Messeinterview mit Krischan Koch

Im Vorfeld zur Leipziger Buchmesse bekam ich auch diesmal eine Mail des dtv-Verlages mit Informationen zu den anwesenden Autoren und dem Hinweis, dass Interviews vor Ort möglich sind. Wie auch im vergangenen Jahr schon ergriff ich auch diesmal die Chance und meldete mich für den Autoren Krischan Koch an. Schließlich hatte Markus bereits Bücher von ihm gelesen (und angehört) und ich war neugierig auf den Menschen dahinter.

Das Interview selbst musste ich dann auf der Messe meinem Mann Markus überlassen, da ich selbst Probleme mit einer starken Erkältung und den Stimmbändern hatte. Ich muss sagen, dafür das es sein erstes Interview war, hat er es echt super gemeistert.

Wir erklärten ihm, als wir uns am Stand des dtv-Verlages gegenüber saßen kurz den Sachverhalt und dann ging es auch schon los. 

Markus: Hallo Herr Koch, vielen Dank das Sie sich die Zeit für das Interview hier live auf der Leipziger Buchmesse nehmen.

In einem Interview erzählen sie, wie ein treuer Leser einmal meinte, das die Zwillinge von Thies, Telje und Tadje, in einem Band zu kurz gekommen seien und prompt tauchten sie in einem der nächsten Bände häufiger auf. Lassen Sie sich von Lesern auch in der Weise gerne einmal beeinflussen und nehmen deren Anregungen auf oder war das dann doch eher Zufall?

Krischan Koch: Gelegentlich schon Ich mache ja relativ viele Lesungen und hab von daher auch viel Kontakt mit Lesern. So erfahre ich, was die Leute mögen. Also auch, welche Figuren sie mögen und welche nicht so sehr. Vom Grundsatz her mach ich schon das, was ich auch gerne machen möchte mit den Figuren. Aber wenn eine gute Idee kommt, nehme ich die auch durchaus auf und mach was daraus.

Markus: Einer ihrer Titel bezieht sich auf das Getränk „Tote Tante“, wo ich zugegebenermaßen erst einmal nachschlagen musste was das ist. Sie sagen ja, dass sie dieses Getränk nicht so mögen. Womit wärmen sie sich bei Schietwetter auf?

Krischan Koch: Eigentlich so gar nicht typisch norddeutsch. Ich trinke eher einen Wein oder auch mal ein Bier.

Markus: Unsere Freundin Elisa von RoRezepte hat einen Blog, der sich um Romane mit Rezepten dreht. Das ist ja nun seit einiger Zeit ein Trend und sie gehen den Trend ja auch mit. Da die Titel ihrer Bücher sich alle im weitesten Sinne auf Essen beziehen stellt sich mir die Frage: Kochen sie selbst gerne?

Krischan Koch:  Ja, also ich koche wirklich leidenschaftlich. Es ist tatsächlich so, dass ich viele dieser Rezepte, die hinten im Buch stehen, selbst ausprobiere. Die weichen aber immer wieder ab vom klassischen Rezept.

Krischan Koch und Markus im Gespräch (Foto: Katja Ezold)

Markus: Gibt es dabei typischerweise sehr oft Fisch oder auch bunt gemischt?

Krischan Koch: Ja, relativ viel Fisch. Also ich leb ja eine Zeit des Jahres auch auf Amrum und da gibt es einen wunderbaren Krabbenkutter, der dann frischen Fisch hat. In den Büchern kommt das öfter mal vor und es gibt einfach nichts Tolleres als morgens da hin zu fahren und den Fisch, der nachts gefangen wurde, zu kaufen. Der riecht nicht nach Fisch, sondern nach Meer und das ist einfach toll. Wir essen sehr viel Fisch.

Markus: In ihren Büchern kommen ja öfters mal Fragmente aus Filmen vor. Bei der „Toten Tante“  wurde sogar drauf Bezug genommen. So nach dem Motto „hätten wir den Film mal geguckt, dann wären wir früher auf die Lösung gekommen“. Sie sind selber Filmkritiker. Sind Sie sehr viel im Kino zu finden?

Krischan Koch: Ja, das mache ich eigentlich schon mein Leben lang. Ich bin seit über 30 Jahren Filmkritiker für verschiedene Sender. Sehr lange schon, eigentlich über die ganze Zeit hinweg,  für den NDR, aber auch für den Südwestfunk: Ich habe jede Woche Filme besprochen. Für den NDR mach ich das auch immer noch. Normalerweise geht man da 3-4-mal die Woche ins Kino. Immer morgens, denn da sind die Pressevorführungen. Die Filme werden dann vorher gezeigt, bevor sie anlaufen, damit rechtzeitig zum Starttermin die Filmkritik erscheinen kann.

Markus: Wenn man das als Beruf macht, geht man da in der Freizeit auch noch mit der Frau, mit Freunden, mit den Kindern, Enkelkindern ins Kino oder macht man das dann gar nicht mehr?

Krischan Koch: Nein. Man hat ja dann schon alles gesehen. Tatsächlich ist es so, dass meine Frau dann sagt „In den Film würde ich gern gehen, aber naja, du hast den ja schon gesehen“. Sie hat aber Filmfreundinnen und Freunde, mit denen sie ins Kino geht.

Markus: Sagen sie dann auch mal „Schatz der ist gut, da kannst du hingehen, aber den lass mal weg“?

Krischan Koch: Ja

Krischan Koch (Foto: Katja Ezold)

Markus: Wir gehen ja auch sehr gern ins Kino, sehen auch gern Filme und Serien und haben so ein bisschen Tendenz erkannt, dass in letzter Zeit es immer spektakulärer, blutiger werden muss. In Thrillern, aber auch und vor allem bei Serien. Dort steigert sich das gefühlt von Staffel zu Staffel. Wie empfinden sie das, ist das etwas positives, etwas negatives, ist das vielleicht eine Fehleinschätzung?

Krischan Koch: Ich weiß es gar nicht. Über die Gewalt im Kino wird ja Grunde genommen schon solange geklagt. Ich weiß gar nicht ob es so ist. Finden sie wirklich, dass es wirklich gerade in der letzten Zeit so viel stärker geworden ist? Nun, in den Serien vielleicht. Tarantino hat auf jeden Fall seine Nachfolger gefunden und das ist vielleicht ein Trend. Aber die Gewalt im Kino hat es vor 20-30 Jahren auch schon viel gegeben.

Markus: Bei Ihnen kommen schon sehr skurrile Typen vor, einerseits scheinen es typische Norddeutsche (oder wie man sie sich vorstellt) zu sein, aber auf der anderen Seite, sind es auch so universelle Typen, wie sie jeder auf einem Dorf wohl kennt. Wo finden Sie Inspiration für Ihre Charaktere?

Krischan Koch: Einfach in den Imbiss gehen 🙂 Das freut mich sehr, wenn sie das sagen, dass es nicht nur norddeutsch ist, sondern dass das wirklich Typen sind, die, wenn man hier in Sachsen in den Imbiss geht vielleicht auch so ähnlich sind. Ich habe viele Lesungen gemacht im Ruhrgebiet und da gibt es genau diese Leute. Also es gibt so verschiedene Gegenden, die sind vom Dialekt her natürlich unterschiedlich – aber diese Typen, die da den Tag im Imbiss verbringen, die gibt’s ja fast überall. Und da muss einfach mal hingehen und sich das angucken und das mach ich nun schon eine ganze Zeit und von daher…

Markus: Bietet sich da ein Dorf eher an oder ist es die Stadt, die da die interessanteren, skurrileren Typen hervorbringt?

Krischan Koch: Ja beim Dorf ist es natürlich diese abgeschlossene Gemeinschaft, die ich so jetzt über die Jahre hab. Da lässt sich die Geschichte natürlich auch fast besser entwickeln,  wenn man so einen überschaubaren Raum hat. Im neuen Buch habe ich die Protagonisten mal in die Großstadt geschickt und sehe was dann da so passiert. Aber so diese typischen Typen kann man im Dorf vielleicht noch eher zeigen. Man kann sie schön da weiter entwickeln und die Leser mögen das auch sehr. Überall sieht es gleich aus, es sind überschaubare Verhältnisse, das man sich gegenseitig kennt.

Markus: Wo bekommen sie die Rezepte, die sich in ihrer Büchern wiederfinden her? Sind das so eigene Familienrezepte oder von Freunden?

Krischan Koch: Die Rezepte in den Büchern sind teilweise Neukreationen. Also das was ich da zum Beispiel beschrieben hab mit dem Italiener. Pannfisch ist ein traditionelles Gericht aus der Hamburger Gegend bzw. norddeutsches Rezept. Das sind die Reste vom Fisch, die vielleicht vom Vortag sind, die dann nochmal in der Pfanne aufgebraten werden mit Kartoffeln, mit einer Senfsoße dann – das ist so ein Resteessen eigentlich. Ganz traditionelles Gericht und da hab ich jetzt durch diesen Italiener, der da in der Hidden Kist aufkreuzt, ein wenig verändert. Der macht das Rezept dann auf einmal statt mit Kartoffeln mit Pasta oder nimmt da noch irgendwie Rosmarin rein, ich weiß jetzt nicht genau das Rezept ist, aber der improvisiert jetzt damit etwas und das sind so Sachen, die hab ich mir ausgedacht oder auch durch das Buch dann auch beim Schreiben auf die Idee gekommen, durch diese Situation einfach zum Beispiel.

Markus: Und durch Ihre Vorliebe für’s Kochen und auch für’s gute Essen ist auch so bisschen dieser heimliche Treffpunkt, der heimliche Mittelpunkt der Geschichten immer diese Hidden Kist.

Krischan Koch: Ja, ob das mit dem Essen so ist – das kulinarische Angebot in der Hidden Kist hält sich ja in Grenzen, also.

Markus: Klingt aber trotzdem sehr lecker zum Teil.

Krischan Koch: Ich weiß nicht, Putenschaschlik Hawaii? Als ich mit dem ersten Buch eine Premierenlesung in Hamburg gemacht habe, in einem Lokal, da hatte der Wirt die Idee, das wer was kocht nach der Lesung. Etwas, was im Buch vorkommt. Und ich sag „Ja, Putenschaschlik Hawaii.“ und da sagt er „Putenschaschlik Hawaii, ach nee komm, das muss nicht sein“ Aber dann hat er gesagt, „Ok, machen wir lecker, also komm, das kriegen wir hin“.

Markus: Wie kommt es eigentlich, dass sie von Anfang an in der Serie immer die kulinarischen Titel mitgebracht haben?

Krischan Koch: War irgendwie so eine Idee, also Rote Grütze mit Schuss, der erste Titel war eine Idee meiner Frau und dann hatten wir das und dann haben wir irgendwie immer überlegt, was kann man mit norddeutschen Essen oder mit diesen Seriencharakter machen. Aber es wird jetzt langsam knapp mit den Gerichten.

Markus: Damit sind wir mit unseren Fragen durch. Vielen Dank für Ihre Zeit.

Krischan Koch: Bitte bitte.

Nach dem Interview: Krischan Koch mit Katja und Markus (Foto: Elisa Hähner)

 

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