Rouge One: A Star Wars Story

Es scheint bei uns Tradition zu werden, das wir zum Ende des Jahres hin mit der Familie ins Kino gehen. So auch in diesem Jahr, wo wir zusammen mit dem Papa von Markus, seinem Cousin und meiner besten Freundin uns am frühen Abend des 30. Dezember getroffen haben, um uns gemeinsam „Rouge One: A Star Wars Story“ anzuschauen. Und wie immer ist Markus dafür zuständig, eine Filmkritik dazu zu verfassen.

Alle Jahre wieder kommt zur Weihnachtszeit ein Star Wars Film in die Kinos. So zumindest scheint der Plan von Disney zu sein. Na klar, wenn ich mehrere Milliarden für eine der wertvollsten Marken bezahlt habe, will ich auch ordentlich daran verdienen. Das Merchandise braucht Figuren, Geschichten und Themen.

Im neusten Abenteuer „Rogue One – A Star Wars Story“ geht es, wie jemand so schön gesagt hat um die Geschichte, die in Episode IV (Eine neue Hoffnung) keine Sau interessiert hat, nämlich: Wie kamen die Rebellen an die Baupläne des imperialen Todessterns und warum konnte eine so gefährliche Waffe von nur einem kleinen Jäger zerstört werden?

Der Schurke Nummer 1 (nichts anderes bedeutet Rogue One) ist in dem Fall das Rufzeichen des Schiffes, mit dem die Protagonisten, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Rebellen, oben genanntes bewerkstelligen. Das erste Spin-off spielt zwischen den beiden Trilogien, kurz vor der Handlung in Episode IV.

Nach einiger Vorgeschichte wird die junge Jyn Erso aus imperialer Gefangenschaft durch einige Rebellen befreit. Sie bekommt einen Auftrag, durch den sie sich ihre Freiheit erkaufen könne. Ihr Vater, Galen Erso, ist der Hauptkonstrukteur des Todessternes. Er hat eine Botschaft an die Rebellen gesendet, die jedoch bei Saw Gerrera, einem radikalen Rebellen landet. Jyn kennt ihn und soll die Nachricht vom ihm entgegennehmen. Durch das in der Nachricht enthaltene Wissen reist Jyn mit der inzwischen angewachsenen Gruppe nach Eadu, wo sich das Entwicklerteam um Galen Erso aufhält. Doch der Todesstern ist bereits fertiggestellt und es kommt zu einer ersten, beeindruckenden Demonstration seiner Zerstörungskraft.

Es handelt sich bei diesem Film um ein recht losgelöstes Stück der Geschichte und ist vom Genre her als Science Fiction Kriegsfilm zu verstehen. Die Handlung ist zwar größtenteils schlüssig, aber wirkt an einigen Stellen arg konstruiert. Nicht nur einmal fragt man sich als Zuschauer, warum Entscheidungen so getroffen werden und nicht anders. Die kurzweilige Erzählweise macht den Film trotzdem sehr sehenswert, auch wenn ich persönliche glaube, dass sich 1. ambitionierte Star Wars Fans vorzüglich über den Film streiten können und 2. nicht Star Wars affine Zuschauer über das ungewöhnliche und auch in meinen Augen völlig deplatzierte Ende wundern werden. Etwas so deprimierendes mit dem Begriff der Hoffnung zu verbinden ist – sagen wir mal – gewagt.

Sehr schön fand ich, dass die Darstellung dem ersten Film von 1977 angepasst wurde. Die Schnurbärte, Frisuren und das gesamte Ambiente passt beinahe nahtlos zu dem Ende der 70er Jahre gedrehten „Eine neue Hoffnung“. Dass bereits verstorbene Personen durch die „Industrial Light und Magic“ wieder auf die Leinwand zurückkehren konnten ist so herzerwärmend, dass man manchmal fast schon schluchzen möchte. So ist der 1994 verstorbene Peter Cushing in einigen, teils langen Sequenzen wieder als Gouverneur Tarkin zu sehen, ebenso die kürzlich verstorbene Carrie Fisher, als junge Leia Organa.

Die Filmmusik, dem Original von John William entlehnt, ist wieder großartig – wirkt aber durch die Modifikationen der ursprünglichen Melodien leicht verstörend auf mich, wie Plagiate.

Alles in allem hat mir Rogue One mit einen Tag Abstand gefallen. Der Film ist ein toller Blick in das Star Wars Universum abseits der Jedi und der Familiengeschichte der Skywalkers. Trotzdem sind vor allem das Ende, Logiklücken und Details wie die Filmmusik ein Schlag in die gleiche Kerbe, die ich schon beim „Erwachen der Macht“ gesehen habe. Kommerz und Zwänge haben wohl den Film deformiert, aus der tollen Idee ist ein Film geworden, der viel von seinem Potential verschenkt.

Mit 3,5 von 5 Sternen ist er zwar sehenswert, aber keinesfalls ein Kandidat für den Film des Jahres.

Daten:
Laufzeit: 2 Stunden 14 Minuten
FSK: ab 12
Regie: Gareth Edwards (II)
Genre: Abenteuer, Sci-Fi, Action
Musik: Michael Giacchino
Drehbuchautor: Chris Weitz
Originalcharaktere: George Lucas
Hauptdarsteller: Felicity Jones (Jyn Erso), Diego Luna (Captain Cassian Andor), Ben Mendelsohn (Director Orson Krennic), Mads Mikkelsen (Galen Erso), Forest Whitaker  Saw Gerrera), Donnie Yen (Chirrut Îmwe), Jiang Wen (Baze Malbus), Alan Tudyk (K-2SO)

Katjas Einwand:
Von mir gibt es noch einen kleinen Einwand zur FSK-Freigabe. Freigegeben ist der Film ab 12 Jahren. Ja ich weiß, dass jetzt viele sagen werden, nicht jeder 12jährige ist gleich. Aber: ich persönlich – und das ist wie gesagt meine ganz persönliche Meinung – würde mit keinem 12jährigen in diesen Film gehen. Die Kampfszenen, die Zerstörungswut und die Hoffnungslosigkeit – das muss man keinem 12jährigen antun.

Wenn man dann noch weiß, dass Filme, die im Kino ab 12 Jahren freigegeben sind, in Begleitung sogenannter Personensorgeberechtigter nach § 11 Abs. 2 JuSchG bereits von Kindern ab 6 Jahren besucht werden dürfen, ist es für mich erst recht ein klares NEIN zu dieser Altersfreigabe.

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