Auf zur Eulenkuschelstunde

Das ich Eulen und Greifvögel liebe, verrückt nach diesen Tieren bin und den Traum habe, selbst einmal Falknerin zu werden, dürfte mittlerweile keine Überraschung mehr sehr. Zumindest nicht, wenn ihr meinen Blog verfolgt oder mich kennt 🙂

Und so ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass es auch im Urlaub wenigstens einmal um diese zauberhaften Geschöpfe gehen „muss“.

Auch im Sauerland gibt es Falknereien und so habe ich im Vorfeld unseres Sauerland-Urlaubs im August nach einer Falknerei gesucht, die ich vielleicht besuchen könnte. Zwei haben mich besonders interessiert und entschieden habe ich mich dann für die „Skyhunters in Nature“. Menden, der Standort der 2014 gegründeten Falknerei von Falknerin Sonja und ihrem Team lag nicht weit von unserem Ausgangsort entfernt und begeisterte mich alleine schon von ihrem Konzept her. Die Tiere bei den Skyhunters werden nicht für die Jagd perse ausgebildet, sondern für den Umgang mit Menschen geschult. Denn Sonja und ihr Team gehen mit ihren Tieren auch in Schulen und andere Einrichtungen, um dort über die Vögel aufzuklären und aufkommende Fragen anschaulich zu beantworten.

Ich habe im Vorfeld die „Eulenkuschelstunde“ gebucht und bin ganz gespannt mit Markus im Schlepptau in der kleinen Falknerei aufgetaucht. Unsere beiden Mäuse wurden in der Zeit liebevoll von Opa betreut, denn auch wenn sie ihre Liebe zu den Greifvögeln von mir „geerbt“ haben, die Ruhe um mit den Tieren umzugehen fehlt ihnen (noch).

Wir wurden zuerst von einer Jung-Falknerin begrüßt, die uns die anderen Greifvögel der Falknerei in den Volieren vorstellte und einiges zu den Tieren erklärte. Dann durfte ich in der Sitzecke Platz nehmen und hatte, ehe ich mich versah, den ersten Vogel auf der Faust 🙂 und damit auf meinem eigenen Falknerhandschuh, den ich zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Aus großen Augen schaute mich „Minatia“ mindestens genauso fasziniert an wie ich sie. „Mina“ ist ein kleiner neuseeländischer Kuckuckskauz und eine eigene Zucht der Falknerei. Wobei „Zucht“ nicht das richtige Wort, der richtige Umstand ist. Denn es war eher ein Versehen, eine Überraschung, das ihre Eltern das kleine Wesen vollständig bebrüteten. Als Sonja mich ermunterte, „Mina“ zu streicheln war ich erst ein wenig überrascht und auch eher zurückhaltend. Denn unser Falkner Henry ermahnt uns immer wieder, Greifvögel im Allgemeinen und Eulen nicht zu streicheln. „Eine Eule ist kein Kuscheltier“ wiederholt er bei seinen Shows fast gebetsmühlenartig und erzählt dann, das die Greifvögel durch das Putzen des Gefieders die Bakterien des Menschen aufnehmen, daran erkranken und gegebenenfalls sogar sterben können. Als ich das gegenüber Sonja erwähnte gab sie mir zwar vom Grundsatz her recht, erklärte aber auch das es da dann doch Unterschiede gibt, wo man halt anfasst und das jeder Falkner das auch anders handhabt. Sie merkte aber auch, dass wir uns mit dem Thema ein wenig auskennen, fragte nach und erzählte in der Folge dessen dann mehr und meines Erachtens nach auch ausführlicher über den neuseeländischen Kuckuckskauz (und die anderen, die noch folgten). Denn eigentlich dauert die gebuchte Eulenkuschelstunde 1 ½ bis 2 Stunden – wir waren erst nach mehr als 3 Stunden „fertig“.

Nach einer ausführlichen Kuschelzeit mit „Minatia“ wurde diese mir wieder abgenommen, ich bekam eine Tasse Kaffee und die Hand gedrückt und dann kam „Schatzi“. Ich muss gestehen, hätte ich auswählen müssen, mit welcher Eule ich meine Zeit verbringe, wäre meine Wahl sicherlich auf „Schatzi“ gefallen. Denn bisher hatte ich noch nie eine Schleiereule so nah gesehen und ich liebe diesen Typ. „Schatzi“ war … wie soll ich es sagen … einfach ein Schatz. So klein, so süß, so schüchtern“ hat sie sich mit einem leisen Augenaufschlag sofort in mein Herz geschlichen. Das beim Bestaunen und reden der Kaffee kalt wurde – wen wundert es wirklich. Auch wenn ich erklärter Kaffeejunkie bin – hier lies ich ihn gerne stehen.

Als dritte Eule stellte sich Thorin vor, der Malaienkauz. Kann ein Vogel mit einem Augenaufschlag verzaubern? Glaubt mir, er kann. Und das ohne Probleme. Von weiten hätte ich Thorin für ein Plüschtier gehalten, so unecht wirkt er auf den ersten Platz. Aber sein Herzschlag, sein Augenaufschlag und der Blick in die dunklen Kulleraugen überzeugen mich dann von der Echtheit.

Als viertes kommt die „Mogelpackung“ Charly, der große Kuschelfreund. Der sanftmütige Europäische Uhu überrascht mich komplett. Sonja fragte mich, wie schwer ich ihn schätzen würde, da sein Federkleid ja doch sehr üppig ist. Da ich aber in etwa weiß, dass ein männlicher europäischer Uhu um die 2 bis 2,5 kg wiegt, war es keine Überraschung, dass er entgegen dem Aussehen eigentlich sehr leicht ist. Die wirkliche Überraschung kam, als ich mit der Hand durch sein Federkleid hindurch den Brustkorb des Vogels erfühlen sollte. Meine Hand verschwand der Länge nach im Federkleid, ehe ich etwas fühlte. So viel Federkleid? Wahnsinn.

Als letztes kam die kleine „Diva“ „Arktos“ auf meine Hand, der sibirische Uhu. Da musste ich schlagartig an „unseren“ Anton, der kurz zuvor verstorben war und hatte für einen Moment Tränen in den Augen. Merkte „Arktos“ das? Auf jeden Fall, der er kuschelte sich richtig an mich.

Ich fand die drei Stunden, die mir wie eine vorkam, so schnell verging die Zeit, sehr interessant. Wir erfuhren sehr viel Wissenswertes zu und über die Tiere, hörten Geschichten aus dem Alltag mit ihnen und konnten alle unsere Fragen loswerden.

Als ich dann schweren Herzens Abschied nahm, hatte ich viele tolle Fotos (Danke mein Herz) und Schleiereule Schatzi in Form einer Tasse im Gepäck.

Und eines weiß ich ganz genau: wenn wir nächstes Jahr wieder ins Sauerland fahren, sieht die Falknerei mich auf jeden Fall wieder – dann aber zum Greifvogelspaziergang.

Ein dickes DANKESCHÖN geht an dieser Stelle an die Falknerin Sonja für die tollen 3 Stunden, die vielen Informationen und unvergleichlichen Momente die ich bei ihr erleben durfte. Und ein ebenso dickes DANKE an meinen Herzensmenschen Markus, der alles mit mir mitmacht.

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