Liebe heißt: Gemeinsam gegen den Wind von Stefanie Ross

Kann eine Autorin, die sonst Romantic-Thrill schreibt wo die Action überwiegt, einen Liebesroman schreiben, wo Action nur am Rande eine Rolle spielt?

Für die Autorin Stefanie Ross war dieses Buch – der zweite Band einer Reihe, welche in Zusammenarbeit mit Kristina Günak entsteht – ein Experiment und ich kann sagen: Experiment geglückt.

Ich habe auf den zweiten Teil der Reihe um die Johannsen-Brüder in Klein-Wöhrde schon sehnsüchtig gewartet und nach dem er endlich erschienen ist, musste ich ihn natürlich gleich haben. Und so schnell wie ich ihn bestellt habe, habe ich ihn dann auch gelesen. Und es war wie immer ein großes Lesevergnügen.

Im zweiten Teil der Serie wird Tjark an die Frau gebracht – welche in Gestalt der Münchnerin Silvia auftaucht. Ihre Geschichte beginnt mit einem Beinahe-Burn Out  und damit thematisiert Stefanie Ross schon gleich zum Anfang etwas, was vor Jahren noch unter den Teppich gekehrt wurde, was sich nun aber zur Volkskrankheit entwickelt hat. Silvia sucht die Ruhe und wird durch die Fotografie eines Schafes auf dieses kleine Städtchen aufmerksam. Und sie will nur noch eines: dahin.

Und damit beginnt eine wundervolle Geschichte, in der wir auf alte Bekannte sowohl aus dem ersten Band als auch aus der Hamburg-Serie der Autorin treffen. Wer sie und ihre Bücher kennt, wird mit Sicherheit nicht verwundert sein, das es hier zu einem Wiedersehen mit einigen alten Bekannten kommt.

Natürlich findet Silvia an der Küste nicht nur die ersehnte Ruhe. Sie stolpert in eine gefährliche Situation und findet etwas, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat: die Liebe.

Und die kommt in Gestalt von Tjark daher: einem mürrischen, von dunklen Erinnerungen geplagten Mann, der jedoch das Herz am rechten Fleck hat und sich langsam aber sicher öffnet.

Seine mürrische Art, seine kurzen und knappen Antworten, sein Brummen und Knurren – der Charakter ist so packend geschrieben, das ich ihn förmlich vor mir sitzen sehen konnte. Ich konnte ihn hören und ich habe mich bei den Beschreibungen der Umgebung, der Begegnungen, so gefühlt als ob ich dabei wäre.

Fasziniert auch die Beschreibungen der Fotos … hier habe ich die Augen zumachen können und habe das Foto direkt vor mir gesehen – eine tolle Leistung.

Der Charakter von Silvia, ihre Gefühle und ihre Gedanken wirken sehr echt, sehr plastisch und man kann sich als Leserin gut hineinversetzen. Gerade die Phase ganz am Anfang … da kann man sich nur wünschen, das jeder der so etwas durch macht, eine solche Freundin wie Anna auf ihrer Seite hat.

Was mir – bei allen Büchern der Autorin übrigens – immer wieder gefällt ist, wie sie ernste Themen anspricht. Themen, die aktuell sind, über die aber lieber geschwiegen als gesprochen wird. Solche Themen finden bei ihr Beachtung und da kann ich nur sagen: Unbedingt so weiter machen.

Im Buch gab es viele Stellen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, oder die mich dazu gebracht haben, etwas unbedingt zu wollen … hier nur mal zwei kleine Ausschnitte als „Apetitt-Happen“

»… Die anderen Probleme reichten schon und Tjark war garantiert auch eins. Ein Problem. Eins, das wie Schokolade war. Man wollte es nicht, konnte ihm aber nicht widerstehen und musste doch unter den Folgen leiden. Bei Schokolade waren das nur kaputte Zähne und die fiesen Kalorien, aber Tjark würde ihr im Zweifel das Herz brechen. …« (Seite 56)

»Im nächsten Moment schnupperte sie, dann tauchte auch schon ein hohes Glas in ihrem Blickfeld auf. Kaffee mit einer Schicht Milchschaum, die mit braunem Pulver bestreut war. Sie schnupperte erneut. Rum, Zimt und noch etwas anderes. „Was ist das?“ „Meine Spezialmischung, die bekommen nur besondere Menschen bei besonderen Gelegenheiten. Also jetzt du.“ Vorsichtig nippte sie an dem Getränk und stöhnte auf. Die letzte Zutat entpuppte sich als Karamell, alles zusammen war die reinste Geschmacksexplosion.« (Seite 122 / 123)

Ich habe mich durch dieses Buch sehr gut unterhalten gefühlt, ich bin durch die Seiten geflogen und hatte jede Menge Spaß bei meinem Besuch in Klein-Wöhrde. Jetzt warte ich sehnsüchtig auf den nächsten Band der Serie.

Es gibt nur einen einzigen Kritikpunkt, den ich hier habe: Das Buch war viel zu kurz. Ich bin nur ungern wieder aufgetaucht, hätte gern noch viel mehr erfahren und viel mehr mit Silvia, Tjark und all den anderen erlebt.

Von mir gibt es 5 Sterne und ein dickes Bienchen dazu 🙂 und ich gönne mir jetzt, zur späten Stunde, einen Whisky, denn den Kaffee bekomme ich wohl nicht.

Daten:
Autor: Stefanie Ross
Titel: Liebe heißt: Gemeinsam gegen den Wind
Taschenbuch: 220 Seiten
Verlag: CreateSpace (Juli 2016)
ISBN: 978-1535392068

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