Boží Dar – ein Urlaubsbericht in zwei Teilen

Markus und ich waren mal alleine unterwegs – ohne Kinder, ohne Stress. Nur Zeit für uns zwei. Möglich war das, weil die tollen Großeltern gern mal für ein Wochenende die Kinder betreuen.

Unser Weg führte uns diesmal nach Boží Dar. Boží Dar (deutsch Gottesgab) ist eine Stadt im böhmischen Erzgebirge. Die alte Bergstadt ist eines der bedeutendsten Wintersportzentren in Tschechien und gilt als die höchstgelegene Stadt in Mitteleuropa.

Nun waren wir ja im Sommer hier, ohne Bezug zum Wintersport. Auf Boží Dar sind wir eigentlich nur durch Zufall gekommen. Als wir im Mai in Oberwiesenthal waren, sind wir über die Grenze gefahren und waren im Hotel „Grünes Haus“ Abendessen. Hier hat es uns so gut gefallen, dass wir uns Tage später für unseren kleinen Kurzurlaub hier eingemietet haben.

Boží Dar liegt auf 1020 m Höhe, hat eine Fläche von 37,97 km und hat dabei nicht einmal 200 Einwohner.

Nachdem wir am Freitagabend in unserem Hotel Zelený Dům (Grünes Haus) angekommen sind und ein leckeres Abendessen genießen konnten, sind wir noch einmal los: eine große Runde durch den Ort stand an.

Unser Hotel ist das wahrscheinlich älteste Haus im Ort – es stammt ungefähr aus dem Jahr 1542 – aus diesem Jahr die Anerkennungsurkunde – und liegt am Ortseingang. Der Weg führte uns von da aus an der Kirche vorbei, die Hauptstraße entlang zum Friedhof des Ortes. Dieser war mein erstes und zugleich auch irgendwie wichtigstes Ziel.

Warum? Dort begraben liegt der erzgebirgische Heimatdichter Anton Günther.

Anton Günther

Der erzgebirgische Volksdichter und Sänger des Erzgebirges wurde am 5. Juni 1876 in Boží Dar geboren und starb am 29. April 1937 dort. Ihm zu Ehren wurde in Boží Dar bereits zu Lebzeiten ein Denkmal errichtet.

Wer war Anton Günther? Ich muss gestehen, dass ich den Namen Anton Günther zwar kenne, ich auch weiß dass er ein Volksdichter und Sänger des Erzgebirges war und das ich seine Lieder in meiner Kindheit und Jugendzeit „dank“ meines Papas oft hören musste.

Ich gebe auch zu, dass mich das damals genervt hat, aber heute bin ich froh, so wenigstens ein bisschen Tradition und Geschichte unserer erzgebirgischen Heimat mitbekommen zu haben.

Eine sehr ausführliche Biographie von ihm findet man im Internet – natürlich – bei Wikipedia. Wer lieber die Buchform bevorzugt, für den hat mein Papa hier zwei Tipps – zwei Bücher die er hat und die er über den Heimatdichter sehr schätzt.

Das ist zum einem „Der erzgebirgische Volkssänger Anton Günther“ von Gerhard Heilfurth und zum anderen wäre das „Anton Günther -Freiheit zwischen Grenzen“ von Manfred Günther und Lutz Walther

Anton Günther gilt als Erfinder der Liedpostkarte. Das ist eine Postkarte mit einfachen Notenbildern, Texten und Lithografien. Viele seiner Lieder brachte er auf solche Postkarten – man geht von 160 verschiedenen Texten aus – genaue Zahlen gibt es aber bis heute nicht. Seine erste Liedpostkarte war „Drham is’ drham“, seine erfolgreichste und damit am meist verkaufte soll wohl „Wu da Wälder hamlich rauschn“ sein.

In meiner Kindheit hatte ich viel von ihm und über ihn gehört. Hier und jetzt stand ich an seinem Grab und ärgerte mich wieder einmal, dass ich bisher mich nicht weiter mit dem Thema beschäftigt habe.

Das wird sich aber ändern – nicht umsonst gibt es doch recht viel Literatur über ihn.

Auf dem Rückweg zum Hotel fanden wir noch den Gedenkstein im Park und einen Tag später – mehr durch Zufall – das ehemalige (und leider vollkommen umgebaute und dadurch nicht mehr im Original erhaltene) Wohnhaus des Erzgebirgs-Dichters.

Christkindl-Weg

Was ich bis kurz vor meinem Besuch in Boží Dar nicht wusste: Das Christkind ist hier zu Hause J Es hat hier sein Postamt, in dem man, in einen schön gestalteten Briefkasten, seine Wunschzettelpost – natürlich mit Adresse und Briefmarke versehen – hineinwerfen kann.

Man hat auch die Möglichkeit, Kindern Post vom Christkind zukommen zu lassen. Ausreichend frankiert in den Postkasten eingeworfen, wird diese Post in der Weihnachtszeit dann mit einem Sonderstempel versehen, an das (große oder kleine) Kind versandt.

Natürlich kaufte ich im Postamt zwei der Karten, schrieb sie an unsere Mäuse und bin natürlich sehr gespannt, ob dann tatsächlich in der Adventszeit Post vom Christkind für die beiden kommt.

Wenn man nicht persönlich nach Boží Dar kommen kann, muss man aber nicht traurig sein. man hat die Möglichkeit, die Post an das Postamt von Boží Dar zu schicken. Auch diese wird dann, mit dem jährlich neugestalteten Weihnachtssonderstempel versehen, versandt.

Diejenigen, die nicht persönlich nach Boží Dar kommen können, können ihre Wunschzettel an die Post in Boží Dar senden. Das Christkind versendet diese Wünsche im Dezember gemeinsam mit den anderen.

In Boží Dar gibt es das ganze Jahr über die Möglichkeit, das Christkind zu treffen: findige Einwohner haben den Christkindl-Weg ins Leben gerufen. Wenn man sich, bevor man sich auf den Weg macht, in der Touristinformation ein kleines Büchlein abholt, kann man unterwegs Rätsel lösen. Und wenn man das Büchlein dann, mit den richtigen Antworten, wieder abgibt – dann bekommt man kleine Geschenke.

13 Stationen gibt es ingesamt zu entdecken, 13 Stationen an denen man die „Mitarbeiter“ des Christkindls kennenlernt. Sie begegnen einem Drachen und einem Wassermann, dem Maulwurf in dem Teufelchen – um nur einige zu nennen. Man entdeckt eine Krippe und aus Holz geschnitzte Märchenfiguren. An den meisten Stationen warten Schaukeln, ein Karussel und andere Spielgeräte auf die Kinder.  hat noch eine kleine Überraschung für die Kinder

Leider hatten wir keine Zeit, den kurzen Weg mit 5,6 km oder den langen Weg mit 12,9 km abzulaufen, obwohl wie beide darauf Lust gehabt hätten. So kann ich Euch leider nicht sagen, welche Geschenke es dann gibt.

Aber die Idee dazu finden wir richtig toll und werden, sobald wir mit unseren Mäusen einmal dort sein werden, diesen Weg gemeinsam bewandern.

Keilberg

Nur 6 Autominuten bzw. 4 km von Boží Dar entfernt befindet sich der Keilberg. Der Keilberg (tschechisch: Klinovec) ist mit 1243,7 Meter die höchste Erhebung des Erzgebirges und liegt in der Karlsbader Region der Tschechischen Republik. Zusammen mit dem nahe gelegenen Fichtelberg auf der deutschen Seite bildet er das bedeutendste Wintersportgebiet im Erzgebirge.

Hierhin führte uns – ein wenig ungeplant – unser Weg. Wir hatten noch keine Lust ins Hotel zu gehen, zum Abendessen war es zu früh und wir waren sowieso gerade noch unterwegs. Also, nix wie rauf.

Im Winter ein reines Skigebiet, kann man sich im Sommer dort oben mit den Mountainbikes vergnügen. Und wie wir feststellen konnten, wurde das dort oben reichlich von Gästen aus dem In- und Ausland genutzt. Gibt es doch dort den Trailpark mit unterschiedlichen Strecken, unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: dem mittelschwere Rubin Trail mit 8 km, dem leichten Azur Trail (10 km) sowie die Downhillstrecke (3 km).

Oben auf dem Plateau sieht es, im Gegensatz zu den neugebauten Gebäuden unterhalb, schlimm aus. Einzig der Aussichtsturm wurde neu gemacht; die Gebäude ringsherum verfallen, da die Investoren kein Geld investieren. Es liegt alles brach und wird nicht mehr genutzt. Da wird, ehrlich gesagt, viel Potential verschenkt.

Wir wollten noch, ehe wir wieder nach unten fahren wollten, noch die Aussicht genießen. Also zahlten wir 1 Euro pro Person und stiegen den Aussichtsturm hinauf. Seit 1884 gibt es den 17 Meter hohen Aussichtsturm bereits, in den Jahren 2012 und 2013 wurde er vollkommen rekonstruiert.

Wir genossen ein paar Minuten die tolle Aussicht, ehe wir den Abstieg wieder wagten und zurück ins Hotel fuhren.

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