Interview mit …. Lorenz Stassen

Morgen ist es soweit, und ein weiterer Thriller bereichert den deutschen Markt. Erscheinen wird „Angstmörder“ von Lorenz Stassen. Ich durfte das Buch vorab lesen und muss sagen: ich war begeistert. Es war stimmig, spannend und hat mir fesselnde Lesestunden bescherrt. Das Angebot, ein Interview mit dem Autor zu machen, konnte ich mir daraufhin natürlich nicht entgehen lassen. Gesagt, getan und ihr dürft nun hier das Ergebnis lesen 🙂

Interview mit Lorenz Stassen

Katja: Vielen Dank das Du mir die Gelegenheit zu diesem Interview gibst J Ich fange auch ganz einfach an … und würde mich freuen, wenn Du Dich  in 2 oder 3 Sätzen selbst vorstellst.

Lorenz: Hallo. Ich bin Lorenz Stassen, 48 Jahre alt und lebe seit 25 Jahren in Köln. Ursprünglich komme ich aus Solingen, das ist nicht weit weg von Köln. Ich schreibe seit etwa 20 Jahren. Zuerst Drehbücher fürs Fernsehen und fürs Kino, seit zwei Jahren Romane. Mein Debütroman „Angstmörder“ erscheint am 9. Oktober 2017 im HEYNE-Verlag.

Katja: Gibt es Dinge, die Dich absolut zur Weißglut treiben können? Und welche wären das? Und was bringt Dich zum Strahlen, worüber freust Du sich?

Lorenz: Technik, die aus irgendeinem unerfindlichen Grund von heute auf morgen auf einmal nicht mehr funktioniert. Das macht mich wahnsinnig!!!! Ich ärgere mich dabei auch über mich selbst, weil ich so abhängig geworden bin von Computern, Handy, E-Mail, etc. Aus diesem Grund trainiere ich neuerdings Unabhängigkeit, verzichte auf ein Navigationsgerät und fahre wieder nach Landkarte.

 Ich freue mich und strahle, wenn ich es ohne Navi geschafft habe, mein Ziel zu erreichen.

Katja: Du bist ausgebildeter Chemielaborant und bist ins Film- und Fernsehgeschäft gewechselt. Was war der ausschlaggebende Punkt für diesen Berufswechsel? Oder war der Chemielaborant von Anfang an nur ein (geplanter) Zwischenstopp auf dem Karriereweg beim Film?

Lorenz: Nein, der Chemielaborant war eine echte Option, weil Chemie immer mein Lieblingsfach in der Schule war und ich mich auch heute noch dafür interessiere. Während der Ausbildung bei BAYER habe ich aber gemerkt, dass ich nicht mein ganzes Leben im Labor stehen möchte. Anfang der Neunziger sind dann die Privatsender durchgestartet und brauchten dringend Personal. Also bin ich das Risiko eingegangen und habe die Branche gewechselt, bin zuerst Drehbuchautor geworden und jetzt schreibe ich Romane.

Katja: Vom Drehbuchautor für Actionserien wie „Alarm für Cobra 11“ zum „richtigen“ Autor – war das ein naheliegender, vorgezeichneter Weg oder ist das eher aus einer Laune heraus entstanden?

Lorenz: Der Wechsel vom Drehbuch zum Roman geschah nicht aus einer Laune heraus, sondern war geplant. Allerdings muss ich noch dazu sagen, dass ich auch andere Serien und Filme geschrieben habe als nur „Cobra11“. – Drehbuchschreiben empfinde ich mittlerweile etwas ermüdend, weil viele Leute einem reinreden wollen und das auch tun. Beim Roman kann ich mich freier entfalten und das schreiben, was ich möchte. Außerdem sind gewisse Geschichten, die ich noch erzählen möchte, eher für einen Roman als für einen Film geeignet.

Katja: Wenn man Bücher schreibt, versetzt man sich in das Leben seiner Protagonisten hinein, lebt quasi teilweise auch ihr Leben. Wieviel des Menschen Lorenz Stassen steckt zum Beispiel in dem Anwalt Nicolas Meller?

Lorenz: „Angstmörder“ ist KEIN autobiografischer Roman, aber ich verstehe genau, was du meinst. Es stimmt, dass man die Figuren eines Romans nie völlig losgelöst vom Autor sehen kann, weil die Geschichte nun mal in meinem Gehirn entstanden ist. Und so ist es verständlich, dass der Leser wissen möchte, wie viel Lorenz Stassen in Nicholas Meller steckt. Soll ich es sagen? Na gut. – Also, ich bin ein neugieriger Mensch und kann manchmal nicht die Klappe halten, genau wie Nicholas Meller. Ich bin außerdem in etwa so faul wie er, lasse mich gerne ablenken (zum Bsp.: Interviews, Telefonaten, Essen gehen, schönes Wetter draußen, …) Aber ich bin ein miserabler Fußballspieler, ich rauche nicht und bin leider fünfzehn Jahre älter als mein Protagonist.

Katja: Gab es einen Augenblick, eine Szene die Du gesehen hast und die dich zu dem Buch inspiriert hat? Was war der Grund, ausgerechnet dieses Buch, diese Geschichte zu schreiben?

Lorenz: „Angstmörder“ ist die Summe von hunderten Eindrücken und Erlebnissen, die ich im Laufe der letzten Jahrzehnte hatte. Ein Krimi-Buchhändler aus Köln, der leider verstorben ist, hat mal gesagt: „Autoren sind Menschen, die Dinge sehen können, die andere nicht sehen und dann darüber schreiben.“ – Dieser Satz geisterte jahrelang in meinem Kopf herum, bis ich auf die Idee kam, dass auch meine Hauptfigur jemand sein sollte, der Dinge sieht, die andere übersehen haben. – Die Figur Nina entstand aus einem Zufall heraus. Irgendwann bin ich beim Frühstücksbuffet in einem Münchner Hotel einer jungen, hübschen Frau mit nur einem Arm begegnet. Acht Jahre später tauchte sie in meinem Roman auf. – Manche Ideen kommen plötzlich beim Schreiben und erst danach erinnere ich mich, dass ich das ja mal erlebt habe.

Katja: Worin siehst Du den Unterschied zwischen dem Schreiben von Drehbüchern und dem Schreiben eines Romans? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Lorenz: Der Unterschied ist ziemlich groß. In beiden Formaten geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. Aber ein Drehbuch ist immer die Vorlage für einen Film und das Drehbuch geht in dem Film auf, während der Roman gedruckt und als eigenständiges Werk veröffentlicht wird. Ein Drehbuch ist vom Aufbau her sehr komplex. Viele, die zum ersten Mal ein Drehbuch lesen, sind irritiert, wie wenig da drin steht und genau da liegt die Schwierigkeit. In einem Roman kann ich Dinge beschreiben, wie ich das möchte, in einem Drehbuch ist man der Filmdramaturgie verpflichtet. – Ich persönlich finde es leichter, einen Roman zu schreiben als ein Drehbuch. Und ein Roman macht viel mehr Spaß.

Katja: Du schreibst Drehbücher für Krimi- und Actionserien und nun liegt Dein erster Thriller vor. Könntest Du dir vorstellen, auch etwas ganz anderes zu schreiben? Also zum Beispiel ein Kinderbuch, oder einen Fantasyroman?

Lorenz: Kinderbuch: schwierig – und Fantasy ist ehrlich gesagt nicht mein Genre. (Ausgenommen „Game of Thrones“, das liebe ich.) – Aber abgesehen von diesen beiden Genres kann ich mir gut vorstellen, auch was anderes als Thriller zu schreiben.

Katja: Was liest Du selbst gerne, wenn Du denn mal zum Buch greifst? Welcher Kollege liegt derzeit auf Deinem Nachtisch? Oder liest du elbst gar nicht gerne?

Lorenz: Ich lese im Moment hauptsächlich Sachbücher und Biografien. Wenn Belletristik, dann andere Genres als Thriller. Sonst droht die Gefahr, dass ich mich beeinflussen lasse und das möchte ich nicht. Auf meinem Nachttisch liegen im Moment Michel Houellebecq und Bruce Springsteen (Autobiografie).

Ein Thriller-Kollege, der mich in der Vergangenheit inspiriert hat, ist Michael Connelly aus den USA. In Deutschland ist er nie so richtig durchgestartet wie in Amerika, aber neuerdings kennt man seine Hauptfigur „Harry Bosch“ wegen der Serie „Bosch“ auf Amazon Prime.

Katja: Monat für Monat erscheinen unendlich viele Krimis und Thriller. Warum sollte der Leser ausgerechnet zu „Angstmörder“ greifen und sich in die Geschichte von Nicolas und Nina vertiefen?

Lorenz: Im Vergleich zu vielen anderen Thrillern sind meine Hauptfiguren Nina Vonhoegen und Nicholas Meller Strafverteidiger. Sie verfolgen daher einen anderen Ansatz als Polizisten, Pathologen oder Privatdetektive. „Angstmörder“ ist aber kein Justizthriller, die Geschichte geht einen Sonderweg. Zu Nicholas’ „Team“ gehören außerdem zwei seiner ehemaligen Mandanten. Kriminelle also. Ziemlich schräge und gefährliche Typen, wenn man sie aber auf seiner Seite hat, macht es Spaß.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast Du ein Lieblingsrezept, welches Du mit mir und meinen Lesern teilen möchtest?

Lorenz: Unbedingt. Das Gericht heißt „Brauhausschnitzel“ und ähnelt einem Cordon Bleu, aber der Käse und Schinken wird weggelassen (!) und durch Flönz (Blutwurst) und Senf ersetzt. Als Beilage gehört dazu Kartoffelpüree (am besten selbst gemacht) mit Röstzwiebeln und Apfelkompott. Wie man das Schnitzel füllt, überlasse ich jedem Koch selbst, wichtig ist, dass die Blutwurstscheiben dünn geschnitten sind, damit sie durch die Hitze etwas zerlaufen. Und: nicht zu viel Senf, mittelscharf. Sonst schmeckt man das Schnitzel nicht mehr durch. Panieren und braten wie beim Cordon Bleu. Guten Appetit.

Copyright Foto: Random House/Michael Schäfer.

 

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