele Polizeipferde aufgenommen, nachdem sie krankheits- oder Altersbedingt aus dem aktiven Dienst ausscheiden müssen. Da ihnen keinerlei „Rente“ zusteht und das „danach“ nicht geklärt ist, müssten viele der Tiere eigentlich zum Abdecker – es sei denn sie finden hier ein zu Hause.

Beim ersten Rundgang über das Gelände stellten wir fest, dass viele der Tiere frei herumlaufen konnten. Pferde und Kühe waren auf der Weide, auf der Koppel. Aber unzählige Ziegen, Schafe und Esel rannten frei zwischen den Besuchern umher und holten sich Streicheleinheiten.

Regelmäßig werden auf dem Hof Führungen über das Gelände angeboten, bei denen die Gäste viel über die Philosophie des Gründers Aufhauser erfahren, über die Arbeit mit den Tieren und auch die Schwierigkeiten, auf die die Mitarbeiter immer wieder stoßen. Wir nahmen die Chance war und waren bei der ersten Führung des Tages dabei. Paul, der Mitarbeiter der die Führung übernahm, hatte einige Hunde dabei. Hunde, die ebenfalls hier auf dem Gelände leben, ungeliebte Tiere sind oder „Waisen“, wo sich die Besitzer nicht mehr kümmern können, weil sie im Pflegeheim oder verstorben sind. Letzteres war bei dem Westi „Konrad“ der Fall, der für einen Spaziergang bei uns vieren landete. Er schmuste sich direkt in unser Herz, ging bereitwillig an der Leine mit und ließ sich sogar von unserem Jüngsten führen. Wenn wir nicht schon unsere Katze Mila zu Hause hätten, ich glaube ich hätte meine Lieben überredet, dem 11jährigen Konrad ein schönes zu Hause zu geben. Jedenfalls denke ich noch heute gern und viel an den Schelm mit den braunen Augen zurück.

Während der Führung erzählte Paul viel über die Tiere, deren Geschichten (die man auch auf den Tafeln an den Boxen nachlesen konnte) und so manches Mal trieb es uns die Tränen in die Augen. Aber auch Wut auf so manchen „Tierfreund“ machte sich breit.

Nach der Führung gaben wir Konrad schweren Herzens wieder ab – schauten aber immer Laufe unseres Aufenthaltes dort immer wieder bei ihm vorbei – und liefen noch einige Runden über den Hof. So entdeckten wir die West Highland-Rinder, das Alpaka und das Lama mit gemeinsamen Nachwuchs und natürlich die Katzenvilla mit den unglaublich vielen Katzen.

Geplant war der Besuch dort mit 2 bis 3 Stunden, schließlich wollten wir ja an dem Tag auch noch bis nach Hause weiterfahren. Aber mit dem leckeren (vegetarischen) Essen im dortigen Bistro und vielen Runden dort blieben wir 5 Stunden da.

Als wir dann doch, nach einer letzten „Abschiedsrunde“ und noch mal Tiere knuddeln den Heimweg antraten, waren unsere Kinder Florentine & Max Paten geworden: von der Eselsdame Donna. Mit einem kleinen jährlichen Beitrag über ein Jahr hinweg kann man Gutes tun und das tun wir gerne.

Der nächste Besuch auf dem Hof steht bereits fest – denn schließlich machen wir auch 2021 wieder Urlaub dort ganz in der Nähe.

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