Messe-Interview mit Margot S. Baumann

Am Messe-Freitag war ich auf der Leipziger Buchmesse auf einer Lesung der Autorin Margot S. Baumann. Bis zu dem Zeitpunkt kannte ich weder die Autorin noch ihre Bücher und so bat ich sie, um sie besser kennenzulernen, zu einem kurzen Interview. Und ich freue mich, das sie mir Rede und Antwort gestanden hat.

Katja: Hallo liebe Margot, vielen Dank das Du dir Zeit für ein kleines Interview nimmst.

Margot: Gerne – ich danke für das Interesse.

Katja: Stell Dich doch unseren Lesern erst einmal vor. Wer steckt hinter dem Menschen Margot S. Baumann? Wie lebst, liebst und lachst du?

Margot: Ich wurde vor über 50 Jahren in einem kleinen Dorf in der Schweiz geboren, lebe jetzt in der Nähe von Bern und arbeite, neben meiner Autorentätigkeit, in einer Verwaltung. Ich habe eine erwachsene Tochter, mag Hunde, spiele ein wenig Golf und gehe gern ins Kino.

Wie das bei Schreibenden oft so ist, habe ich mir schon früh gern gelesen und mir Geschichten ausgedacht. Wenn in der Schule ein Aufsatz angesagt wurde, stöhnten alle, ich habe gejubelt. Das haben mir meine Mitschüler oft übel genommen.

Katja: Gibt es etwas, was dich zum Strahlen bringt?  Und was macht die wütend oder traurig?

Margot: Als Binnenländerin bringt mich das Meer zum Strahlen. Ich kann stundenlang an einer Küste – am besten an einer rauen – sitzen und einfach nur aufs Meer hinausschauen. Zudem habe ich ein Faible für gekonnte Ironie und bin ein Fan von Margareth Rutherford in ihrer Rolle als Miss Marple.

Wütend und traurig machen mich Ungerechtigkeit und Tierquälerei.

Katja: Bist Du eher ein fröhlicher oder ein nachdenklicher Mensch?

Margot: Manchmal hilft nur noch Humor. Ich versuche daher, dem Leben seine fröhliche Seite abzugewinnen.

Katja: Wir treffen uns hier nach deiner Lesung auf der Leipziger Buchmesse. Wie geht es Dir? Bist Du vor einer Lesung sehr aufgeregt?

Margot: Immer, aber nicht mehr so sehr wie früher. Vor ein paar Jahren wurde mir vor einem öffentlichen Auftritt regelrecht schlecht. Aber die Zuhörer sind und waren immer sehr gnädig zu mir, von daher geht es mir prächtig.

Katja: Ich stell mir vor, dass es ein ganz anderes Gefühl ist, auf einer Messe zu lesen als auf einer normalen Lesung zum Beispiel in einem Buchladen. Einfach weil man auch einer Messe nicht weiß wie viele kommen. Bereitet man sich da ganz anders vor? Ist man da aufgeregter als normal?

Margot: Auf einer Messe kommen auch Leute, die dich gar nicht kennen, von daher ist es sicher eine zusätzliche Herausforderung. Bei einer Lesung „daheim“ reisen sie ja extra wegen mir an, kennen vielleicht schon ein paar meiner Bücher und wissen, was sie erwartet. An einer Messe bleiben die Besucher aber auch einfach nur mal stehen um zu gucken bzw. zu hören.

Natürlich ist man auf einer Messe etwas aufgeregter, aber sobald ich beginne, kann ich die Umgebung recht gut ausblenden. Respektive muss ich mich darauf konzentrieren, anständiges Deutsch zu sprechen. 😉

Katja: Nur durch Zufall habe ich erst im Programm der Leipziger Buchmesse, dann durch eine Veranstaltung welche bei Facebook geteilt wurde, von Deiner Lesung erfahren. Ich habe also bisher noch kein einziges Buch gelesen. Verrate mir doch mal, warum man gerade von Dir ein Buch lesen sollte und welches würdest du mir empfehlen?

Margot: Meine Bücher spielen oft an sogenannten Sehnsuchtsorten: Provence, Normandie, Bretagne und jetzt die Toskana. In meinen Geschichten geht es auch immer wieder um Familiengeheimnisse, die sich auf das Leben meiner Protagonisten auswirken. Oft müssen dabei zwei unterschiedliche Charaktere eine Aufgabe erfüllen oder ein Geheimnis aufdecken. Die Liebe kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz!

Ich empfehle natürlich immer mein aktuelles Buch, weil mir das noch am nächsten ist. „Das Gut in der Toskana“ liegt mir, schon wegen der wunderbaren Location, natürlich besonders am Herzen.

Katja: Du träumst von einem Cottage am Meer, so schreibst du auf deiner Homepage. Wo würde das Cottage stehen? Und rückt der Traum ein Stückchen näher oder wird der Traum immer ein Traum bleiben?

Margot: Wie ich oben schon sagte, bin ich ein großer Fan vom Meer. Ich stelle es mir wunderbar vor, ein Häuschen an einer rauen, windumtosten Küste zu haben, um dort in aller Ruhe meine Geschichten zu schreiben. Am liebsten wäre mir ein Cottage in Irland, Cornwall oder der Bretagne.

Ob das irgendwann Realität wird, kann ich nicht sagen, es ist aber schön, davon zu träumen.

Katja: Wenn Du ein Buch beginnst, hast Du Dir die jeweilige Handlung im Kopf bereits zusammengestellt? Oder schreibst du einfach „wild“ drauf los und schaust, was passiert?

Margot: Die Geschichten sind auf dem Papier bereits durchdacht. Heutzutage verlangen die Verlage ein aussagekräftiges Exposé, in dem Anfang, Mitte und Ende bereits feststehen. Ich habe aber die Angewohnheit, diesem starren Gerüst oft zu entfliehen, weil mir beim Schreiben manchmal noch ganz anderes in den Sinn kommt, was besser passt oder interessanter ist. Dann verlasse ich schon mal die vorgegebenen Pfade, halte aber immer das Ende im Blick. Manchmal sind diese unvorhergesehenen Schlenker gerade die spannendsten Szenen. Besser gesagt, machen sie oft auch den meisten Spaß.

Katja: Deine Bücher veröffentlichst du als Selfpublisher bsw. als Autorin bei Tinte und Feder – einem Ableger von Amazon. Was ist der Vorteil, wenn man als Selfpublisher veröffentlicht und siehst du auch Nachteile?

Margot: Als Selfpublisher hat man alles selbst in der Hand. Von der Geschichte, über das Lektorat, den Titel, Klappentext, Marketing und das Cover. Niemand redet mir dabei rein, das ist schon cool. Es bedeutet aber auch viel Arbeit. Was sonst der Verlag erledigt, muss man selber leisten. Man muss sich zum Beispiel Profis fürs Lektorat und das Cover suchen. Das ist wichtig, weil es heutzutage einfach nicht mehr reicht, eine gute Geschichte zu schreiben, sie muss auch „hübsch“ verpackt und angemessen lektoriert und korrigiert sein. Zudem muss man diese Profis natürlich bezahlen, noch bevor ein einziger Cent aus den Verkäufen hereingekommen ist.

Das Selfpublishing bietet aber auch Raum für Geschichten, die nicht unbedingt im Mainstream liegen. Meine Lyrik zum Beispiel, oder meine John Fortune-Serie, die von einem Anwalt handelt, der mysteriöse Fälle lösen muss. Das sind Segmente, die von den Verlagen nur ungern eingekauft werden. Mir liegen sie aber auch am Herzen und daher habe ich sie via SP veröffentlicht.

Katja: Bist du beim Schreiben eher ein Einzelkämpfer oder holst du dir auch Hilfe bzw. Feedback von außen? Arbeitest du mit Testlesern zusammen oder sogar mit anderen Autoren?

Margot: Normalerweise entwickle ich die Idee für einen Roman erst mal im stillen Kämmerlein. Wenn ich nicht weiter komme, frage ich einen befreundeten Autor, der mir schon oft das berühmte Brett vor dem Kopf weggeschlagen hat. Zudem frage ich auch schon mal beim Verlagsleiter nach, ob dies oder das möglich wäre. Wenn das Gerüst steht, arbeite ich aber meist für mich allein.

Natürlich kann man immer mal die Autoren und Autorinnen des Montségur-Autorenforums um Hilfe bitten, dabei handelt es sich bei mir aber oft „nur“ um gewisse Details, die ich allein nicht recherchieren kann. Es gibt dort aber auch einen internen Bereich, in dem man sich Hilfe beim Exposé, dem Plot, den Figuren etc. holen kann.

Als Testleserinnen fungieren meine Schwestern. Sie sind immer ganz gespannt, was mir als nächstes in den Sinn kommt.

Katja: Wie geduldig bist du beim Schreiben mit dir selbst? Also wenn zum Beispiel die Handlung stockt? Wenn du den roten Faden verlierst?

Margot: Ich bin ja nicht so der geduldige Typ, leider. Und wenn’s stockt, rege ich mich schon mal richtig auf und verfluche die ganze Schreiberei. Das sind aber eher seltene Phasen. Dann breche ich ab, mache etwas ganz anderes, gehe spazieren, putze, lese oder sehe fern. Es bringt nämlich nichts, den blinkenden Cursor anzustarren.

Wenn der Kopf wieder frei ist, klappt es meistens wieder wunderbar. Und wenn man ein Exposé hat, kennt man ja das Ziel, hat den roten Faden und muss „nur“ noch dort hinkommen. Alles ganz easy. 😉

Katja: Gibt es Augenblicke, in denen Du an Dir selbst zweifelst und wenn ja, wie überwindest Du diese?

Margot: Ja, die gibt es immer wieder. Und wie ich von meinen Kolleginnen und Kollegen höre, überfallen die jeden auf irgendeine Weise. Ich denke, es ist ganz normal, an sich und seinem Können zu zweifeln, denn jede neue Geschichte ist eine Herausforderung, und der Gedanke, das sie dem Verlag oder den Lesern nicht gefällt, ein ganz natürlicher Prozess, wenn auch erschreckend.

Wer an sich zweifelt, versucht besser zu werden. Denn Zufriedenheit macht auch träge. Und kein Künstler kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen.

Wenn mich der große Zweifel überrollt, lese ich oft die netten Rezensionen auf Amazon durch, die machen gute Laune. Zudem sagen sie einem, dass es Leute da draußen gibt, denen deine Geschichten wirklich gut gefallen und was man einmal geschafft hat, schafft man auch ein zweites oder drittes Mal.

Katja: Hier auf der Buchmesse stellst du „Das Gut in der Toskana“ vor. Wie bist du auf den Handlungsort – die Toskana – gekommen und was hat dich zu der Geschichte bewogen?

Margot: Ich kenne die Toskana von Urlaubsreisen. Eine wunderschöne Gegend! Nach drei Frankreich-Romanen hatte ich Lust auf eine Veränderung und da habe ich mir die Toskana ausgesucht.

Die Handlung kam mir mal auf einer längeren Zugsfahrt in den Sinn. Der Auslöser dafür war das Gespräch zweier Frauen im Abteil gegenüber, als die eine zur anderen sagte, dass sie zu ihrem Großvater reise, weil dieser krank sei. Manchmal sind es so kleine Dinge, die einem im Gedächtnis haften bleiben, aus denen sich dann irgendwann eine Story aufbaut.

Katja: Ich schreibe mir beim Lesen hin und wieder schöne Zitate aus einem Buch heraus, die mir besonders gut gefallen, die mich bewegen oder zum Schmunzeln bringen. Hast Du auch in Büchern solche Stellen, die Du vielleicht auch immer wieder lesen könntest?

Margot: Ich habe ja mit Lyrik angefangen, bin also ebenfalls ein Fan von schön gedrechselten Worten. Eine bestimmte Stelle kommt mir jetzt aber gerade nicht in den Sinn. Vielleicht der Anfang meines Lieblingsbuches „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen, den finde ich nach all den Jahren immer noch klasse:

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit,
dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens
nichts dringender braucht als eine Frau.

Katja: Angefangen mit Schreiben hast du im lyrischen Bereich – es sind Gedichte entstanden. Hast du vielleicht für unsere Leser hier ein Gedicht, welches dir besonders am Herzen liegt?

Margot: Aber immer!

Anonymus
In Gedanken längst vergessen, auf Liniertem noch so nah,
fand ich dich in einer Truhe – schon vom Alter angefressen –
staubbeladen deine Ruhe weil das Licht dich übersah.

Und mit zittrig, klammen Fingern lös ich Bänder in das Einst,
schmecke Äpfel auf dem Feuer, seh die Jahre sich verringern,
es erwacht das Ungeheuer, und ich höre wie du weinst.

Zeiten werden blass und dunstig – Filme spulen sich zurück,
knisternd spinnen dunkle Fäden ihre Netze, fein und listig,
kitten alle alten Schäden – lügen mir von einem Glück.

 

Katja: Und zu guter Letzt eine Frage, die jeder Autor in meinen Interviews gestellt bekommt:

Auf meinem Blog geht es ja nicht nur um Bücher sondern auch um mein zweites Hobby, das Kochen und Backen. Hast Du ein Lieblingsrezept, welches Du mit mir und meinen Lesern teilen möchtest?

Margot: Da kenne ich ein typisch schweizerisches Rezept aus meinem Heimatkanton Aargau. Und zwar für „Rüeblitorte“ (Karottenkuchen). Ich weiß das Rezept leider nicht auswendig, daher muss ich es mir ausborgen.

Rüebli-Torte aus dem Aargau

Zutaten:

250 g Zucker, 5 Eigelb, 2 EL heißes Wasser, 250 g Rübli (fein gerieben), 250 g gemahlene Mandeln, 1 Bio-Zitrone (abgeriebene Schale und Saft), 2 EL Kirschsaft, 80 g Mehl, 2 TL Backpulver, 5 Eiweiß, 1 Prise Salz, 300 g Puderzucker, 2 EL Kirsch- oder Zitronensaft, 2 EL Wasser, 12 Marzipanrüebli

Zubereitung

Zucker, Eigelbe und Wasser in einer Schüssel mit dem Schwingbeses des Handrührgerätes ca. 5 Minuten schaumig rühren. Rüebli und alle Zutaten bis einschließlich des Kirschsaftes unter die Masse mischen. Mehl und Backpulver mischen, daruntermischen.

Eiweisse mit dem Salz steif schlagen, mit dem Gummischaber sorgfältig unter die Masse ziehen, Teil in die Form füllen.

Backen: ca. 55 Minuten in der unteren Hälfte des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens. Herausnehmen, etwas abkühlen, Formenrand entfernen, Torte auf ein Gitter stürzen, auskühlen. Torte mit dem Gitter auf Backpapier stellen.

Puderzucker, Kirschsaft und Wasser gut verrühren, auf die Tortenmitte giessen, unter bewegen über die Oberfläche und den Rand fließen lassen. Marzipanrüebli auf die noch feuchte Glasur legen, trocknen lassen

 

 

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