Sinneswandel – ein besonderes Restauranterlebnis

Habe ich hier auf meinem Blog schon einmal über ein Restaurant berichtet, das mich begeistern konnte? In dem ich mich wohlgefühlt habe? Und wo das Essen dazu noch einfach wunderbar war? Ich glaube nicht.

Aber heute ist es soweit und ich will Euch mitnehmen. Mitnehmen in das Restaurant „Sinneswandel“ hier in Dresden.

Das „Sinneswandel“ ist das einzige Dunkelrestaurant in meiner Heimatstadt und natürlich hatte ich schon öfters davon gehört. Zu unserer Hochzeit, vor etwas mehr als zwei Jahren, schenkten uns Kathleen und Daniel – ganz liebe Freunde, einen Gutschein. Einen Gutschein für ein „Dinner in the dark“ im Dunkelrestaurant.

Es dauerte leider eine ganze Weile, bis wir den Gutschein endlich einlösen und eine Reservierung im Restaurant vornehmen konnten. Dann aber war es endlich soweit.

Was erwartet uns wohl in dem Restaurant? Wie stelle ich mir das Essen dort in völliger Dunkelheit vor? Würden wir zurechtkommen? Unser Besteck, Getränke und Essen überhaupt finden? Und wie sehr werden wir kleckern? Über solche Themen diskutierten wir auf der Fahrt zum Restaurant, aber wir wussten es einfach nicht. Also hieß es: Lassen wir uns überraschen!

Gespannt betraten Markus und ich kurz vor 18 Uhr das Restaurant „Sinneswandel“ und wurden in der WandelBar herzlich willkommen geheißen. Wir bekamen zur Begrüßung einen Aperitif, ein Gruß aus der Küche wurde präsentiert und die Speisekarte gereicht. Nun durften wir aus 5 verschiedenen Menüs auswählen. Vier davon klangen, jedes für sich, einfach nur wunderbar und die Auswahl fiel mir sehr schwer. Markus entschied sich recht schnell für das 5. Menü mit dem Titel „Am Wegesrand“ und da das ein Überraschungsmenü war, wusste er nicht was auf ihn zukommen würde. Ich schwankte zwischen zwei Menüs, entschied mich dann aber für das Menü „Nordwind“.

Gruss aus der Küche

Uns wurde kurz vom Barpersonal der Ablauf des Abends erklärt. Zwei Räume für jeweils ca. 25 Personen, die vollkommen im Dunkeln liegen, stehen zur Verfügung. Beide Räume werden jeweils von einem sehbehinderten Kellner betreut. Wir wurden gebeten, alles abzulegen was Licht abwerfen könnte: also hauptsächlich Uhren. Handys sollten entweder ausgeschaltet werden oder in der Tasche verschwinden.

Dann war es soweit: Unser kulinarisches Abenteuer begann und wir begaben uns in die Hände unserer sehbehinderten Kellnerin Lydia. Sie fragte nach unseren Vornamen und begleitete uns in die völlige Dunkelheit. Man muss wissen, dass ich die völlige Dunkelheit gar nicht mag, mich absolut nicht wohlfühle und leichte Panik bekomme. Das gestand ich Lydia und sie versprach, besonders auf mich achtzugeben.

Ich hatte ja gedacht, dass ich durch den Raum zu meinem Platz mehr stolpere als laufe, aber weit gefehlt. Lydia brachte uns sicher und routiniert ans Ziel. Wir nahmen Platz und sie erklärte uns den Aufbau des Tisches. Was liegt wo und in welcher Reihenfolge. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich sofort und recht leicht zurecht fand. Das lag aber sicherlich auch daran, dass der Tisch eher minimalistisch eingedeckt war.

Unsere Getränke wurden gebracht und dann kam auch schon unsere Vorspeise. Mit der Zeit brachte Lydia nach und nach auch die anderen Gäste herein. Ich glaube, wir waren dann etwa zwischen 12 und 14 Personen. Durch die absolute Dunkelheit im Raum konzentrierte man sich viel mehr auf die Stimmen der anderen. Und auch die Berührungen von Markus – er griff immer wieder mal nach meiner Hand – waren ganz anders als im Hellen. Intensiver.

Markus schaffte es tatsächlich, uns immer wieder Wasser nachzuschenken, ohne etwas zu verkippen. Er wurde immer sicherer darin und es machte ihm offensichtlich Spaß, sich auszuprobieren.

Aber zurück zur Vorspeise. Dadurch, dass man wirklich nichts sehen konnte, habe ich versucht, mich ganz auf meine restlichen Sinne zu konzentrieren. Zu erfühlen, zu riechen und die einzelnen Bestandteile des Essens herauszuschmecken. Ich hatte mein Menü zwar vorher lesen können, hatte mir aber nicht wirklich jedes Detail gemerkt. So wusste ich zwar, dass ich Fisch hatte, aber den Rest hatte ich schon wieder vergessen. Das einzige, was ich sicher in dem Moment wusste: Es war lecker!

Auch die anderen drei Gänge, die wir serviert bekamen, waren superlecker. Sehr wohlschmeckend, sehr intensiv. Wir merkten, dass sich unsere Sinne entwickelten. Man konnte, je länger man nichts sah, besser rausschmecken, was man in dem Moment gerade aß. Es war eine unglaubliche Erfahrung.

Unglaublich war für mich aber auch, mit welcher Selbstverständlichkeit sich Lydia bewegte, mit welcher Sicherheit sie ihre Gäste bediente und die unterschiedlichen Essen servierte. Sie wusste genau was sie tat, jeder bekam den Teller den er bekommen sollte. Ich zog im Geiste mehrfach meinen Hut vor dieser jungen Frau.

Zum Abschluss unseres 4-Gang-Menüs bestellten wir beide noch einen Espresso und genossen diesen, ehe wir uns von Lydia wieder nach draußen führen ließen. Hier mussten wir feststellen, wie gleißend hell ein Raum mit gedimmtem Lichte gegenüber der absoluten Dunkelheit war. Ich bedankte mich noch einmal ganz herzlich bei ihr, denn durch sie hatte ich meine Angst in der Dunkelheit kurzzeitig vergessen können. Durch sie, ihre liebenswert Art und die Ruhe, die sie ausstrahlt, konnte ich den Abend genießen.

In der WandelBar konnten wir nun auf Bildern verfolgen, wie lecker unser Essen, das wir serviert bekamen, im Hellen ausgesehen hatte. Wir bekamen bestätigt, was wir uns während des Essens schon gedacht hatten. Denn um die Unterscheidung zwischen den einzelnen Komponenten etwas leichter zu machen, wurde jede Komponente des Essens einzeln auf dem Teller drapiert. Nebeneinander also, damit man leichter die Unterschiede schmecken konnte.

Ich kann Euch leider keine Bilder meines Essens zeigen, aber ich kann euch wenigstens das Menü wiedergeben:

 „Nordwind“

Geräucherter Heilbutt, Schwarzbrot,
Champignons, Chicorée, Frischkäse,
Haselnüsse, Hanf

 ******

Maronensuppe, Süßkartoffel, Kakao,
Cranberry-Brioche

******

Gebratener Zander, Kürbis-Risotto, Orange,
Spinat, Parmesan

******

Cookie, Karamelleis, Fleur de Sel,
Dresdner Stollen, Orange, Apfel

Es war ein wunderbarer Abend und wir waren überrascht, wie schnell die Zeit vergangen war. Denn als wir das Restaurant verließen, war es schon 21.30 Uhr.

Uns bleibt an dieser Stelle nur noch DANKE zu sagen an Kathleen und Daniel, die uns mit diesem Geschenk einen herrlichen Abend und eine tolle neue Erfahrung ermöglicht haben.

Und DANKE an das Team von Sinneswandel, ganz besonders an Lydia, die diesen Abend unvergesslich gemacht haben.

Did you like this? Share it:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*