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Der Weg des Bösen von Stefanie Ross

Dass Stefanie Ross mich mit ihren Büchern immer wieder fesseln kann, das weiß ich. Dass sie immer wieder Themen anpackt, die aktuell sind, ist auch nichts Neues für mich. Aber was sie diesmal abgeliefert hat, ist der helle Wahnsinn.

Ein Buch, das einen einfach packt

Die Geschichte, die sie hier erzählt, verpackt in einem spannenden, atmosphärisch dichten Krimi, ist sehr nah, viel zu nah an der Wirklichkeit. Das Buch packt einen, ob man will oder nicht. Und glaubt mir, in dem Moment, als ich nur mal kurz reinlesen wollte, wollte ich eigentlich gar nicht, dass es mich packt. Ich wollte nur ein Kapitel lesen, ehe ich mit meiner eigentlichen Aufgabe weitermache — und dann hatte ich über 200 Seiten gelesen, ehe ich es wieder weggelegt habe.

Der Spiegel vor dem eigenen Gesicht

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an voll erwischt und bereits bei der ersten Szene, dem ersten Kapitel, bekam ich einen Spiegel vorgehalten. Die Gedanken von Juliane konnte ich so krass nachvollziehen. Ich musste für mich reflektieren, dass ich genau wie Juliane so manches Mal auch den Gedanken habe: „Der stinkt“ oder „Muss der hier liegen?“ Ohne zu hinterfragen, was sein Schicksal ist, was der Grund dafür ist, dass dieser Mensch auf der Straße lebt.

Die Autorin greift damit ein Thema auf, das in jeder Großstadt präsent ist und immer mehr zunimmt. Sie zeigt ein paar Schicksale, aber auch die Gedanken und Gefühle der „Anderen“, denen es wesentlich besser geht. Sie zeigt die Vorurteile, die schnelle Meinungsbildung und die Beeinflussung durch die sozialen Medien und die Printmedien. Ihre Protagonisten erleben all das. Sie erleben, wie man gerade in den doch anonymen sozialen Medien hetzen und beeinflussen kann, wie man nach Anerkennung strebt. Beim Lesen dieses Konflikts ist mir ein Satz besonders im Kopf geblieben, der diesen Zwiespalt perfekt beschreibt:

„Ich bin schon der Meinung, das jedem Menschen mit Toleranz begegnet werden sollte, das schließt aber auch ein, das niemand durch einen anderen belästigt werden sollte. Sei es durch das Aussehen oder durch unangenehme Gerüche.“

Die unheimliche Wirkung moderner Medien

Ein zweites, ebenfalls aktuelles Thema wird auch, wenn auch recht kurz, dafür aber sehr prägnant, mit ins Spiel gebracht: die KI und ihre Auswirkungen auf die Meinungsbildung und die Wirkung in den sozialen Medien. Da wird einem beim Lesen richtig unheimlich, wenn man tief in die Geschichte eintaucht und sich genau die Fragen stellt, die auch die Figuren beschäftigen:

„Worauf konnte man sich heute eigentlich noch verlassen? Wem im Zeitalter der KI vertrauen? Sie kannte die Antwort nicht, wollte sie aber vielleicht auch gar nicht kennen. Wenn es Ihnen so leicht gelang, einen Mann wie [der Täter] zu manipulieren, wie viele Menschen wurden tagtäglich ebenfalls durch unlautere Mitteln beeinflusst? Das neue Zeitalter mit schnellem Internet und diversen künstlichen Intelligenzen als Assistenten hatte viele gute Seiten, aber ebene auch ein paar echte Gefahren, die ihr nun eindrücklich vor Augen geführt wurden.“

Es ist unglaublich, wie es die Autorin immer wieder schafft, aktuelle Themen in einen spannenden, packenden und brisanten Kriminalfall zu packen. Dabei geht es nicht immer nur brutal und blutig zu, es ist die Mischung, die mich immer wieder dazu bringt, ihre Bücher zu lesen.

Ein Team zum Mitleben

Denn zu der Spannung kommt noch viel mehr hinzu: Das sind zum einen die vielschichtigen Charaktere, die mit ihren Handlungen, Emotionen und Gedanken so lebensnah gezeichnet sind, dass ich mir immer wieder wünsche, dazuzugehören und „mitmischen“ zu können. Selbst die Handlungsweise und Überlegungen des Täters sind so glaubhaft beschrieben, dass man sie, auch wenn man sie nicht gutheißt, nachvollziehen kann. Man blickt quasi in den Kopf des Täters und bekommt so alles „hautnah“ mit. Da hat es mir sehr oft einen Schauer über den Rücken gejagt.

Das Team um Marcus Lauer ist gefestigt, man merkt, wie gut sie zusammenarbeiten. Wie sie zusammengehören, auch wenn sie mal nicht einer Meinung sind. Diese Freundschaft, dieser Zusammenhalt zieht sich durch alle Serien der Autorin und ich liebe es. Wie oft wünsche ich mir, zu diesem besonderen Freundeskreis zu gehören.

Mein Fazit

Dazu kommt der Schreibstil der Autorin: plastisch, detailreich und jederzeit nachvollziehbar. Es ist für mich die perfekte Mischung aus Spannung und Action, Humor, Sarkasmus, Freundschaft, Loyalty, Familie, Zusammenhalt …

Der Weg des Bösen war für mich ein Buch, das mit den unterschiedlichsten Emotionen bei mir gespielt hat, das sehr zum Nachdenken anregt und einen Spiegel vorhält. Für mich bisher der beste Band aus der „Team Lauer“-Reihe. Und trotz aller Abgründe bleibt am Ende eine wichtige, berührende Botschaft hängen:

„Du bist perfekt, so wie du bist.“

📘 Buchdetails auf einen Blick

  • Autorin: Stefanie Ross
  • Titel: Der Weg des Bösen
  • Verlag: Selfpublishing (unabhängig veröffentlicht von Stefanie Ross)
  • Genre: Kriminalroman / Thriller
  • Seitenzahl: 409 Seiten
  • Erscheinungstag: September 2026
  • ISBN: 978-3694470083

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