Zu viel und nie genug von Mary L. Trump

Biographien oder Erinnerungen an ein Ereignis / einen Lebensabschnitt zu rezensieren finde ich immer besonders schwierig, da man dann damit auch irgendwie über das Leben eines Menschen, seine Handlungen und Beweggründe urteilen würde.

Wenn ein anderer – egal ob Familienangehöriger oder Journalist – ein Zeitzeugnis über eine noch lebende und vielleicht im Amt befindliche Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ein Buch schreibt, stellt sich für mich immer zuerst eine Frage: Ist es objektiv geschrieben oder eher eine Abrechnung.

Man kann über Donald Trump denken was man will, man kann von ihm halten was man will – aber auch hier stellt sich gleich von Anfang an die Frage: Fair geschrieben oder eine Abrechnung?

Gleich zum Anfang gesagt: Ich mag ihn nicht. Ich kenne ihn nicht, ich kenne nur das Bild welches von ihm selbst durch seine Aktionen und von den Journalisten gezeichnet wird. Und das ist alles andere als sympathisch.

Bei dem Buch hatte ich ein kleines bisschen die Hoffnung, dass es erklärt, warum er sich ist, wie er zu dem Menschen geworden ist, der sich heute der Öffentlichkeit präsentiert.

Ich habe das Buch erst angefangen zu lesen, dann nur noch quer gelesen irgendwann und weiß eines mit Sicherheit. Ich bin ratlos. Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll und ich weiß nicht, ob ich es weiterempfehlen kann.

Erwartet hatte ich eigentlich, so wie vollmundig angekündigt, ein sensationelles Enthüllungsbuch über den derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Doch wenn man sich das Buch so betrachtet, spielt er eigentlich die kleinste Rolle in dem 280 Seiten umfassenden Abrechnungswerk. Denn etwas Anderes ist es glaube ich nicht. Es ist die Abrechnung von Mary Trump mit ihrer Familie. Sie verarbeitet in dem Buch die Enttäuschung über ihren Großvater, ihren Vater und hauptsächlich über das ihr vorenthaltene Erbe. Donald Trump selber kommt nur am Rande vor.

Beim Lesen wird dreierlei klar: es ist eine Abrechnung mit einer sehr manipulativen Familie in der Geld das wichtigste ist; es ist aber bei weitem nicht das Buch, das ich erwartet habe. Psychologische Fakten, wie ich es bei ihrem Berufsbild erwartet hätte, fehlen. Aber es ist teilweise staubtrocken und birgt sehr viele Wiederholungen – was wiederum leider „typisch“ für Sachbücher ist.

Es ist ein kleines Puzzlestück, welches einen Einblick in das Leben von Donald Trump bietet. Aber es ist nichts Weltbewegendes und wer hier absolut neue Erkenntnisse erwartet, wird enttäuscht sein.

Gutes Mittelmaß – mehr ist es leider nicht und daher nur 2,5 von 5 Sternen für das Buch.

Daten:
Autor: Mary L. Trump
Titel: Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf
Originaltitel: Too Much And Never Enough
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
ISBN: 978-3453218154
Herausgeber: Heyne Verlag (August 2020)

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