Sommernachtstod von Anders de la Motte

Ein Kind verschwindet. Ein Dorf schweigt.
Seit der kleine Billy an einem Sommerabend vor zwanzig Jahren spurlos verschwand, liegt ein Schatten über dem Dorf Reftinge, in Südschweden.
Nun kehrt die Therapeutin Vera in ihrem Heimatort zurück, die ältere Schwester. Es gefällt nicht allen, dass sie Fragen stellt und Aufklärung möchte…

Meine Meinung und Fazit:

Ein Buch über das Verschwinden eines kleinen Jungens. Eigentlich verrückt, so was als Mutter zu lesen, dachte ich mir dann, als ich endlich Zeit hatte, das Buch in Ruhe zu lesen. Ein Buch, was einen beschäftigt, denn ohne Aufklärung über das Verschwinden, ohne Leiche, kommt die Familie nicht zur Ruhe. Genau dies schafft Anders de la Motte mit seinem Buch, er setzt es um und bettet dies gekonnt in die Ermittlungs- und Aufklärungsarbeit 1983 ein.

Eine Familie und der leitende Ermittler zerbrechen fast an der fehlenden Aufklärung rund um Billy. Die Mutter, Magdalena, kam mit dem Verschwinden ihres Kindes nicht klar, und beging Selbstmord. Vera ist unsteht, kommt nicht zur Ruhe, lebt an verschiedenen Orten, kommt kaum nach Hause, besucht nicht ihren einsamen Vater. Wahrscheinlich nicht um dem Leid ins Gesicht zu schauen und all den Erinnerungen ausgesetzt zu sein. Sie leidet sehr darunter. Sie ist Therapeutin für Trauerbewältigung und kommt mit ihrer eigenen Trauer nicht klar. Analog der Redensart „Der Schuster, hat die schlechtesten Schuhe/Rappen.“

Das Buch ist in zwei Zeitebenen eingeteilt. Der Sommer 1983, rund ums verschwinden Billy‘s und dem Ermittler Månsson und 20 Jahre später, als Vera mit ihren Ermittlungen beginnt. Das Buch steuert unaufhaltsam der Aufklärung entgegen und vor allem zum Schluss kann man das Buch nicht weglegen und man hält den Atem an.

Folgende Buchzitate passen zur Situation des Buches. Billy‘s Bruder Mattias nannte das Dorf Schattenreich Kapitel 13 „Das Schattenreich ist riesig, trotzdem sieht man es nie in den Nachrichten, außer wenn etwas Schlimmes passiert ist. Die restliche Zeit über verbirgt es sich hinter Bahnhofsnamen, die am Zugfenster vorbeisausen, oder hinter Ausfahrten, die man nie wählt, all diese halb bekannten Orte, an denen man vorbeifahren muss, um anderswohin zu kommen.“
Oder über die Hoffnung: Kapitel 29 Mattias zu Vera „Manchmal will man so gerne, dass etwas wahr ist, dass man für die Wahrheit blind wird.“

Ein Lob auch an den Verlag Droemer für die Gestaltung des Covers, schwarz-weiß, trist, passend zur Stimmung des Buches. Das typische Haus eines Schwedische Dorfes jedoch in rot abgesetzt, wie der Autorenname. Und innen in der Klappbroschüre, ein Wald mit dem Abendrot bzw. dem typischen Licht der nordischen Länder.

Eine klare Leseempfehlung zum Ende des Jahres. Mein Dank geht an das Team von kriminetz.de und den Droemer Knaur Verlag für das bereitgestellte Reziexemplar.

Daten:
Titel: Sommernachtstod
Autor: Anders de la Motte
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Droemer TB (Mai 2018)
ISBN: 978-3426306246
Originaltitel: Slutet paa sommaren

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