Interview mit der jüngsten Falknerin Deutschlands

Als ich das Buch „Die Herrscher der Lüfte und ich“ aus der Feder von Sandra Jung gelesen hatte, kamen in mir zwei Wünsche auf: die Falknerin einmal live zu erleben und vielleicht sogar zu interviewen. Beide Wünsche konnte ich mir im Juli erfüllen. Den Bericht zu meinem Besuch in der Falknerei Burg Greifenstein konntet ihr gestern lesen, heute habe ich das Interview für Euch.

Katja: Mit 16 hast du deine Liebe zu Greifvögeln entdeckt und dann beschlossen, mit den Tieren zu arbeiten. Du hast zielstrebig deinen Weg verfolgt und erfolgreich die Falknerausbildung in Angriff genommen. Bist du immer so geradlinig und Zielstrebig in dem was du tust?

Sandra: Ja, tatsächlich. Ich hatte schon immer genaue Vorstellungen, wie etwas für mich laufen soll und habe das dann zielstrebig verfolgt. Schon als Kind bin ich durch meinen Dickkopf aufgefallen, habe dabei aber immer meine Ziele verfolgt und meistens auch erreicht, es war also kein pures „Trotzverhalten“. Ich denke das war auch der Grund für meine Eltern, mich so zu unterstützen. Sie wussten, dass wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, es Hand und Fuß hat und ich es ernst meine.

Katja: Deine Familie, ganz besonders deine Mama, ist diesen Weg ohne zu zögern mit dir gegangen und hat dich in allem unterstützt. Was bedeutet dir dieser bedingungslose Rückhalt? Kann man sie viel „Rückendeckung“ und Unterstützung eigentlich jemals „zurückgeben“?

Sandra:Ich hoffe, ich kann ihr all diese Unterstützung eines Tages zurückgeben. Meine Mutter ist eine meiner engsten Vertrauten, ich bin unendlich froh sie zu haben und mir Ihrer Unterstützung jederzeit sicher zu sein. Dieser Rückhalt und diese Gewissheit, dass sie immer an mich glaubt, ist so viel mehr wert, als alles andere im Leben.

Er hat mein Herz gestohlen – Weißkopfseeadler Milo

Katja: Wie ist das Verhältnis der Falkner untereinander? Stehst du mit vielen Falknern in Kontakt und besucht man sich gegenseitig, tauscht sich aus und beobachtet die Vorführungen der anderen?

Sandra: Ben und ich pflegen Gott sei Dank sehr intensiven Kontakt zu Falknern in ganz Deutschland. Unsere Freunde wohnen vom hohen Norden bis in den tiefsten bayrischen Wald – und überall dazwischen. Wir lieben diese Gemeinschaft ungemein, mit einigen Kollegen telefonieren wir beinahe wöchentlich, tauschen Erfahrungen und Ratschläge aus. Leider ist das nicht bei allen Falknern so, es gibt auch viele eigenbrödlerische Falkner, aber wir sind froh, hier einer moderneren und offeneren Bewegung anzugehören. Wobei ich hierbei explizit betone, dass unsere Kontakte in absolut allen Alterklassen zu finden sind! Eigenbrödlerisch-sein hat offenbar nichts mit dem Alter zu tun 🙂

Katja: Gibt es einen „Wunschvogel“, mit dem du gerne arbeiten möchtest, den du gerne in dein Programm, in deine Falknerei aufnehmen würdest?

Sandra: Ich träume von einem Weißbauchseeadler. Diese Tiere sind absolut wunderschön und wenn sie nur halb so gut fliegen wie ihre nahen Verwandten, die Schreiseeadler, mit welchen ich schon das Glück hatte arbeiten zu dürfen, dann zählen sie definitiv zurecht zu meinen absoluten Traumvögeln!

Katja: Wie richtet man einen Greifvogel auf die Jagd nach Krähen oder Kaninchen ab? Wie muss ich mir das Training vorstellen und welche Greifvogel-Art ist dabei besonders geeignet?

Sandra: Das ist ein sehr langwieriges Thema, es dreht sich alles um Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Ich möchte das nur ungern herunterbrechen, das würde der Thematik und den Tieren nicht gerecht werden. Sehr genau gehe ich darauf aber in meinem Buch ein, da hatte ich ein paar Zeilen mehr zur Verfügung 🙂 Zu den klassischen Beizvögeln zählen Habicht, Wanderfalke, Steinadler und mittlerweile auch Harris Hawk und Rotschwanzbussard.

Katja: Ich sehe und höre oft, dass Falkner außer mit Greifvögeln auch mit Hunden und teilweise Frettchen arbeiten. Bei dir weiß ich, es gibt Balu und Emma, deine beiden Hunde. Was ist ihre Aufgabe bei der Arbeit mit Greifvögeln und wie trainiert man das Zusammenspiel?

Die Falknerin Sandra Jung mit Hündin Emma (vor uns sitzend) und Balu (zwischen uns)

Sandra: Emma habe ich seit ich 13 bin, sie hat mit der Jagd nichts zu tun. Balu stöbert unter dem Vogel potenzielle Beute auf und steht den Tieren auch zur Seite, falls sie nach einem erfolgreichen Beuteflug auf Krähen vom restlichen Schwarm angegangen werden. Er legt sich dann neben den Vogel auf seiner Beute und schützt ihn so. Jagdhund und Frettchen sind unendlich wertvolle Jagdbegleiter für uns Falkner.

Katja: Ich selbst bin von Greifvögeln sehr begeistert und habe schon einige Vorführungen erlebt und auch eine besondere „Beziehung“ zu einer Falknerei bei uns in der Nähe. Warum sollten die Zuschauer den Weg zu dir, zur Falknerei Burg Greifenstein, finden? Was macht deine Vorführung in deinen Augen besonders?

Sandra: Wir zählen zu den wenigen Falknereien in Deutschland, in denen man Adler in großen Gruppen hoch oben in der Thermik fliegen sehen kann. Wir sind auf unsere ideale Lage sehr stolz und freuen uns, das Können unserer Tiere so hervorragend präsentieren zu können. Fünf Adler gleichzeitig viele hundert Meter hoch am Himmel, das ist ein Erlebnis, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Aber auch wenn das Wetter nicht passt, mit einer großen Prise Humor und sehr viel interessantem Wissen ist unsere Flugvorführung sicherlich niemals langweilig, egal ob für Jung oder Alt.

Katja: Mittlerweile habe ich schon einige Greifvögel aus nächster Nähe gesehen, durfte sie auf der Faust tragen. Ich bin fasziniert von der Ausstrahlung der Tiere, die mich immer wieder in ihren Bann zieht. Die Frage nach meinem Lieblingstier könnte ich nicht beantworten. Kannst Du das? Welche Greifvogel-Art fasziniert dich am meisten?

Sandra: Ich liebe mit ganzem Herzen all meine Tiere. Ein „Lieblingstier“ habe ich tatsächlich nicht, aber wenn es nur um die „Gattung“ (wissenschaftlich jetzt nicht ganz korrekt) geht, dann haben es mir definitiv die Adler am meisten angetan. Sie sind die unangefochtenen Herrscher der Lüfte, weswegen mein Buch auch diesen Titel bekommen hat. Adler sind für mich die Könige der Welt, sie sind stark, heroisch, selbstständig und klug. Und dabei so wunderschön. Wie kann man ihnen nicht verfallen?

Auch an dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal bei Sandra und ihrem Partner Ben für ihre Zeit und wünsche ihnen weiterhin mit ihrer Falknerei viel Erfolg und alles Liebe.

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