Es war im Sommer dieses Jahres, als wir uns alle vier riesig auf unsere erste SZ-Fahrradtour freuten. Wobei, die allererste war es nicht für jeden von uns – für Markus war es bereits die fünfte Tour dieser Art. Für die Kinder und mich hingegen war es eine echte Premiere. Doch es sollte alles anders kommen. Das Wetter machte uns mit einer extremen Hitzewelle einen Strich durch die Rechnung. Genau am heißesten Wochenende des Jahres sollte die Tour eigentlich starten. Der Veranstalter sagte das Event jedoch kurzfristig ab. Damit bewies er, dass nicht Profit und die lange Planung im Vordergrund stehen, sondern die Gesundheit der Teilnehmer.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Am 04. Oktober 2026 starteten die Fahrradbegeisterten schließlich zu ihren ausgewählten Touren. Fünf Strecken standen insgesamt zur Auswahl. Die Lidl-Kinder-Tour war mit 5 Kilometern die kürzeste Strecke, die VeloTour nach Berlin mit 206 Kilometern die längste. Wir hatten uns für die Genießertour entschieden, die in diesem Jahr als AOK-Tour firmierte und über 30 Kilometer führte.
Wir starteten um 8 Uhr morgens von zu Hause aus und radelten ganz entspannt bis zur Pieschener Allee, dem offiziellen Startpunkt des Fahrradfestes. So hatten wir direkt die ersten 6 Kilometer in den Beinen und waren ordentlich aufgewärmt. Viel Zeit blieb uns am Startpunkt nicht. Wir reihten uns schnell im Startbereich ein, während die Spannung und auch die Nervosität bei uns vieren stieg. Während Markus im Sommer fast nur auf zwei Rädern unterwegs ist, gehöre ich eher zu den absoluten Wenigfahrerinnen. Ein Fahrradunfall vor etwa acht Jahren hatte mir gründlich die Lust am Radeln genommen. Doch nun stand ich hier am Start und war gespannt.

Der Startschuss fällt
Pünktlich um 9 Uhr ging es los. Die Teilnehmer der laut Veranstalter beliebtesten Strecke zählten den Countdown von zehn rückwärts und der Startschuss fiel. Die steigungsarme 30-Kilometer-Tour führte parallel zur Elbe nach Radebeul und wieder zurück. Auf dem ersten Abschnitt radelten wir durch die Dresdner Stadtteile Friedrichstadt, Cotta und Cossebaude. In Gohlis verließen wir schließlich die großen Straßen und wechselten auf der Niederwarthaer Brücke die Elbseite. Dieser erste Streckenabschnitt wurde von der Polizei und den Helfern hervorragend abgesichert. Sie hielten den restlichen Verkehr geduldig an und lotsten uns sicher hindurch. Meinem Sohn Max gefielen die Polizeimotorräder besonders gut. Er war überglücklich, als einer der freundlichen Polizisten ihm zurückwinkte.
Schnell waren Markus und Max im dichten Fahrerfeld verschwunden, da sie deutlich schneller unterwegs waren als wir Mädels. Da wir das Ganze jedoch als gemütlichen Ausflug und nicht als Rennen ansahen, fuhren wir einfach unser eigenes Tempo und waren glücklich damit.
Leider waren nicht alle Teilnehmer der gleichen Meinung. Nicht verstehen kann ich bei einer ausgeschriebenen Familientour diejenigen, die ein Rennen daraus machen müssen. Diejenigen, die teilweise waghalsig überholen, andere damit gefährden und Lückenspringer spielen müssen. Die haben meiner Meinung nach den Sinn der Familientour einfach nicht verstanden und sollten sich beim nächsten Mal vielleicht eher zu einem echten Fahrrad-Rennen und nicht zu einer entspannten Fahrrad-Tour anmelden.
Starke Eindrücke und musikalische Motivation
Um uns herum fuhren viele Familien mit Kindern. Ich entdeckte auch zwei Rollstuhlfahrer mit Handbikes und zog gedanklich meinen Hut. Besonders vor dem Mann, der uns mit seinem Handbike einholte und mühelos an uns vorbeizog. Hut ab! Ich bewundere diese Leistung, denn die nötige Kraft in den Armen muss man erst einmal aufbringen. Leider habe ich ihn im Ziel nicht mehr wiedergesehen, sonst hätte ich ihm meinen Respekt gerne noch persönlich ausgesprochen.
Begeistert haben uns auch zwei Männer, die mit Musikboxen unterwegs waren. Der erste begleitete uns eine ganze Weile und pushte uns mit seiner mitreißenden Musik. An den zweiten hängten wir uns kurz vor dem Ziel einfach hinten dran.
Perfekte Rast und eine Familienüberraschung
Nach dem Wechsel der Elbseite über die Niederwarthaer Brücke ging es flussaufwärts zur Festwiese nahe dem historischen Dorfkern von Altkötzschenbroda. Dort lud nicht nur ein Verpflegungspunkt zur Rast im Grünen ein, sondern es wartete auch eine wunderbare Überraschung auf uns: Nicht nur Markus und Max hielten dort Ausschau nach uns, sondern auch meine Schwiegereltern. Dafür hat mein Schwiegervater sogar seinen Kaffee kalt werden lassen – danke dafür!
Der Verpflegungspunkt auf der Festwiese verdient ein eigenes Lob in diesem Bericht: Das war ganz großes Kino und eine tolle Organisation. Es gab nicht nur saubere Toiletten und eine lückenlose medizinische Versorgung, sondern auch zahlreiche Stände mit Essen und Getränken. Die Logistik war so gut, dass niemand lange warten musste und sich alle schnell stärken konnten. Zwar gab es an allen Ständen das gleiche Angebot aus Obst, Riegeln und Getränken, aber mal ehrlich: Sind wir zum Fahrradfahren hier oder zum Schlemmen?
Der Kampf gegen die Wehwehchen
Nach einer erholsamen Pause ging es ganz entspannt und größtenteils autofrei auf dem Elberadweg wieder zurück. Durch die Pause hatte sich das Fahrerfeld stark entzerrt. Manchmal sahen wir die Fahrer vor uns gar nicht mehr. Ab Kilometer 26 fing mein Körper dann allerdings an zu fragen: „Warum tue ich mir das eigentlich das an?“ Die kleinen Wehwehchen setzten ein. Der Hintern tat weh und nahm jede Bodenwelle und jeden Pflasterstein übel. Die Schultern protestierten gegen die Sitzhaltung und die Handgelenke wollten auch nicht mehr so recht.
Gänsehaut beim Zieleinlauf
Die Antwort auf das „Warum“ folgte prompt bei der Zieleinfahrt. Vorbei am Landtag, dem Kongresszentrum und dem Haus der Presse, flankiert von meiner Tochter und getragen von lauter Musik, rollte ich ins Ziel. Dort bekamen wir direkt unsere Medaillen überreicht und wurden glücklich erst von Max und dann von Markus in Empfang genommen. Genau wie ich Markus im Frühsommer beim Mammutmarsch im Zielbereich fotografiert und begrüßt hatte, tat er das heute beim Fahrradfest für mich.

Wir genossen die großartige Stimmung im Zielbereich noch für ein paar Minuten, schlenderten umher und stiegen dann ein letztes Mal aufs Rad. Wir mussten schließlich noch die knapp 7 Kilometer bis zu unserem Ausgangspunkt nach Hause zurücklegen.
Genau wie der Mammutmarsch in diesem Jahr war auch das SZ-Fahrradfest eine echte sportliche Herausforderung für mich. Und wie schon beim Mammutmarsch sage ich auch hier: Gerne wieder, es hat unglaublich viel Spaß gemacht!

Und zum Schluss: DANKE!
- Ein riesiges Danke an die Organisation, das Verpflegungsteam sowie für die tollen Absperrungen durch die Polizei und die Helfer entlang der Strecke. Ihr habt einen fantastischen Job gemacht!
- DANKE an Markus, den Mann an meiner Seite, der jeden Spaß und jede Herausforderung mitmacht.
- DANKE an Max und Florentine, die so super mitgeradelt sind. Was für eine tolle Familie ich doch habe!
- Danke an meine Schwiegereltern, die ihr gemütliches Frühstück unterbrochen haben, um uns am Verpflegungspunkt zu überraschen.
- Danke an alle, die uns aus der Ferne in Gedanken begleitet haben.
Es war mir ein absolutes Vergnügen – gerne wieder!