Türchen 19: Rezension zu „Weihnachten am Siljansee“ von Linnea Holmström

Heute ist wieder einmal Karin an der Reihe und sie entführt uns mit ihrer heutigen Rezension nach Schweden, in ein kleines Dorf um die Weihnachtszeit.

Weihnachten am Siljansee von Linnea Holmström

In einem kleinen schwedischen Dorf bangt Inger, die Leiterin eines kleinen Kinderheims um ihre Existenz. Das Geld ist mehr als knapp und stets gehen neue Dinge kaputt. Dass sie mit der Miete im Rückstand ist, war bisher nie ein Problem, Hausbesitzerin Augusta war immer die größte Unterstützerin des Heims. Bevor sie jedoch ihr Testament ändern kann um Inger zu begünstigen, stirbt sie.

Ihr Neffe Per erbt nun alles. Der wiederum hat seine Gründe Tante Augusta zu hassen und will den Erbschaftskram schnell hinter sich bringen…

Bei diesem weihnachtlichen Roman bin ich etwas zwiegespalten. Die Geschichte an sich ist süß, die Protagonisten sympathisch und alle Zutaten für einen schönen weihnachtlichen Roman sind vorhanden. Die Stimmung ist besinnlich und die schwedischen Weihnachtsbräuche haben mir gut gefallen.

Klar, dass die Stimmung besinnlich ist. Es geht schließlich um ein Kinderheim. Kinder sind immer gut für einen gefühlvollen Roman. Waisenkinder erst recht.

Und es gibt gleich zwei Liebespaare. Was will man mehr?

Dennoch hätte man für mich aus dieser Geschichte weit mehr herausholen können. Das vorhandene Potential wird leider etwas verschenkt. Und Potential gibt es genug in diesem Roman. Da ist die kleine traumatisierte Lotta, die jedoch Per sofort in ihr Herz schließt, dann ist da der Teenager Jesper, der um sein Zuhause kämpfen möchte (und das nicht immer mit den richtigen Mitteln).

Alleine die beide hätten noch mehr Stoff für zu Herzen gehende Anekdoten geboten und sie sind nicht die einzigen Kinder in der Villa Pusteblume.

Genervt war ich etwas auch von Malena, Ingers Schwester. Ihre Art nicht zu sagen, was mit ihr los ist, aber ihrer Schwester ständig Vorwürfe zu machen, fand ich unmöglich. Dem Leser ist natürlich schnell klar, was eigentlich mit ihr los ist, aber Inger kann ja schließlich nicht hellsehen.

Das Hauptproblem der ganzen Geschichte ist allerdings das Hauptpaar. Das fängt schon damit an, dass man keine gute Erklärung bekommt, wieso Per dem Kinderheim ausgerechnet in der Weihnachtszeit kündigt. Das ist einfach unglaubwürdig, wo er doch an anderer Stelle beweist, dass er ein weiches Herz hat. Er kümmert sich liebevoll um einen fremden, verletzten Hund und die demente Gerda darf in seinem Haus ein und aus gehen wie sie will. Und dann will er Waisenkindern das Dach über dem Kopf nehmen? An Weihnachten?Ja, klar.

Sein Ärger auf seine Tante ist zwar verständlich (obwohl man aus dieser tragischen Geschichte sicher auch mehr hätte machen können), erklärt aber nicht wirklich seine Reaktion auf das Waisenhaus.

Schlimmer ist jedoch die Liebesgeschichte. Sie ist leider der Gipfel der Unglaubwürdigkeit. In anderen Liebesromanen fühlt man zwischen streitenden Parteien das unterschwellig lodernde Feuer der gegenseitigen Anziehung. Hier herrscht jedoch absolute Eiszeit. Da fliegen keine Funken und es gibt nicht mal ein kleines Bisschen Romantik. Die plötzliche Liebe kommt buchstäblich aus dem Nichts. Ganz plötzlich und ebenso so plötzlich hat man dann auch schon das Ende des Romans erreicht. Innerhalb weniger Seiten lösen sich alle Probleme und alles ist vorbei. Da hätte ich mir doch mehr gewünscht.

Fazit: Schöner weihnachtlicher Liebesroman, der jedoch sein volles Potential nicht ausschöpfen kann und an einer unglaubwürdigen Liebesgeschichte krankt.

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