Auf diesem Blog dreht es sich rund um Bücher, Rezensionen, Buchvorstellungen, Interviews und das Kochen von leckeren Speisen aus Topf und Pfanne.

Florentine trifft … Frauke Angel

Es ist kurz vor 13 Uhr als wir auf der Leipziger Buchmesse den Stand von Penguin Jugendbücher ansteuerten, wo sich Florentine mit der Autorin Frauke Angel zu einem Interview verabredet hatte. Es war ein schöner Moment für meine Tochter, die mit einer warmen und herzlichen Umarmung von Frauke begrüßt wurde. Die beiden suchten sich einen Platz am Stand und ganz schnell begann das Gespräch zwischen den beiden und Florentine konnte ihre Fragen stellen.

Florentine:  Warum bist du Autorin geworden?

Frauke: Das ist die schwierigste Frage überhaupt, weil die Antwort ein bisschen länger ist. Ich hatte ja schon einen ganz tollen Beruf, den ich sehr geliebt habe, ich war Schauspielerin am Theater. Aber dann habe ich Kinder bekommen und die Arbeitszeiten am Theater sind echt schlecht. Noch dazu kommt, das ich sehr viel gereist bin, da ich an vielen Theatern gespielt habe, aber nie da wo ich gewohnt habe und da konnte ich die Kinder ja nicht mitnehmen. Und die immer alleine beim Papa zu lassen hatte ich auch keine Lust. Das war der erste große Grund. Und dann ist noch etwas ganz Schlimmes passiert in meinem Leben, meine Mama wurde ganz schwer krank, so dass ich angefangen habe, meine Mama zu pflegen. Zwei Jahre lang habe ich gar nicht mehr gearbeitet, auch keine Theaterstücke mehr gespielt. Und in diesen zwei Jahren habe ich richtig Angst bekommen. Was mache ich denn hier, ich verdiene kein Geld mehr und mir wurde langsam auch langweilig, denn meine Mama hat ganz viel geschlafen. Also habe ich an ihrem Krankenbett angefangen, Geschichten zu schreiben. Da war mir noch nicht so richtig klar, dass ich damit vielleicht Autorin werden könnte. Nach zwei Jahren ist meine Mama gestorben und ich hatte ganz viele Geschichten zusammen. Und dann hat eine Freundin zu mir gesagt „Die musst du aber jetzt auch mal jemanden anderen zu lesen geben.“ und dann habe ich das gemacht. Und zack – plötzlich war ich Autorin.

Florentine:  Das ist cool.

Frauke: Ja stimmt’s. Das ist eine coole Geschichte und das Ende ist zumindest für mich gut.

Florentine: Wie ist es für Dich, Autorin zu sein, die Messe hier zu erleben und mit deinen Lesern zu plaudern?

Frauke: Das sind aber drei Fragen 🙂

Also, Autorin zu sein ist super gut, ich habe ganz viel zu erzählen. Ich mach ja auch eine Mischung aus: ich schreibe Bücher und ich lese daraus vor. Ich kann somit überall arbeiten wo ich will, wenn ich schreibe und dann habe ich meine Bühne mit den Lesungen. Autorin ist der beste Beruf überhaupt finde ich.

Die Messe hier zu erleben – also heute bin ich das erste Mal so richtig müde hier schon angekommen. (Frauke hatte am Vortag eine Lesung in Köln). Die Messe ist immer sehr anstrengend, ich habe ja viele Termine, treffe mich mit Leuten und es ist sehr laut. Und es gibt immer sehr viele Bakterien hier – viele sind nach der Messe erkältet. Ich nicht, ich bin diesmal schon vor der Messe ein bisschen erkältet. Ansonsten, ich liebe die Messe, ich treffe hier viele tolle Menschen so wie dich zum Beispiel.

Und das wäre die dritte Frage: natürlich ich bin nur hier um zu plaudern, entweder über meine Bücher oder mit netten Menschen über ihre Bücher. Oder um mir Veranstaltungen anzugucken von Leuten, die ich sonst nicht sehen kann, weil sie zu weit weg sind. Ich gucke ja dann auch noch in die anderen Hallen, zu den erwachsenen Büchern rein. Aber: Messen sind immer anstrengend, vor allem der Geräuschpegel.

Gefällt dir denn eigentlich die Messe?

Florentine: Ja, richtig super. Aber es ist echt voll. Und ich habe schon viele Bücher entdeckt.

Frauke: Genau, ich schau dann auch immer, welche Bücher ich als nächstes Lesen will. Und jetzt sag ich was, das hören die hier nicht gerne. Ich kaufe hier nie Bücher auf der Messe. Ich fotografiere die immer ab und kauf sie später im Buchladen. Zum einen weil ich keine Bücher hier rumschleppen und zum anderen will ich ja auch meinen persönlichen Lieblingsbuchladen unterstützen.

Florentine: Wie viele Bücher hast du schon veröffentlicht und welches davon ist dein Lieblingsbuch?

Frauke: Also, wenn ich richtig gezählt habe, ist dieses neue Buch, das hier liegt, das „Logbuch einer Himmelsstürmerin“ mein 20. Buch und mein Lieblingsbuch ist immer das, an dem ich gerade arbeite. Das geht gar nicht anders. Das aktuelle Buch ist immer das, das mich motiviert zu schreiben.

Florentine: Was war dein erstes Buch, das du geschrieben hast?

Frauke: Da ist jetzt ein bisschen problematisch, denn ich habe drei erste Bücher. Ich habe Bücher geschrieben, hatte die Manuskripte in der Schublade und als die Freundin gesagt hatte, das musst du jetzt aber auch mal wegschicken, da habe ich das gemacht. Ich habe das so richtig mit der Post noch weggeschickt, das ist jetzt 10 Jahre her, und dann ist ganz lange nichts passiert. Und mit lange meine ich nicht ein paar Tage, sondern eher einige Wochen und Monate. Und dann, dann haben drei oder vier Verlage angerufen und ich habe alle drei Manuskripte verkauft. An unterschiedliche Verlage. Und das war ein bisschen witzig. Da war ein Bilderbuch dabei und zwei Romane für Grundschulkinder.

Florentine: Hast du als Kind auch schon geschrieben?

Frauke: Jein. Ich habe ein Buch in der 5. Klasse geschrieben, das weiß ich noch genau und ich habe später noch mal gelesen und dann weggeschmissen, weil ich es so schlecht fand. Ich bedauere das heute zutiefst, denn ich würde das jetzt gern noch mal lesen. Da stehen bestimmt so voll crazy Sachen drin. Heute, aus meiner Sicht.

Und dann kommt aber dazu, wir (meine zwei besten Freundinnen und ich) hatten so ein Lesebuch. Das kennt ihr wahrscheinlich gar nicht mehr. Da haben wir uns Sachen hin und her geschrieben, Brief oder Tagebuch. Also ich habe zu Hause etwas reingeschrieben und dann … Stell dir vor du bist meine Freundin. Ich habe da etwas reingeschrieben, habe es dir am nächsten Tag in der Schule gegeben, du hast es mit nach Hause genommen, etwas reingeschrieben und am nächsten Tag wieder mitgebracht. Und das haben wir über Jahre so gemacht, auch über die Ferien und so ging das Buch hin und her. Außerdem habe ich Tagebuch geschrieben.

Diese Bücher hat meine Freundin aufgehoben und mir dann mal irgendwann geschickt, ich habe sie also immer noch.

Dazu musst du auch wissen, ich habe ja eine ganz dolle Lese-Rechtschreibschwäche gehabt. Also wenn ich diese Bücher heute lese, muss ich manchmal sehr lachen. Mein Deutsch war damals so schlecht und ich glaube, niemand anders könnte das heute lesen. Aber meine Freundin, die konnte das und ich auch.

Ich konnte gut lesen. Lese-Rechtschreibschwäche heißt nicht, dass beides gleich schlecht ist. Ich konnte schlecht schreiben, aber gut lesen.

Florentine: Schreibst du gerade an einem neuen Buch?

Frauke: Ich schreibe gerade an zwei Büchern.

Florentine: Kommt man da nicht durcheinander, wenn man an zwei Büchern parallel schreibt?

Frauke: Schreiben ist in dem Fall relativ, es sind unterschiedliche Stadien des Schreibens. Eines ist so gut wie fertig, das ist gerade im Endlektorat wo man nur noch den Feinschliff macht. Eines beginne ich gerade und ein Manuskript habe ich gerade abgeschlossen, das habe ich aber erstmal nur für mich geschrieben. Die letzten 2 bis 3 Monate habe ich an einem Buch geschrieben, das kennt noch keiner, ich habe es noch niemandem gezeigt. Das lasse ich jetzt 2 Monate liegen, dann lese ich das noch mal durch. Richtig parallel an zwei Büchern schreiben, das kann ich nicht. Es gibt ja auch Leute, die parallel zwei Bücher lesen, das klappt bei mir auch nicht. 

Ich beneide die Menschen, hauptsächlich Illustratoren zum Beispiel, die erzählen, dass sie bei der Arbeit Hörbuch, Podcast oder so was hören können. Ich kann das nicht, ich kann ja nicht mal Klaviermusik bei der Arbeit hören. Ich brauch dann wirklich Ruhe.

Florentine:  Also ich lese gern und schreib gerade an einem Buch.

Frauke:  Das ist etwas Anderes. Da finden zwei unterschiedliche Sachen im Gehirn statt. Also das ist kein Problem. Aber jetzt bin ich neugierig. Dein Buch, worum geht es da?

Florentine: Es ist eine Fantasy-Geschichte, von 8 Freunden. Das eine Mädchen wird von ihren Eltern, die gar nicht ihre Eltern sind, auf eine magische Schule geschickt. Sie hat magische Fähigkeiten.

Frauke: Wie machst du das mit dem Schreiben? Schreibst du jeden Tag ein bisschen?

Florentine: Ja, ich versuche jeden Tag ein bisschen zu schreiben, bin aber in den letzten Tagen und Wochen ein bisschen hängen geblieben, weil ich irgendwie nicht wusste wie ich weiterschreiben sollte.

Frauke: Hmm, ich verrate dir jetzt etwas. Ich werde ganz oft bei meinen Schullesungen gefragt, ob ich Schreibtipps habe. Der wichtigste Tipp, denn ich immer sage: Ich müsst ein Ding zu Ende machen. Weil, an den Punkt, an dem du jetzt bist, kommen sie alle an: die Laien aber auch die Profis. Wir kommen alle mindestens einmal an dem Punkt, wo es nicht mehr weitergeht und wo es anstrengend ist und wo wir eigentlich auch eine andere, eine viel bessere Idee haben die wir verfolgen wollen. Deswegen: fangt lieber mit etwas Kleinem an.

Florentine:  Du liest ja nächste Woche im Rahmen unserer Lesenacht bei uns in der Schule. Was hast du geplant für uns?

Frauke & Florentine im Interview

Frauke: Was habe ich geplant. Na, ich bring meinen Schlafsack mit und dann schlafen wir eine Runde *lacht*. Aber was habe ich geplant. Ihr habt euch doch ein Buch gewünscht, richtig?

Florentine:  Ich ja. Aber die Jungs bei mir in Klasse, die sind manchmal etwas lesefaul.

Frauke: Das macht nichts, dafür komme ich ja. Um den Jungs und euch ein bisschen Spaß am Lesen zu bringen und ich glaube, das werde ich schaffen. Vielleicht bringe ich ja auch eine kleine Bestechung mit, etwas kleines Süßes geht ja immer und ihr habt doch bestimmt eure Zahnbürsten dabei.

Nein, das wird bestimmt lustig. Ich bring euch „Tagebuch eines Überfliegers“ mit und vielleicht zeige ich ja auch mein neues Buch. Und außerdem habt ihr dann die einmalige Gelegenheit, mich alles zu fragen. Es sind bestimmt nicht die super vorbereiteten Fragen wie hier bei dir im Interview, manche wollen vielleicht nur wissen wann gehst du abends ins Bett, was ist dein Lieblingsessen … ich werde alle Fragen beantworten. Das verspreche ich, immer, bei allen Lesungen, allen Kindern.

Dann kommen aber auch immer mal Fragen, für die sich dann die Lehrer und Lehrerinnen schämen, aber das müsst ihr bei mir nicht.

Florentine: Bist du aufgeregt? Und freust du dich?

Frauke: Ich freue mich sehr, aber aufgeregt ist etwas Anderes. Die Frage kam gestern auch bei meiner Lesung in Köln in einem ganz großen Theater. Es war die erste Lesung aus meinem neuen Buch und die Veranstalter fragten mich auch, ob ich aufgeregt bin. Ich nenne das immer eine freudige Aufregung und die habe ich tatsächlich vor jeder Lesung. Weil jede Lesung ist anders, auch wenn ich ein Buch schon hundertmal vorgelesen habe, es ist nie gleich. Die Kinder sind immer anders, die Stimmung, der Ort. So ein ungutes aufgeregt sein habe ich aber nicht.

Florentine: Was war damals in der Schule Dein Lieblingsfach?

Frauke: Nicht Deutsch, weil ich ja so schlecht in Deutsch war. Ich rede jetzt mal von meiner Grundschulzeit, ich hatte da eine wunderbare Grundschullehrerin, die wir in fast allen Fächern hatten außer in Sport. Das war eines meiner Lieblingsfächer. Ich bin sehr gerne in die Grundschule gegangen, erst später dann nicht mehr so gerne. Weil ich so viel zu tun hatte mit der deutschen Sprache, das alles aufzuholen. Ich mochte am liebsten glaube ich, Sport, Kunst, Musik und dann auch Deutsch – schließlich habe ich ja mein Deutsch-Abi gemacht. Und später dann auch Philosophie, dass gab es bei uns als Unterrichtsfach. Das gibt es aber nicht an allen Schulen.

Und was sind deine Lieblingsfächer oder dein Lieblingsfach?

Florentine: Das weiß ich gar nicht.

Frauke: Was ist denn dein schlimmstes Fach, dein Hassfach?

Florentine: Biologie mag ich nicht, das hat aber nichts mit der Lehrerin zu tun, sondern mit dem Stoff generell. Und auch weil sich unsere Klasse da echt schlimm benimmt.

Frauke: Ich war in Sport immer total gut.

Florentine: Ich auch, nur bei Basketball jetzt nicht. Mathe mach ich gerne.

Frauke: Da war ich immer schlecht.

Florentine: In Mathe bin ich gut, nur den Mathelehrer finde ich nicht immer gut.

Frauke: Ich finde, gerade in den ersten Jahren, hängt es viel vom Lehrer ab, ob man ein Fach mag oder nicht. Ich habe in der Grundschule meine Klassenlehrerin geliebt. Sie hat mir immer viel Mut gemacht, sie war auch die erste die gemerkt hat, dass ich eine Art Behinderung habe und mich immer unterstützt mit meiner Lese-Rechtschreibschwäche. Sie hat auch durchgesetzt, dass ich aufs Gymnasium gehen konnte, obwohl meine Note in Deutsch gut genug dafür war. 

Florentine: Was war als Kind dein Lieblingsbuch?

Frauke: Ich hatte kein Lieblingsbuch. Ich habe einige Bücher sehr gerne gelesen, ich war lesesüchtig. In der Staatsbücherei bei uns habe ich alles gelesen. Als ich die Kinder- und Jugendbuchabteilung durchhatte, habe ich angefangen die Bücher für Erwachsene zu lesen. Und ich schwöre dir, ich habe Bücher gelesen, da habe ich kein Wort verstanden oder ich habe es falsch verstanden. Das war ein Ort, da bin ich immer gerne hingegangen, und ich habe alles gelesen: Märchen, die Reihen TKKG, Hanni & Nanni, die drei ??? – was es alles gab. Dann bin ich über meine Mama zum Krimi gekommen. Ich habe Shakespeare gelesen. Und nicht, das er nicht schon schwer genug ist zu verstehen, nein. Frauke Angel hat ihn auf Englisch gelesen. Und das wo ich gar kein Englisch konnte. Ich war nämlich auf einer Latein-Schule. Aber ich fand es trotzdem cool. Auf der anderen Seite gab es dann immer die deutsche Übersetzung. Ich habe also wirklich viel gelesen und kann daher gar nicht sagen, was mein Lieblingsbuch war.

Florentine: Hat dir deine Mama als du klein warst, auch immer vorgelesen?

Frauke: Nein. Ich komme nicht aus einem Elternhaus, wo dafür Zeit gewesen wäre. Meine Mama war eine ganz tolle Frau, wir waren drei Kinder in ganz unterschiedlichem Alter. Ich habe noch zwei Brüder, die älter und jünger sind als ich. Zusammen wäre schon mal gar nicht gegangen. Aber trotzdem war meine Mama ein sehr großes Vorbild, denn ich habe sie immer lesen gesehen. Bücher lagen überall rum, einen Bibliotheksausweis hatte ich ganz früh. Aber ich kann mich an ganz wenige Momente erinnern, wo meine Mama vorgelesen hat, aber die waren etwas ganz Besonderes.

Und das ist ein wunderbares Schlusswort. Liebe Frauke, vielen lieben Dank das du das allererste Interview von Florentine mit deiner Art, deiner Ruhe und dein trotz des Trubels ganz auf sie fixiert sein zu etwas Besonderem gemacht hast.

Wir beide, der Klassenlehrer Herr Lippert und die Schüler der 5e freuen sich schon heute auf die gemeinsame Lesenacht.

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