Katja im Interview … mit Julia Bähr

Die liebe Julia Bähr war mein drittes „Opfer“ auf der LoveLetter-Convention und stand mir am Samstag im Garten des GLS-Sprachzentrums für ein Interview zur Verfügung. Auf die Newcomer-Autorin bin ich durch ihr Buch „Sei mein Frosch“ aufmerksam geworden, das mich allein schon durch das Cover verzauberte und mir tolle Lesestunden beschert hat.

Katja: Was macht den Menschen Julia Bähr aus? Was sind Deine Stärken und Schwächen? Was magst Du und was treibt Dich zur Weißglut?

Julia: Was den meisten Menschen als erstes an mir auffällt, ist meine Fröhlichkeit. Ich bin eigentlich immer gut gelaunt. Meine Schüchternheit einigermaßen zu überspielen, habe ich inzwischen zum Glück gelernt, aber manchmal klappt es noch nicht so gut. Das stört mich selbst am meisten an mir.

Ich mag Leute mit Humor und Herz. Zur Weißglut treiben mich Unzuverlässigkeit und Schludrigkeit. Zumindest im Job – privat bin ich schwer zu verärgern.

Katja: Was machst du neben dem Schreiben?

Julia: Ich arbeite als Journalistin, schreibe also schon wieder. Und wenn ich wirklich gar nicht schreibe, dann lese ich, singe im Chor oder fahre Fahrrad.

Katja: Beschreibst Du uns Deinen perfekten Tag?

Julia: Ausschlafen und zum Frühstücken in das Café gehen, wo sie diesen unglaublichen Armen Ritter mit Banane statt Ei machen. Dann mit Freunden und dem Liebsten an einen See radeln und dort nach dem Schwimmen unter einem Baum liegen. Abends Datteln im Speckmantel essen.

Katja: Ich entspanne nach einem hektischen und stressigen Tag gern mal in der Küche beim Kochen. Wie entspannst Du Dich?

Julia: Bis ich von der Arbeit daheim bin, bin ich eigentlich schon wieder entspannt. Aber wenn es ganz schlimm kommt, leg ich mich ins Bett und schaue Trash im Fernsehen an.

Katja: Wenn du als Kind gefragt wurdest, was du mal werden willst, was hast du geantwortet?

Julia: Als ganz kleines Kind wollte ich Schiffschaukelbremser werden. Ich mochte Schiffschaukel so gern und dachte, dann kann ich immer schaukeln. Hatte natürlich keine Ahnung, warum alle so lachten. Dann wollte ich Tierärztin werden, aber ich habe fürchterliche Angst vor Spritzen. Das war also auch nix!

Katja: Dein Schreibtisch an dem Du arbeitest – ist der immer penibel aufgeräumt oder sieht man auch, dass da jemand dran sitzt und arbeitet? Steht oder liegt da ein Maskottchen oder ein Erinnerungsstück, dass Du gern anschaust wenn es mal nicht weiter gehen will?

Julia: Mein Schreibtisch ist schon ziemlich aufgeräumt. Allerdings arbeite ich auch selten an ihm. Am liebsten schreibe ich auf dem Sofa oder im Bett, das finde ich viel bequemer.

Katja: Nervennahrung beim Schreiben – eher unwichtig oder doch besser immer in Reichweite?

Julia: Besser nicht! Wenn ich im Stress bin, muss ich die ganze Zeit essen, deshalb lege ich mir in der Arbeit oft Nüsse hin. Aber beim Schreiben bin ich entspannt, da brauche ich nur was zu trinken neben mir. Am liebsten Tee.

Katja: Was hat Dich dazu bewogen, selbst zu schreiben? Ging Dir der Lesestoff aus? Oder hattest Du schon immer den Traum, selbst zu schreiben?

Julia: Ich wurde zum Schreiben überredet. Christian Böhm wollte einen Frauenroman schreiben, aber eben nicht allein – sondern mit mir. So ist unser gemeinsames Buch entstanden. Seitdem kann ich nicht mehr aufhören.

Katja: Der Roman „Sei mein Frosch“ ist der zweite Roman von Dir, jedoch der erste, den Du komplett selbst geschrieben hast. Was war einfacher – als Autoren-Duo zu schreiben so wie bei „Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen“ oder allein zu schreiben?

Julia: Für das erste Mal war es perfekt, zu zweit zu sein. Man manövriert sich nicht in ausweglose Situationen, weil man auch immer gemeinsam überlegt, wie es weitergehen soll. Aber alleine kann man seinem eigenen Schreibrhythmus folgen. Das hat auch etwas für sich.

Katja: Laut Deiner Homepage, auf der Du Dich vorstellst, schreibst Du „Ich bin Journalistin, ich darf Bücher kritisieren …“. Wie wichtig sind Kritiken von Büchern für Dich als Autorin – also für Dich der kritisiert wird und als Kritiker – also für Dich der kritisiert?

Julia: Als Autorin interessiere ich mich natürlich brennend dafür, wie andere mein Geschreibsel sehen. Zum Glück bin ich immer ganz gut weggekommen.

Als Kritikerin versuche ich, den potentiellen Lesern zu zeigen, ob das Buch was für sie wäre. Man kann ja nur in den seltensten Fällen sagen, ein Buch wäre nur gut oder nur schlecht – dem einen mag es gefallen, dem anderen nicht, deshalb muss man alles erklären und begründen. Aber auch wenn ich ein Buch furchtbar finde, will ich in meiner Rezension der Tatsache gerecht werden, dass da jemand sehr viel Zeit und Herzblut reingesteckt hat.

Katja: Glaubst Du, dass Rezensionen die Meinungen, das Kaufverhalten der Leser beeinflussen? Und wie ist es bei Dir selber? Wenn Du Dir ein Buch kaufst, liest Du vorher die Rezensionen?

Julia: Man sagt ja, auch schlechte Publicity ist Publicity – dass das bei Rezensionen stimmt, bezweifle ich. Aber eine positive Rezension animiert sicher Leute zum Kauf. Ich lese nicht extra die Rezensionen, wenn ich ein Buch kaufen will. Aber manchmal werde ich erst durch die Rezension auf ein Buch gebracht, das mir sonst nicht ins Auge gefallen wäre.

Katja: Welche kreativen, aber auch welche charakterlichen Eigenschaften braucht ein Autor unbedingt?

Julia: Ein bisschen Selbstdisziplin muss man als Autor schon haben. Es gibt eben keinen Chef, der einen jeden Morgen um 9 Uhr zum Dienst erwartet – man muss sich schon selbst an die Tastatur bequemen. Und man muss fähig zur Selbstkritik sein, um die vielleicht manchmal sogar etwas überbordende Kreativität in Bahnen zu lenken. Ideen müssen natürlich auch da sein – oder zumindest muss ab und zu eine kommen. Zu viele sind ja auch nicht ideal.

Katja: Der Soundtrack Deines Lebens – welches Lied begleitet Dich durch Dein Leben? Welches ist Dein absolutes Lieblingslied und was verbindest Du damit?

Julia: Es ist ein ganzes Album: Ella Fitzgerald und Louis Armstrong singen Lieder von Gershwin. Das ist seit etwa fünfzehn Jahren meine liebste CD. Ganz wunderschöne Duette, altmodisch, aber temperamentvoll und dadurch immer wieder frisch. Am seltsamsten ist, dass ich es nicht über bekomme. Das erste Lied, „Let’s Call The Whole Thing Off“, habe ich früher gern mit meiner Mutter im Duett gesungen, daran denke ich heute noch manchmal.

Katja: Auf meinem Blog geht es ja auch um das Kochen, um Rezepte. Hast Du vielleicht ein Lieblingsrezept, was Du mir bzw. den Lesern meines Blogs verraten würdest?

Julia: Jetzt für den Sommer gibt es ein ganz einfaches Rezept, das ich mal improvisiert habe und seitdem immer wieder koche. Die Mengen sind nicht so wichtig, das kann man nach Gefühl machen:

Zwiebeln und ein bisschen Ingwer schnippeln und im Topf in Olivenöl anbraten. Dosentomaten dazu kippen. Am besten gestückelte, ganze gehen auch, sogar passierte. Getrocknete Mangostücke (gibt’s zum Beispiel von Seeberger) dazu. Das ist natürlich ein reiner Ausdruck von Faulheit – ihr könnt auch frische Mangos kaufen, schälen, schneiden und reintun. Ich selbst finde es praktisch, die immer im Haus haben zu können, denn die getrockneten halten sich natürlich ewig.

Salz, Pfeffer und Muskat dran. Wer es scharf mag, kann Cayennepfeffer hinzufügen.

Dann alles pürieren, und, jetzt kommt’s: entweder warm essen oder ab in den Kühlschrank damit. Es ist nämlich auch kalt im Sommer unglaublich lecker. Vor dem Servieren kommt noch etwas Basilikum drüber.

Julia BährKatja: Ergänze bitte folgenden Satz:

Julia: Bücher sind … jedes für sich eine ganze kleine Welt.

Zum Lesen brauche ich … nur ein bisschen Ruhe. Ach, und wenn mir vielleicht jemand ein kühles Getränk bringen könnte…

Wenn etwas schief geht, dann … überlege ich schon, ob das nicht eines Tages eine lustige Anekdote abgeben wird.

Katja: Wir sitzen jetzt gerade im Garten des GLS Sprachzentrums, wo dieses Wochenende die LoveLetter-Convention stattfindet. Es ist ja Deine erste LLC. Mit welchen Erwartungen bist Du hier her gekommen?

Julia: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich bin schon jetzt schon ganz happy, weil es tatsächlich so unkompliziert und nett ist, wie es mir angekündigt wurde und ich erhofft habe. Also dass wirklich alle so unglaublich freundlich, interessiert und gut gelaunt sind – das ist total schön.

Ich habe bereits gelesen und habe einen Workshop besucht, der toll war und wo ich noch einiges gelernt habe über die Struktur eines Romans. So wie ich das bisher gemacht habe, frage ich mich, warum mich meine Lektorin nicht total hasst.

Katja: Man kann also auch als Autor bei Workshops noch etwas lernen, was einem bis dato nicht so bekannt war?

Julia: Klar, es macht ja auch jeder ein bisschen anders. Heute Abend ist noch eine Veranstaltung darüber, wie man ein Exposé schreibt. Das handhabt ja auch jeder anders und alleine, sich einmal anzuhören, wie ein anderer Autor das macht, ist interessant.

Katja: Wie war Dein Tag bisher? Was hast Du bisher gemacht, wen hast Du getroffen?

Julia: Ich habe heute Morgen erst einmal mit zwei anderen Autorinnen aus meinem Verlag – Dorothea Böhme und Susan Elizabeth Phillips – gefrühstückt. Und dann bin ich recht früh her gelaufen, um mir den Veranstaltungsort erst einmal anzuschauen. Damit ich weiß, wo ich hin muss und mich nicht ständig verlaufe.

Danach hatte ich meine erste Lesung – die erste Lesung überhaupt – und war natürlich sehr aufgeregt. Und danach hatte ich den Workshop und jetzt sitze ich hier mit Dir und mache dieses Interview.

Katja: Deine erste Lesung überhaupt? Bist Du sehr aufgeregt gewesen?img003

Julia: Es ging so … Ja, eigentlich schon. Aber ich merke auch, wenn man etwas gut vorlesen kann, dann einen Text, den man selber geschrieben hat. Denn im Idealfall ist es ja so, wie man es selber erzählen würde.

Katja: Was steht als nächstes auf dem Plan?

Julia: Mittagessen! (lacht)

Katja: Gibt es oder gab es ein Highlight hier auf der LoveLetter-Convention für Dich?

Julia: Ja. Ich freue mich tatsächlich sehr auf das Spiel nachher. Ich bin bei einem Romance-Ratespiel dabei und habe überhaupt keine Vorstellung davon, was mich erwartet. Ich bin sehr gespannt und ich glaube, dass es lustig wird.

Katja: Über welche Begegnung hast Du Dich bisher am meisten gefreut bzw. wartest Du vielleicht noch auf ein ganz besonderes Treffen? Geht man auch deswegen zu einer solchen Veranstaltung?

Julia: Ich bin sehr froh, überhaupt einmal andere Autoren zu treffen. Das Schreiben ist ein sehr einsames Geschäft. Du schreibst ja alleine, hast mit deinem Agenten, deinem Verlag zu tun. Der Austausch mit den anderen Autoren fehlt. Mal wirklich darüber reden zu können ist völlig ungewohnt, aber richtig gut.

Katja: Also ist es auch ein Austausch zwischen den Autoren? Wo man sich mal zusammensetzt und sagt, ich mach das so – wie machst Du das?

Julia: Absolut. Einfach mal zu gucken: Was machen die anderen? Was haben sie gerade für Titel und was für Cover? Es ist etwas anderes als wenn man in den Buchladen geht und auf den Tisch guckt. Ich habe Gesichter dazu, sehe die Menschen, die das schreiben.

Katja: Stell Dir vor, Du würdest hier meinen Platz einnehmen und Autoren interviewen. Welche Autorin würdest Du Dir als Gesprächspartnerin wünschen? Und welche Frage würdest Du an Sie unbedingt loswerden wollen?

Julia: Eine der Selfpublisherinnen, weil ich vor denen größten Respekt habe. Ich würde sie fragen, wie es so ist, wirklich an allem ganz alleine zu hängen.

Katja: Wie sah Deine Vorbereitung für die LLC aus? Was hat Dir mehr Kopfschmerzen gemacht? Was Du anziehen sollst? Wie es sein wird?

Julia: Wie es sein wird! Darüber habe ich echt lange gegrübelt und viel im Vorfeld über die letzten LLCs gelesen. Dann habe ich überlegt, was ich anziehe – und ganz zum Schluss habe ich das Kapitel aus „Sei mein Frosch“ rausgesucht, das ich vorlesen wollte.

Katja: Auf der LLC sind auch sehr viele Blogger unterwegs. Kennst Du welche persönlich und welche Blogs sollte man sich Deiner Meinung nach unbedingt anschauen?

Julia: Ich habe jetzt ein paar kennengelernt, aber ich selbst lese vor allem Familienblogs im weitesten Sinne. Zum Beispiel das Nuf, Herzdamengeschichten und Mama arbeitet.

Katja: Es gibt ja eine regelrechte „Autorentauschbörse“ – viele Autoren wollen von anderen anwesenden Autoren deren Bücher signiert haben. Auf welche Bücher bist Du „scharf“?

Julia: Wirklich, ist das so? Wieso hat mich dann noch keiner gefragt? (lacht) Ich bekomme von unserem gemeinsamen Verlag „Auf dem falschen Dampfer kommt man auch ans Ziel“, das neue Buch von Dorothea Böhme, nach Hause geschickt. Das ist großartig, so muss ich es nicht tragen. Und ich glaube, „Hummeln im Herzen“ von Petra Hülsmann schaffe ich mir auch bald an – das flauschige Cover hat mich echt überzeugt.

Katja: Vielen Dank für Deine Zeit liebe Julia und dafür, dass Du so geduldig meine Fragen beantwortet hast.

Fotos: Julia Bähr (Bücherregal) und Markus Schulze

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