Das Kind in mir will achtsam morden von Karsten Dusse

Endlich ist er da, der zweite Teil über den Anwalt Björn Diemel. Den ersten Band „Achtsam morden“ habe ich verschlungen: witzige Dialoge, des Thema Achtsamkeit gekonnt verpackt und eine herrlich abstruse Story.

Die Messlatte war damit also sehr hoch gelegt und es stellte sich die Frage, ob der Autor das Thema Achtsamkeit mit dem des „Inneren Kindes“ so verbinden kann, dass es lesbar und unterhaltsam ist. Er kann – mit einigen wenigen Abstrichen.

Worum geht es?

Björn Diemel hat die Prinzipien der Achtsamkeit erlernt, und mit ihrer Hilfe sein Leben verbessert. Er hat den stressigen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Tochter und streitet sich in der Regel liebevoller mit seiner Frau. Ach ja, und nebenbei führt er noch ganz entspannt zwei Mafia-Clans, weil er den Chef des einen ermordet und den des anderen im Keller eines Kindergartens eingekerkert hat. Warum nur kann Björn das alles nicht genießen? Warum verliert er ständig die Beherrschung? Hat er das Morden einfach satt? Ganz so einfach ist es nicht. Sein Therapeut Joschka Breitner bringt ihn endlich auf die richtige Spur: Es liegt an Björns innerem Kind!

Wie bereits im Vorgängerband wird jedes Kapitel mit einem Zitat aus den (fiktiven) Büchern des (fiktiven) Achtsamkeits-Coaches Joschka Breitner eingeleitet, dass dann in dem jeweiligen Abschnitt näher beleuchtet wird.

»Unsere Seele ist aufgebaut wie eine russische Matrjoschka-Puppe.
Wenn es in unserer Erwachsenen-Seelen-Puppe rappelt, ist das in Wahrheit das Geräusch der verletzten Kinder-Seelen-Puppe innen drin.«

Während wir uns mit Björn Diemel auseinandersetzen, warum er das Morden leid ist und er ständig die Beherrschung verliert; warum er mit einer Frau nicht mehr auf einer Wellenlänge schwimmt, lernen wir – auf humorvolle Art und Weise – viel über „das innere Kind“. Was bewirkt es, was hat es für Auswirkungen auf einen selbst, sein Leben?

»Kindisch ist das unreife Verhalten eines Erwachsenen. Kindlich ist das altersgemäße Verhalten eines Kindes.«

Ob man sich näher mit dem Thema beschäftigen will oder nicht, ob man sich grundsätzlich dafür interessiert oder nicht, man stolpert immer wieder während des Lesens über diese Ansätze und ich habe mich selbst dabei ertappt, dass ich das ein oder andere Mal innegehalten habe.

Auch diesmal ist das Buch kein Krimi an sich – dafür passiert zu wenig „kriminatlistisches“. Es ist eher eine Buch mit vielen Facetten. Ratgeber, ein wenig „Cosy-Krimi“, Milieustudie, satirisches … usw. Man muss es mögen, die ständigen Hinweise auf „Achtsamkeit“ und „inneres Kind“, man muss sich darauf einlassen können.

Mir hat sehr gut gefallen, wie sich Björn und Sascha entwickelt haben. Gerade letzerer, der ja schon im letzten Buch von Karsten Dusse mein erklärter Liebling war, hat sich toll gemacht. Gern hätte ich ein wenig mehr von Emily gelesen, die ja leider nur am Rande mal auftauchte und dann leider nicht mehr zu sehen war.

Es war sehr schön, Björn und Sascha bei der Lösung des Problems „Boris“ zu begleiten und ich habe fast jeden Lesemoment genießen können. Irgendwann konnte ich nur das Wortpärchen „inneres Kind“ nicht mehr lesen, das kam dann zu oft und die Dialoge mit dem „inneren Kind“ waren irgendwann auch ein Stückchen zu viel.

»Erst wenn man nicht tun muss, was man nicht tun will, erst dann ist man wirklich frei.«

Aber es hat wieder Spaß gemacht, das Buch zu lesen und sollte es ein weiteres Buch geben, würde das sicherlich auch wieder bei mir landen. Wobei das Thema auch sehr schnell überhandnehmen kann und „der Drops gelutscht“ ist. Zu viel davon kann dann schnell auch ins Gegenteil umschlagen und statt interessant nur noch nervig sein.

Karsten Dusses Roman „Das Kind in mir will achtsam morden“ erhält von mir 4 ½ von 5 möglichen Sternen.

Daten:
Autor: Karsten Dusse
Titel: Das Kind in mir will achtsam morden
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (Mai 2020)
ISBN: 978-3453424449

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