Interview mit Tim Pieper

Sylvia ist seit vielen Jahren eine wunderbare Freundin und eine sehr engagierte „Blog-Mitarbeiterin“. Bisher hat sie immer „nur“ Rezensionen zu Krimis oder historischen Romanen geschrieben, manchmal auch über den Tellerrand hinaus zu einem anderen Genre. Doch mittlerweile hat sie auch Spaß daran gefunden, Autoren zu interviewen. Und so kommt heute schon das 3. Interview in diesem Jahr von ihr. Diesmal mit dem Krimi-Autor Tim Pieper. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Sylvia: Lieber Tim, mit Tiefe Havel habe ich nun den 3. Band rund um Toni Sanftleben beendet und bin schon etwas traurig, dass das Buch zu Ende ist.

Aber ich habe ja noch deine historischen Werke auf meinem eReader, diesen widme ich mich, bis Toni wieder ermittelt

Ich wollte Dich ja schon nach dem 2. Buch interviewen, doch leider ist immer was dazwischen gekommen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Nun meine (neugierigen) Fragen:

Mit Toni hast Du einen Ermittler geschaffen, der Ecken und Kanten hat, der sehr ehrgeizig ist und sich an einem Fall festbeißt, bis er den Täter überführt hat. Du beschreibst die Vorgänge im Revier sehr genau, hattest Du die Möglichkeit bei der Potsdamer Kripo zu recherchieren? Und ist Dir da vielleicht ein Ermittler in der Art von Toni begegnet?

Tim: Tatsächlich kenne ich einen Kriminalkommissar, der mir Einblicke in seine Arbeit gewährt hat. Ansonsten lese ich viele Fachbücher, die auch an den Polizeihochschulen benutzt werden. Sie sind sehr hilfreich und veranschaulichen mir den Polizeialltag. Ein Vorbild für Toni ist mir bei meinen Recherchen nicht begegnet. Sein Charakter wurde vor allem durch seine Vorgeschichte bestimmt. Ich brauchte jemanden, der allen Widerständen zum Trotz sechzehn Jahre nach seiner verschwunden Frau sucht. Ein solcher Mensch ist u. a. sehr hartnäckig und beharrlich.

Sylvia: In einem Buch gibt es immer Protagonisten, die man leiden kann oder eben nicht. Kriminalrat Schmitz ist so einer. Toni’s Chef, der eine so unsympathische Art hat, dass man ihn schütteln mag. Und er verkörpert den Typus unbeliebter Chef aufs extreme. Irgendwie ist wohl jedem schon mal so ein gemeiner Mensch begegnet, der die ihm übertragene Macht versucht auszunutzen, um sich wichtig zu machen. Mir fallen da schon ein paar Menschen ein, die solche Eigenschaften haben. Hast Du in Schmitz auch jemanden verewigt?

Tim: Merkt man das? 😉 Tatsächlich verkörpert Schmitz Eigenschaften, die mir in der Realität begegnet sind. Mehrere Personen, mit denen ich in der Vergangenheit zu tun hatte, haben mir als Vorbild gedient. Zugespitzt kann man Schmitz wohl als gewissenlosen Karrieristen und Opportunisten beschreiben.

Sylvia: Du schreibst ja an vielen Projekten, hast Deinen Job und Deine Familie. Wie schaffst Du es, alles unter einen Hut zu bringen? Wie kannst Du nach einem stressigen Tag am besten entspannen?

Tim: Mir gelingt es ganz gut, wenn ich den Blick auf das konzentriere, was gerade anliegt. Für mich ist der Moment entscheidend und wie ich ihn nutze. Wenn ich dann nach einer Weile zurückblicke, merke ich, dass ich einiges geschafft habe. Das ist ein gutes Gefühl und gibt Auftrieb. Entspannen kann ich am besten mit meinen Söhnen. Ihre Unbekümmertheit wischt sofort alle Denkakrobatik weg und ich lande im Hier und Jetzt. Ansonsten setze ich mich aufs Ergomether oder mein Trekkingrad. Beim Strampeln kann ich mich auspowern und einen körperlichen Ausgleich schaffen.

Sylvia: Was verrät uns ein Blick in Dein CD-Regal? Was für Musik finden wir darin und welches ist Dein Lieblingsalbum?

Tim: Musik ist mein ständiger Begleiter. Ein Blick in mein CD-Regal verrät, dass ich viele verschiedene Musikrichtungen mag. Mein Favorit richtet sich nach der jeweiligen Gefühlslage. Deshalb habe ich auch kein Lieblingsalbum. Oft mag ich es etwas rockiger. Meistens höre ich im Radio ein Lied, lade es runter und höre es dann sehr, sehr oft. Zu diesen Songs zählten in der jüngeren Vergangenheit z. B. „Stand by me“ von KiTheory, „Take me to church“ von Hozier oder „Way down we go“ von Kaleo. Manchmal mag ich auch schöne, deutsche Texte und emotionale Musik, die unter die Haut geht wie z. B. von Klaus Hoffmann „Gestern“ oder „Weil du nicht bist wie alle anderen“. Wenn es etwas leichter und beschwingter sein soll, lege ich den italienischen Liedermacher Paolo Conte auf. Und wenn mir nach guter Laune ist, läuft Swing von Glenn Miller oder Artie Shaw.

Sylvia: Wie sieht ein „Arbeitstag“ bei Dir aus?

Tim: Der perfekte Arbeitstag beginnt um 9.00 Uhr morgens und endet um 18.30 Uhr. Er hat nur kurze Unterbrechungen, in denen ich esse oder Kaffee hole. Oft lässt sich das nicht realisieren. Dann hilft die Methode, die ich oben beschrieben habe: Die Konzentration auf das, was gerade anliegt.

Sylvia: Setzt Du Dich an den Schreibtisch, neben Dir literweise Kaffee und schottest Dich ab? Oder brauchst Du eher Trubel um Dich rum, setzt Dich in ein Cafe und schreibst dort?

Tim: In einem Cafe könnte ich mich nicht konzentrieren. Ich wäre ständig abgelenkt. Mir ist absolute Ruhe am liebsten. Und ja, mein Kaffeekonsum ist wahrscheinlich besorgniserregend hoch. 😉

Sylvia: Schreibst Du in einem bestimmten Rhythmus?

Tim: Momentan schreibe ich immer, wenn ich die Gelegenheit habe. Von einem bestimmten Rhythmus oder festen Zeiten habe ich mich unabhängig gemacht.

Sylvia: Was machst Du, wenn Dir mitten am Tag, wenn Du vielleicht mit dem Auto oder mit Freunden / Familie unterwegs bist, Ideen auf Dich einströmen? Hast Du immer ein Notizbuch griffbereit?

Tim: In meinen Anfängen stellten diese Situationen tatsächlich eine Herausforderung dar. Weil ständig irgendwelche Ideen auf mich einprasselten, hatte ich die Befürchtung, dass ich wichtige Einfälle vergessen könnte. Mittlerweile habe ich gelernt, mich in solchen Situationen zu entspannen. Ich sage mir dann, dass die wirklich bedeutenden Überlegungen auch noch da sind, wenn ich wieder am Schreibtisch sitze. Das funktioniert ganz gut.

Sylvia: Wie gehst du bei der Namenswahl der Protagonisten vor? Die Namen müssen ja zur Region und Zeit passen!

Tim: Das stimmt. Namen müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Sie müssen zur Region und Epoche passen, sie sollen einen ersten Hinweis auf bestimmte Eigenschaften liefern und sie sollen sympathisch klingen oder Widerwillen wecken. I. d. R. skizziere ich zunächst den Charakter und probiere dann verschiedene Vor- und Zunamen aus. Manchmal passt es sofort, manchmal brauche ich bis zur Manuskriptabgabe, um mich endlich zu entscheiden.

Sylvia: Ich schreibe und rezensiere Bücher auf dem Blog von meiner Freundin Katja. Neben Büchern ist Katjas weiterer Themenbereich das Kochen und sie wünscht sich vom Interviewpartner ein Lieblingsrezept. Hast Du ein Lieblingsrezept und verrätst es?

Tim: Eine norddeutsche Spezialität: Grünkohl mit süßen Kartoffeln, Kohlwürstchen, Kassler und Speck. Die vorgekochten und gepellten Kartoffeln werden so lange in Öl erhitzt, gewendet und mit Zucker bestreut, bis sie ganz braun und karamellisiert sind. Die Kohlwürstchen sollten möglichst lange im Grünkohl ziehen, damit er schön würzig wird. Sehr deftig und lecker. Wir essen es nur im Winter.

Sylvia: Was würdest Du Deine Leser, Deine Fans gern fragen, wenn Du den Spieß umdrehen könntest?

Tim: Bei meinen Leserunden ergeben sich häufig Situationen, in denen ich von den Teilnehmern erfahren möchte, wie sie sich die weitere Entwicklung eines Protagonisten vorstellen, wen sie sympathisch finden und wen nicht. Oft ergibt sich dann ein lebhafter Austausch, von dem ich eine Menge lernen kann.

Sylvia: Vielen vielen Dank, dass ich Dich löchern durfte.

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