Darf ich bitten: Im Interview mit Ella Danz

Mit Ella Danz beendet ich meine Interviewreihe für die Aktion „Darf ich bitten: Deutsche Autoren im Interview“. Ich fand die Aktion sehr gelungen, sehr gut und habe mich gefreut, dass ich so einige neue Autoren für mich entdecken konnte.

Ella Danz schreibt kulinarische Krimis – so würde ich diese beschreiben – und als Extra in ihren Büchern findet man tolle Rezepte. Im Gespräch mit Ella kam heraus, das wir uns in einem Punkt sehr ähnlich sind: wir teilen die Leidenschaft zum Kochen, zum Probieren und die Leidenschaft für Rezepte 🙂 Katja: Welche drei Worte würden Dich am besten beschreiben?

Ella: Neugierige, kreative Genießerin

Katja: Was sind Deine ganz persönlichen Stärken und Schwächen?

Ella: In der Hoffnung, mit der Einschätzung meiner Stärken nicht ganz daneben zu liegen, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Humor. Leider bin ich sehr ungeduldig, oft zu kritisch und manchmal zu ehrlich. Aber ohne Schwächen keine Stärken…

Katja: Was ist das erste Buch, an das Du Dich erinnern kannst und was hast Du als letztes gelesen?

Ella: Ich war und bin ein großer Märchenfan und deshalb erinnere ich aus der Kindheit als erstes Buch ein dickes mit Grimms Märchen. Zuletzt habe ich mal wieder einen chinesischen Krimi von Qiu Xiaolong gelesen: „Schwarz auf Rot“. Sehr episch erzählt, trotzdem spannend, viel über die Geschichte Chinas drin (Kulturrevolution) und wichtig auch die chinesische Küche. Hat mir wieder gut gefallen.

Katja: Wie entstehen Protagonisten bei Dir? Sind es reale Vorbilder und vollständig fiktive Charaktere?

Ella: Meine Figuren entspringen der Phantasie, die sind nie die exakte Spiegelung eines lebenden Vorbildes. Aber natürlich tragen sie, bewusst oder unbewusst, Züge von Menschen in sich, denen ich irgendwann mal begegnet bin.

Katja: Dein Kommissar Angermüller ist ja nicht nur bei der Kripo, sondern zu dem noch leidenschaftlicher Gourmet. Es geht um Essen und die Fälle liegen auch, wie zum Beispiel bei  „Osterfeuer“ in dem Gefilde von Restaurants, Kochshows usw. Wie kommst Du auf die Ideen für Deine „Fälle“? Lässt Du Dich von Zeitungs- und/oder Fernsehberichten inspirieren?

Ella: Manche Themen scheinen in der Luft zu liegen. Also, ich entwerfe einen Plot, fange an zu schreiben und stoße plötzlich überall auf mein Thema. Als ich vor 4 Jahren begann „Geschmacksverwirrung“ zu schreiben, tauchte plötzlich immer häufiger das Problem der Massentierhaltung in den Medien auf. Manchmal inspiriert mich auch mein Alltag zu einer neuen Geschichte wie z.B. eine Reise nach Peking, nach der ich den Plot zu „Unglückskeks“ verfasst habe. Oder als plötzlich eine Freundin begeistert über Kochsendungen erzählte, die normalerweise nie einen Kochlöffel in die Hand nimmt, hab ich mich mit diesem Phänomen in „Kochwut“ auseinandergesetzt.

Katja: Besonders gut gefällt mir an Deinen Büchern rund um den Kommissar ja, dass im Anhang Rezepte zu finden sind. Für mich als leidenschaftliche Hobbyköchin genau das richtige. Kochst Du selber gern oder lässt Dich gern bekochen? Was ist Dein absolutes Lieblingsgericht? Und magst Du uns vielleicht Dein Lieblingsrezept verraten?

Ella: Ich lass mich auch gern mal bekochen, aber ehrlich gesagt finde ich es noch schöner, selbst in der Küche zu stehen. Das Wunderbare ist für mich diese Vielfalt, immer wieder neue Düfte, Geschmäcker, Zutaten und Kreationen zu entdecken, die ganze Welt kulinarisch an meinen Herd nachhause zu holen. Deshalb hab ich auch ständig neue Lieblingsgerichte. Aber hier trotzdem ein Gericht, das ich immer mal wieder koche, weil es so einfach ist und mir jedenfalls ausgezeichnet schmeckt:

Penne mit Salsiccia
Man nehme für 4 Personen 400g Penne, 500g frische Salsiccia oder rohe Bratwurst, 1 Knoblauchzehe, 1 TL Fenchelsamen, 1 kleine, getrocknete Chilischote, Olivenöl, frisch geriebenen Parmesan

Die Nudeln nach Anweisung in Salzwasser kochen. Die Bratwurst aus dem Darm nehmen. Die Chilischote zermörsern und zusammen mit einer enthäuteten und leicht gequetschten Knoblauchzehe ins heiße Olivenöl geben und diese etwas Farbe annehmen lassen. Wer es nicht so scharf haben möchte, lässt  die Chilischote ganz und entfernt sie nach dem Anbraten wieder, ebenso den Knoblauch. Nun die Bratwurstfülle zugeben, mit den gemörserten Fenchelsamen würzen und gar braten. Vor dem Servieren mit den bissfest gekochten Penne mischen und über jede Portion reichlich frisch geriebenen Parmesan streuen. Buon Appetito!

Katja: Das Leben besteht ja nicht nur aus Büchern und dem Schreiben. Was machst Du, wenn Du gerade nicht an einem neuen Buch schreibst? Was sind Deine Hobbys und womit kannst Du am besten entspannen?

Ella: Ehem, ich fürchte, ich bin da ein bisschen langweilig … aber für mich ist Kochen die absolute Entspannung, inclusive in Rezepten schmökern, Einkaufen, Tisch herrichten, was so dazu gehört. Vor allem natürlich Kochen für liebe Menschen, mit denen am Tisch sitzen, gute Gespräche, guter Wein, mich freuen, wenn sie in vollen Zügen genießen. Reisen liebe ich auch, komme aber im Moment leider kaum dazu, ebenso wie zum Lesen.

Katja: Die meisten Deiner Bücher sind Krimis, dazu kommt der Roman „Schatz, schmeckt es Dir nicht?“. Kannst du Dir vorstellen, komplett mal ein anderes Genre zu „bedienen“? Würde dann in dem Buch auch das Thema Essen und / oder Kochen eine Rolle spielen?

Ella: Ja, ich kann mir gut vorstellen, auch mal etwas anders als Krimi zu schreiben, Allerdings kann ich nicht dafür garantieren, dass Kochen und Essen keine Rolle darin spielen würden…

Katja: Was machst Du, wenn Du beim Schreiben den berühmten „roten Faden“ verloren hast oder einfach nicht weiterkommst im Manuskript? Hast Du ein Geheimrezept?

Ella: Am besten lasse ich den Text ein paar Tage ruhen, denke überhaupt nicht dran und danach geht’s dann meistens wieder besser.

Katja: Hast Du beim Schreiben bestimmte Rituale? Wo schreibst Du am liebsten?

Ella: Nein, Rituale in dem Sinn hab ich nicht. Ich setze mich am liebsten an den Schreibtisch, wenn ich weiß, jetzt liegen ein paar Stunden zum Arbeiten vor mir, für ein Stündchen lohnt es sich bei mir meist nicht, weil ich eine ziemlich langsame Schreiberin bin. Mein Traum wäre ein Schreibtisch mit Blick aufs Meer, am liebsten auf einer Terrasse am Mittelmeer. Da das leider ein Traum bleiben wird, sitze ich halt weiterhin am Fenster in Schöneberg mit Blick auf meinen Balkon. Zumindest im Sommerhalbjahr ganz schön…

Katja: Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Wer oder was inspiriert Dich beim Schreiben?

Ella: Als mir in einem Toskanaurlaub der Lesestoff ausging, weil ich mir einen Bänderriss zugezogen hatte und den ganzen Tag unter den Zypressen im Garten zubringen musste, da hat sich in meinem Kopf eine Geschichte entwickelt und als konsequenter Mensch habe ich sie aufgeschrieben und in den Monaten danach zuhause fertig gestellt. Mit anderen Worten, der Zufall hat mich zum Schreiben gebracht. Und zur Inspiration kann ich nur sagen: Das ganze Leben ist eine Stoffsammlung.

Katja: Ist Schreiben Perfektion? Wie perfektionistisch muss mal beim Schreiben von Krimis wirklich sein? Kann man alle Fünfe grade sein lassen oder muss so eine Ermittlungsarbeit wie Du sie beschreibst bis ins kleinste Detail stimmig sein?

Ella: Gerade beim Krimi ist die Logik der Geschichte, die Stimmigkeit der Personen wichtig. Wer da nicht genau drauf achtet, der sollte keine Krimis schreiben. Da darf es keine Fehler geben, zumal auch die Krimileser sehr kritisch sind und genau aufpassen. Da kannst du nicht die Kriminaltechnik feststellen lassen, das muss ein Linkshänder gewesen sein, und dann hat der Täter nur eine Hand, und das ist die rechte.

Beim Sprachlichen Feilen ist es sehr schwierig, ein Ende zu finden, weil man immer wieder etwas findet, das noch verbessert werden kann. Aber leider kommt irgendwann der Abgabetermin und dann muss man sich von seinem „Baby“ trennen, so schwer es auch fallen mag.

Katja: Was war der schönste Moment Deiner Autorenkarriere bisher? Hat Dich das „Autor sein“ verändert?

Ella: Mein erstes eigenes Buch gedruckt in den Händen zu halten war wohl der schönste Moment. Mindestens genauso schön ist es aber auch immer wieder, LeserInnen zu treffen, die meine Krimis lieben – und den Herrn Angermüller natürlich.

Ich glaube nicht, dass mich das Autorendasein sehr verändert hat, höchstens, dass ich öfter Begebenheiten in meinem Alltag als „Stoff“ betrachte, aus dem man vielleicht mal was machen könnte…Ach so, und dass ich kein Problem mehr habe, vor größeren Gruppen das Wort zu ergreifen – bei den ersten Lesungen war ich noch ganz schön nervös.

Katja: Von einigen erfolgreichen Autoren hört man ja immer wieder, dass sie sich gegenseitig helfen und Tipps geben. Wie hältst du das? Machst du alles selbst oder hast du auch solche „Partnerautoren“?

Ella: Ich bin wohl eher der Typ Einzelkämpferin. Erst wenn ich die Arbeit am Manuskript abgeschlossen habe, gebe ich es aus der Hand und bin gespannt auf das Urteil des ersten Testlesers.

Katja: Die Frage zum Schluss, die einfach sein muss: Gibt es ein neues Projekt und hast Du Lust uns etwas darüber zu erzählen?

Ella: Aber gerne! Ich sitze zurzeit an Angermüller Nummer 9, der Arbeitstitel ist „Schockschwerenot“. Es ist Mai, der Raps blüht und die Chefin einer Kurklinik in den Dünen bei Heiligenhafen wird tot in ihrem Büro gefunden. Die Frau, berüchtigt für ihren gnadenlosen Sparkurs, war äußerst unbeliebt bei Personal wie Patienten, viele haben ein Motiv, auch Mord aus Eifersucht kommt in Frage. Kommissar Angermüller und sein Kollege Jansen ermitteln, da gibt es einen zweiten Toten. Vom harten Polizeialltag erholt sich Angermüller natürlich wie immer beim Kochen und Genießen.

Ich bedanke mich für das tolle Interview und die Einblicke in das Leben der Ella Danz. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit Deinen Büchern und das Dir weder die Inspiration für Deine Romane noch die Rezepte zum Ausprobieren ausgehen.

Foto: C. Steps

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