Interview mit der Eulenflüsterin Tanja Brandt

Das ich Eulen insbesondere und Greifvögel überhaupt Liebe und von diesen wunderbaren Tieren mehr als nur fasziniert bin, ist glaube ich für denjenigen, der meinen Blog verfolgt, ein offenes Geheimnis. Das ich davon träume, einmal selbst den Falknerschein zu machen um vielleicht dauerhaft mit den Tieren arbeiten zu können, wissen nur wenige.

Durch Zufall habe ich vor einigen Wochen Fotos der Tierfotografin und Falknerin Tanja Brandt auf Facebook entdeckt. Sofort war ich fasziniert von den Aufnahmen, aus denen so viel Liebe und Zuneigung zu den Tieren spricht. Die Bilder anzuschauen, war für mich einfach nur wunderbar. Dann bekam ich zwei Bücher von ihr in die Hand – zuerst „Wo die Liebe hinfliegt“ mit unzähligen dieser zauberhaften Fotos und der Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Ingo und Poldi. Als zweites landete dann „Die Eulenflüsterin“ bei mir und wurde sehr schnell verschlungen. Und schon während des Lesens erwachte in mir der Wunsch, ein Interview mit der Autorin, Fotografin und Falknerin zu führen und zum Glück erfüllte sie mir den Wunsch. Das Ergebnis könnt ihr jetzt hier „erlesen“.

Katja: Liebe Tanja, vielen Dank für Deine Zeit und deine Bereitschaft, mir ein paar neugierige Fragen zu beantworten. Wie geht es dir? Wie ich auf der Facebook-Seite leider verfolgen musste, gab es in letzter Zeit einige Tiefschläge. Wie hast du die verkraftet?

Tanja: Ja das stimmt ;-(
Am 08.01. diesen Jahres bin ich die Treppe runter gefallen. Ich hatte geträumt, Gandalf ginge es schlecht und bin im Halbschlaf zur Treppe gerast. Darauf folgte dann eine OP (später dann noch eine, zur Metallentfernung) und ich musste Monate liegen. Später dann Rollstuhl und Krücken. Es war eine wirklich harte Zeit und man lernt Gesundheit da erstmal zu schätzen.
Vor allem, weil  ich mich nicht um meine Tiere kümmern konnte. Wie es einem seelisch wirklich geht, postet man ja meist auch nicht auf Facebook, zumindest nur teilweise.

Dann folgte der Unfalltod von Poldi, meinem geliebten Steinkauz und meiner Schnee-Eule Uschi. Beide haben mich die letzten Jahre überall hinbegleitet und das hat mich schwer aus der Bahn geworfen.

Es nützt nur nix, es geht weiter und die anderen Tiere brauchen mich ja auch.

Katja: Ich habe in den letzten Tagen Dein neues Buch „Die Eulenflüsterin“ gelesen und bin sehr begeistert gewesen. Die Mischung aus Lebensgeschichte, der Einblick in deine Arbeit mit den Tieren und als Tierretterin ist sehr interessant beschrieben. Wie ist bisher die Resonanz auf Dein Buch?

Tanja: Ich muss sagen, ich habe so unglaublich nette Schreiben bekommen und so liebe Rezensionen, ich bin echt überwältigt.
Dafür danke ich allen von ganzem Herzen.
Uuuuund: ich hatte die Info vom Verlag, daß „Die Eulenflüsterin“ in der Bestsellerliste ist 🙂
Krass, Bestseller-Autorin. Ich kenne keine einzige persönlich, außer jetzt mich 🙂

Katja: In dem Buch gibst du sehr tiefe Einblicke in Dein Leben, in deine nicht so sonnige Vergangenheit, in deine Gedanken und deine Gefühlswelt. Wie schwer ist es dir gefallen, so ehrlich zu sein. Und warum nimmst du Deine Leser mit in Deine Vergangenheit?

Tanja: Es ist mir im Grunde nicht schwer gefallen, darüber zu berichten.
ich bin ein sehr offener Mensch. Und ich habe eigentlich keine Geheimnisse (vielleicht winzige 🙂 ).
Warum ich das Buch geschrieben habe? Ich weiß es nicht aber ich habe sehr viele Nachfragen, was ich früher gemacht habe. Wie das begann und jenes begann…
… und da dachte ich, ok. Schreibst du deine Geschichte 🙂

Katja: Du liest das Buch aktuell im Rahmen einer Leserunde. Wie ist das Feedback der Leser und was nimmst du dir aus dieser Leserunde mit?

Tanja: Das ist meine allererste Leserunde und ich weiß gar nicht, ob ich da alles richtig gemacht habe.
Das Feedback ist eigentlich nett. Es gab ein paar Abzüge aber eigentlich eher wenige.
Was nehme ich mit? Daß ich mich mehr mit Leserunden auseinandersetzen sollte? Es ist etwas schwierig für mich, wenn Menschen über einen urteilen. Über ein Buch, über Situationen.
Das muss ich vielleicht noch etwas lernen 🙂

Katja: Am meisten fasziniert hat mich, das gebe ich sehr gerne zu, deine Arbeit mit den Greifvögeln. Deine Beziehung zu ihnen, die Beschreibungen haben mich, als großer Fan von diesen Vögeln, sehr fasziniert. Was bedeutet dir die Arbeit mit den Tieren? Das Vertrauen das sie dir schenken (und das nicht selbstverständlich ist), ihre Beziehung zu dir?

Tanja: Die Arbeit mit Tieren bedeutet alles für mich.
Die Schönheit, das Wilde, der eigene Wille und die Sanftheit, die sie mir gegenüber zeigen.
Auf der anderen Seite auch das Ursprüngliche. Ingo und ich müssen uns auf die Greife einstellen. Machen wir einen Fehler, zeigen sie es uns ganz deutlich. Und das erlangte Vertrauen kann man ganz schnell verlieren. Das Zusammenleben ist so spannend und so schön. Es ist wie ein Abenteuer.

Katja: Was war dein schönster Moment mit deinen Tieren, der sich vielleicht nicht im Buch wiederfindet?

Tanja: Oh, das ist so schwierig. Es gab so viele Momente.
Viele erscheinen vielleicht auch winzig. ich denke, die schönsten Momente sind vielleicht auch die, wenn ich einfach nur mit den Tieren dasitze und die Natur betrachte. Nachdenke.
Und sie langsam ihren Kopf drehen und mir lange in die Augen sehen.
So als schauen sie in meine Seele und meine Gedanken…..

Katja: Ich bewundere sehr die wunderbaren Bilder, die du von Ingo und deinen Vögeln machst. Tierfotografie, das weiß ich selbst, erfordert sehr viel Geduld. Wie viele Bilder musst du „schießen“, bis du wirklich mit dem gewünschten Motiv zufrieden bist?

Tanja: Nein, eigentlich nicht.
Meist sind das einfach Momentaufnahmen. Ich knipse, was die Tiere machen.
Ich kann zu einer Eule nicht sagen: kuschle mal. Eulen machen, was sie wollen – oder auch nicht… lach

Häufig sitzen wir zusammen da und ich fotografiere einfach, was sich so ergibt. Viele schöne Szenen verpasse ich auch.

Natürlich habe ich auch Bildideen aber häufig haben die Tiere eine andere 🙂

Katja: Passiert es auch, dass du zwar ein bestimmtes Motiv im Kopf hast, dann aber etwas ganz anderes entsteht weil dein „Modell“ nicht so mag wie du?

Tanja: Jaaa, das passiert sehr häufig.
Ich kenne allerdings „meine Pappenheimer“ ganz genau.

Einem Sir Gandalf (meine Weissgesichtseule) weist man keinen Platz zu! Das würde zu extremst schlechter Laune führen. Wenn ich jetzt also eine tolle Stelle sehe, dann zeige ich sie ihm und nur diese eine Stelle. Da lasse ich ihn dann hinfliegen und erwähne direkt, daß das die tollste Stelle überhaupt ist. Er ist dann mächtig stolz, daß ER diese Stelle entdeckt hat 🙂

Katja: Gibt es ein absolutes Lieblingsfoto, das du uns hier an dieser Stelle zeigen möchtest?

Tanja: Eigentlich Poldi unterm Fliegenpilz. Von der Szene habe ich nur 4 Bilder. 1 davon ist unscharf. Dieses besagte wollte ich eigentlich löschen und habe es dann doch nicht getan und es ging um die Welt.

Poldi unterm Fliegenpilz

 

Katja: Du gibst Workshops für Tierfotografie. Kannst du uns einen Einblick in so einen Workshop-Tag geben? Wie läuft ein solcher Tag ab und was kann man bei dir lernen?

Tanja: Ja 🙂
Wir starten meist mit einem Frühstück und einem Theorie-Teil.
Dann fotografieren wir und danach ist Bildbearbeitung. Es gibt auch einzelne Kurse in Bildbearbeitung oder nur andere einzelne Teile.
Wichtig ist mir, daß es sehr persönlich ist. Manchmal allerdings auch chaotisch bei mir (aber pssst, ich arbeite an mir)

Katja: Und zuletzt eine Frage, die ich jeden Interviewpartner stelle: Auf meinem Blog geht es unter anderem ja auch ums Kochen. Verrätst du mir Dein Lieblingsgericht?

Tanja: Oha, kochen 🙂
Heute war der Küchenvermesser da und ich bekomme tatsächlich das erste Mal in meinem Leben eine neue Küche 🙂 Ich freue mich riesig.

Kochen kann ich allerdings nicht wirklich.

Ich fange auch gefühlt jede Woche eine neue Diät an.

Ich koche so vor mich hin und wenn mein Freund fragt, was es gibt, antworte ich immer: ich will mich noch nicht festlegen 🙂 Dann kann ich vielleicht noch improvisieren 🙂

Lieblingsgerichte habe ich leider sehr sehr viele 🙂
Vielleicht sind es aber Spaghetti, alles italienische? Ich liebe aber auch die deutsche Küche und vor allem die Schwäbische (da ich ja Schwabe bin). Und handgeschabte Kässpätzle ist tatsächlich das einzige, was ich echt gut kann 🙂

Katja: Vielen Dank liebe Tanja für Deine Zeit. Ich wünsche Dir alles Liebe und eine schöne Vorweihnachtszeit.

Tanja: Sehr gerne – euch auch 🙂

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3 Responses to Interview mit der Eulenflüsterin Tanja Brandt

  1. Ramon sagt:

    Kurse, Workshops, Webinare, Bucher, Austausch mit anderen Fotografen und viel uben. Und ich versuche jeden Tag, was dazu zu lernen und zu entdecken. Aber allein das Technikverstandnis macht es nicht aus, um die Seele der Tiere zu zeigen und die Arbeit mit den Tieren ist so wertvoll.

  2. Beth Hejl sagt:

    Hallo! Ich habe dein Blog heute zum ersten Mall gesehen – wegen dieses Interviews mit Tanja. Ich kenne Tanja nicht persönlich, aber vor fast genau 2 Jahren habe ich – wie du – ihr Buch gefunden und die Liebe zu Eulen und Greifvögeln entdeckt. Ich wollte schreiben, als ich gelesen habe, dass du vom Falknerjagdschein träumst – ich auch! Ich bin jetzt mitten drin, und es hat alles mit Poldi und Tanjas Fotos und Bücher angefangen.

    Ich werde demnächst deinen Blogpost über den Falknertag lesen – mein Mann und ich haben auch welche gemacht, hier und in Schottland. Ein tolles Erlebnis!

    Mach’s gut und viel Glück mit deinem Traum! 🙂

    • Katja Ezold sagt:

      Hallo Beth,

      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Er freut mich ganz besonders, da ich jemanden mit meinem Artikel erreicht habe, der den gleichen Traum hat wie ich und der ihn sich sogar erfüllt.
      Viel Erfolg beim Falknerschein 🙂 und ich würde mich sehr freuen, wenn du meine Berichte über den Falknertag noch liest.

      Liebe Grüße
      Katja

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