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Harz aber herzlich von Alexandra Kui

Ein Cosy Crime mit viel Klischee

Unser diesjähriger Sommerurlaub führte uns zum Wandern in den wunderschönen Harz. Passenderweise erreichte mich genau zu dieser Zeit ein Buch, auf das ich mich riesig gefreut habe: „Harz aber herzlich“ von Alexandra Kui. Ein gemütlicher Cosy Crime, der direkt in unserer Urlaubsregion spielt, mit zwei Charakteren, die laut Klappentext extrem spannend klangen – meine Neugier war sofort geweckt!

Worum geht es?

Die Geschichte entführt uns in das fiktive Örtchen Düsterode. Obwohl erfunden, fängt es den Charme der typischen kleinen Harzstädtchen wunderbar ein. Hier treffen wir auf eine Reihe skurriler Persönlichkeiten. Allen voran: der Yoga-praktizierende Dorfpolizist Andreas Anton und Ariane Höft von Holten, die neu eingestellte „Sensitivity Managerin“ des Harztourismus.

Das Buch bildet den Auftakt einer Reihe (ein zweiter Band ist bereits erschienen) und wartet gleich mit zwei Kriminalfällen auf. Im Fokus steht jedoch das Aufeinandertreffen von Ariane und Andreas. Die beiden gehen sich anfangs gehörig auf den Wecker, arbeiten am Ende aber doch herrlich zusammen. Ihre spritzigen Wortgefechte waren für mich ein echtes Highlight, genau wie die humorvollen Zwischenüberschriften, die die Handlung angenehm auflockern.

Licht und Schatten: Schreibstil und Charakterzeichnung

Der Schreibstil des Autorenduos war für mich an manchen Stellen etwas ungewohnt, aber durchaus interessant. Die Story lebt von viel Ironie und Sarkasmus. Leider schießt das Buch in puncto Klischees für meinen Geschmack etwas über das Ziel hinaus.

Besonders Ariane, die als „Sensitivity Managerin“ eigentlich gegen Vorurteile und Diskriminierung kämpfen sollte, bedient selbst ein Klischee nach dem nächsten. Das machte ihre Rolle für mich leider sehr unglaubwürdig. Im Buch heißt es an einer Stelle über sie:

„Zugegeben, bei Dicken kommt sie an ihre Grenzen, das war gerade Body-Shaming der plattesten Sorte. So leicht es ihr fällt, auf People of Color oder Angehörige der LGBTQ+-Community Rücksicht zu nehmen, so sehr gehen bei Übergewichtigen die Klischees mit ihr durch.“

Genau diese Doppelmoral hat mich beim Lesen sehr gestört. Auch Andreas konnte mich mit seinen Vorurteilen nicht ganz abholen. Zwar spürt man die Absicht, Intoleranz durch humorvolle Überzeichnung aufzudecken, um dem Leser vor Augen zu führen:

„Und Sensitivity sollte keine Einbahnstraße sein. Auch wenn es manchmal schwer fällt, andere zu verstehen, die nicht so denken und fühlen wie man selbst.“

Bei mir bewirkte die schiere Masse an Klischees jedoch eher das Gegenteil. Anstatt den Horizont zu erweitern, wirkte die ständige Verwendung von Stereotypen mit der Zeit einfach nur anstrengend.

Wo bleibt die Spannung?

Auch der Krimianteil blieb leider hinter seinen Möglichkeiten zurück und wirkte auf mich stark konstruiert:

Die Geschichte rund um die getöteten Mädchen ging im Beziehungsgeflecht der Dorfbewohner fast komplett unter. Die Auflösung am Ende kam überraschend, wirkte jedoch zusammenhanglos. Das Motiv des Täters blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel.

Der eigentliche Fall, in den Ariana buchstäblich stolpert, war zwar etwas spannender, wurde aber ebenfalls nur am Rande abgehandelt und trug wenig zur eigentlichen Story bei.

Mein Fazit

Natürlich ist mir bewusst, dass ein Cosy Crime kein hochtrabender Thriller ist und der Fokus auf der Atmosphäre liegt. Dennoch hätte ich mir deutlich mehr echte Krimi-Spannung gewünscht. Alles in allem ist „Harz aber herzlich“ eine nette Urlaubslektüre für zwischendurch, die wegen der anstrengenden Überzeichnung und der schwachen Kriminalfälle leider hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist.

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen 🌟

📋 Buch-Infos auf einen Blick

  • Autor: Alexandra Kui & Peter Godazgar
  • Titel: Harz aber herzlich
  • Genre: Kriminalroman / Cosy Crime
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • Erscheinungsdatum: 13. August 2024
  • Seitenzahl: 400 Seiten
  • ISBN: 978-3-499-01290-7

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