Interview mit … Rebecca Gablé

In der letzten Zeit hat Sylvia mal wieder einen Roman von Rebecca Gablé gelesen und auch ich habe vor einigen Jahren etliche Bücher der Autorin verschlungen. Die Rezension von Sylvia hat mir in zweierlei Hinsicht Lust gemacht: zum einen, selbst mal wieder zu einem Buch der Autorin zu greifen und zum anderen, die Autorin um ein Interview zu bitten.

Letzteres habe ich bereits durchgeführt und ich freue mich, dass sie „Ja“ gesagt hat. Das Ergebnis könnt ihr hier lesen. Die Fragen stammen von Sylvia und von mir 🙂

Katja: Liebe Frau Gablé, vielen Dank dass sie sich die Zeit für dieses kleine Interview nehmen.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus, haben Sie feste Zeiten zu denen sie schreiben? Nutzen Sie zum Schreiben gleich den PC oder das Laptop? Oder gehören Sie zur „alten Schule“ und schreiben alles in Notizbücher auf?

Rebecca Gablé: Feste Zeiten habe ich nicht, aber ich bin meistens recht früh morgens am Schreibtisch anzutreffen, und das Schreiben hat Vorfahrt vor allen anderen Dingen. Oft verbringe ich aber auch den ganzen Tag mit Recherche. Wenn ich schreibe (am PC oder Laptop), dann zwischen 5 und 10 Seiten am Tag.

Katja: Benötigen Sie völlige Stille zum Schreiben oder läuft im Hintergrund leise Musik?

Rebecca Gablé: Ich brauche absolute Ruhe.

Katja: Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um? Haben Sie ein bestimmtes Ritual, davon wegzukommen? Zum Beispiel spazieren gehen im Park oder Sport?

Rebecca Gablé: Eine Schreibblockade ist mir bislang erspart geblieben. Natürlich gibt es Tage, an denen es nicht so gut läuft. Dann mache ich tatsächlich manchmal einen Spaziergang oder Sport und höre Musik dabei, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Wenn ich dann an den Computer zurückkehre, finde ich meistens ziemlich schnell das Problem, woran der Fortgang der Geschichte hakt.

Katja: Tragen Sie immer ein Notizbuch mit sich herum, um Ideen, die Ihnen unterwegs einfallen, z.Bsp. beim  Betrachten eines Kirchenaltar oder Gemäldes, zu notieren?

Rebecca Gablé: Früher hatte ich immer ein Notizbuch dabei, weil es gelegentlich vorkommt, dass man unterwegs ist und plötzlich eine gute Idee für den Fortgang der Handlung hat, die man vielleicht wieder vergessen hat, bis man das nächste Mal am Schreibtisch sitzt. Heute ersetzt zum Glück das Handy das Notizbuch. Ein Teil weniger in der Handtasche!

Katja: Mit „Das Lächeln der Fortuna“ gelang Ihnen der Durchbruch im historischen Bereich/Genre. Die Waringham-Saga beschäftigt sich mit dem englischen Königshaus. Die Recherche dazu führen Sie mit Hilfe englischer Literatur durch. Mein Englisch ist leider sehr verbesserungswürdig und ich stelle es mir unheimlich schwer vor, Fachliteratur in einer Fremdsprache zu lesen. Wie kommen Sie damit klar bzw. nutzen Sie dazu auch Übersetzer-Kollegen?

Rebecca Gablé: Mein Englisch ist zum Glück ziemlich gut und keine Fremdsprache für mich. Auch für mein privates Lesevergnügen lese ich fast ausschließlich Romane auf Englisch. Ein großer Bonus ist, dass ich auch Angelsächsisch und Mittelenglisch verstehe, weil ich ja mittelalterliche englische Sprache und Literatur studiert habe, und so die Quellen zur Recherche für meine Bücher im Original lesen kann.

Katja: Welche Werke zum Thema „englisches Königshaus“ können Sie empfehlen, wenn ihre Leser tiefer in die Materie eintauchen wollen?

Rebecca Gablé: Sie sind leider alle in Englisch – siehe oben. Aber ich glaube, einige der Bücher von Antonia Fraser und Alison Weir über die Könige und Königinnen der englischen Geschichte gibt es in deutscher Übersetzung. Beide Autorinnen kann ich empfehlen, denn sie sind zuverlässig und gleichzeitig kurzweilig zu lesen, obwohl es Sachbücher sind.

Katja: Auf der Frankfurter Buchmesse kann man Sie als Fan immer mal antreffen. Jedoch ist Frankfurt mit 2 Kinder momentan schwierig zu realisieren. Wann kann man Sie live auf der Leipziger Buchmesse begrüßen?

Rebecca Gablé: Das kann ich leider nicht sagen. Da meine Bücher meistens im Herbst erscheinen, ist Frankfurt im Oktober normalerweise für mich die Messe, wo ich meine Neuerscheinung vorstelle, und nur selten Leipzig im März.

Katja: Führen Sie Lesungen durch? Planen sie vielleicht auch einmal eine Lesereise in Richtung Sachsen? Sie einmal live zu erleben, wäre ein großer Traum von uns beiden.

Rebecca Gablé: Ich kann aus zeitlichen Gründen überhaupt keine Lesungen mehr absolvieren. Die zwei Jahre Zeit, die ich für die Planung, Recherche und Niederschrift eines Romans habe, reichen kaum aus, um ein Projekt fertigzustellen, und darum habe ich das öffentliche Lesen schweren Herzens eingestellt. Der persönliche Austausch mit meinem Publikum fehlt mir allerdings sehr, und ich versuche, das durch meine Facebook-Seite wenigstens teilweise auszugleichen.

Katja: Neben dem historischen Genre schreiben Sie auch in Krimi-Bereich. Planen Sie, auch in diesem Bereich wieder etwas zu veröffentlichen? Oder vielleicht etwas ganz anderes? Oder haben Sie sich mittlerweile, nach dem Motto „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, entschieden nur noch historische Romane zu schreiben?

Rebecca Gablé: Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann mal wieder einen Thriller zu schreiben. Auch ein historischer Kriminalroman würde mich reizen. Aber konkrete Pläne habe ich dafür derzeit nicht.

Katja: Ihr nächstes Buch gehört wieder zur Waringham-Saga. Wie gelingt es Ihnen alle Stränge im Kopf zu behalten, wer mit wem oder doch nicht, ohne dass sich Fehler einschleichen, auch in den komplizierten Verwandtschaftsgraden?

Rebecca Gablé: Ich habe zu jeder wichtigen Figur ein ausführliches Dossier mit Biografie, äußerer Erscheinung, Psychogramm und so weiter, wo ich immer mal nachschlagen kann, wenn ich etwas vergessen habe. Und ich habe eine Tabelle, die mir zeigt, welche Figur wann wie alt ist. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um den Überblick zu behalten.

Katja: Bezugnehmend auf ihr aktuelles Werk „Die Fremde Königin“ würde mich interessieren, wie lang hierfür ihre Recherche gedauert hat. Besonders gelungen finde ich ihr Nachwort, wo Sie schon einiges zu Recherche schildern und wo Sie klar Position beziehen zu den Personen, die die Macht und Größe Otto des Großen für ihre Ideologie missbrauchen.

Rebecca Gablé: Wenn ich mit einem neuen Projekt beginne, sind die ersten zwei bis drei Monate immer ausschließlich der Recherche gewidmet. Dann fange ich mit dem Manuskript an, recherchiere aber fast bis zum letzten Tag parallel immer weiter, und irgendwann zwischendurch mache ich auch mindestens eine Recherchereise zu den Schauplätzen meines Romans. Darum ist es immer ein bisschen schwierig zu beziffern, wie viel Zeit die Recherche allein in Anspruch genommen hat. Genau so war es auch bei „Die fremde Königin“.

Katja: In „Die fremde Königin“ mischen einige Bösewichte und Ekelpakete die Geschehnisse auf, ich denke da an Henning. Henning ist nachweislich so ein schwerer Charakter. Versteckten Sie in Ihren Büchern auch Personen, die in Ihrem Leben eine Rolle gespielt haben? Hier meine ich zum Beispiel oberschlaue Bekannte oder Schulkameraden? Oder auch im positiven Sinne Freunde, denen man viel zu verdanken hat und so ihre Art im Buch wiederfindet?

Rebecca Gablé: Nein, ich porträtiere niemals Menschen aus dem „richtigen Leben“ in meinen Büchern. Ich finde, so viel Phantasie und Vorstellungsgabe sollte man als Schriftsteller/in schon besitzen, dass man nicht seine Freunde (oder Feinde) in seinen Büchern verwursten muss.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Haben sie ein Lieblingsrezept, welches Sie mit mir und meinen Lesern teilen möchten?

Rebecca Gablé: Da muss ich Sie leider enttäuschen, denn ich kann überhaupt nicht kochen. Ich könnte Ihnen höchsten eine 1A-Anleitung zur Zubereitung einer Fertigpizza anbieten  😉

Foto: © FinePic

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