Neue Autoren zu entdecken ist das, was mir als Leserin immer wieder sehr viel Spaß macht. Klar, ich greife auch, wie sicher viele, am liebsten auf „Altbekanntes und Altbewährtes“ zurück, aber ich lass mich eben auch gerne auf etwas Neues ein.
Und wenn dann zwei Autoren, die ich sehr mag, mich auf eine Autorin mit den Worten „Das Buch könnte etwas für dich sein“ aufmerksam machen, dann geh ich dem nach.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Das Buch konnte mich vom ersten Moment an in seinen Bann ziehen. Nicht weil es gleich heiß hergeht – in vielerlei Hinsicht. Nicht weil es gleich megaspannend ist. Sondern einfach von der Art und Weise. Der Schreibstil der Autorin ist sanft, detailreich und hat emotional genau den Ton getroffen, den ich brauche, um direkt einzusteigen und in die Geschichte hineingezogen zu werden. Dazu beschreibt sie die Protagonistin so nahbar, so echt, dass man ihr gerne auf ihre Entdeckungsreise folgt.
Und es ist eine Entdeckungsreise: Eine Reise in die Vergangenheit ihrer heißgeliebten Großmutter, eine Reise zu sich selbst, zu dem was einen als Mensch ausmacht.
Auch die anderen Figuren im Buch: Ihre Mutter Gabi; Julia als beste Freundin von Marie, Mo der Barista und natürlich der Norweger Nils sind alle so beschrieben, dass man sie quasi vor sich sieht. Wobei ich Gabi nicht wirklich sehen oder kennenlernen will. Wie eine Dampfwalze macht sie alles platt, übergeht alles, was sich in den Weg stellt. Dabei meint sie es gar nicht unbedingt böse, wurde letztendlich genauso von der Umwelt geformt wie wir alle. Aber sie war mir vom ersten Moment an total unsympathisch. Nils scheint ein toller Typ zu sein, der vieles möglich macht und Marie gerade in Norwegen den so wichtigen Halt gibt. Und dennoch hätte ich mir bei ihm manchmal noch ein wenig mehr „Tiefgang“ gewünscht. Seine Beschreibung kratzt ein wenig zu sehr nur an der Oberfläche, hier hatte ich das Gefühl das noch mehr dahintersteckt als wir Leser wissen.
Dass die Geschichte streckenweise sehr ruhig erzählt ist, viele leise Töne hat, täuscht nicht über die Tiefe der Geschichte hinweg. Gerade im historischen Kontext des Themas Lebensborn in Norwegen, das ich bis dahin gar nicht so auf dem Schirm hatte – es war sehr interessant und weckt den Wunsch, mehr über das Thema zu lesen.
Alles in allem ist „Das Geheimnis am Fjord“ ein Buch, das sich lohnt. Eine interessante Familiengeschichte gewürzt mit der Magie Norwegens, einer Prise Liebesgeschichte (die aber schön dezent im Hintergrund bleibt) und einer Prise historische Begebenheit (die ruhig noch ein bisschen mehr hätte rauskommen können).
Von mir gibt es für dieses Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die Familiengeschichten mit tollen Charakteren lieben.
Daten:
Autor: Nicole Czerwinka
Titel: Das Geheimnis am Fjord
Herausgeber: BoD – Books on Demand
Erscheinungstermin: 6. Februar 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 346 Seiten
ISBN: 978-3695137015