Interview mit Sebastian Fitzek

Morgen ist Karfreitag, es ist Ostern und somit stehen ein paar freie Tage vor der Türe. Diese freien Ostertage möchte ich mit einem besonderen Osterei einläuten: mit einem Interview. Ich hatte das Glück, Sebastian Fitzek auf der Leipziger Buchmesse nicht nur auf ein gemeinsames Foto zu treffen. Nein, ich durfte ihn auch noch interviewen. Und das Ergebnis, das könnt ihr hier lesen:

Katja: Hallo Sebastian, zuerst natürlich einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und Dich meinen Fragen stellst.

Du warst ja im März auf der Leipziger Buchmesse. Wie waren die Tage für Dich? Hast Du auch selber ein wenig bummeln, Dich informieren können? Sucht man vielleicht selbst nach Lektüre für sich oder die Kinder?

Sebastian: Ich war leider ständig in Terminen, so dass ich selbst keine Zeit gefunden habe, mich auf der Messe umzusehen. Aber das war vielleicht ganz gut, denn sonst wäre mein Stapel ungelesener Bücher zu Hause noch größer geworden.

Katja: Ich hatte ja das große Glück auf der Buchmesse, Dich kurz zu treffen und ein gemeinsames Bild ist entstanden. Wirst Du oft erkannt und angesprochen?

Sebastian: Auf so einer Messe, wo man ja nach Autoren Ausschau hält, geschieht das natürlich oft. Im „wahren Leben“ eher seltener.

Katja: Autor sein, das heißt ja nicht nur Schreiben. Das heißt auch: eine eigene Homepage gestalten, und Lesungen halten; Kontakte zu Lesern, Agenten und Verlagen pflegen etc. etc. Wie gestaltest Du da Deinen Tag? Hast du für alle „Bereiche“ eine feste Zeiteinteilung?

Sebastian: Ich nehme mir am Tag immer eine Stunde Zeit für meine Mails. Aber ich habe viele fähige Leute, dir mir eine Menge Arbeit abnehmen, zum Beispiel wenn es um die technische Umsetzung auf meiner Homepage geht oder die Terminabsprachen und die Organisation der Lesereisen. Hier wäre ich ohne meine Managerin (mein Gehirn) Manuela Raschke, völlig verloren.

Katja: Wie leicht lässt du Dich von Familie, deinen Lesern bzw. den sozialen Medien und dem Internet vom Schreiben abhalten? Kann man bzw. muss man das Ganze auch einmal ausblenden können?

Sebastian: Während des Schreibens schalte ich mein Handy in den Flugmodus und klinke ich mich komplett aus dem Internet aus.

Katja: Verlagsbücher zu schreiben heißt ja auch Abgabe-Termine einhalten. Wie gehst du mit dem Druck um, zu einem gewissen Termin „liefern“ zu müssen?

Sebastian: Ich muss ja zum Glück nicht. Es stirbt ja keiner, wenn ich zu spät abgeben würde. Die Verantwortung einer Hebamme ist da um ein Vielfaches größer.

Katja: Wenn ich mich so umsehe, etwas über dich lese, dann stoße ich immer wieder darauf, dass deine Leser dich als sehr bodenständig loben. Sie freuen sich darüber, dass du auf Nachrichten reagierst, auf sie eingehst. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Lesern?

Sebastian: Mir ist der Kontakt zu Menschen immer wichtig. Vor allen Dingen, wenn es Menschen sind, die sich so viele Stunden mit meinem Werk auseinandergesetzt haben.

Katja: Magst du lieber persönliches Feedback oder genügen dir Rezensionen zu deinen Büchern. Wie wichtig ist eine Rezension für dich und wie gehst du mit Kritik um?

Sebastian: Kritik ist wichtig. Sie verhilft einem dazu, besser zu werden. Allerdings unterscheide ich sehr stark zwischen der Art der Kritik. Dabei stelle ich mir nur eine einzige Frage: Was ist die Intention des Kritikers. Will er, dass ich besser werde? Dann muss ich ihm zuhören. Oder will er einfach nur, dass ich aufhöre zu schreiben, weil er mich oder meine Werke ohnehin nicht leiden kann. Dann ist diese Kritik komplett wertlos. Ich würde mir auch nicht die Nase operieren, nur weil sie jemand zu dick findet.

Katja: Du sagst im Nachwort zum „Joshua-Profil“, dass nicht Du dir die Themen aussuchst, über die du schreibst. Im Gegenteil, die Themen, über die du schreibst, suchen dich. Wie muss ich mir das vorstellen? „Stolperst“ du quasi über eine Schlagzeile und das Gedankenkarussell setzt sich in Bewegung?

Sebastian: So war es zum Beispiel bei „Passagier 23“, als ich in der Park Avenue von dem Mysterium las, dass jährlich bis zu 23 Passagiere spurlos auf hoher See verschwinden.

Es kann aber auch eine Begegnung mit einem interessanten Menschen sein oder ein Gesprächsfetzen, den ich in der U-Bahn aufschnappe.

Katja: Auf Facebook kann man nachlesen, wie es zur Idee von „AchtNacht“ kam. War dir schon beim Schauen des Filmes „The Purge“ klar, dass daraus ein neues Buch wird und wie lange hat die Umsetzung gedauert?

Sebastian: Das war mir lange nicht klar. Den ersten Impuls hatte ich im Sommer 2013. Aber ich habe erst drei Jahre später angefangen zu schreiben.

Katja: Lustige Alltagsepisoden deiner Familie kann man immer mal wieder bei Facebook nachlesen. Wie wichtig ist es, den Leser auch einmal solche doch privaten Dinge von sich preiszugeben.

Sebastian: Ich poste relativ selten, und wenn, dann nur etwas von dem ich der Meinung bin, dass es für die Leserin oder den Leser einen gewissen Wert hat. Da ich gerne unterhalte, kann der Wert schon darin liegen, jemanden zum Lachen zu bringen. Das kann, muss aber nicht notwendiger Weise mit einer privaten Geschichte passieren. Das Posten von lustigen Kinderfotos ist übrigens für mich tabu. Ich habe keine Lust, dass meine Kinder später auf dem Schulhof gehänselt werden, nur weil Papa dachte, es wäre lustig sie mit dem Kopf in der Torte zu fotografieren.

Katja: Wenn man diese Episoden so liest, kann man davon ausgehen, dass du ein richtiger Familienmensch bist und man mit dir einigen Unfug anstellen kann? Wie wichtig ist Familie für dich und wie siehst du den Stellenwert der Familie in der heutigen Gesellschaft?

Sebastian: Die Familie ist die Basis. Um es drastisch auszudrücken: Kein Serienmörder entschließt sich nach einer erfüllten Kindheit und einem normalen Erwachsenenleben im Alter von 55 Jahren, möglichst viele Menschen zu töten.

Es ist kein Klischee, dass die meisten Täter eine schlimme Kindheit hatten. Das macht ihre Taten nicht entschuldbar, zeigt uns aber, wie wichtig es ist dafür zu sorgen, dass Kinder in einer intakten Familie aufwachsen können.

Katja: Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Schreibst du immer zu bestimmten Zeiten? Brauchst du eher Ruhe oder eher Trubel oder Musik?

Sebastian: Ich versuche immer so früh wie möglich am Schreibtisch zu sitzen und so lange wie möglich zu schreiben. Dabei brauche ich es nicht besonders ruhig, aber laute Musik würde mich ablenken. Ich mag es, wenn ich beim Schreiben einen schönen Ausblick habe, am besten aufs Wasser oder in einen Garten.

Katja: Vor Beginn eines neuen Buches stelle ich mir vor, dass dazu ein Grobgerüst steht. Dass ist sicher bei dir  auch so. Kam es schon mal vor, dass du beim Schreiben alles über den Haufen werfen musstest, weil deine Figuren ein Eigenleben entwickelt haben? Sich die Geschichte an sich in eine ganz andere Richtung entwickelt hat?

Sebastian: Das passiert mir ständig. Bei „Passagier 23“ musste ich nach 80 Seiten sogar wieder von vorne anfangen. Man kann seine Figuren nicht zwingen etwas zu tun, was sie nicht wollen.

Katja: Aktuell wird „Abgeschnitten“ verfilmt. Wie viel Mitspracherecht hat man als Autor? Wie war es damals beim gemeinsamen Schreiben mit Michael Tsokos, alles gemeinsam oder jeder gewisse Abschnitte?

Sebastian: Wir hätten theoretisch umfassende Mitspracherechte gehabt, waren aber von Anfang an begeistert, wie nah das Drehbuch an der Vorlage ist und wie professionell die Umsetzung am Set war.

Die Geschichte zu „Abgeschnitten“ haben Michael und ich gemeinsam entwickelt, dann habe ich die erste Fassung geschrieben und die haben wir dann hin- und hergemailt bis das Buch fertig war.

Katja: Auf der Leipziger Buchmesse habe ich das Buch „Pupsi und Stinki“ entdeckt. Wie war es, in ein neues Genre – Kinderbuch – einzusteigen? Wer kam auf die Idee?

Sebastian: Die Idee ist aus der Not entstanden. Wir waren für ein verlängertes Wochenende auf Rügen, und ich hatte das Vorlesebuch für meine Kinder vergessen. Also musste ich mir etwas ausdenken, und da konnte ich ja schlecht aus dem Seelenbrecher zitieren.

Später bat ich meinen Freund Stolli, die Geschichte zu illustrieren, weil meine Kinder die Hauptfiguren sehen wollten. Und noch viel später haben wir uns dann entschlossen, daraus ein Buch daraus zu machen.

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt: Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast Du ein Lieblingsrezept, welches Du mit mir und meinen Lesern teilen möchtest?

Sebastian: Ich koche leider überhaupt nicht, da muss ich passen. Aber dafür bin ich sehr gut im Essen;)))

 

 

 

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