Interview mit Claudia Meinicke (Illustratorin)

Mit Claudia Meinicke steht mir heute eine Illustratorin Rede und Antwort, die ich im vergangenen Jahr bei einem gemeinsamen Projekt kennenlernen durfte. Wir mochten uns auf Anhieb, sie hat meine Ideen und Wünsche besser umgesetzt als ich es mir jemals hätte vorstellen können und es ist ein schöner und herzlicher Kontakt dadurch entstanden. Auf der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr haben wir uns auch endlich persönlich kennenlernen dürfen. Und was soll ich sagen? Es war traumhaft 🙂

Nun darf ich Sie und ihre Arbeit in einem Interview für das Biber & Butzemann-Special vorstellen.

Claudia: Liebe Katja, zunächst einmal bedanke ich mich bei Dir, dass Du Dich für meine Arbeiten in den Büchern des Kinderbuchverlags Biber & Butzemann interessierst. Gerne darfst Du mich „löchern“, ich freue mich darüber.

Katja: Unser gemeinsames Interview findet ja im Rahmen der „Biber & Butzemann“-Wochen auf meinem Blog statt, da du unter anderem für diesen Verlag Kinderbücher illustrierst. Wie bist du auf den Verlag, oder wie ist der Verlag auf dich aufmerksam geworden?

Claudia: 2015 hatte ich mir einen kleinen Messestand auf der BuchBerlin gemietet. Viele unabhängige Verlage nutzen in Berlin ihre Chance, sich einem breiten Publikum vorzustellen. Dort traf ich auch die Verlegerin des Kinderbuchverlags Biber & Butzemann Steffi Bieber-Geske. Sie ist Initiatorin dieser Buchmesse. Die BuchBerlin findet in diesem Jahr schon zum mittlerweile zum 6. Mal stattfindet und ist drittgrößte Buchmesse Deutschlands.

Katja: Arbeitest du noch für andere Kinderbuchverlage?

Claudia: Ja, ich arbeite für andere Kinderbuchverlage und auch für Selfpublisher. Aber das weißt Du ja, da wir beide schon zusammen an Deinem Buch „Zwei kleine Abenteurer entdecken Deutschland“ gearbeitet haben.

Der Sandelefant aus Katja Ezolds Buch „Zwei kleine Abenteurer entdecken Deutschland“

Katja: Wie kommt so eine Verlagsarbeit überhaupt zustande? Schickt man Arbeitsproben hin oder erfolgt das über „Mundpropaganda“?

Claudia: Meine Aufträge kamen alle über Mundpropaganda zustande.

Katja: Wie arbeitest du? Liest du dir die Geschichte durch und machst dir selbst Gedanken, was man in der Geschichte am besten illustrieren kann oder bekommst du vom Autor oder vom Verlag konkrete Vorgaben? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Autorinnen? Schickst du deine Zeichnungen hin und gehst auf Änderungswünsche ein? Haben die Autorinnen ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Bilder oder liegt dann das eher in den Händen des Verlages?

Claudia: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal bekommt man absolut freie Hand. Das ist natürlich toll, weil der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden. Andererseits ist dann da eine Unsicherheit, ob man wohl den Geschmack des Auftraggebers trifft. Meine Arbeiten liefere ich tagesaktuell online ab. Also kann man alles ja im Dialog stufenweise klären. Manchmal gibt der Verleger etwas vor und manchmal arbeitet man enger mit dem Autor zusammen. Das ist oft sehr fruchtbringend, da der Autor beim Schreiben Bilder im Kopf hatte, die man umsetzen kann. In manchen Verlagen arbeitet man in einer online-Arbeitsgruppe, die aus Verleger, Autor, Grafiker, weiteren Verlagsmitarbeitern und dem Illustrator bestehen kann. Dann wird es schwieriger, getreu dem Motto: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Schön ist es, wenn man die Zielgruppe z.B. die Kinder direkt befragen kann, ob gefällt, was man anbietet. Letztes Wort hat der/die Verleger/-in. Schließlich trägt er/sie das wirtschaftliche Risiko.

Claudia und ich

Katja: Was ist die besondere Herausforderung dabei, ein Kinderbuch zu illustrieren?

Claudia: Die Bücher sollen Kinder begeistern. Beim Illustrieren eines Kinderbuchsmuss man also selbst „das innere Kind“ wieder loslassen können. Warum nicht wieder etwas frech und albern sein? Auch wenn ich nun schon etwas älter bin, tobt das Kind in mir noch. Was aber finden heutige Kinder cool, wo ist der Zeitgeschmack? Das gilt es herauszufinden. Darin liegt eine Hürde für mich.

Katja: Du hast aus der Serie, die ich so sehr mag, schon einige Kinderbücher illustriert. Gibt es ein Lieblingsbuch dabei? Welches hat am meisten Spaß gemacht zu illustrieren?

Claudia: Mmh, naja, da ist einmal das Buch „Neue Abenteuer auf Rügen“, wo ich selbst so gerne auf der Insel bin und viele der Illustrationen vor Ort entstanden. Aber da ist auch das „Geheimnis um den roten Kater“, wo ich Batzi und Schnecki so mag. Und ja auch das neue Buch „Abenteuer im Spreewald“, weil ich Juro so gerne zuhöre, was er aus seiner Kindheit berichtet. Und dann sind da noch …..

Ach, ich mag sie alle! Steckt doch viel Zeit und Arbeit in jedem.

Katja: Deine Zeichnungen, die du anfertigst, sind sehr vielfältig und zeigen Motive aller Art. Gibt es Motive, die du besonders liebst und welche, bei denen du dich besonders schwer tust?

Claudia: Ich mag gerne, wenn Tiere, Pflanzen, Sehenswürdigkeiten darzustellen sind. Schwierig sind die Kinder darzustellen, so dass sie lebendig und wiedererkennbar sind.

Ringelnatter aus „Abenteuer im Spreewald“

Katja: Es gibt so viele unterschiedliche Maltechniken: welche bevorzugst du?

Claudia: Oftmals gestalte ich meine Illustrationen mit Wasserfarben, aber auch Buntstiftzeichnungen und Tuschearbeiten sind schon in meinen Kinderbüchern vorgekommen. Hier ist z.B. ein Bild, welches mit Pastellkreiden gestaltet wurde.

Der sagenhafte Pumpot aus „Abenteuer im Spreewald“

Katja: Wenn man so wie du wunderbar zeichnen kann wie du, entwirft man dann auch Malvorlagen? Zum Beispiel für die eigenen Kinder oder die Kinder im Freundeskreis?

Claudia: Ja, für das München-Abenteuer gibt es tatsächlich Malvorlagen, die aus dem Buch stammen. Hier ein einfaches Bild von Batzi.

Katja: Hast du ein Lieblingsbild, welches du gezeichnet hast und was du uns zeigen möchtest?

Claudia: Oft sind es ja gerade die neueren Arbeiten, an denen man etwas mehr hängt. Im neuen spannenden Spreewald-Abenteuer von Steffi Bieber-Geske und Nicole Grom gibt es auch diese lustige Stelle um Juro und den Lehrer Deutschländer. Großmutter Starka spielt auch eine entscheidende Rolle. Ich hatte viel Spaß, mir die Schulszene um 1850 vorzustellen.

 

Lehrer Deutschländer aus „Abenteuer im Spreewald“ von Steffi Bieber-Geske und Nicole Grom

Katja: Woran arbeitest du jetzt gerade, wenn du nicht meine neugierigen Fragen beantwortest?

Claudia: Wenn ich keine Bücher illustriere, dann arbeite ich z.B. an Kalenderaufträgen. Diesmal zeichne ich für einen Kalender „Dresdens Baumeister & Bildhauer“ der für 2021 herauskommt. Vorgucker gefällig?

Panorama Dresden, Tuschearbeit 2019

Katja: Und die letzten zwei Fragen … die haben mal nichts mit dem Thema Zeichnen zu tun, sondern mit meinem beiden großen Hobbys, dem Kochen bzw. Backen und dem Lesen.

Liest Du gerne? Wenn ja, welches Buch begleitet dich derzeit und welcher Autor / welche Autorin gehört zu deinen Lieblingen?

Claudia: Ja, ich lese ganz gerne und oft kaufen mein Mann und ich Bücher, die wir beide lesen möchten. So besitzen wir wohl eine fast vollständige Sammlung der Clive Cussler Bücher, die Bartimäus-Reihe von Jonathan Stroud und ebenso alle spannend lustigen Geschichten um Kommissar Jennerwein von Jörg Maurer.

Katja: Ich sammele für mich selbst aber auch für meinen Blog die Lieblingsrezepte meiner Freunde und meiner Interviewpartner. Magst du mir dein Lieblingsrezept verraten?

Claudia: Da mache ich es mir einmal ganz einfach und verweise auf das Rezept der Autorin Alexandra Benke, die in ihren Büchern, die beim Biber & Butzemann Verlag erschienen sind, immer einen Rezeptteil für Kinder am Buchende hat. Mein Lieblingsgericht aus dem Buch „Geheimnisse rund um das Märchenschloss“ sind passend zur Jahreszeit die Frühlingsbrote mit gekochtem Ei, Radieschen und Schnittlauch.

Frühlingsbrote aus Alexandra Benkes „Geheimnisse rund um das Märchenschloss“

Herzlichen Dank für das nette Gespräch. Es hat mich gefreut.
Claudia Gabriele Meinicke

www.LimonARTe.de

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