Minni: ein Gasthund erobert mein Herz

Heute ist mal wieder Susanna an der Reihe, uns etwas zu erzählen. Sie lässt uns an ihrer Liebe zu Minni teilhaben, einem traumhaft süßen, frechen und unwiderstehlichen Schäferhund, der auch das Herz von Markus und mir – und auch von unserer kleinen Tochter – im Sturm erobern konnte. Ich liebe Hunde, aber hatte selbst noch nie einen. Aber dafür haben ich und mein Dad zwei Katzen, die viel Freude verbreiten. Trotzdem habe ich mir schon immer einen Hund gewünscht und, seitdem ich im Rollstuhl sitze, recherchiere ich über die Möglichkeiten eines Rollstuhlbegleithundes. Es gab aber immer Hinderungsgründe und dass ein Hund sehr viel Verantwortung bedeutet wurde mir neulich immer deutlicher.

Die Möglichkeit, das Leben mit Hund kennenzulernen gaben mir Freunde der Familie. Sie haben 2 Hunde.

Kira, eine 12-jährige Hündin, hatte ich eine Woche im Dezember 2016. Wir alle – mein Dad, die Besitzerin und ich – waren eigentlich der Meinung, dass ich mit Kira sehr gut zurechtkomme, da sie altersbedingt recht ruhig sei. Dass dies ein Irrtum war, zeigte sich sehr schnell. Es war mir nicht möglich mit Kira alleine spazieren zu gehen, da sie so viel ungestüme Kraft hatte, dass sie mich glatt aus dem Rollstuhl hätte ziehen können. Wenn uns andere Hunde begegneten, war sie kaum zu halten. OK, das war eine überraschende Erfahrung, trotzdem habe ich die Zeit in guter Erinnerung.

 

Im Sommer sollten wir dann Minni nehmen, einen 5-jähriger Schäferhund-Mischling, und ja Minni ist ein Junge 😉 (wie der Name zustande kam ist nicht ganz so schön). Diesmal haben wir einen Probespaziergang vorher gemacht, um zu sehen, ob Minni und ich miteinander auch außerhalb eines Grundstückes zurechtkommen, und was soll ich sagen, es war toll. Minni lief sofort gut am Rollstuhl, ignorierte teilweise andere Hunde bzw. stellte sich schützend vor mich, falls ein Hund aggressiv auf uns zuging. Ich war verliebt.

Dann begannen die 2 Wochen. Dies hieß für mich teilweise um 5 Uhr aufstehen (manchmal etwas später), um mit Minni spazieren zu gehen, dann zur Arbeit (tagsüber blieb Minni bei Papa). Sobald ich von der Arbeit kam, wieder mit dem Hund los und abends dann nochmal, so ein Schäferhund möchte sich ja bewegen.

Das am Rollstuhl laufen wurde mit jeden Spaziergang auch ohne Leine immer besser, er ließ sich sehr gut zum Rollstuhl rufen, wenn andere Hunde uns entgegen kamen, dabei nahm Minni fast immer eine beschützende Position vor meinem Stuhl ein. Ich wurde  schnell zur Hauptbezugsperson. Zweimal durfte ich Minni mit zur Arbeit nehmen, auch hier zeigte er, dass er ein Vorzeigehund sein konnte, der allerdings auch sehr sensibel war. Als ein Klient etwas lauter wurde, kam Minni sofort von seinem Platz, legte seinen Kopf auf meine Beine und knurrte meinen Klienten leise an. Nach einem 7 Stunden Tag, zwischendurch haben wir einen langen Spaziergang gemacht, legte sich Minni vor die Tür und ließ keinen mehr in mein Büro ;).

Was mir die Zeit mit Minni zeigte war folgendes:

  1. Minni tat mir richtig gut, das Aufstehen fiel mir viel leichter und ich bewegte mich definitiv deutlich mehr als vorher! Aber auch seelisch tat er mir gut, egal ob durch das viele Spazieren gehen (ich habe inzwischen viele Bilder von Sonnenuntergängen) oder durch das Kuscheln zwischendurch.
  2. Ich war angebunden, spontane Termine waren nur schwer möglich, wenn ich die Betreuung von Minni durch meinen Papa nicht sicherstellen konnte (wenn Minni sich langweilt oder alleine ist geht er gerne in der Gegend spazieren und verschreckt die Leute).
  3. Man muss viel mehr kommunizieren. Es ist leider nicht überall möglich Hunde mitzunehmen, aber manchmal hilft es zu fragen. Wir waren im Strandbad (das einzige in der Gegend mit Lift), hier herrscht Hundeverbot. Durch nettes Fragen schaffte ich es dann, dass Minni mit rein durfte solange er bei mir und an der Leine blieb. Minni saß während der ganzen Zeit des Fragens (es hat etwas gedauert bis wir den Verantwortlichen vor uns hatten) ganz lieb bei mir und zwischen ihm und dem Stuhl passte kaum ein Stück Papier. Auch während des Badens – Minni lag unterm Schirm – war er so friedlich, dass sogar die Bademeister mit Leckerlis kamen;).
  4. Einfach mal faulenzen ist nicht, so ein Hund möchte regelmäßig raus und auch nebenbei beschäftigt werden, sodass wir nicht nur das am Rollstuhl laufen immer wieder übten, sondern auch anfingen zu üben, das Minni mir etwas aufhebt. (Pfötchen heben kann der kleine Schlawiner ;))

Inzwischen habe ich Minni – wann immer ich Zeit habe – öfter mal für ein paar Tage, in den Herbstferien wieder für länger und es tut uns beiden gut. Ich bewege mich mehr und habe für jemanden Verantwortung und Minni passt auf mich auf, das ist schließlich auch Arbeit für den Hund ;). Wir werden weiter am Aufheben und geben üben, das klappt noch nicht.

Und ich komme meinen Traum etwas näher, aber darüber erst im neuen Jahr 😉

Wie gesagt, wir durften Minni kennenlernen, durften erleben was für eine tolle Einheit Susanna und er – ja es ist ein Rüde – bilden. Wir durften erleben wie Susanna aufblüht wenn er in der Nähe ist. Und so wünschen wir ihr von ganzem Herzen, dass ihr großer Traum in Erfüllung geht.

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