Interview mit Deniz Selek

Vor einigen Wochen habe ich ein wunderbares Buch gelesen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern konnte.

„Aprikosensommer“ war mein erstes Buch der Autorin, beim Lesen wurde der Wunsch in mir geweckt, sie unbedingt interviewen zu wollen. Eine Freundin leistete Vorarbeit, in dem sie einfach während einer Lesung anfragte; danach entstand ein netter Kontakt via Facebook und …. ich kann heute das Ergebnis präsentieren: ein Interview mit der sympathischen Autorin Deniz Selek.

Katja: Ich bin auf Sie durch eine liebe Freundin aufmerksam geworden, sie hat mir bereits von Lesungen erzählt, die sie erlebt hat. Daher sind Sie für mich eine unbekannte Autorin. Und so beginnt unser Interview mit meiner Bitte; etwas über Sie zu erzählen. Wie leben Sie? Was macht Sie glücklich und was traurig?

Deniz: Jaaa, wo fange ich an? Ich bin eine deutsch-türkische Autorin, lebe am Rand von Berlin, in einem ländlichen, fast schon provinziellen Stadtteil, der mir und meiner Familie sehr gut gefällt. Wald, Wiesen und Felder sind vor unserer Haustür. Das macht nicht nur unseren Hund, sondern auch mich schon einmal sehr glücklich! Unsere tolle Familie, meine Kinder, mein Beruf, alles Glück in reinster Form! Über Dinge, die mich unglücklich machen, denke ich so wenig wie möglich nach, um meine Kräfte lieber auf das Glücklichsein zu richten.

Katja: Sie leben mit Ihrer Familie in Berlin, einer riesigen pulsierenden Stadt. Wenn man diese Stadt besucht, was muss man unbedingt gesehen haben? Was sollte man an kulinarischen Köstlichkeiten probiert haben?

Deniz: Ich gestehe, ich bin kein Fan von klassischem Sightseeing. Ich würde jedem Berlin-Besucher empfehlen, sich einfach durch ein paar Stadtteile treiben zu lassen. Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg. Überall gibt es tolle Flohmärkte, über die man sich im Netz informieren kann. Der Flohmarkt am Mauerpark ist an den Wochenenden ein echtes Highlight, weil dort unter anderem viel Kleinkunst geboten wird. Pantomime, Musik, Akrobatik etc. Wirklich Klasse! Im Sommer ist für uns die „Thaiwiese“ am Fehrbelliner Platz ein Muss. Dort werden (am Wochenende) die köstlichsten asiatischen Gerichte vor den Augen der Gäste gekocht und verkauft. Das Chay Village in Schöneberg ist mein Lieblingslokal, weil es vegan/vegetarisch, vietnamesisch und unglaublich lecker ist.

Katja: Eigentlich stammen Sie aus der Türkei und Istanbul ist ihre Lieblingsstadt. Warum gerade Istanbul? Was begeistert sie so daran?

Deniz: Es ist nicht ganz leicht zu sagen, woher ich denn genau stamme ;). Mein Vater ist Türke, meine Mutter Deutsche, ich bin in Deutschland geboren und habe wichtige Jahre in der Türkei verbracht. Also sind beide Anteile in mir. Istanbul ist die Stadt meiner Vorfahren und die Stadt, in der ich als kleines Kind gelebt habe, die mich dementsprechend geprägt hat. Vielleicht sind es die extremen Kontraste in Istanbul, das ewig Lebendige, die überbordende Fülle von allem, das Laute und Impulsive. Einerseits das Weltoffene, Kreative und immer wieder Neue, andererseits die Traditionen, Dinge, die sich eben nicht ändern, auch wenn man zehn Jahre nicht dort war. Auch das hat manchmal etwas ungemein Gutes, Tröstliches und Vertrautes. Es ist die magische Atmosphäre der Stadt, von der ich nie genug bekomme.

Katja: Die Integration ausländischer Familien hier in Deutschland ist ja immer wieder ein großes Thema. Wie empfinden sie das? Muss mehr Integration erfolgen?

Deniz: Das ist eine komplizierte Frage. Ich mag das Wort Integration nicht besonders, weil es sich für mich anhört wie Passendmachen. Ich wurde nicht integriert, ich bin einfach in Deutschland aufgewachsen. Meine Eltern haben jedoch beide sehr darauf geachtet, dass wir Kinder korrektes Deutsch sprechen. Die Sprache des Landes zu beherrschen, in dem man lebt, ist ein wichtiger Faktor und der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis, denke ich. Daneben sollte jeder seiner Persönlichkeit, seinem familiären Hintergrund und seinen Erfahrungen entsprechend individuell bleiben.

Im Hinblick auf die schwierige Lage der vielen Flüchtlinge derzeit, bin ich aber ganz klar der Meinung, dass viel mehr Integration im Sinne von hilfsbereitem Miteinander stattfinden muss. In erster Linie von unserer Seite, weil wir oft mehr als genug besitzen, ein Dach über dem Kopf, genug zu Essen und einen sicheren Platz zum Leben haben. Wenn wir diese, zum Teil schwer traumatisierten Menschen in Asylantenheimen, Notunterkünften oder Parks sich selbst überlassen, bürokratische Hürden immer höher bauen, verstärken wir nur die Kluft zwischen ihnen und uns, die aus Unwissenheit und Angst besteht. Wenn wir ihnen aber in der Not helfen (in die wir selbst auch geraten könnten) und ihnen die Möglichkeit geben, sich mit all ihren Fähigkeiten sofort in unsere Gesellschaft einzubringen, lösen sich Grenzen und damit Ängste im Kopf und es bereichert uns alle. Davon bin ich überzeugt.

Katja: Gibt es türkische Traditionen, die von Ihrer Familie hier weitergeführt werden? Hat Ihre Familie vielleicht ganz eigene Traditionen über die Zeit entwickelt?

Deniz: Echte Traditionen würde ich nicht sagen, aber das türkische Essen in jedem Fall! Manchmal packt mich ein derartiger Heißhunger auf irgendetwas ganz Spezielles, das es natürlich hier und in unserem Stadtteil schon mal gar nicht gibt …

Katja: Was macht der perfekten Tag für Sie aus?

Deniz: Mein perfekter Tag ist sehr einfach. Sonnenschein, Sandstrand, 28° im Schatten und Meeresrauschen. Und ein gutes Buch.

Katja: Gibt es ein Lebensmotto? Oder ein Zitat, Spruch oder Weisheit, das sie begleitet?

Deniz: Da habe ich einige! Vielleicht trifft es das: Am Ende ist alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

Katja: Wie können sie sich am besten Entspannen? Haben sie besondere Hobbys oder Sammelleidenschaften?

Deniz: Bei guter Musik entspanne ich mich, bei einem Waldspaziergang und natürlich am Meer. Insbesondere, wenn ich dort ungestört bin. Mein Beruf ist mein Hobby 😉 und ich sammele schöne Steine, vom Meer geschmirgeltes Holz und frische Wiesenkräuter, je nach Saison.

Katja: Wie bereitet man sich auf einen „Schreibtag“ vor? Gibt es bestimmte Rituale, die sie vor dem Schreiben tätigen? Muss man zum Schreiben in einer bestimmten Stimmung sein?

Deniz: Da ich zu Hause arbeite, bedarf es bei mir keiner Vorbereitung. Außer einer Kanne schwarzen Tee. Das mit der Stimmung ist immer so eine Sache. Da ich eigentlich immer an einem Buch arbeite und Abgabetermine habe, kann ich nicht auf den Kuss der Muse warten. Ich schreibe einfach drauflos und meistens wird es gerade dann gut, wenn ich intuitiv schreibe und möglichst wenig nachdenke.

Katja: Würden Sie uns einen Einblick in ihr Arbeitszimmer gewähren? Wie sieht ihr Schreibtisch aus? Wo schreiben sie?

Deniz: 

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Katja: Wenn man, so wie ich, Sie als Autorin „neu“ entdeckt und etwas von ihnen lesen möchte – welches ihrer Bücher würden sie als Einstieg empfehlen? Und warum gerade dieses?

Deniz: Das ist als würden Sie wissen wollen, welches meiner Kinder ich am liebsten habe 😉 geht irgendwie bei mir nicht. Jedes steht für sich als Unikat, in das ich alles Herzblut gegeben habe, das ich zu der Zeit des Schreibens zur Verfügung hatte. Am meisten beschäftigen tut mich allerdings immer das aktuelle Werk.

Katja: Ist es für einen Autoren sehr wichtig, direkt mit dem Leser in  Kontakt zu kommen – sei es auf Lesungen, Büchermessen oder über die viel gepriesenen Social Media-Plattformen?

Deniz: Ich denke Lesungen, Buchmessen und andere Veranstaltungen sind sehr wichtig, um sich ins Gespräch zu bringen, gerade wenn man noch nicht so bekannt ist. Auch die sozialen Medien haben einen großen Effekt, man muss nur aufpassen, dass man beim Pflegen der Seiten, Bloggs etc. nicht zuviel Zeit investiert, die man eigentlich zum Schreiben und Ausarbeiten neuer Ideen benötigt.

Katja: Welches Buch haben sie als Kind am liebsten gelesen? An welches können sie sich noch ganz genau erinnern?

Deniz: Pippi Langstrumpf, Robinson Crusoe, Enid Blyton, Grimms Märchen und Hui Buh als Hörspiel, die Dialoge kann ich heute noch mitsprechen …

Katja: Welches Buch liegt aktuell bei ihnen zum Lesen bereit? Wo lesen sie gern?

 

Deniz: Ich lese gerade das genial-witzige Buch meiner Kollegin Anke Weber: Das verdammte Chaos im Mikrokosmos, das im September bei Oetinger erscheint.

 

Ich lese überall gern. Im Garten, auf dem Sofa, im Bett, ganz egal, denn wenn mich eine Geschichte packt, bin ich sowieso nicht mehr wirklich da …

Katja: Und nun die Frage, die garantiert alle Leser von ihnen interessiert: Gibt es schon ein neues Projekt und wenn ja, können sie uns darüber noch etwas erzählen?

Deniz: Ja, ich habe gerade meinen ersten Roman für Erwachsene abgeschlossen, der im Frühjahr 2016 bei Droemer erscheinen wird. Darin erzähle ich unsere türkisch-deutsche Familiengeschichte. Mehr dazu demnächst auf meiner Webseite: www.denizselek.de

Katja: Zu guter Letzt: Mein Blog befasst sich – neben den Büchern – mit meiner zweiten großen Leidenschaft: dem Kochen. Würden sie mir und meinen Lesern ihr Lieblingsrezept verraten?

Deniz: Da ich ein großer Brotfan bin, hier mein derzeitiges Lieblingsbrot, ganz einfach und superlecker!

300 g Dinkelvollkornmehl
200 g Roggenvollkornmehl
2 TL Salz
1/2 TL Zucker
370 ml lauwarmes Wasser
1,5 Packung Trockenhefe
1 Möhre

Zubereitung:
Bis auf die Möhre, alle Zutaten in einer Schüssel zu einem Teig verkneten. Nicht wundern, er bleibt ziemlich klebrig. Den Teig an einem warmen Ort mit einem Tuch abgedeckt 45 Min. gehen lassen. Dann die Möhre raspeln und unterkneten. Den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform, ca. 30 cm, geben und nochmals abgedeckt 20 Minuten ruhen lassen. Mit Mehl bestäuben und den Backofen auf 210 Grad vorheizen. Eine feuerfeste kleine Schüssel mit Wasser  in den Ofen stellen. Dann die Kastenform dazu, etwa 40 Min backen und hoffen, dass das Brot es heil bis zum Kaltwerden schafft … hat bei uns noch nie geklappt 😉

Das Brotrezept habe ich von dieser tollen Seite: http://www.vegan-einfach.de/dinkelbrot-mit-moehrenraspel/

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