Kastanienjahre von Anja Baumheier

Kastanienjahre ist der zweite Roman der Autorin Anja Baumheier und nachdem mich „Kranichland“ aus ihrer Feder so begeistern konnte, musste ich unbedingt zugreifen

Diesmal führt uns die Geschichte in das kleine mecklenburgische Dorf Peleroich an der Ostseeküste und hier beginnt in den 50er Jahren die gemeinsame Geschichte von Karl und Christa.

Ein zweiter Erzählstrang beginnt dann in Paris, wo wir die Tochter von Karl und Christa, nämlich Elise kennenlernen.

Mit der Rückkehr von Elise in das Dorf ihrer Kindheit erwacht die Geschichte zum Leben, wir tauchen ein in Vergangenheit und in die Geschehnisse im Dorf. Es geht um die Flucht aus der DDR rüber in den „goldenen Westen“, es geht um Fluchthelfer und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind und um die Gängeleien im „Vorzeigedorf“ mit all den Einschränkungen. Und das nicht nur in Sachen Konsum, Konsumgüter und Versorgung der Bevölkerung. Sondern eher und viel mehr in Sachen eigene Meinung etc. Ein sehr interessantes Thema, das aber dann doch leider nur angerissen wurde, war die Umwandlung der Bauernhöfe in die LPG, die Einschneidungen im Leben der Bauern und wie sie behandelt wurden, wenn sie es wagten, sich dem entgegen zu stellen.

Auf zwei Zeitebenen erzählen die Protagonisten ihre Geschichte und wir erfahren viel von dem Zusammenhalt im Dorf, von Hoffnungen und Träumen, von Verlust und Angst.

Der Leser bekommt vielen Einblicke in die Geschehnisse und Bräuche der DDR und es hätte ein wunderbares, spannendes und interessantes Buch werden können.

Hätte werden können – ich glaube die Formulierung zeigt schon, dass ich mit dem Buch nicht so zufrieden war.

Im Gegensatz zu „Kranichland“ ist es der Autorin diesmal nicht gelungen, mich zu fesseln und zu begeistern. Das lag, meiner Meinung nach an zwei Punkten:

Zum einen fehlten mir die Emotionen im Buch. Alles wirkte irgendwie statisch, steif. Die geschichtlichen Fakten wie die Gründung der DDR, der Mauerbau und die Nach-Wendezeit sind sehr detailliert und sehr realistisch-genau beschrieben und sind daher sehr interessant. Aber die menschlichen Faktoren, die Protagonisten bleiben blass und ohne jegliches Profil. Es fehlt die Empathie und die Wärme. Denn auch dieser Teil wirkt das eher wie eine Aufzählung von Ereignissen.

Dazu kommt das sprunghafte in der Geschichte. Der Autorin gelingt es hier leider nicht, eine ausgewogene Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart zu verweben. Dazu sind die Zeitsprünge sehr groß. So kann es passieren, das eine Szene scheinbar ellenlang erzählt wird, es dann einen Sprung von einigen Jahren gibt und die Geschichte dann irgendwie weitergeführt wird. Das hat in mir als Leserin das Gefühl aufkommen lassen, dass ich etwas verpasst habe und ich habe mich selbst ein paar Mal erwischt, wie ich ein paar Seiten zurückgeblättert habe, um herauszufinden, ob ich etwas überlesen habe.

Lieblingszitate:

»Auch aus Steine, die einem in den Weg gelegt werden, kann man was Schönes bauen.«

»Kannst du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe im Haus.« (Seite 13)

»Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.« (Seite 73)

Meine Wertung:

War Kranichland noch ein absolutes Lesehighlight, so bekommt das Buch nur 3 von 5 möglichen Sternen.

Daten:
Autor: Anja Baumheier
Titel: Kastanienjahre
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Wunderlich (August 2019)
ISBN: 978-3805207560

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