Im Gespräch mit Tanja Neise

Morgen mache ich mich früh beizeiten auf den Weg nach Berlin, um einen Tag lag an der Berliner Buchmesse – der Buch Berlin 2017 – teilzunehmen. Die Autorin Tanja Neise wird auch vor Ort sein und so führe ich heute meine Tradition vor: das Interview mit Autoren vor einer solchen Veranstaltung.

Katja: Erzähl uns erst einmal etwas über Dich. Was bringt Dich zur Weißglut und was macht Dir besonders viel Freude?

Tanja: Zur Weißglut können mich eindeutig meine Kinder bringen. Ich denke, jeder der Kinder hat, kann das nachvollziehen. Ansonsten sind es Ungerechtigkeiten, da werde ich zum Robin Hood und versuche Recht wiederherzustellen.

Katja: Wie kamst Du zum Schreiben und erfährst Du durch Deine Familie oder  Freunde moralische Unterstützung?

Tanja: Interessanterweise bin ich durch meinen Mann zum Schreiben gekommen. Er war von meinem Talent überzeugt und hat mir mehrere Jahre lang den Floh ins Ohr gesetzt, dass ich doch ein Buch schreiben könnte. Irgendwann war aus dem Floh ein Elefant geworden und ich habe mir einen Bleistift, ein altes Schulheft von unserem Großen geschnappt und die ersten Worte vom Orden der weißen Orchidee geschrieben. Mein Mann ist mein größter Fan, aber auch mein größter Kritiker und er hält zu mir und glaubt oft mehr an mich, als ich selbst.

Katja: Was machst du, um Dich von einem stressigen Arbeitstag zu erholen? Was hast Du für Hobbys? Oder ist das Schreiben Deine Entspannung?

Tanja: Das Schreiben ist für mich Hobby, Job und Entspannung. Ich brauche es wie die Luft zum Atmen. Wenn ich nicht gerade schreibe, lese ich selbst leidenschaftlich gerne.

Katja: Was hat Dich zum Schreiben gebracht?

Tanja: Leider habe ich nach der Geburt meiner ersten Tochter nie wieder zu meiner alten Gesundheit zurückgefunden, habe viele Infekte und etliche andere Krankheiten durchgemacht. Dadurch waren mir viele Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich und mir viel die Decke auf den Kopf. Später kam heraus, dass ich an einer Autoimmunkrankheit leide (chronischer Sarkoidose) und ich habe mittlerweile gelernt mit meiner Krankheit umzugehen. Aber letztendlich habe ich dadurch und die Hartnäckigkeit meines Mannes bángefangen zu schreiben. Man könnte sagen, das war Schicksal.

Katja: Was hat Dich dazu bewogen, selbst zu schreiben? Ging Dir der Lesestoff aus? Oder hattest Du schon immer den Traum, selbst zu schreiben?

Tanja: Als junges Mädchen hatte ich mal den Traum ein eigenes Buch zu schreiben, aber nachdem ich ein paar Seiten auf Papier gebracht hatte, gab ich auf. Damals hatte mir meine Deutschlehrerin (Frau Sautier – französisch ausgesprochen) eine berufliche Zukunft im Bereich der Literatur oder dem Journalismus vorhergesagt. Tja, über Umwege bin ich nun wirklich dort gelandet. Und zufrieden 🙂

Katja: Du bringst Deine Bücher im Selbstverlag heraus. Was hat für Dich den Ausschlag dafür gegeben? Und würdest Du jederzeit zu einem Verlag wechseln?

Tanja: Ich habe mein erstes Buch „Der Orden der weißen Orchidee – Die Erbin“ im Selbstverlag herausgebracht, weil ich einfach nicht damit gerechnet habe, dass viele Menschen diesen Roman lesen wollen. Ich wurde rasch eines besseren belehrt und als ich in den Top Ten damit landete hatte ich die ersten Verlagsangebote. Der Zweiteiler landete bei einem Verlag und auch einer meiner Liebesromane. Danach habe ich noch einige Bücher im Selbstverlag herausgebracht. Im nächsten Jahr wird es wieder eine Verlagsveröffentlichung geben. Ich denke, beides hat Vor- und Nachteile.

Katja: Du bist Mitglied beim „Autorensofa“. Was macht für Dich den Reiz solcher Autorengemeinschaften aus? Was bekommst du und was kannst du geben?

Tanja: Das Autorensofa ist mittlerweile eine Art Familie für mich. Ich freue mich, wenn ich die anderen auf der Messe sehe und wir gemeinsam schnacken können. Aber vielmehr ist es ein sicherer Hafen, eine Basis. Nenne es von mir aus auch eine Gefechtsstation, denn wir kämpfen zusammen um Sichtbarkeit, um Anerkennung und darum, den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Ansonsten ist es ein recht einsamer Job, Autor zu sein.

Ich denke, jeder von uns bringt sich auf seine Art ein und in dem Maße, wie es die Möglichkeiten des Einzelnen zulassen. Ich bin zum Beispiel für die Gewinnspiele zuständig. Außerdem gibt es immer wieder Aufgaben, die verteilt werden, die man dann erledigen kann oder eben nicht. Wir sind ein recht humaner Haufen, sodass es nie immer dieselben tun.

Katja: Wie sieht ein „Arbeitstag“ bei Dir aus?

Tanja: Nachdem meine Kinder aus dem Haus sind, setze ich mich im besten Falle (was nicht immer so ist, ich versuche allerdings an meiner Disziplin zu arbeiten) an meinen Laptop und beginne zu schreiben. Das tue ich solange, bis ich merke, ups jetzt kannst du dich nicht mehr konzentrieren. Dann erledige ich Bürokram, antworte auf Social Media Kanälen usw., bis ich wieder den Kopf frei habe und weiter schreibe. Wenn die Kinder nach Hause kommen unterbreche ich und mache das so ähnlich wie morgens noch einmal. Manchmal bis in die Nacht hinein. Bei alldem muss ich allerdings auf meinen Körper hören, der nicht immer mitspielt und öfter mal eine Pause braucht.

 Katja: Setzt Du Dich an den Schreibtisch, neben Dir literweise Kaffee und schottest Dich ab? Oder brauchst Du eher Trubel um Dich rum, setzt Dich in ein Café und schreibst dort?

Tanja: Wenn ich zu Hause arbeite, dann brauche ich Ruhe. Aber ich schreibe auch sehr gerne in Cafés, denn dort stört mich der Trubel nicht, weil er nichts mit mir zu tun hat.

Katja: Nervennahrung beim Schreiben – eher unwichtig oder doch besser immer in Reichweite?

Tanja: Leider brauche ich die immer wieder.

Katja: Was ist Deine ganz besondere Nervennahrung?

Tanja: Schokolade und Kekse sind mein Untergang 😉

Katja: Was ist für dich der perfekte Tag? Wie schaut der perfekte Tag aus und was macht ihn für dich perfekt?

Tanja: Ausschlafen! Ich hasse es, früh aufzustehen. Dann Ruhe und Frieden und Zeit zum Schreiben. Abends noch genug Energie zu lesen. Dann bin ich glücklich.

Katja: Was verrät uns ein Blick in Dein CD-Regal? Was für Musik finden wir darin und welches ist Dein Lieblingsalbum?

Tanja: Ich habe keinen speziellen Musikgeschmack mehr. Ich mag alles, was mein Herz berührt, das kann alles sein, von Klassik bis Techno und so sieht auch meine Musiksammlung aus.

Katja: Was verrät uns ein Blick in Dein Bücher-Regal? Welche Schätze lauern darin und an welchem Buch hängst Du ganz besonders?

Tanja: Auch da bin ich relativ unbeständig. Ich lese alles außer Horror. Natürlich stehen auch meine eigenen Bücher darin, die selbst nach dem achten Buch noch etwas Besonderes für mich sind, sozusagen mein eigenes persönliches Wunder. Ansonsten liebe ich meine Harry Potter Bücher, Twillight, Tintenherz-Trilogie und die Götterfunken von Marah Woolf, die sie mir signiert geschenkt hat. Dann habe ich eine illustrierte Ausgabe von Die Päpstin im Schrank, wundervolles Buch. Einige Bücher an denen ich bei der Entstehung teilhaben durfte, sei es als Lektorin, Korrektorin oder Testleserin sind mir auch ganz besonders ans Herz gewachsen.

Katja: Der „Soundtrack Deines Lebens“ – welches Lied begleitet Dich durch Dein Leben? Gibt es so ein Lied?

Tanja: Mh, wirklich begleiten nicht, nein. Ich mag sehr gerne Abenteuerland von Pur (nicht die Augen verdrehen). Der Text ist so wundervoll und passt hervorragend zu Leuten, die fantastische Geschichten schreiben wie ich.

Katja: Wir werden uns in ein paar Tagen auf der Buch Berlin 2017 treffen. Es ist eine kleine Messe und daher interessiert mich: was macht den Reiz dieser Messe für Dich aus? Immerhin ist sie wesentlich kleiner als die in Leipzig und Frankfurt?

Tanja: Also zuallererst ist es ein Heimspiel, da ich im Speckgürtel von Berlin wohne und die Anfahrt leicht zu bewältigen ist. Dann sind dort viele nette Kollegen und Kolleginnen, die man mittlerweile persönlich kennt. Die Hektik, die Leipzig und vor allem Frankfurt ausstrahlen, fehlt dort gänzlich. Es ist familiärer und auch mit Kindern ein schöner Ort.

Katja: Was erwartest Du von der Messeteilnahme?

Tanja: In erster Linie bin ich dort, als ein Mitglied des Selfpublisher Verbands, den ich dort vertreten werde und den Stand betreue. Außerdem wird es dort eine Lesung von mir geben. Erwartungen habe ich keine großen. Ich bin eher der Mensch: Schau´n wir mal was da auf mich zukommt. Dann ist man viel eher positiv überrascht, als wenn die Erwartungen zu hochgeschraubt sind.

Katja: Du wirst auf der Messe aus Deinem Buch „Der letzte Vampir“ lesen. Was kannst Du uns, was kannst du mir, über das Buch verraten?

Tanja: Der letzte Vampir ist entstanden, weil ich selbst unheimlich gerne Vampirromane lese. Leider ist das Genre im Moment ein wenig am Aussterben, es gibt nicht genügend Nachschub. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine Vampirgeschichte zu schreiben. Der Roman spielt in der Zukunft, in der die Menschheit von der Existenz der Vampire weiß, sie allerdings für ausgestorben hält, nachdem Menschen und Vampire sich einen erbitterten Krieg geliefert haben. Natürlich sind sie nicht ausgestorben und Olivia begegnet einem von ihnen. Liebe ist selbstverständlich auch im Spiel und Genmanipulation um eine Art Eliterasse zu erzeugen ist ein Thema.

Katja: Wirst Du auf der Messe auch ansprechbar sein für gemeinsame Fotos, Signaturen in deinen Büchern, für Gespräche mit Deinen Lesern?

Tanja: Selbstverständlich! Immer! Ich freue mich immer, wenn man mich anspricht und mit mir ins Gespräch kommt. Dann bin ich glücklich, sehr sogar. Ich werde auch Autogrammkarten dabeihaben und Bücher, die man bei mir kaufen kann.

Katja: Man liest auch immer wieder, das Autoren zwar viel posten, gleichzeitig aber auch die sozialen Medien als „Zeitfresser“ bezeichnen, da man doch sehr vom Schreiben abgelenkt wird. Wie hält man die Balance?

Tanja: Ich bin in einer Facebookschreibgruppe, da verabreden wir uns zum Schreiben für eine bestimmte Zeitspanne, dann wird das Internet ausgeschaltet und geschrieben. Wenn wir anschließend die geschriebenen Wörter zählen und man einen guten Schnitt erzielt hat, ist der Social Media Zeitfresser anschließend okay.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast du ein Lieblingsrezept, welches du mit mir und meinen Lesern teilen möchten?

Tanja: Nein, ein Lieblingsrezept nicht. Eher ganz viele davon, da ich selbst auch gerne backe und koche, deshalb sind auch in meinen drei Liebesromanen im Anhang Rezepte zu finden. Alle erprobt und in meinem Haushalt oft zu finden. Eins davon kann ich natürlich teilen.

Schokoladenkuchen

Zutaten:

175g weiche Butter, 175g Zucker, 3 Eier, 150g Mehl, 1 ½ TL Backpulver, 4 EL Kakaopulver, 6 EL Orangensaft

Zubereitung:

Butter und Zucker in einer Schüssel schaumig schlagen. Eier dazugeben und gut verrühren. Mehl, Backpulver, Orangensaft und Kakaopulver dazugeben und einen glatten Teig herstellen. Eine Kastenform fetten und den Teig hineingeben. Den Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und dann den Kuchen 35 Minuten backen (bitte mit einem Stäbchen testen, ob er durch ist).
Aus dem Ofen nehmen. Zehn Minuten warten und anschließend vorsichtig aus der Form stürzen und auf einem Rost abkühlen lassen.
Mit Schokoladenguss oder Puderzucker verzieren, je nach Geschmack. Man kann den Kuchen auch wunderbar abwandeln, zum Beispiel mit Sauerkirschen, als Marmorkuchen oder mit Schokostückchen.

Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte und ich freue mich schon auf dich 🙂

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