Regina Gärtner – Eine Newcomer-Autorin auf der LoveLetter-Convention 2014

Die LoveLetter-Convention, die auch dieses Jahr wieder in Berlin stattfinden wird, wirft ihre Schatten voraus. Zeit, sich mit den Autoren, die dabei sein werden, zu beschäftigten. Unter all den neuen Namen stach mir unter anderem Regina Gärtner ins Auge. Ein offenes Lächeln auf dem Foto, ein interessantes Buch und ich hatte noch nie etwas von ihr gehört. Was liegt da näher, als sie um ein Interview zu bitten?

Gesagt – getan und Regina war so lieb, mir Rede und Antwort zu stehen.

Katja: Hallo Regina, vielen Dank dafür, dass Du meiner Einladung zu diesem Interview gefolgt bist. Ich bin auf Dich als erst durch die Homepage der LoveLetter-Convention gestoßen, kenne Dich also überhaupt nicht. Da ich denke, dass es vielen anderen ebenso geht, beginnen wir das Interview ganz einfach.

Erzähl uns erst einmal etwas über Dich. Was bringt Dich zur Weißglut und was macht ihr besonders viel Freude? Was macht Regina Gärtner aus?

Regina: Ich lache sehr gerne, und habe mir dazu auch den passenden Mann ausgesucht, der mich oft und gerne zum Lachen bringt. Ich esse gerne, auch wenn ich nicht so gerne koche, und als Hobby-Gärtnerin mache ich meinem Namen alle Ehre. Oh, ich kann mich königlich über Politik und Politiker aufregen. Und zur Weißglut bringen mich Leute, die die Fehler immer nur bei anderen suchen.

Was mich ausmacht ist bestimmt auch eine große Portion Beharrlichkeit. Ich kann gut an Sachen dranbleiben und kämpfe mich durch, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

Katja: Hast Du besondere Hobbys und/oder Sammelleidenschaften? Wie entspannst Du am besten?

Regina: Mein nächstes Buch heißt „Der Glanz von Südseemuscheln“ und tatsächlich kommt der pazifischen Abalonemuschel eine wichtige Bedeutung in der Geschichte zu. Ich sammle Muscheln, wobei ich weder exotische Muscheln von den Stränden mitnehme, noch kaufe ich sie in Souvenirläden, sondern ich sammle alte Stücke von Flohmärkten.

Am besten entspanne ich im Wasser. Das kann eine Dusche sein, oder auch ein Bad in der Wanne, und es lässt sich immer weiter steigern: im Schwimmbad, und wenn ich dann noch eine ganze Bahn für mich alleine habe – Luxus! Und immer besser wird es, je wärmer es wird. Eine tropische Insel, ein weitestgehend leerer Strand, sauberes Wasser, leichte Dünnung, Ahhhh. Aber okay, meistens muss eben die Dusche herhalten.

Katja: Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein eigenes Buch zu schreiben und natürlich auch zu veröffentlichen? Anders gefragt: Was hat Dich zum Schreiben gebracht?

Regina: Schon als Zwölfjährige hab ich angefangen, ein Buch zu schreiben, dass ich aber nie beendet habe. Aber diese Idee, Geschichten zu erzählen, lauerte immer in meinem Kopf. Als ich meine Magisterarbeit geschrieben habe, die ja einen größeren Umfang hat als normale Hausarbeiten, hab ich gedacht: Na Mensch, dann kann ich ja auch ein Buch schreiben. Dass es doch nicht so einfach ist, eine gute Geschichte zu erzählen, hab ich in vielen langen Jahren des Lernens erfahren. Es hat dann doch noch sieben Jahre und drei Romane gedauert, bis das erste Buch von mir veröffentlicht wurde.

Katja: Wie lange dauerte es von der Idee über das Manuskript bis hin zum fertigen Buch? Konntest Du „drüberbleiben“ beim Schreiben oder hast Du das Manuskript immer mal wieder zur Seite gelegt?

Regina: Ich sammle immer Ideen, aber nicht jede Idee lohnt sich auch, oder reicht aus für einen ganzen Roman. Aber wenn ich eine Idee als erfolgreich eingestuft habe, dann sammle ich ganz lange alles Mögliche an Material und Wissen. Wenn es dann mit dem Plotten losgeht, habe ich die Geschichte ungefähr im Kopf. Erst bei der detaillierten Recherche zeigt sich, ob es auch so funktionieren kann.

Für meine 600-Seiten historische Romane setze ich als reine Schreibzeit 9 Monate an, aber dann muss die Geschichte schon stehen, also durchgeplottet sein. Und dann wird am besten durchgeschrieben.

Katja: Wer hat Dich motiviert, zu schreiben, Deine Geschichte lebendig werden zu lassen? Gab es jemanden, der da besonders „aktiv“ war? Und wer hat Dir den Rücken freigehalten?

Regina: Ja, mein Mann. Noch kann ich nicht vom Schreiben leben, und er hält mir finanziell den Rücken frei. Aber er hat mich auch ermutigt, den Schritt zu wagen. Lange habe ich den Traum mit mir herumgetragen, nur noch zu schreiben, weil „nebenbei Schreiben“ einfach nicht so gut werden kann, wie es sein muss. Und in all den Jahren der Absagen hat er mich immer wieder aufgebaut.

Aber die starke Motivation, die kommt aus mir selbst. Die braucht man auch in der Buchbranche, denn es ist wahrlich kein Zuckerschlecken, bei der übergroßen Konkurrenz aufzufallen.

Katja: Was ist das für ein Gefühl, wenn der Verlag oder Agent anruft und Dir sagt „Dein Manuskript wird gedruckt!“ Wo warst Du als DER Anruf kam mit der Nachricht: Es wird gedruckt!

Regina: Früher hab ich auch immer auf den einen Anruf gewartet. Aber – leider – ist es ganz anders, als man sich das so vorstellt. Nach unendlich langer Wartezeit kommt plötzlich eine Mail oder ein Anruf, aber dann heißt es nur: Es klingt ganz interessant. Können Sie uns noch etwas mehr zuschicken? Dann schickt man und wartete wieder, und hofft.

Tatsächlich ging es bei meiner Agentur plötzlich schnell, aber auch da war nicht mit DEM Anruf getan. Ich hab noch was geschickt. Dann hieß es, wir können es ja mal versuchen. Dann lange Gespräche über mögliche andere Projekte, dann dieses Projekt „Unter dem Südseemond“.

Dann fängt die Arbeit erst an: Das Expose schreiben, die Leseprobe erstellen, dann wird die mit der Agentur zusammen verbessert. Dann wird es von der Agentur verschickt, und wieder kommt das Warten.

Und selbst das Angebot von Heyne war gestaffelt: großes Interesse, melden uns wieder, zwei Tage später: Vertretertagung sagt ja. Dann kommt das Honorarangebot. Anschließend kommen die Verhandlungen über die Details. Und erst irgendwann nach ein paar Tagen oder Wochen sind die Verhandlungen zwischen Verlag und Agentur abgeschlossen. Und endlich ist der Moment gekommen, wenn man seiner Agentin sagt: Jetzt ist alles in trockenen Tüchern.

Die Freudengefühle werden immer wieder durch Hoffen und Bangen und Warten gedämpft. Aber ich brauchte ohnehin etwas länger, bis die Tatsache, dass mein Buch von so einem renommierten Verlag wie Heyne angenommen wurde, bei mir durchgesickert ist.

Katja: Erzähl uns doch bitte mal etwas aus Deinem Buch.

Regina: Die Auswanderersaga führt uns zunächst ins historische Köln im Jahr 1899. Die Hauptfigur Alma wird vom Vater mit einem anderen Mann verheiratet, obwohl sie ihrer Jugendliebe versprochen ist. Ihr Ehemann Hermann hat Pioniergeist und seinen Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg führt die beiden in die deutsche Südseekolonie Deutsch-Samoa. Die idyllischen Inseln im Südpazifik wurden gerade zum deutschen Schutzgebiet erklärt. Aber die wesentlichen Dinge in Almas Leben werden von anderen Menschen entschieden. Dabei lebt der Mann, den sie wirklich liebt, weit entfernt. Und die Familie, aus der sie herausgerissen wurde, hütet ein Geheimnis, das Alma noch am anderen Ende der Welt nicht ruhen lässt.

Katja: Worum geht es, wie bist Du auf die Idee gekommen, gerade diese Geschichte zu erzählen?

Regina: Das Thema „Deutsche Kolonien“ hat mich schon seit Jahren gefesselt, seit ich in Namibia war, ehemals Deutsch-Südwest, und dort so viel von der immer noch vorhandenen deutschen  Kolonialgeschichte gesehen und erlebt habe. Dort wurde definitiv die Idee zu diesem Roman geboren.

Allerdings, dass Deutsch-Samoa der Ort der Handlung wurde, ist dann tatsächlich Ergebnis meiner Recherche gewesen. Welche der vielen Südsee-Kolonien würde sich am ehesten eignen? Dabei kam Deutsch-Samoa zum Vorschein – die Perle der Südsee – wie man sie schon damals nannte.

Katja: Dein Buch „Unter dem Südseemond“ kommt ja richtig gut an und steht sogar auf der Shortliste für den Lovelybooks Leserpreis 2013 in der Kategorie „Historische Romane“. Ist man als „Jungautorin“ ganz besonders stolz, wenn sein Erstlingswerk so gut ankommt?

Regina: Ja! Natürlich bin ich stolz, aber vor allem wahnsinnig glücklich, dass es direkt so gut ankommt. Man schreibt ja ewig lange an dem Manuskript, und auch wenn ich einige Menschen habe, die den Roman testlesen, es bleibt immer eine Unsicherheit. Ist es gut genug? Kann ich die Leserinnen emotional bewegen? Ist die Geschichte außerordentlich? Passt die Sprache? All diese Fragen. Als Autorin misst man sich natürlich ständig mit denen, die es geschafft haben. Das macht großen Druck.

Wenn ich mich gefragt habe, was für eine Geschichte ich schreiben möchte, dann war da immer dieses Gefühl, dass es eine Geschichte sein soll, die die Leute gefangen nimmt, die sie nicht mehr loslässt. Und wenn ich mir meine Rezensionen anschaue, dann habe ich dieses Gefühl bei vielen Leserinnen ausgelöst. Das macht mich unendlich glücklich.

Katja: Liest Du selber gern? Welcher Autor / welche Autorin hat Dich in Deiner Kindheit/Jugend begleitet und zu welchen Büchern greifst Du heute?

Regina: Ich bin eine Vielleserin. Ich lese mich quer durch alle Genres. Am meisten kommen mir zwar historische Romane und Thriller unter, aber auch Fantasie, Biografien, Liebesromane, amerikanische Erzähler, ach, eben alles Mögliche, was es gibt. Das einzigen roten Faden, den an bei mir erkennen kann, ist: Ich lese viel Mainstream.

Katja: An welchen Projekten arbeitetest Du derzeit? Wird es ein weiteres Buch von Dir geben?

Regina: Ja, „Unter dem Südseemond“ ist eine abgeschlossene Geschichte, allerdings endet sie kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges.

Der Nachfolgeroman „Der Glanz von Südseemuscheln“ wird diese Kriegsjahre aufgreifen, kann aber trotzdem unabhängig von der ersten Geschichte gelesen werden.

Alma lebt als Deutsche in die britischen Kolonie Australien, die als britisches Dominion natürlich gegen das Deutsche Reich gekämpft hat. Und Almas Familie lebt auf Samoa, was direkt zu Kriegsbeginn von den Neuseeländern besetzt wurde – da sind spannende Entwicklungen zu erwarten, bis alle ihr Glück und ihre Liebe (wieder-)finden können.

„Der Glanz von Südseemuscheln“ wird im März 2015 bei Heyne erscheinen.

Katja: Du wirst in diesem Jahr als eine der Newcomer-Autorinnen an der 3. LoveLetter-Convention in Berlin teilnehmen. Wie kam es zu dieser Einladung?

Regina: So genau weiß ich das natürlich auch nicht, aber ich denke, dass es vielleicht wegen der Mischung ist. Es geht um Liebesromane, aber der Fantasie und Soft-Erotikbereich ist stark vertreten. Dazu kommt noch das Chick-Lit-Genre. Mit ein paar historischen Liebesgeschichten ist es doch gleich auch vielfältiger.

Katja: Was erwartest Du von den beiden Tagen in Berlin? Wirst Du den Kontakt mit Deinen Lesern suchen? Wirst Du eine Lesung halten und wirst Du zu Lesungen Deiner Kolleginnen und Kollegen gehen?

Regina: Ich denke, wir werden alle lesen und signieren. Und soweit es mir zeitlich möglich ist, werde ich mir so viel Lesungen von meinen Kolleginnen anhören, wie möglich. Es ist mein erstes Mal auf der LLC, und ich weiß noch nicht so genau, wie es laufen wird. Ich bin schon sehr gespannt. Aber ich denke, es wird sicher sehr viel nette Gespräche geben.

Katja: Ist der Austausch mit Lesern und Kollegen, wie er ja auf der Convention möglich ist, wichtig für Dich?

regina gaertner schreibtischRegina: Ja, der direkte Austausch mit den Leserinnen ist mir sehr wichtig. Deswegen habe ich auch schon zwei verschiedene Leserunden gemacht. Und deswegen bin ich auch auf der LLC. Den Austausch mit Kollegen pflege ich privat auch schon über Facebook, und ich bin regelmäßig auf Autorenreffen.

Katja: Auf welche Autorin, auf welchen Autoren freust Du Dich am meisten? Ist vielleicht grad Deine ganz spezielle Lieblingsautorin mit dabei?

Regina: Besonders freue ich mich auf Sandra Henke, die ich schon persönlich kenne und die wirklich eine sehr nette Kollegin ist. Und ich bin gespannt auf Tina Folsom, eine Deutsche, die es in Amerika geschafft hat. Puh, das ist doch aufregend.

Katja: Wie ist es für Dich, vor Publikum Deine Werke zu lesen? Bist Du vor so einer Lesung sehr nervös?

Regina: Ja, sehr. Vorher nicht, aber wenn ich dann anfange, dann bin ich die ersten Minuten sehr nervös. Es legt sich dann aber wieder. Glücklicherweise. Aber ich freu mich trotzdem darauf, lesen zu dürfen. Es sehe es als Privileg.

Katja: Dann sage ich hiermit DANKE für Deine Zeit, das Interview und ich freue mich darauf, Dich in Berlin live zu sehen.

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