Interview mit Petra Durst-Benning

Heute habe ich das zweite von insgesamt vier Interviews im Monat November für Euch. Diesmal mit Petra Durst-Benning, einer Autorin die sowohl im Bereich der zeitgenössischen Romane als auch im Bereich der historischen Romane zu Hause ist.

Katja: Liebe Petra, vielen Dank das du mir für ein kleines Interview im Vorfeld zur lit.love 2018 in München zur Verfügung stehst.

Vor einigen Wochen ist dein neuer Roman „Die Fotografin“ erschienen und demzufolge wird sich der Hauptteil meiner Fragen mit dem Thema beschäftigen.

Erzähl uns dort bitte zum Anfang – auch wenn du diese Frage bestimmt schon oft beantwortet hast – wie du auf die Idee zu dem Roman gekommen bist.

Petra: Durch das Antiquitätengeschäft meiner Eltern bin ich dem Thema „Historische Fotografie“ schon seit Kindesbeinen an verbunden. Dass erst jetzt ein Roman draus wurde, zeigt einfach, dass manche Projekte länger reifen müssen …

Katja: Im Jahre 1838/1839 wurde die Fotografie erfunden und hat im Laufe von über 150 Jahren viele Wandlungen durchgemacht: vom ersten Foto mit gestellten Aufnahmen und ernsten Gesichtern bis hin zu Selfies, wie sie heute modern sind. Von Sepiaaufnahmen über schwarz-weiß-Fotografien bis hin zu den heutigen Farb-Aufnahmen. Was gefällt dir besser? Welcher „Fototyp“ bist Du?

Petra: Ich mag die heutige Art der Fotografie – schnell, authentisch, ungekünstelt. Aber genauso liebe ich es, die wertvollen Schwarzweiß-Fotografien anzuschauen und mich in die darauf abgebildeten Menschen hinein zu fühlen.

Katja: Fotografie als Hobby: Wenn ich mir Dein Facebook-Profil so anschaue, bekommt man den Eindruck, du fotografierst selbst sehr gern. Was fotografierst du am liebsten? Was sind deine liebsten Fotomotive?

Petra: Ich mag es, die kleinen Dinge am Wegesrand zu fotografieren. Das Schöne liegt so oft so nah! Klar ist ein Sonnenuntergang am Meer sehr beeindruckend! Aber ein mit rotbackigen Äpfeln voll hängender Apfelbaum ist auf seine Art genauso schön, oder?

Katja: Zeigst du uns deine Lieblingsfotos? Welche gibt es da zum Beispiel im Bereich Städte / Landschaft oder Tiere bei dir?

Petra: Das hier ist eins meiner aktuellen Fotos – ,meine zwei Hunde bei der Apfelernte 🙂

Katja: Ich fotografiere selbst auch sehr gerne, mag mich aber selbst nicht unbedingt auf Fotos. Wie sieht es bei Dir aus? Lässt du dich gerne fotografieren und wer darf diese Fotos von Dir machen?

Petra: Ich werde wahnsinnig oft fotografiert, auf meinen Lesungen, für Facebook, für die Pressearbeit rund um meine Bücher. Mein Motto, übrigens nicht nur beim Fotografiertwerden: „Ein Lächeln kann man zu jedem Outfit tragen!“

Katja: Auch die Technik im Bereich der Fotografie hat sich sehr gewandelt. Wenn ich mir die alten Kameras von früher anschaue und mit der heutigen Technik vergleiche komme ich immer wieder ins Staunen. Mit was für einer Kamera fotografierst du?

Petra: Ich fotografiere mit dem Handy.

Katja: Früher war es etwas ganz Besonderes, wenn ein Foto gemacht wurde: man hat sich schick gemacht, ist zum Fotografen gegangen; heute entstehen in den unmöglichsten Situationen Fotos. Ist es in Deinen Augen ein Fluch oder ein Segen, dass heutzutage jeder eine Kamera – meist sogar im Handy – mit hat und immer fotografiert wird?

Petra: Fluch und Segen zugleich. Durch unsere Fotos können wir viele schöne Momente festhalten und mit denen teilen, die in diesem Moment nicht dabei sein können. Doch wenn man alles nur noch durch die Linse sieht, schafft man selbst eine künstliche Mauer um sich und ist vielleicht nicht mehr ganz so eng mit dem Hier und Jetzt verbunden wie ohne den Akt des Fotografierens. Wir sollten die intensiven Momente des Lebens auf unserer inneren Festplatte abspeichern, nicht nur im Fotospeicher vom Handy! Von den wirklich allerschönsten Momenten in meinem Leben, die ich mit ganz eng verbundenen Menschen erlebe oder auch allein mit den Hunden – von denen gibt es kein einziges Foto.

Katja: So wandelbar wie die Fotografie im Laufe vieler Jahrzehnte war, so wandelbar bist auch du als Autorin. Du schreibst sowohl zeitgenössische (Liebes)Romana als auch viele historische Romane. In denen greifst du die unterschiedlichsten Themen und Epochen auf.

Wie kommst du immer wieder auf diese Themen – die russischen Zaren fallen mir da spontan ein und auch die Glasbläser in Lauscha. Sind das Themen, die dich selbst interessieren, auf die du vielleicht bei Recherchen zu einem ganz anderen Thema gestoßen bist?

Petra: Die Themen kommen auf mich zu. Sie begegnen mir beim Lesen, Fernsehen, im Gespräch mit anderen, auf zig anderen Wegen. Ich habe noch niemals bewusst nach einem Thema gesucht oder gar geschaut, was denn gerade auf dem Markt „in“ sein könnte. Dieses Bücher-backen mit den immer selben Zutaten ist mir zuwider, davon gibt es viel zu viel!

Katja: Du machst Lesungen und Lesereisen, Veranstaltungen mit einem kulinarischen Teil, bist sehr für deine Fans da. Was ist der Antrieb dazu? Warum liegen dir Deine Leser so sehr am Herzen, dass du neben dem eigentlichen Schreiben noch so viel anderes für deine Leser tust.

Petra: Oh … Ich liebe meine Leser einfach! Ohne meine Leser wäre ich nichts. Eine amerikanische Kollegin hat einmal zu mir gesagt: „Im gesamten Bücherbusiness gibt es nur zwei Parteien, die unverzichtbar sind: Der Autor und der Leser.“ Sie hat recht!

Katja: Ist „Fanarbeit“ für die Bindung eines Lesers an den Autoren wichtig? Wie empfindest du den Kontakt zu deinen Lesern und was gibt er dir?

Petra: Ich schreibe nicht über Superhelden oder künstlich geschaffene Figuren, die abstruse Abenteuer erleben, die man sich im wahren Leben nicht ausdenken könnte. Ich schreibe über „ganz normale“ Menschen. Und dabei sind meine Leserinnen meine Vorbilder  – es sind so viele tolle, toughe, mutige, tapfere, wunderbar herzenswarme Frauen dabei! Die schönen Kontakte, die ich mit meinen Leserinnen habe, sind für mich die größte Inspiration überhaupt!

Katja: Rezensionen sind für Autoren beides gleichzeitig: Fluch und Segen. Ein Segen, wenn sie offen und ehrlich sind, fair und vielleicht auch noch richtig gut sind; ein Fluch wenn sie verletzten und das Buch bzw. den Autoren vielleicht auch noch nieder machen. Wie gehst du mit solchen Rezensionen um? Wie wichtig sind Rezensionen überhaupt für Dich?

Petra: Ich freue mich über kluge, liebenswerte Rezensionen und die andern beachte ich gar nicht.

Katja: Wie sieht Dein Arbeitstag aus? Arbeitest du strukturiert 8 Stunden am Tag an Deinem Schreibtisch? Oder schreibst du, wann immer du „Lust“ hast? Wie muss ich mir das vorstellen?

Petra: Ich schreibe sehr strukturiert jeden Tag, außer, ich bin auf Lesereise. Da kann ich nicht schreiben, denn schreiben macht mich so müde, dass ich abends keine Lesung mehr halten könnte. Auch gönne ich mir zwischen den Büchern immer eine schöne Pause, so dass ich nie schreibmüde bin, sondern immer heiß aufs nächste Projekt bin J

Katja: Gewährst Du uns einen Blick in dein Büro?  Wie schaut es da aus? Ist dein Schreibtisch immer aufgeräumt oder herrscht da das organisierte Chaos?

Mein Schreibtisch steht bei uns im Wohnzimmer. So bin ich immer „nah beim Geschehen“, kann die Terrassentür offenlassen, habe die Hunde um mich, meine geliebten Bücher hinter mir. Ich mag es nicht, weggesperrt zu sein im Elfenbeinturm der Kunst.

Katja: Was für Nervennahrung findet man bei dir, wenn du schreibst?

Petra: Ich esse nicht beim Schreiben. Wenn ich das anfangen würde, hätte ich nur noch mehr auf den Rippen!

Katja: Ich entspanne mich nach einem anstrengenden / hektischen Arbeitstag gerne beim Kochen und Backen. Wie entspannst du dich?

Petra: Alles, was nicht mit Kopfarbeit zu tun hat, entspannt mich. Also kochen und backen, im Garten werkeln, etwas basteln oder Handarbeiten. Und bei meinen ausgiebigen Hundespaziergängen – da entspanne ich auch. Ich tanze aber auch gern, höre gern Musik. Und ich liebe es, mir ein schönes Bad einzulassen. Ach, es gibt so viele schöne Dinge, da kann ich mich nicht auf eins festlegen.

Katja: Und zu guter Letzt: Mein Blog heißt sich ja „Katjas Bücher und Rezepte“ und so bleibt natürlich die Frage nach Deinen Lieblingsrezept nicht aus. Was kochst oder bäckst Du am liebsten? Magst Du uns das Rezept verraten?

Petra: Ein Rezept, das ich selbst erfunden habe und das ich gerade jetzt im Herbst sehr gerne zubereite, ist meine „Wildpastete ohne Wild“. Sie schmeckt, wenn ich das mal so sagen darf, einfach grandios!

Rezept:

Meine Wildpastete ohne Wild  🙂

Für dieses Rezept gibt es keine Mengenangaben, weil ich es intuitiv erschaffen habe:

Ich brate Zwiebeln scharf an, gebe zwei Gläser abgetropfte Pfifferlinge dazu und brate diese mit an. Dann gebe ich 200 Gramm Cashewkerne dazu, außerdem einen ordentlichen Schuss Rotwein und zwei Teelöffel Preiselbeeren. Gewürzt wird mit Salz, viel Pfeffer, zwei Lorbeerblättern, Wacholderbeeren, etwas Majoran – alles halt, was nach Wald und Wild schmeckt.

Die ganze Masse schmore ich dann circa zwanzig Minuten, bis keine Flüssigkeit mehr da ist. Dann abkühlen lassen und ab in den Mixer! Dabei entsteht eine braune Paste, die aussieht wie eine Wild-Paté. Ich teile die Masse gern und gebe in die eine Hälfte noch klein gehackte Cranberrys und in die andere Hälfte gehackte Walnüsse, so habe ich zwei Sorten. Auf geröstete Baguettescheiben drauf, etwas ausdekoriert und fertig ist der schönste Happen zu einem Glas Sekt oder Champagner!

An dieser Stelle endet – erst einmal – das gemeinsame Interview mit Petra Durst-Benning. Ihr glaubt gar nicht, wie stolz ich war, als sie mir meine Anfrage zu einem gemeinsamen Interview mit „Ja“ beantwortete und dann noch als total liebenswert herausstellte.

Heute, wenn ihr das Interview lest, werde ich sie auf der lit.love in München kennenlernen und ich hoffe sehr, das sich mein Traum von einem gemeinsamen Foto erfüllt. Darüber werde ich natürlich berichten.

Und ich kann jetzt schon sagen, dass das Interview weitergehen wird. Denn es hat noch Fragen zum Thema „Weihnachten“ enthalten und diese Antworten könnt ihr im diesjährigen Adventskalender nachlesen.

 

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2 Responses to Interview mit Petra Durst-Benning

  1. Hallo Katja,

    nachdem wir uns beim exklusiven Meet & Greet mit Sophie Kinsella kennengelernt haben, war ich jetzt direkt neugierig auf deinen Blog. 🙂

    Das Interview mit Petra Durst-Benning ist richtig klasse, am liebsten würde ich ewig weiterlesen. Aber dann gedulde ich mich eben bis zum Adventskalender, auf den ich übrigens auch schon sehr gespannt bin. *lach*

    Herzliche Grüße,
    Kathi

    • Katja Ezold sagt:

      Hallo Kathi,
      vielen Dank für den lieben Kommentar. Ich hab gleich mal gestalkt und uch glaube ich weiß wer du bist. bzw. ihr. Kann es sein, das ihr auf der rechten Seite von Sophie gesessen habt? Mama und Tochter?
      Liebe Grüße
      Katja

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