Kaffeetrinken mit Frank Goldammer

Frank Goldammer

Ein Cafe in Dresden. Voll besetzt mit älteren Gästen, nur wenig jüngere sind an dem späten Nachmittag anwesend. Eine leckere Kuchenauswahl, guter Kaffee und an einem Tisch hinten an der Wand zwei Frauen, die sich angeregt unterhalten, lachen und so wirken, als ob man sich schon länger kennt. 

Plötzlich Stille. Alle Köpfe wenden sich zur Türe. Ein Mann tritt ein, mittelgroß, militärische Cargohose und Shirt hat er an und wirkt auf den ersten Blick wie ein Bodyguard, wie ein Personenschützer. Tätowierungen zieren seine Arme und insgesamt wirkt er im ersten Moment fast etwas bedrohlich. Die Stille ist fast greifbar, dauert aber nur Sekunden, ehe die Gespräche wieder aufgenommen werden. Zielstrebig geh er auf den Tisch zu, begrüßt zuerst die eine, dann die zweite Frau am Tisch mit einem Lächeln und einer Umarmung. Dann nimmt er Platz ….

Da war er: der Dresdner Autor Frank Goldammer und meine Nervosität, die sich durch das Gespräch mit Emilia Licht eigentlich wieder gelegt hatte, stieg ins unermessliche. Aber – der Auftritt täuscht. Mit seiner doch recht charmanten und vor allen Dingen sehr unkomplizierten Art nimmt er mir jede Scheu und ein interessantes, offenes und lustig-ernstes Gespräch nimmt seinen Lauf.

Eigentlich war das ganze als Interview gedacht, doch es wurde eher eine Erzählung und ich versuche, das gehörte und gesagte hier wiederzugeben.

Katja: So, Du bist nun der erste Autor, den ich interviewe und natürlich bin ich entsprechend neugierig auf Dich. Stell Dich doch am besten selbst mal kurz vor. Was macht den Menschen Frank Goldammer aus? Was macht Dich in Deinen Augen zu einem guten Freund und welche Eigenschaft von Dir sollte ein Feind besser nicht herausfordern?

Dazu erklärte mir Frank, er hat fast nur Bekannte und nur sehr wenige wahre Freunde. Noch dazu sind es mehr Mädels als Jungs. „Ich habe gern und oft meine Ruhe, will alles planen und bin kein Fan von spontanen Aktionen“. Außerdem sei er „nachtragend wenn ihm jemand pampig kommt“. Kurz gefasst, so meinte er nachdenklich „bin ich kein guter Freund und auch kein guter Feind“.

Katja: Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen das ich zwar bereits von dem Autoren Frank Goldammer was gehört habe – ich bin vor Monaten im Buchladen mal über das Buch „Abstauber“ gestolpert – aber ich habe noch nichts von Dir gelesen. Sag uns doch mal, warum der Leser Deiner Meinung nach zu einem Deiner Bücher greifen sollte? Was erwartet den Leser?

Alles – nur keine Langeweile. Denn „wenn ich schreibe, will ich mich selber unterhalten, daher wird es nie langweilig“

Katja: Sowohl in dem Krimi „Abstauber“ als auch in Deinem neuen Krimi „Revierkampf“ spielt der Hauptkommissar Falk Tauner die Hauptrolle – geschieden und Vater dreier Kinder. Wenn ich mir Deine Biographie so anschaue, stelle ich da parallelen fest. Wie viel von Frank steckt in Falk und andersrum? Sind diese Parallelen nur Zufall oder gewollt?

Seine Bücher sind grundsätzlich doch recht persönlich. Die Hauptfiguren sind oft sehr unausgeglichen, also so, wie Frank sich selber auch sieht und wahr nimmt. Hauptkommissar Falk Tauner zum Beispiel steht sich oft selbst im Weg.

Katja: Krimi, Mystery, lustiges und postapokalyptisches – bist Du ein „Hans Dampf in allen Gassen“ oder magst Du Dich genremäßig nicht festlegen? Wo fühlst Du Dich mehr zu Hause?

„Ich schreibe, worauf ich Lust habe“ erklärt Frank auf diese Frage und dass er sich genremäßig nicht festlegen mag. „Wenn der Verlag anruft und sagt ich soll einen Krimi schreiben, dann mach ich das. Ich schreibe einen Krimi.“ Aktuell schreibt Frank Goldammer an einem Gruselroman, ganz für sich selbst und weiß nicht, ob dieser je veröffentlicht wird.

Katja: Deinen Krimi „Abstauber“ lässt Du im Fußballmetier spielen, „Revierkampf“ findet seinen Ausgangspunkt im Dresdner Zoo. Wie kommt mal als Autor auf solche Handlungsorte und Begebenheiten?

Bei der Themenfindung und den Handlungsorten ist es nur Kommissar Zufall, der da eine Rolle spielt. Frank liest oder hört oder sieht etwas und überlegt dann, was wäre wenn. Daraus entwickelt sich dann meist eine Idee, die er weiterverfolgt und zu Papier bringt.

Katja: Ich bin gerade immer wieder erstaunt auf welche Vielzahl an Büchern man stößt, wenn man sich mit dem Thema „Dresden als Schauplatz für Bücher“ beschäftigt. Mir war nicht bewusst dass sich so viele Bücher als allen möglichen Genre sich mit meiner Heimatstadt beschäftigen. Was ist aus Deiner Sicht der Grund für einen Autoren, sich seine Heimat als Handlungsort auszusuchen? Spielt da die Heimatverbundenheit, die Liebe zur Stadt eine Rolle oder ist es das „ich kenn mich hier aus“ ein Grund dafür?

„Du hast Dir hier die Antwort schon selber gegeben Katja. Ich kenn mich hier aus.“

Katja: Heute findet die Benefizlesung statt – eine Lesung mit insgesamt drei Autoren, deren Einnahmen der Kindertagesstätte „Jona“ in Dresden-Laubegast zu Gute kommen werden. Was hat Dich bewogen an der Lesung teilzunehmen, was erwartest und erhoffst Du Dir von dem Abend.

Frank erzählte mir hier, das er sehr gern Lesungen hält und an jeder teilnimmt, zu der man ihn einlädt. Ob das stimmt? Jedenfalls ist er „sehr neugierig auf das Publikum“ und freut sich auf den Abend.

Katja: Genau wie die Autorinnen Emilia Licht und Josefine Gottwald kann man auch Dich am Ende der Lesung für eine Wohnzimmerlesung ersteigern. Was meinst Du – wer hat bei der Versteigerung die Nase vorn? Und was erwartet den Glücklichen, der Dich ersteigert?

Was den Glücklichen erwartet? Er kann sich auf die Kurzgeschichten freuen, die Frank auch noch schreibt, auf „etwas zum lachen“.

Katja: Mit am Tisch hier im Cafe sitzen auch Deine beiden Mitstreiterinnen des heutigen Abends – Du bist sozusagen der „Hahn im Korb“. Hand auf’s Herz – hast Du von den beiden Autorinnen schon ein Buch gelesen? Und wenn ja, dann würde mich natürlich interessieren welches das war.

Katja: Du wirst im November bei der Schriftgut hier in Dresden dabei sein. Wenn Du die Dresdner Messe mit den anderen großen Buchmesse vergleichen würdest, wo sind die Gemeinsamkeiten und wo siehst Du die Unterschiede?

Als größten Unterschied sieht Frank die Dimensionen der Messe. Er freut sich auf die Schriftgut in Dresden und wird dort sogar mit seinem eigenen Stand vertreten sein.

Ich danke Frank für seine Zeit und die geduldige Beantwortung meiner Fragen. Anschließend gehen wir gemeinsam mit Emilia Licht und Josefine Gottwald zur angekündigten Lesung. Den Bericht dazu kann man hier finden.

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