Mit Gärtners unterwegs – die 12. Feierabendtour

Der Mai lässt die Tage wieder länger und wärmer werden und so wurde es auch in diesem Jahr Zeit, sich auf das motorisierte Zweirad zu setzen. Das geht am besten in guter Gesellschaft und wenn sich jemand anderes um die Streckenführung gekümmert hat. Noch besser geht es, wenn der fahrbare Untersatz brandneu ist und ausgiebig getestet werden will.

Gesagt getan, bei der 12. Feierabendtour auf Vorführmotorrädern von Gärtner’s  Motorradshop setze ich mich auf die Yamaha R6.

Schick sieht sie aus die R6. Man könnte sagen, dass es „nur“ die kleine Schwester der R1 ist, aber 118PS auf fahrfertig 190kg sind – ihr kennt da meine Meinung – für den durchschnittlichen Fahrer mehr als genug.

Zurück zur Optik: Die schlank gezeichnete Silhouette, die Dynamik und Windschlüpfrigkeit ausstrahlt, ist typisch für die Klasse der Supersportler. Das satte Blau glänzt in der Sonne, die mattschwarzen Verkleidungsteile bilden einen schönen Kontrast.

Abseits der Farbe fällt mir natürlich auf: Das Spaßgerät ist ziemlich flach, hat verkleidungsfeste Spiegel, eine flache Scheibe und Stummellenker. All diese Eigenschaften gehören für mich eigentlich alle in die Kategorie „nicht mein Ding“, aber ich dachte mir, man muss es probiert haben, um es beurteilen zu können.

Dass ich nicht im hautengen und quietschbunten Ledereinteiler antrete hat einen Grund – so etwas besitze ich gar nicht. Dafür teste ich heute auch meinen neuen Helm, den hübschen Scorpion Exo-1200 Air im roten „Hornet“ Design – sieht er nicht schick aus?

Zurück zur Probefahrt. Kurz nach 16Uhr setzt sich der Tross aus 11Zweirädern – nein falsch – 9 Zweirädern und 2 dreirädrigen NIKEN in Bewegung.

Ich sitze in der Mitte des Feldes und habe so meine Probleme mit der völlig anderen Sitzposition. Knie und Hüftwinkel sind für meine Verhältnisse sehr eng und die Rasten ziemlich weit oben und hinten.

Dafür fällt die vielbeschworene Last auf den Handgelenken eigentlich gar harmlos aus. Trotzdem ist die weit nach vorn gebeugte Körperhaltung gewöhnungsbedürftig und nicht zuletzt anstrengend. Um nach vorn und nicht nach unten zu gucken, muss ich den Kopf ziemlich in den Nacken ziehen. Hier zählt jedes Gramm Gewicht beim Helm, den kommenden Muskelkater verhindern kann aber selbst ein leichter Helm nicht.

Die betont sportliche Sitzhaltung passt zum Stil des Motorrades, dynamisch und auf Beschleunigung ausgerichtet. Dazu passt der schon ab niedrigen Drehzahlen ruckelfrei anziehende und erstklassig dosierbare Motor. Schon beim Blick auf den Drehzahlmesser werden die Talente des quirligen Vierzylinders sichtbar – der rote Bereich beginnt jenseits der 16.000 Umdrehungen – das ist mal eine Ansage. Dass man den Drehzahlbereich nicht bei der Fahrt zum Bäcker oder auf der gemütlichen Nachmittagsrunde ausreizt, nun ja. Zum Glück hat auch der Bereich darunter seine Vorzüge. Klingt der 600er bei sehr tiefer Drehzahl säuselnd, wechselt es bei 5.000rpm auf sonor, bei über 8.000 Umdrehungen schreit es süchtig machend heraus. Ob das nur an der für Gärtners typischen Akrapovic Auspuffanlage liegt, wage ich zu bezweifeln.

Der Motor macht dieses Zweirad zum Biest, was beherrscht werden will. Gibt die Hand des Fahrers die Anweisung zur Beschleunigung, geht es flott voran. Dadurch, dass das Motorrad noch fast fabrikneu war, 80km vor Fahrtantritt, war die Maschinen noch nicht eingefahren und so nicht das letzte Quäntchen rauszuholen. Hat aber auch so gereicht – die linear steigende Leistung ist sehr fein dosierbar, die Reifen kleben auf dem trockenen Asphalt und geben ein Gefühl der Sicherheit, die Bremse beißen mehr als ordentlich, um dem eiligen Vortrieb Einhalt zu gebieten, wenn es nötig ist.

Einmal an das Fahrgefühl gewöhnt, hat es definitiv seinen Reiz. Einziger Nachteil: Auf Landstraßen mit üblicher Geschwindigkeitsbegrenzung ist die R6 entweder völlig unterfordert oder gnadenlos illegal schnell unterwegs. Dieses Gerät ist für die Rennstrecke gemacht.

Für selbige müsste man das einstellbare Fahrwerk wohl wieder härter stellen, für die Landstraße was das Setup, welches ich hatte ausgewogen genug – selbst Flickenasphalt und Landstraßen 3. Ordnung haben es nicht aus der Ruhe gebracht.

Und typisch für die Touren mit Vorführern hat Matthias die Mischung auch recht bunt gestaltet – von mustergütigem Premiumasphalt bis zur noch nicht von Winterschäden befreiten Dorfstraße war alles dabei. Enge Serpentinen, schnelle Abschnitte und schöne Wechselkurven gehörten mit zur Route.

Als erstes ging es lange das Müglitztal hinauf. Am Ortsausgang Schlottwitz dann aber nach links durch Berthelsdorf nach Börnersdorf. Oberhalb von Liebstadt ging es dann rechts weg und durch Ottendorf und Dohma bis nach Pirna runter. Die Stadt wurde aber nur links liegen gelassen, es ging weiter nach Königstein und bei Bad Schandau auf die rechte Elbseite. Am Heiteren Blick war dann nach 1,5h Kaffeepause. 17:30Uhr waren wir zwar die einzigen auf der Terrasse, haben bei Kaffee, leckerem Kuchen und reichlich Fachsimpeln eine tolle Zeit gehabt.

Nachdem der letzte Kaffee getrunken, das letzte Foto gemacht war, ging es wieder auf die Piste. Unterhalb des Cafés ging es rechts ab und über Kohlmühle nach Hohnstein. Nach der Abfahrt ins Polenztal nahmen wir die an Wochentagen nicht gesperrte „Rennstrecke“ unter die Räder – hier hätte die R6 gern freie Fahrt gehabt, die Reserven vom flotten Tourenspeed zur physikalischen Limit war gefühlt riesig.

An der Hocksteinschänke ging es links ab Richtung Bad Schandau. Doch in Waltersdorf verließen wir diesen Weg und ich wusste, was kommt: Der wunderschöne Liliensteinblick. Auf der anderen Elbseite thront die Festung Königstein und diesseits hat man über weite Felder den Blick frei auf den markanten Tafelberg.

Die Sonne hatte inzwischen das Zepter übernommen und den Regen, welcher auf der Fahrt tolle Regenbögen bescherte, in die Schranken gewiesen. Zeit für einige letzte Fotos im herrlichen Licht und dann ging es endgültig zurück.

Über Lohmen und durch Pirna ging es diesmal erst nach Großsedlitz, bevor in Heidenau die Tanks der Leihmaschinen wieder gefüllt wurden.

Fast exakt 20Uhr waren wir zurück und es wurde Zeit die Yamahas wieder in die Garagen von Gärtners zu stellen.

Mein Fazit: Wieder eine toll organisierte Tour mit klasse Guide und netten Mitfahrern. Die Route war abwechslungsreich und hat mir sehr viel Spaß bereitet.

Die R6 ist ein tolles Motorrad, vor allem der Motor ist ganz große Klasse. Aber schon nach etwa 3 Stunden im Sattel habe ich feststellen müssen: Diese Sitzposition und ich werden keine Freunde. Der harte Sitz tat sein Übriges dazu. Hat aber trotzdem Spaß gemacht und nun kann ich wenigstens mitreden.

Diesmal war ich froh, wieder auf meine Erna zu steigen, in auf- und altersgerechter Haltung den lauen Maiabend ausklingen zu lassen.

Danke an Gärtners!

 

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