Iron-Buchblogger im Interview – Teil 5

Iron-Blogger im Interview über Bücher, die Highlights ihres Blogs und … Bücher natürlich – Teil 5

Heute kommt der fünfte und letzte Teil der Serie „Iron-Blogger im Interview“ und den Abschluss bilden „Über den Kastanien“, LiteraturZeit und Literaturjunkie.

Über was bloggst Du? Was ist Dein Lieblingsthema? Und wo finden wir Deinen Blog?

Über den Kastanien: Meine Blogartikel haben alle mit Büchern zu tun, manche nur im weiteren Sinne, aber einen Bezug zu Literatur gibt es immer. Ich schreibe keine klassischen Rezensionen, sondern mich interessieren oft mehr die Hintergründe der Entstehung eines Buches, zum Beispiel biografische Details. Manchmal ist für mich ein Buch auch nur der Anlass, um mir Gedanken zu einem Thema zu machen. Zurzeit beschäftigt mich zum Beispiel der Umgang mit Manuskripten aus dem Nachlass eines Autors, angeregt durch die Lektüre der zwei Ausgaben zu „Paris, ein Fest fürs Leben“ von Hemingway. Ich blogge auf http://www.ueberdenkastanien.wordpress.com.

LiteraturZeit: Wie der Name meines Blogs, LiteraturZeit (lifeforliterature.wordpress.com), sicher schon verrät, geht es bei mir um Bücher, hauptsächlich um anspruchsvolle Literatur. Ich lese und berichte über deutsche und internationale Neuerscheinungen. Abgesehen von wöchentlichen Rezensionen gibt es jeden Monat eine besondere Leseempfehlung und ein Monatszitat. Vor kurzem bin ich mit meinem Blog von tumblr auf wordpress umgezogen, um meinen Lesern mehr Möglichkeiten zur Interaktion zu geben.

Literaturjunkie: Mein Thema? Bücher! Bücher in all ihren Facetten und Ausprägungen. Alles, was mit Büchern zu tun hat. Über Bücher kann ich immer sprechen, immer schreiben, sie immer lesen. Bücher sind einfach etwas Schönes, etwas, das mich immer und immer wieder glücklich macht.

Mein Blog heißt Literaturjunkie und findet sich hier: http://literaturjunkie.wordpress.com/

Was brachte Dich auf die Idee, einen Blog ins Leben zu rufen? Wie viel Zeit verwendest Du für den Blog und wie oft bloggst Du?

Über den Kastanien: Letztes Jahr im Sommer stellte ich meinen ersten Artikel online. Damals wollte ich eigentlich vorrangig nur für meinen Freundeskreis bloggen, dementsprechend vor allem über Alltagsthemen, Familie und Reisen. Bücher sollten auch eine Rolle spielen, aber nicht vorrangig. Ich habe schon immer gern geschrieben und ich suchte einfach eine geeignete Plattform dafür. Dann entdeckte ich sehr anspruchsvolle Literaturblogs und hatte immer mehr Kontakte zu Buchbloggern. Das führte dann vor ca. 4 Monaten zu dem Entschluss, fast ausschließlich nur noch über Bücher zu bloggen. Ich kann dadurch zwei alte Leidenschaften, das Lesen und das Schreiben, in idealer Weise zusammen betreiben.

Da ich beruflich und familiär eigentlich schon fast ausgelastet bin, verwende ich unterschiedlich viel Zeit für den Blog, so zwischen zwei und sieben Stunden pro Woche. Meist schaffe ich es, jede Woche einen Artikel zu schreiben. Manchmal ist es nur ein Zitat und ab und zu ist es ein längerer Beitrag, für den ich dann aber meist auch sehr viel Rechercheaufwand betreibe.

LiteraturZeit: Ich arbeite nebenberuflich als Literaturkritikerin für eine Zeitung – dafür muss ich immer eine bestimmte Zeichenzahl bei den Rezensionen einhalten, aber manchmal gibt es eben mehr über ein Buch zu schreiben, als der Platz auf einer Zeitungsseite zulässt. Mein Blog gibt mir die Möglichkeit, dieses „Mehr“ zu sagen und auch mehr auf den Autor und ggf. den/die Übersetzer einzugehen. Gerade letztere werden ja oft vergessen. Dafür muss ich mich manchmal bremsen, damit die Rezensionen nicht zu lang und dadurch langweilig werden. Um wirklich einmal die Woche bloggen zu können, bin ich ständig am Lesen, damit ich das Buch wirklich durchgelesen habe, wenn die Zeit zum Bloggen wieder ran ist.

Literaturjunkie: Kein Mensch braucht ein weiteres Bücherblog. Das Netz wimmelt schließlich schon davon. Das war und ist mir durchaus klar. Aber ich brauchte ein Projekt. Dringend! Denn ich kämpfte gegen den Babywahnsinn an. Haushalt und Kinderbetreuung sind nicht gerade das, was ich als intellektuell herausfordernd bezeichnen würde. Ich dachte immer weniger über das Leben, 42 und den ganzen Rest nach und spürte förmlich wie mein Hirn schrumpfte. Ziemlich mieses Gefühl! Und so reihte ich mich in die lange Linie der Mütter ein, die in der Elternzeit einen Blog beginnen. Inzwischen ist Literaturjunkie ein Projekt, das mir sehr ans Herz gewachsen ist und das ich nicht einfach so wieder aufgeben will.

Ich kann gar nicht genau sagen, wie viel Zeit ich aufwende … Wenn ich eine Idee oder Inspiration finde, speichere ich sie in einem speziellen Ordner ab. Hin und wieder, wenn ich gerade kreativ bin und ein oder zwei Stunden habe, schreibe ich dann meine Artikel. Da die meist nicht lang sind und mir das Schreiben leicht von der Hand geht, bekomme ich dann meist drei, vier Posts fertig. Ich terminiere sie auf dem Blog, so dass sie automatisch veröffentlicht werden und ich mich einige Wochen nicht um Literaturjunkie kümmern muss, wenn ich es nicht will.

Auf diese Weise schaffe ich es seit September 2011 regelmäßig einmal die Woche – meist freitags – zu bloggen. Nur einmal waren ich und meine Lieben so krank, dass ich eine Woche verpasst habe, weil nichts mehr ging.

Gibt es Highlights auf Deinem Blog? Aktionen, auf die Du uns hinweisen möchtest?

Über den Kastanien: Für mich ist natürlich jeder neuer Artikel ein Highlight und ich freue mich dann sehr über jede positive Rückmeldung dazu. Ansonsten entscheiden natürlich die Leser, was ihnen am besten gefällt.

Ich glaube, Aktionen sind nicht so ganz meine Sache, aber ab und zu mache ich bei der „Sonntagsleserin“ mit. Das hilft mir, Artikel, die ich auf anderen Blogs gelesen habe, noch einmal zu sortieren und zu reflektieren. Natürlich unterstützt das auch die Vernetzung mit anderen Bloggern. Wenn mich die „Montagsfrage“ anspricht, mache ich auch da mit und es wird sicher wieder eine Verlosung zum nächsten „Welttag des Buches“ geben.

Ich plane eine Beitragsserie zur Lyrikreihe „Poesiealbum“ zu machen, andere konkrete Ideen habe ich noch nicht.

LiteraturZeit: Mich hat überrascht, dass die Reaktionen auf das Monatszitat sehr positiv sind, wenn ich das am Ende eines Monats auflöse, bekomme ich mehr Feedback als sonst – also würde ich das am ehesten als Highlight bezeichnen. Ab und zu blogge ich auch Gastbeiträge – eine Freundin von mir schreibt Krimirezensionen, die ich sehr gern in den Blog aufnehme. In Zukunft würde ich gern mehr Gastbeiträgen eine Heimat geben, denn ich kenne viele, die super Bücher lesen und gut schreiben können, aber nicht gleich einen eigenen Blog starten wollen.

Literaturjunkie: Momentan bin ich froh, dass ich es trotz meines engen Zeitplans schaffe wöchentlich zu veröffentlichen … Andere Aktionen gibt es daher momentan nicht. Aber ich bin sicher, dass auch das sich wieder ändern wird, wenn die Kinder größer sind.

Ich würde gerne mehr über das Vorlesen schreiben. Ich bin Vorlesepatin bei der Stiftung Lesen (https://www.stiftunglesen.de/), weil ich denke, dass Vorlesen (nicht nur) für Kinder sehr wichtig ist. Man schenkt als Vorlesepatin so viel mehr als nur ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit. Ich würde gerne meinen Fokus ein wenig in diese Richtung verschieben. Momentan grüble ich noch über ein passendes Format für mich nach.

Was muss in Deinen Augen ein Blog an sich haben, dass Du ihn Dir anschaust und auch immer wieder vorbei kommst?

Über den Kastanien: Der Inhalt muss mich interessieren und der Schreibstil ansprechen. Mich beeindrucken vor allem gut recherchierte Beiträge. Vorteilhaft finde ich übersichtlich gestaltete Blogs, die sich auch mobil bequem lesen lassen. Gute Fotos zwischen den Texten inspirieren mich auch oft, noch mal vorbei zu kommen.

LiteraturZeit: Ein Blog muss aktuell gehalten werden und aufgeräumt sein – kein Durcheinander an Werbung und Infos und Sidebars. Ein bisschen Abwechslung ist sicher hilfreich und er muss authentisch sein, man muss also merken, dass da jemand mit Begeisterung dabei ist – dann ist es auch nicht schlimm, wenn mal länger kein Beitrag gepostet wird.

Literaturjunkie: Ich habe viel zu wenig Zeit, um alle Blogs zu lesen, die ich gerne lesen möchte. Daher lese ich nirgendwo regelmässig, sondern schaue mal hier und mal da. Doch es gibt ein paar Blogs, bei denen ich immer wieder vorbeikomme, weil mir ihr Tonfall so gut gefällt, sie mich inspirieren und ich die Menschen, die hinter dem Blog stecken, gerne mag und mich einfach interessiert, was sie zu sagen haben. Ein absolutes No-Go für mich ist eine Seite, die nur aus Klickibunti besteht. das tut meinen Augen zu sehr weh!

Bekommst Du Rezensionsexemplare von Verlagen und/oder Autoren gestellt oder kaufst Du alle Bücher selber? Wie triffst Du Kaufentscheidungen für Bücher?

Über den Kastanien: Ich nutze sehr intensiv die Stadtbibliothek, in der es erstaunlich oft auch Neuerscheinungen gibt. Einige wenige Bücher kaufe ich auch in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen. Meist kenne ich den Autor schon oder eine Rezension hat mich angesprochen. In der Bibliothek lasse ich mich auch oft vom Klappentext beeinflussen.

Möglicherweise werde ich auch mal nach Rezensionsexemplaren fragen, aber dann nur sehr gezielt. Die Reichweite meines Blogs ist noch so gering, dass ich es auch nicht gerechtfertigt finden würde, gerade von kleinen Verlagen, ein Rezensionsexemplar zu verlangen.  

LiteraturZeit: Ich bekomme viele Rezensionsexemplare von Verlagen, wofür ich sehr dankbar bin, kaufe aber auch viele selbst. Ich freue mich immer über Verlage, die offen auf uns Blogger zugehen und auch mal Feedback geben. Ich weiß mittlerweile, welche Verlage die Bücher, die mir auch sprachlich zusagen, veröffentlichen und schaue gezielt in deren Programme. Da ein Schwerpunkt meiner Rezensionen auf arabischer Literatur liegt, halte ich danach auch immer die Augen auf. Und dann versuche ich auch ab und zu, kleine, unabhängige Verlage ausfindig zu machen, die ja meist auch ein sehr reizvolles Programm haben. Wenn das Thema passt und die Sprache vielversprechend ist, werde ich das Buch definitiv kaufen und rezensieren.

Literaturjunkie: Ich bekomme immer mal wieder Anfragen von Verlagen und Autoren, ob ich dieses oder jenes Buch rezensieren mag. Manchmal sage ich ja, manchmal nein. Das hängt von meiner Zeit und dem Thema ab. Da die Rezensionen bei Literaturjunkie aber eine eher untergeordnete Rolle spielen, ist das für mich auch nicht sehr wichtig. Die meisten meiner Bücher kaufe ich nach wie vor selbst oder bekomme sie von lieben Menschen geschenkt.

Kaufentscheidungen für Bücher? Sehr querbeet: Ich sammle schon begonnene Serien weiter, höre auf Empfehlungen von Freunden, such Bücher zu Themen, die mich interessieren, freue mich über Neues von meinen Lieblingsautoren, …

Was war Dein schönstes und was das schlechtestes Buch bisher?

Über den Kastanien: Das kann ich so pauschal gar nicht beantworten. Da ich Bücher, die ich lese, sehr bewusst auswähle, erlebe ich eigentlich selten einen wirklichen Reinfall. Ansonsten sind meine Lieblingsbücher immer noch welche, deren Lektüre schon sehr weit zurück liegt: „Krieg und Frieden“ von Tolstoi oder die Novellen von Stefan Zweig zum Beispiel. Ganz aktuell hat mich „Landgericht“ von Ursula Krechel sehr bewegt, das habe ich erst vor kurzem ausgelesen.

LiteraturZeit: Darauf kann ich unmöglich eine Antwort geben. J Ich entdecke jedes Jahr neue Lieblingsbücher und richtig schlechte kommen mir auch nur selten unter. Ich schränke die Antwort daher etwas ein: Mein Lieblingsbuch dieses Jahr war „Vor dem Fest“ von Saša Stanišić, das ja auch mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Aber kürzlich las ich „Glücklich die Glücklichen“ von Yasmina Reza, das macht dem anderen schon ziemlich Konkurrenz. Die größte Enttäuschung dieses Jahr war „Die Frau, die nie fror“ von Elisabeth Elo, eine ziemlich konstruierte Pseudo-Krimigeschichte, aber mit sehr schönen, gut gezeichneten Charakteren.

Literaturjunkie: Oh je! Mein schönstes Buch? Das ist ein bisschen so, als fragtest du, welches meiner Kinder ich mehr liebe. Ich habe viele Bücher, die ich wunderbar finde und die mich sehr beeindruckt haben. Die unendliche Geschichte von Michael Ende, die mir schon als Kind gezeigt hat, was Phantastik leisten kann, der Sherlock Holmes Kanon von Arthur Conan Doyle, der meine Liebe für Krimis begründet hat, Marion Zimmer Bradleys Die Nebel von Avalon, die meine Artus-Leidenschaft begründet haben, Das Geheimnis der Drehorgel von Dorothy Gilman, das mir als Teenager Lebenshilfe gegeben hat, Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, das mein Verständnis von Lesen und Büchern nachhaltig beeinflusst hat, …

Schlechtes vergesse ich schnell wieder. Die vernichtendste Rezension, die ich je geschrieben habe, lautete paraphrasiert: „Das war so schlecht und nichts sagend, dass ich das Buch in zwei Wochen vergessen habe.“ Und das stimmte.

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