Türchen 17: Sonnige Weihnachten

Heute gibt es Grüße aus dem sonnigen Süden – aus Mallorca – wo die Autorin Elke Becker zu Hause ist. Sie erzählt uns, wie sie Weihnachten erlebt und schmückt diese Erzählung mit Fotos aus ihrer Wahlheimat.

Hallo ihr Lieben,

als Katja mich gefragt hat, ob ich einen Weihnachtsbeitrag schreiben möchte, war ich ein wenig hin- und hergerissen. Wie die meisten wissen, lebe ich auf Mallorca und da läuft das Weihnachtsfest einfach anders ab.

Dann dachte ich, vielleicht interessiert es euch ja, wie Weihnachten auf Mallorca gefeiert wird.

Für mich war die Weihnachtszeit – als ich noch einen normalen Bürojob in Deutschland hatte – immer Reisezeit. Die Firma machte zu, also packte ich meinen Rucksack und trieb mich irgendwo in der Welt herum. Meine Eltern sind also Kummer gewohnt.

Wenigstens lebt mein Bruder samt Familie in Deutschland und feiert Weihnachten mit Baum, Deko, leckerem Essen, Lieder singen, Plätzchen backen und Geschenken für die Kinder und meine Eltern sind dort immer mittendrin.

Weihnachten hat für mich persönlich – ich habe keine Kinder – schon lange keine große Bedeutung mehr. Religiös bin ich auch nicht und im Schwabenland sind die letzten weißen Weihnachten, wie ich sie als Kind geliebt habe, auch schon Jahre her.

Dafür durfte ich im Laufe der Jahre Weihnachten in anderen Ländern verbringen. Das hat auch seine tollen Seiten.

In Mexiko erinnert die Deko schon sehr an die USA. Da stehen Plastik-Weihnachtsmänner am Strand, die Palmen werden mit grellen Lichterketten geschmückt und in der Karibik läuft dann schon 24 Stunden am Tag „We wish you a Merry Christmas“ aus einer für deutsche Verhältnisse gruselig kitschige Krippe. Nach Tag 3 kann man das Lied im Leiherkastenmodus kaum noch ertragen und man schickt sich gerne an, den Platz großräumig zu umkreisen, um wenigstens eine Abwechslung der Musik zu bekommen. UND – an Heiligabend wird geböllert, was das Zeug hält. Also besinnlich sieht anders aus.

Hier auf Mallorca ist es auch ein Familienfest, wie man es in Deutschland gewohnt ist. Pünktlich zum 1. Advent geht die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten und Örtchen an (nur dieses Jahr nicht – man muss sparen, daher wird der Schalter ganz feierlich erst am 3. Dezember umgelegt).

Palma erstrahlt in wundervollstem Weihnachtsglanz. Die Palmen sind geschmückt und an jeder Ecke gibt es einen Weihnachtsmarkt, der Figuren und Material für eine Krippe verkauft. Dazu trinkt man heiße Schokolade und isst Churros, ein mallorquinisches Spritzgebäck, das an Krapfen erinnert.

Es gibt auch Weihnachtsmärkte in einigen Orten, die schon recht „deutsch“ anmuten. Dort gibt es dann auch Plätzchen, Würstchen und Glühwein – aber eben auch kühlen Weißwein, Sushi und spanische Tapas. Ein bunter Mix eben, so wie die Einwohner der Insel eben auch ein bunter Mix sind.

Meinen letzten Glühwein habe ich vor über 10 Jahren getrunken. Er schmeckt mir bei 18 Grad und Sonnenschein einfach nicht. Die Einheimischen lieben ihn dennoch und schauen mich manchmal etwas mitleidig an, wenn ich dann doch lieber ein kaltes Getränk bestelle.

Weihnachtsbäume? Fehlanzeige. Wobei in den letzten Jahren vermehrt auch welche aus Deutschland eingeflogen werden. Hier baut man zu Hause (auch in allen Kirchen) wunderschöne Krippen auf.

Adventskranz gibt es aus Plastik oder man geht auf die abenteuerliche Jagd nach frischen Tannenzweigen in den Gärtnereien. Das ist immer spannend. Bekommt man heute Zweige? Bisher hatte ich immer Glück, wenn ich auch meist mehrfach einen Versuch starten musste, um tatsächlich Zweige zu bekommen.

Denn so ganz ohne Deko geht es eben auch bei mir zu Hause nicht. Ein schönes Gesteck mit Kerzen ist auch schön, wenn es draußen nicht so kalt ist. Denn dunkel wird es hier ja schließlich auch 😉 und meine Schwester kommt an keinem Weihnachtsstern vorbei.

An Heiligabend – ich wohne mit meiner Schwester zusammen – kochen wir und der Abend steht im Zeichen der Familie. Wenn die auch weit weg ist, so kann man sich ja mit der heutigen Technik doch schön zuschalten und so sind wir auch immer irgendwie live mit dabei.

Die Mallorquiner verbringen den Tag ebenfalls zu Hause und gehen nach dem Essen in die Kirche (oder auch feiern). Für die Kinder haben sich die vielen Touristen und zugezogenen Ausländer als Glücksfall erwiesen. Denn: eigentlich gibt es hier kein Christkind, das Geschenke bringt. Bis vor wenigen Jahren gab es also keine Geschenke an Weihnachten.

Es gibt auch nur den 1. Weihnachtsfeiertag. Und da die spanischsprachigen Länder sich die Feiertage gerne so legen, dass sie auch tatsächlich einen freien Tag bekommen, gibt es dieses Jahr auch einen 2. Weihnachtsfeiertag (wenn der auch 1. Weihnachtsfeiertag genannt wird). Denn der Heilige Abend ist ein Samstag, damit wäre der 1. Weihnachtsfeiertag ein Sonntag und das geht ja nicht, denn den Tag hat man ja sowieso frei. Also wird der Feiertag auf den Montag weitergeschoben. Nicht blöd, oder? So kommen die Arbeitnehmer dieses Jahr auch in den Genuss eines 2. Weihnachtsfeiertags.

Diese Regelung hatte ich auch schon schmerzlich in Venezuela erlebt. Das war noch zur Zeit der Reiseschecks. Kreditkarten wurden eher sehr selten benutzt bzw. akzeptiert. Ich stehe also hoffnungsvoll an einem „normalen“ Montag vor der Bank. Die Geschäfte hatten geöffnet, nur die Bank hatte geschlossen. Ich konnte es mir nicht erklären, bis mir jemand gesagt hat, dass Bankfeiertag ist, denn am Sonntag wäre ja der 1. Weihnachts-Feiertag gewesen. Diese Logik hat sich mir damals im zarten Alter von 20 Jahren nicht erschlossen und mich vor ein ernsthaftes Problem gestellt. Ich bin nämlich nur mit wenigen Dollarnoten am Freitagabend angereist und hätte dringend Geld gebraucht, um ein Dach über dem Kopf bezahlen zu können. Ich war schon sehr verzweifelt, denn Reiseschecks sind eben kein Zahlungsmittel. Meine Verzeiflung war wohl in einem Geschäft doch groß genug zu spüren, dass mir der Chef eine kurze Hose verkauft und mir das Restgeld ausbezahlt hat. Nur wechseln wollte er den Scheck nicht. Wir haben es beide nicht bereut. Die Bank hat den Scheck tatsächlich am Dienstag eingelöst. (Ich hatte versprochen am Dienstag nochmals im Laden vorbeizugehen, um zu prüfen, ob er Probleme bekommen hat.)

Ob mich das jetzt beruhigen sollte, dass man mir im Ernstfall meine (versicherten) Schecks hätte klauen und auf der Bank einlösen können? Ich habe den Gedanken einfach ignoriert. Immerhin hat mir der Mann aus einer sehr misslichen Lage geholfen.

So, nun zurück nach Mallorca. Die Kinder bekommen also am Heiligabend nur ein kleines Geschenk, um die Stimmung nicht zu zerstören, sollte das deutsche Nachbarskind an Weihnachten stolz mit dem neuen Spielzeug auf der Straße anzutreffen sein.

Ohne was man hier nicht auskommt, ist die Weihnachtslotterie „Der Dicke“ und man kann wirklich dick gewinnen. Ich persönlich kenne niemanden, der dort nicht mitspielt. Auch ich kann mich diesem Run nicht entziehen. Und da es meist Serien sind und man sich für 20€ ein Zentellos kauft, regnet es in mehreren Orten gleichzeitig am 23. Dezember Champagner, da die Gewinner alle am gleichen Ort wohnen. Es gewinnt die Serie, was dann meist das ganze Dorf bedeutet. Ich hatte ja erwähnt, es gibt keinen, der kein Los kauft. Und wer kein Geld dazu hat, leiht es sich von irgendjemandem. Das war hier schon immer Sitte und wird in ganz Spanien nicht anders sein.

Weihnachten ist hier zwar sonnig und ohne Weihnachtsbaum, aber dennoch sehr familiär, besinnlich und kommerzfrei. Die Kinder müssen sich hier nämlich bis Heilige Drei Könige gedulden. DAS ist dann für alle Eltern der teuerste Tag im Jahr. Und es macht auch irgendwie mehr Sinn, dass die Heiligen Drei Könige die Geschenke bringen. War der Geschichte nach damals ja nicht anders. Die Weisen aus dem Morgenland folgten dem Stern und landeten im Stall und brachten dort die Geschenke.

Und da wir hier auf einer Insel sind, und wir hier eher Esel als Kamele haben, aber die Kinder schlau sind, kommen die Heiligen Drei Könige tatsächlich mit dem Boot angefahren. Und sie bringen die Geschenke. In Palma ist es zwar nicht mehr ganz so traditionell und es erinnert schon fast an einen Karnevallsumzug, aber in den Dörfern an der Küste ist es noch so, wie es hier seit ewigen Zeiten gefeiert wird. Die Eltern geben auf der Gemeinde die Geschenke ab, die Heiligen Drei Könige halten Einzug und verteilen dann die echten Geschenke. Als ich dieses besondere Ereignis das erste Mal gesehen habe, war ich absolut verzaubert. Die Kinderaugen, die Fassungslosigkeit ausdrückten, weil drei Fremde IHRE Wunschgeschenke brachten, war etwas ganz besonderes. Die knisternde Aufregung ist mit Händen zu greifen und verzaubert jedes mal aufs Neue.

Mein Weihnachten ist also ein ruhiges, ohne Baum, mit wenig Weihnachtsdeko und ohne Geschenke – die Kinder meines Bruders bekommen genug geschenkt und ich schenke eben dann, wenn mir was passendes einfällt oder ich in Deutschland bin. Und mit meiner Schwester habe ich vereinbart, dass wir das Geld für unsere gegenseitigen Geschenke spenden. Wir verbringen den Abend gemütlich mit einer Liveschaltung in die alte Heimat und den 1. Weihnachtsfeiertag verbringen wir mit Freunden bei einem leckeren Essen und einem Verdauungsspaziergang am Strand. Und wenn am 5. Januar die Heiligen Drei Könige auf der Insel landen, bin ich wieder mit dabei, denn da liegt dann wirklich eine spezielle Stimmung in der Luft.

So ihr Lieben, egal, wo ihr auf der Welt auch seid: Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest mit euren Lieben. Das kann im Schnee sein, am Strand, im Schneeregen, im schmuddeligen Nebelwetter oder bei strahlendem Sonnenschein. Es kommt nicht darauf an, wo man feiert, sondern mit wem!

Und ganz zum Schluss möchte ich mich noch bei euch bedanken. Dafür, dass ihr den Beitrag zu Ende gelesen habt, mich hoffentlich jetzt nicht für einen absoluten Weihnachtsmuffel haltet und natürlich auch dafür, dass ihr mich mit dem Lesen meiner Bücher das ganze Jahr über unterstützt und mir Nachrichten schickt, meine Posts kommentiert und mir durch eure Begeisterung ermöglicht, vom Schreiben zu leben. Das ist für mich das schönste Geschenk, das ich von euch bekommen konnte.

Liebe Grüße
Eure Elke Becker

Ich bin jetzt mal ganz neugierig: Feiert ihr Weihnachten zu Hause? Oder seit ihr unterwegs und feiert somit ganz woanders? An welchem Ort der Welt könntet ihr Euch vorstellen, einmal Weihnachten zu feiern?

Unter allen, die hier bis zum 23. Dezember 2016 kommentieren, verlose ich das Buch „Hot Dogs zum Frühstück“ von Elke Becker.

 

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7 Responses to Türchen 17: Sonnige Weihnachten

  1. Dorit Kostall sagt:

    Liebe Elke, vielen Dank für diese wunderbaren Einblicke in dein Weihnachtsfest. Seit ich dieses Jahr im Mai zum ersten Mal auf deiner schönen Insel war, habe ich viele tolle Bilder im Kopf, wenn du erzählst. 🙂
    Unser Weihnachtsfest hier in Dresden läuft schon sehr familiär ab, aber ich will das auch so. Heiligabend sind nur mein Mann und mein Sohn da, so ist es wirklich gemütlich, kuschlig und schön. Und am zweiten Feiertag rückt dann die komplette Familie an (12 oder 13 Leute), weil sie alle meine geschmorten Gänsekeulen mögen. 🙂 Aber auch dieser Tag ist schön, weil wir uns sonst nicht so oft sehen und immer viel zu lachen haben. Außerdem sind seit diesem Jahr vier Generationen an einem Tisch, das hat schon was.
    Liebe Grüße und fröhliche Weihnachten an alle!

  2. Wir feiern Heiligabend in Barcelona mit deutscher Tochter und spanischem Schwiegersohn ganz deutsch mit Weihnachtsbaum ( kein Problem zu kaufen), mit schönem Dinner und Geschenken. Die Heiligen Drei Könige feiern wir dann ganz spanisch. Es bt nur noch ein symbolisches Geschenk, aber es sind ja auch noch keine kleinen Kinder im Haus.

  3. Simone sagt:

    Ich liebe Mallorca😍 Letztes Jahr hatten wir eine Finca in Selva😍 Es war einfach Traumhaft Mallorca fern ab von Tourismus kennenzulernen. 2018 gehts wieder los😍

    Weihnachten feiern wir mit der kompletten Familie…..es können dann schon mal 15 Personen unter dem Weihnachtsbaum sitzen. Ich würde Weihnachten gerne mal in einer kleinen verschneiten Berghütte mit Kamin feiern😍

    LG Simone
    Ps toller Bericht

  4. Andrea sagt:

    Ich mag es Weihnachten familiär und gemütlich. Wir verbringen Zeit gemeinsam, schmücken einen Baum und Essen gut. Man trifft Freunde, besucht einen Weihnachtsmarkt und lässt es sich nach Möglichkeit gut gehen. Eine wundervolle Adventszeit wünscht Andrea 🎄 ❄ ⛄ 💝

  5. Steffi sagt:

    weihnachten feiere ich immer bei meinen eltern in bayern und momentan kann ich mir nicht vorstellen, woanders zu feiern. wenn, dann müsste die ganze familie mit…

  6. Katja sagt:

    Hallo,
    wir feiern den heiligen Abend im kleinen Kreis (Mein Ehemann und unsere 2 Jungs). Am 1. und 2. Feiertag werden die Omas und Opas besucht.
    Wenn wir woanders Weihnachten feiern würden,
    wäre das z.B. Österreich. Dort machen wir gerne Urlaub.
    LG Katja 🙂

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