Leserunden – Lust oder Frust?

Wer wie ich gerne und viel liest, kommt um all die wunderbaren Bücherforen nicht drum herum. Ich bin auch in einigen angemeldet und tausche mich da – mal mehr, mal weniger intensiv – mit anderen Leseratten und Büchereulen über Bucher, Autoren und alles was dazu gehört aus.

Dann gibt es ja doch die Seiten mit all den tollen Leserunden. Liebevoll organsiert von den Betreibern der jeweiligen Foren. Die meisten sind sogar mit Begleitung der jeweiligen Autoren und mit Verlosungen von sogenannten Frei- oder Leserunden-Exemplaren.

Eine tolle Sache – wirklich. Und ich wünschte mir, ich wäre eine geeignete Leserin dafür.

Es gibt doch nichts schöneres, als in einer Gruppe ein Buch zu lesen. Live und während des Lesens über das Buch diskutieren zu können, sich auszutauschen. Den Autor zu fragen, was er sich bei diesem und jenen gedacht hat. Die anderen Leser zu fragen, wie sie es empfunden haben. Haben sie bei der einen oder anderen Szene auch mitgefiebert, mitgelitten? Waren sie auch erschrocken oder verstört?

Auch bei mir gab es eine Zeit, da habe ich an sehr vielen Leserunden teilgenommen. Hab gern mitgelesen und mitdiskutiert. Habe Fragen gestellt und Eindrücke geschildert und auch so manche Schelte in Kauf genommen, wenn ich etwas anderes empfunden habe oder nicht so total begeistert war wie man andere.

Meine letzte Leserunde ist noch gar nicht so lange her und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich kaum daran beteiligt habe.

Es war aber auch komisch. Die Runde passte in meinen Zeitplan. Es gab nichts, aber auch gar nichts, was dagegen gesprochen hat, das ich aktiv mich beteilige. Und dann das.

Die Leserunde beginnt, ich freue mich riesig auf das Buch, die Autorin, den Austausch mit den anderen. Die erste Hälfte des Buches fliegt nur so dahin, ich habe Zeit und auch Lust, zu lesen. Doch dann kommt ein anderes Buch, spricht mich mehr an, fesselt beim kurzen reinlesen weitaus mehr. Die Zeit verrinnt, das eine Buch bleibt liegen und ich verliere den Anschluss an die Leserunde. Alle sind durch als ich endlich weiterlese und somit verliere ich die Lust am Posten und diskutieren.

Für mich war das jetzt endgültig das Zeichen, dass ich für Leserunden nicht tauglich bin. Dass ich doch lieber alleine lesen sollte und dann hinterher liebe meine Eindrücke beschreibe als unter Zwang während des Lesens.

Wie ist das bei Euch? Was sind Leserunden für Euch? Macht ihr diese gerne mit? Beteiligt ihr Euch aktiv oder seid ihr wie ich die Leser, die lieber für sich alleine Lesen?

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2 Responses to Leserunden – Lust oder Frust?

  1. Leen sagt:

    Früher habe ich gerne in Leserunden gelesen und hin und wieder würde ich gerne eine schöne Gruppe haben zu einem Buch, aber das ist gar nicht so einfach.

    Das größte Problem derzeit sehe ich in der Zeit, seit meine Kleine da ist, lese ich Abends wenn es hochkommt ein Kapitel oder wenn ich unterwegs bin einige dutzend Seiten. Das war in dem einen Forum, wo es vor kurzem eine Leserunde gab, die mich interessierte ein Problem, da sie das knapp 400seitige Buch innerhalb von 2 Tagen abgewickelt hatten, eine Diskussion kam gar nicht zu Stande, nur ein „fand ich jetzt aber blöd das Buch“ und „ich auch“ hat mir am Ende dann auch gezeigt, dass ich da nicht reingepasst hätte.

    Das nächste Problem sind die Erfahrungen, die man gemacht hat. Ich mag es mit Autoren zu lesen, aber bin gleichzeitig abgeschreckt, nachdem ich in einer Runde als „dumm“ und „nicht dem Lesepublikum entsprechend“ bezeichnet wurde, nur weil ich mich über ein fehlendes Glossar oder weiteren Erklärungen im Text beschwert hatte, bzw. ich in der Runde zugab, dass ich das Buch nicht ganz so himmelerheischend toll fand wie die anderen. Andererseits hatte ich aber auch schon Runden, wo ich mit dem Autoren heiße Diskussionen geführt habe, die uns Spaß gemacht haben.

    Es ist auch schwer die richtigen Mitleser zu finden. Ich würde z.B. gerne mal mit dir was lesen, weiß aber, dass unsere Interessen sich nur bedingt überschneiden, es wäre also sehr schwierig, für uns das richtige Buch zu finden. Aber wenn doch, würden wir gute Gespräche führen können, denn das macht ja auch unsere Freundschaft aus ^^ wir verstehen uns gut und können auch über Kontroverses sehr gut reden.

    So, Schluss jetzt, mein Buch ruft ^^

    lg Leen und Lilly

  2. Vera Ansén sagt:

    Liebe Katja,
    wie immer im Leben ist es die Frage des rechten Maßes, ob uns eine Sache noch Freude macht oder schon irgendwie zur Last wird. Nach meiner letzten Leserunde dachte ich auch „Gott bewahre“ bevor Du Dich wieder auf so etwas einlässt:
    So schön das Internet ist und damit die Möglichkeit zeitversetzt Dinge zu erledigen, erfordert eine „gemeinsame“ Leserunde eben doch auch zeitliche Disziplin. Das vergessen viele und dann staut sich Frust auf. Denn die Freude Erlebtes teilen zu wollen, hat eine Halbwertszeit.

    Emotionen können wir nicht beliebig konservieren. Inhaltsangaben und analytisches Zeugs können wir austauschen aber wenn es um Empörung, Witz oder Dahinschmelzen geht, dann ist es sehr entscheidend, ob die Mitlesenden an der selben Stelle gefesselt wurden.

    Die WM und ihre Rezeption hat uns dies schön deutlich gemacht.
    Manch einer schaute dann lieber ein Spiel, das ihn eigentlich nicht interessieren brauchte, um drin zu bleiben statt zwischendurch ins Kino zu gehen für den neusten Blockbuster. Und wie lange hielt die Freude und der Stolz über den Sieg?

    Wenn Leseratten mehrere Bücher gleichzeitig lesen, dann ist dies für die Autoren jedes Mal eine Ohrfeige! Ein Buch entfaltet einen dünnen Faden zu einem Gemälde und nur sehr kommerziell gestaltete Plotlinies überleben das Zappen.
    Wer gerne liest und offen bleiben möchte für Unerwartetes, der sollte jeweils darauf achten, das Stimmung und Buch zueinander passen und das gerade soviel Ablenkung sich in den Leseprozess hineinfummeln darf, wie ich als Lesender das zulassen möchte.
    Die Leserunde selbst ist auch schon eine profunde Ablenkung! Wie schreibst Du in Deinem Beitrag: dafür gescholten wirst, an der falschen Stelle zu jubeln … Gibt es das denn überhaupt?
    Wenn zehn Leute das gleiche Buch zur Hand nehmen, erleben die Lesenden zehn unterschiedliche Erzählungen, denn für jeden verknüpft sich Gelesenes mit Erlebtem und so kommt es zum Leseereignis. Wenn in Leserunden es an Respekt und Gemeinschaftlichkeit fehlt, ist dies meines Erachtens kein guter Ort.
    Ich hoffe, Du findest in Deinem Leben wieder Raum und Lust auf die ein und andere Leserunde, denn mit Deiner Erfahrung bist Du eine Teilnehmerin, die zur Freude einer Runde beiträgt. Und ich kann Dich nur in Deiner Beobachtung bestärken: Nicht jede Leserunde ist für jeden Teilnehmer eine Freude!

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