Jerusalem, Jerusalem von Werner Sonne

Es ist 1947, der zweite Weltkrieg ist vorbei, die Verbrechen der Nazis sind aufgedeckt und alle ihre Konzentrationslager seit zwei Jahren befreit. Doch die Deutschen Juden haben ihre Heimat verloren, viele der Überlebenden wollen weg – so auch Judith. Sie hat Dachau überlebt und sich auf den Weg nach Palästina gemacht, zum letzten ihr bekannten Verwandten. Die Briten halten die flüchtenden Massen so gut es geht davon ab das Ziel ihrer beschwerlichen Reise zu erreichen. Noch haben sie das Mandat über Palästina, doch ihre Tage sind gezählt. Die junge arabische Krankenschwester Hana arbeitet im Hadassah Krankenhaus in Jerusalem, in dem jüdische, christliche und muslimische Angestellte ebenso Patienten aller Religionen behandelt.

In dieser explosiven Zeit treffen verschiedenste Charaktere, politische und religiöse Gruppen in und um Jerusalem aufeinander. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele und jeder beansprucht seinen Teil der heiligen Stadt.

Im Angesicht der UNO Entscheidung, das Land zu teilen eskaliert die Lage Zusehens und die Gewalt wird allgegenwärtig.

Die Staatsgründung Israels nach Ende des Britischen Mandats ist historisch gesehen einer der größten Brüche in der Region. Es ist gerade einmal 70 Jahre her, doch über das Leben zu dieser Zeit und den riesigen Wandel wusste ich zumindest kaum etwas.

Dieses Buch beschreibt die Prozesse und Abläufe aus den subjektiven Perspektiven verschiedener Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch sind die Leben der handelnden miteinander verwoben.

Es geht um Liebe, um Hass, Verachtung, Bewunderung, um die Suche nach dem Platz im Leben und der Frage, wie die neue Wirklichkeit aussehen wird, die hier gerade entsteht.

Im Endeffekt kommen hier alle drei handelnden Seiten nicht besonders gut weg. Die Juden, die mit aller Macht einen eigenen Staat wollen und ihr Schicksal in eigene Hände nehmen. Die Araber, die trotz zahlenmäßiger Überlegenheit um ihre Vorherrschaft fürchten. Die Briten, deren Zeit abläuft und die zwischen Apathie und wechselnder Unterstützung beider Gruppen nur mehr Benzin ins Feuer gießen.

Dieses Buch ist zutiefst bewegend, verstörend und macht einen als Leser sprachlos. Es sind die unbändigen Emotionen, die diese Situation ausmachen und genau hier ist mein größter, wenn auch einziger richtiger Kritikpunkt.

Ich möchte fast sagen, man merkt, dass das Buch von einem Mann geschrieben wurde. Die Emotionen bleiben oberflächlich, es fehlt die absolute Tiefe, die dieser geschichtlichen Ausnahmesituation innewohnte. Das macht es zwar für den Leser ein wenig erträglicher, aber verspielt auf der anderen Seite die 5 Sterne.

Die Geschichte über die Staatsgründung Israel und das Schicksal einiger der 2 Millionen beteiligten verdient sich trotzdem 4 von 5 Sternen und bekommt von mir eine Leseempfehlung.

Daten:
Autor: Werner Sonne
Titel: Jerusalem, Jerusalem
Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Tinte & Feder (März 2018)
ISBN: 978-2919800889

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