Darf ich bitten – Deutschsprachige Autoren im Interview – Jennifer B. Wind

Mit der österreichischen Autorin und Mutter zweier Töchter, Jennifer B. Wind, erscheint das 4. von insgesamt 6 geplanten Interviews der Reihe auf meinem Blog. Sie stand mir Rede und Antwort und erzählt dabei von ihren Sammelleidenschaften und gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

Unter den Lesern des Interviews, die Jennifer und mir bis zum 27. August ihre Entspannungstipps verraten, verlosen wir 1 Exemplar des EBooks „Als Gott schlief“.

Katja: Erzähl uns erst einmal etwas über Dich. Was bringt Dich zur Weißglut und was macht Dir besonders viel Freude?

Jennifer B. Wind: Ich ärgere mich vor allem über den Raubbau den die Menschheit an der Erde vornimmt. Diese Verschwendung von Ressourcen, das rücksichtslose Umgehen mit der Natur und den Lebewesen darauf. Deshalb bin ich auch seit Jahren im Umwelt- und Tierschutz tätig. Außerdem verstehe ich nicht, warum wir uns darüber hinaus gegenseitig die Köpfe einschlagen. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Menschen aufwachen und erkennen, dass es egal ist, welcher Religion, Rasse oder sexueller Orientierung wir angehören. Wir leben alle am selben Ort. Der Erde. Und sollten uns lieber darum kümmern, sie so lange wie möglich zu erhalten.

Auch über die Regierungen kann ich mich ärgern, die mehr Zeit und Geld investieren um marode Banken zu retten als sich um soziale Belange und langfristige Maßnahmen zum Erhalt der Umwelt zu kümmern.

Mir macht es Freude meine Kinder aufwachsen zu sehen, mein Eigenanbaugemüse und -obst zu essen, anderen zu helfen, interessante Gespräche mit Freunden oder auch mal Fremden zu führen und am Wasser zu sitzen (egal ob See, Meer oder Bach). Und natürlich lese und schreibe ich unglaublich gerne, sehe gern gute Filme, liebe Musik und Kunst und spiele gern Klavier und male auch selbst ein bisschen.

Katja: Wie kannst Du Dich am besten entspannen?

Jennifer B. Wind: Bei aktiven Tätigkeiten. Wenn ich nichts zu tun habe, werde ich unrund. Rumliegen und in die Luft gucken ist für mich also eher Stress. 😉  Also Qi Gong und Pilates oder Yoga sind total fein und ich kann wirklich prima bei einem guten Buch oder Film entspannen.

Mein absolutes Highlight ist Wassersport. Ich liebe es zu tauchen, zu segeln und zu schwimmen. Es gibt nichts Schöneres.

Katja: Hast Du ausgefallene Hobbys oder Sammelleidenschaften, die nichts mit dem Thema Bücher und Literatur zu tun haben?

Jennifer B. Wind: Ein paar Hobbys habe ich bereits in der letzten Frage angegeben. Ich sammle (außer Bücher, Filme und Cd´s) zudem Leuchttürme. 😉 Ich könnte mir auch gut vorstellen in einem Leuchtturm zu wohnen. Eine Marotte war auf jeder meiner Reisen einen landestypischen Gegenstand und ein landestypisches Getränk mitzunehmen. Darum lagert in meinem Keller altes schottisches Bier neben Tequila und Co. Das Bier würde ich nicht mehr trinken *lach*.

Katja: Was hat Dich zum Schreiben gebracht?

Jennifer B. Wind: Ich habe mit 8 Jahren zu schreiben begonnen, also abseits der Schule entstanden hier schon erste kleine Geschichten, die ich auch selbst illustriert habe und der erste Roman war mit 9 Jahren fertig. „Abenteuer auf dem Bauernhof“ war der Titel.

Katja: Wie lange dauerte es von der Idee über das Manuskript bis hin zum fertigen Buch?

Jennifer B. Wind: Das ist unterschiedlich. „Als Gott schlief“ hat eine wahnsinnig lange Entstehungszeit. Ich habe bereits 1998 die Fakten zusammengetragen und während meines Brotberufs immer wieder weitergemacht. Zuerst mit der Recherche und später habe ich auch auf einer Kofferschreibmaschine geschrieben, während der Rest der Crew am Pool lag.

Ich glaube aber, solange werde ich nie wieder für ein Buch Zeit haben und irgendwie vermisse ich das jetzt schon ;-). Der Druck schnell wieder etwas abzuliefern ist sehr groß und raubt mir momentan ein bisschen den Atem.

Katja: Wie kamst Du darauf, gerade diese Geschichte zu schreiben? Was war Deine Inspiration dazu?

Jennifer B. Wind: Ich habe das im Nachwort ausführlich erklärt. Hier kurz, um nicht zu viel zu verraten für all jene, die mein Buch noch nicht gelesen haben. Ich habe in Dublin eine Dokumentation gesehen, die mich sehr aufgewühlt hat und die maßgeblich daran beteiligt war, dass ich das Buch geschrieben habe. Es ist deshalb auch eher der Fact-Fiction zuzuordnen, da es nach wahren Begebenheiten geschrieben wurde.

Katja: Lässt Du uns an Deinem Arbeitstag teilhaben? Wie schaut der bei Dir wenn Du an einem neuen Manuskript sitzt?

Jennifer B. Wind: Da gibt es keinen bestimmten Alltag. Mit zwei kleinen Kindern ist das auch gar nicht möglich, zumindest momentan nicht. Ich muss einfach die Zeit nehmen, die übrig bleibt, wenn alles andere getan ist. Jetzt im Sommer ist das recht schwierig, ansonsten schreibe ich wenn die Kinder vormittags im Kindergarten oder in der Schule sind, bzw. wenn sie am Abend schlafen.

Katja: Setzt Du Dich an den Schreibtisch um ein Buch zu schreiben und schottest Dich ab? Oder brauchst Du eher Trubel um Dich rum, setzt Dich in ein Cafe und schreibst dort?

Jennifer B. Wind: Zweites fällt schon mal flach, denn wer kümmert sich dann um die Kids. Aber ich kann mich gar nicht abschotten, auch wenn ich mir das wünschen würde und deshalb sag ich mal, ich muss im Trubel schreiben ;-), außer vormittags. Aber manchmal ist es sogar gut, nicht ruhig am Tisch zu sitzen. (Ich arbeite übrigens nicht immer (meist stehend) am Tisch, sondern auch im Bett oder laufe herum und spreche ins Diktiergerät, wie gesagt ich brauch Bewegung) Denn ein Kurztext, den ich während des ärgsten Trubels binnen einer Stunde runter geschrieben habe (4 Kinder im Wohnzimmer plus laute Kindermusik) wurde einer der besten Texte, die ich je geschrieben habe, und später auch preisgekrönt. Es hat also auch etwas Gutes flexibel zu sein, das ändert den Blickwinkel und fördert die Kreativität, dabei kommt das Gehirn auf Trab.

Katja: Dein Schreibtisch an dem Du arbeitest – ist der immer penibel aufgeräumt oder sieht man auch, dass da jemand dran sitzt und arbeitet? Steht oder liegt da ein Maskottchen oder ein Erinnerungsstück, dass Du gern anschaust wenn es mal nicht weiter gehen will?

Jennifer B. Wind: Wie gesagt, ich bin nicht auf einen Tisch festgelegt, sondern arbeite mal dort, mal da und nein, ich habe kein Maskottchen, keinen Talisman. Wenn es mal nicht weitergehen will oder ich  antriebslos drauf bin, dann guck ich mir mein Desktop Hintergrundbild an, das bringt mich immer zum Lächeln und der Puls fängt zu rasen an. Ich hab dann quasi gleich die richtige Betriebstemperatur. *lach* Ich verrat jetzt aber nicht, was auf dem Bild ist ;-)) Aber die Leser/innen können ja raten *G*

Katja: Deine Bücher – bisher zwei wenn ich es richtig verfolgt habe – erscheinen lediglich aus E-Book. Was war der Grund für diese Entscheidung? War es Deine eigene Entscheidung oder die des Verlages?

Jennifer B. Wind: Also die Orchideen Reihe ist nur als E-Book möglich. Es sind immer nur ca 50 Seiten und das E-Book beinhaltet immer drei bis vier Kurzgeschichten in zwei Sprachen. Deshalb habe ich dieses Konzept von vornherein dem Verlag Chichilli angeboten und der hat es auch gleich genommen.

Jennifer_Wind_Coverl„Als Gott schlief“ erscheint bei dotbooks und das ist ein reiner E-Book Verlag, die sich aber um Printlizenzen bemühen. Die Entscheidung habe ich damals zusammen mit meiner Agentin getroffen und sie hat sich als sehr gut erwiesen. Die Zusammenarbeit läuft prima und der Verlag macht viel Werbung und kümmert sich wirklich gut. Bei einem kleinen Printverlag hätte ich es sicher nicht in die Thalia Top 10 geschafft und die ganz großen Verlage fanden das Thema des Buches zu heiß, bzw. haben sich nicht ganz drüber getraut. Aber wer weiß, wie es jetzt aussieht. Denn ich war über 4 Monate in den Top 10 einiger Shops wie zum Bsp. bei Thalia in D, CH und AUT und finde mich immer noch auf den Krimibestsellerlisten.

Katja: Wie entscheidest Du Dich, wenn es um die Frage geht wie Du ein Buch liest – als Printversion oder elektronisch? Willst Du lieber das „richtige“ Buch in der Hand halten oder liest Du lieber E-Books?

Jennifer B. Wind: Da ich kaum mehr Platz im Haus habe, sind mir digitale Versionen mehr als recht. Ich frage auch immer bei den Verlagen die mich mit Rezensionsexemplaren versorgen nach, ob ich eine E-Book-Version haben kann. Es ist einfach so praktisch, immer einen Haufen Bücher in der Handtasche zu haben und nach Lust und Laune entscheiden zu können, was ich gerade eben lesen möchte. So kann ich jede Wartezeit nutzen, sei es vor der Schule oder beim Arzt. Natürlich lese ich nach wie vor auch Printbücher.

Katja: Welcher Autor / welche Autorin hat Dich in Deiner Kindheit/Jugend begleitet und zu welchen Büchern greifst Du heute noch gern?

Jennifer B. Wind: Michael Ende war der erste, denn „Die unendliche Geschichte“ war das erste große Buch überhaupt, das ich gelesen habe. Tolkien, Pratchett, Preußler, Adams, Asimov, King, Barker, ui das sind ja alles Männer…also dann noch Anne Rice und Jane Austen,  *G*. Diese Autor/innen habe ich rauf und runter gelesen. In meiner Kindheit war ich ein großer Fantasy-fan, später kam Horror und Science Fiction dazu. Diese drei Genres liebe ich immer noch. Aber von Horror war es nicht mehr weit zu den Thrillern. Und ich ziehe harte Thriller generell Krimis vor. Ich brauch also den gewissen Thrill, der mein Herz zum Rasen bringt.

Katja: Was ist Dein literarisches Vorbild? Gibt es das für Dich überhaupt?

Jennifer B. Wind: Das wird jetzt sicher manche überraschen. Mein absolutes Vorbild ist James Cameron. Also kein Autor an sich ;-). Aber seine Filme sind dramaturgisch, szenisch, technisch, figurenmäßig, etc. einfach total perfekt. Ich habe mir jeden seiner Filme sicher über 20 Mal angesehen. (Ja, ich bin ein bisschen ein Freak ;-)), habe sie selbstverständlich in Originalversion zu Hause.

Solche „Filme“ will ich quasi schreiben.

Katja: An welchen Projekten arbeitetest Du derzeit? Auf welche Bücher können wir Fans uns demnächst freuen?

Jennifer B. Wind: Aktuell bin ich mit meinem Jugendroman fast fertig. Da fehlt nur der Feinschliff. Dann geht’s weiter mit einem literarischen Roman, da muss ich noch ca 100 Seiten schreiben, damit meine Agentin aktiv etwas anzubieten hat und danach dürfen Jutta und Tom ihren zweiten Fall lösen.

Zusätzlich stehen noch 8 Kurzgeschichten für Anthologien an.

Katja: Hast Du selber auch Zeit zum Lesen?

Jennifer B. Wind: Natürlich. Ich lese täglich. Bücher sind meine Sucht, mein Laster, meine große Liebe, mein Lebensinhalt ;-). Ich führe ja auch einen Buchblog auf woman.at und rezensiere für diverse Plattformen. Wenn ich eines Tages aus irgendeinem Grund nicht mehr lesen könnte, dann wäre das Leben für mich nicht mehr lebenswert.

Ich bedanke mich bei Jennifer B. Wind für ihre Zeit 🙂 und für die Beantwortung meiner neugierigen Fragen.

Portraitfotos copyright Manfred Wasshuber
Coverfoto zu Als gott schlief und mix, copyright dotbooks
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One Response to Darf ich bitten – Deutschsprachige Autoren im Interview – Jennifer B. Wind

  1. Karin sagt:

    Vielen Dank für das schöne Interview, Katja und Jennifer!

    In einem Leuchtturm wohnen. Davon habe ich auch schon öfter geträumt. Bisher fand ich nur eines abschreckend: Die runden Wände sind nicht wirklich für Buchregale geeignet. 😉
    Aber dank E-Books ist das heute ja kein Problem mehr.

    Dein Roman klingt sehr interessant, Jennifer! Spannend und nervenzerfetzend. Vielleicht schaue ich mal rein, obwohl ich zugeben muss, dass ich Angsthase normalerweise mehr auf harmlosere Krimikost stehen.

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